Wer sein Einkommen bereits ortsunabhängig verdient, oder dies zukünftig tun möchte, der kann grundsätzlich jederzeit seinen Wohnort wechseln, ohne auf einen festen Job Rücksicht nehmen zu müssen. Solche ortsunabhängigen Einkommen lassen sich am besten im Internet verdienen.

Wer nun also ortsunabhängig Arbeiten kann und zugleich von dieser Möglichkeit gerne Gebrauch macht, den bezeichnet man als digitalen Nomaden. Digitale Nomaden wechseln gern häufiger den Wohnort und nutzen etwas aus, dass sich „Währungsarbitrage“ nennt. Währungsarbitrage ist leicht erklärt: Der Wert der eigenen Einkünfte wird dadurch erhöht, dass man eine Weile in Ländern lebt, in denen man sich Währungsunterschiede und bessere Lebensunterhaltungskosten zu nutzen machen kann.

Wer 2000 Euro verdient und in Hanoi lebt, der kann sich mit diesem Geld deutlich mehr leisten, als er es in München jemals könnte. Aber auch andere Vorteile treiben die Digitalnomaden von einer Stadt in die nächste: Abenteuerlust ist sicherlich auch ein wichtiger Punkt. Und auch die Infrastruktur muss stimmen. Es gibt viele Punkte, die eine Rolle spielen.

In diesem Artikel möchte ich 5 der besten Digitalnomaden-Städte auf ihre Tauglichkeit als neues Zuhause testen. Welche Stadt davon wäre Eure Wahl?

 

#1 – Berlin

Berlin liegt im Euro-Raum, ja sogar in Deutschland. Währungsvorteile gibt es hier also nicht. Trotzdem ist Berlin sicherlich die günstigste Grossstadt unseres Landes, ggf. sogar von ganz Westeuropa. Mieten sind hier noch(!) recht erschwinglich und auch das Nachtleben ist bezahlbar. Darüber hinaus hat sich Berlin weltweit einen Namen als kreative Stadt mit einer blühenden alternativen Szene gemacht.

In Berlin lassen sich vermehrt Internet-Startups nieder, es gibt zahlreiche Co-Working Spaces und fast jeder macht irgendwie nebenbei sein eigenes „kreatives Ding“. Es gibt viele Cafes in denen die Digitalnomaden nicht nur das WLAN nutzen, sondern auch Literweise Latte Macchiato in sich hineinschütten. Wen es also nicht in die große weite Welt zieht, der kann ja mit Berlin erst einmal anfangen.

Der Berliner Winter ist zwar ganz schön frostig, aber in Hamburg ist er auch nicht schlimmer! Der Sommer in Berlin ist dafür meist wunderschön und die Berliner nutzen diesen auch in vollen Zügen aus.

Wer in Berlin nur einige Monate bleiben möchte, der sollte unbedingt auch einige Sommermonate mitnehmen. Ich habe ein Jahr in dieser Stadt gelebt und weiß mit Sicherheit schon, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein wird.

  • Studio-Apartment (ca. 30qm) in der Innenstadt oder mit guter Anbindung: ca. 400 Euro
  • 15 Minuten Taxifahrt: ca. 20 Euro
  • Essen: im Restaurant kann man ab 6 Euro satt werden, einen Döner gibt’s für 3 Euro
  • Preis für ein Bier: Kiosk-Bier unter einem Euro, in der Bar häufig über 2 Euro
  • Internet-Verfügbarkeit: Verfügbarkeit von WLAN ist okay, Beantragung für daheim dauert

#2 – Bangkok

bangkok leben reise aufenthaltBangkok ist sicherlich eines der Highllights der Digitalnomaden-Städte. Die Stadt ist günstig, spannend, sicher und ist ein hervorragender Ausgangspunkt um ganz Südostasien zu entdecken. Dank AirAsia und anderen LowCost-Airlines, kommt man für ca. 50 Euro schnell nach Laos, Kambodscha, Myanmar, Vietnam, Malaysia, Hongkong und auf die Philippinen.

Das Essen in Thailand ist fantastisch und man wird für nur 1 Euro meist immer satt, solange man vornehmlich an Strassenständen kauft. Es gibt einfache, günstige Apartments, nach oben hin ist jedoch alles möglich. Für ca. 600 Euro im Monat bekommt man schon recht luxuriöse Wohnungen, mit einem Swimmingpool und einem Fitnessraum im Haus.

Bangkok hat noch einen weiteren Vorteil: Die Stadt ist sehr international und man trifft auf viele Gleichgesinnte, wenn man nach Ihnen sucht. In Bangkok gibt es ausserdem mittlerweile einige Co-Working Spaces und die Szene wächst. Es gibt hier übrigens ein 1-monatiges „Visa on Arrival“ oder ein 2-monatiges „Tourist Visa“ mit „multiple entry“. Durch border-hopping kann man sich aber leicht weitere 30 Tage in den Reisepass stempeln lassen.

  • Studio-Apartment (ca. 30qm) in der Innenstadt oder mit guter Anbindung: ca. 200 Euro
  • 15 Minuten Taxifahrt: ca. 2 Euro
  • Essen: ab 1 Euro gibt es köstliches Streetfood, ab 4 Euro im chicen Restaurant
  • Preis für ein Bier: knapp unter 1 Euro
  • Internet-Verfügbarkeit: Immer und überall verfügbar, Geschwindigkeit kann langsam sein

#3 – Shanghai

Shanghai ist speziell. Naben Peking und Hong Kong sicherlich eine der spannendsten Städte in China. Wenige Chinesen sprechen ein gutes English, es gibt eine sehr große Expat-Szene und man findet dort schnell Anschluss. Es gibt sogar eine Website, um schnell und leicht andere Expats kennenzulernen.

Die Stadt ist sehr sicher und ein guter Ausgangsort, um das gesamte Reich der Mitte zu erkunden. Wohnraum ist recht günstig. Jedoch ist das mit dem Visum etwas schwieriger. Man bekommt kein „Visa on Arrival“ sondern muss dies zuvor beantragen. In der Regel bekommt man auch keine allzu lange Aufenthaltszeit eingeräumt, es sei denn man hat Verbindungen, die einem helfen können (Praktikumsstelle, Einladung etc.).

Die Stadt hat viel zu bieten und ist sehr modern. Mit dem Schnellzug ist man in 2 Stunden im beschaulicheren Hangzhou. Auch das Club-Nachtleben hier ist vielfältig und bunt. Jedoch trifft man hier eher auf die Expats als auf die Chinesen – diese trifft man eher in Karaoke-Bars.

  • Studio-Apartment (ca. 30qm) in der Innenstadt oder mit guter Anbindung: ca. 200 Euro
  • 15 Minuten Taxifahrt: ca. 5 Euro
  • Essen: im Restaurant gibt es in allen Preisklassen, ab 2 Euro kann man sich satt essen
  • Preis für ein Bier: unter 1 Euro
  • Internet-Verfügbarkeit: Verfügbarkeit von WLAN ist okay, könnte besser sein

#4 – Buenos Aires

Buenos Aires ist die einzige Stadt in dieser Liste, in der ich selbst noch nicht gelebt habe und mich bei der Recherche auf Aussagen von Freunden verlasse. Da ich aber selbst früher oder später einmal einige Zeit hier verbringen möchte, interessiere ich mich sehr dafür und habe ich diese Stadt hier mit aufgenommen.

In Buenos Aires gibt es leckere Steaks, den berühmten Tango und heiße Winter, denn der Sommer findet hier im Winter statt. Wir befinden uns schliesslich auf der anderen Seite der Weltkugel. Wer also dem heimischen Winter entfliehen möchte, der ist hier gut aufgehoben.

Das Ubahn-System in Buenos Aires soll sehr gut sein und Taxis sind auch recht günstig. Mit nur 800 Euro im Monat soll man hier ein gutes Leben haben. Nachteil ist nur, dass Argentinien unter einer hohen Inflationsrate leidet, es wird also langsam teurer. Es ist jedoch nach wie vor deutlich günstiger als das benachbarte Brasilien. Die beste Zeit für Buenos Aires ist von Oktober bis April. Das Wetter ist dann fantastisch und das Nachtleben floriert.

  • Studio-Apartment (ca. 30qm) in der Innenstadt oder mit guter Anbindung: ca. 300 Euro
  • 15 Minuten Taxifahrt: ca. 10 Euro
  • Essen: köstlich und bezahlbar. Im Restaurant wird man ab 4 Euro sehr satt.
  • Preis für ein Bier: (unbekannt, mir bitte Bescheid geben, wenn es jemand weiß)
  • Internet-Verfügbarkeit: hier besteht Ausbaubedarf. Man findet aber Netz-Anschluss.

#5 – Helsinki

Warum Helsinki… wer will da schon hin? Währungsvorteile gibt es hier nicht und die Stadt ist bekannt dafür, dass das Leben dort sehr teuer ist und die Wnter brutal kalt sind. Der Grund ist ganz einfach: die Stadt hebt sich deutlich von allen anderen vorgestellten Städten ab und ist durchaus reizvoll für all diejenigen, die über ausreichend Einkünfte verfügen. Im Winter liegt die Stadt unter einer dauerhaften Schneedecke, im Sommer sorgt das lange Tageslicht und die Seenlandschaften nördlich von Helsinki für eine unvergessliche Zeit.

Wessen Hauptziel also ein günstigeres Leben ist, der ist in Helsinki absolut falsch. Wer aber etwas Geld übrig hat und Europa von einer ganz anderen Seite kennen lernen möchte, dem kann ich Helsinki und seine Umgebung nur „wärmstens“ empfehlen. Man sollte jedoch darauf achten, dass es niemals allzu weit zur nächsten Sauna ist, denn die Winter sind eisig und ein täglicher Saunabesuch ist wichtig fürs Gemüt. Wer hier 6 Monate im Winter durchhält, ist für jede andere Stadt gewappnet und hat bewiesen, dass er Durchhaltevermögen besitzt.

  • Studio-Apartment (ca. 30qm) in der Innenstadt oder mit guter Anbindung: ca. 800 Euro
  • 15 Minuten Taxifahrt: ca. 30 Euro, Taxi fahren ist sehr teuer
  • Essen: im Restaurant sehr teuer, ab 15 Euro, Döner ab 7 Euro
  • Preis für ein Bier: 6 Euro
  • Internet-Verfügbarkeit: Verfügbarkeit von WLAN ist fantastisch

Das waren 5 ausgewählte Städte für Digitalnomaden. Natürlich gibt es noch viele andere Orte, die sich hervorragend für einen Aufenthalt von mehreren Monaten eignen. Wer also weitere Ideen und Tipps hat, wo man sich als digitaler Nomade unbedingt einmal niederlassen sollte, der möge in den Kommentaren seine Tipps hinterlassen und mit der Welt teilen. Ich bin gespannt darauf.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

11 Antworten zu “5 Städte, in denen man als Digitalnomade einmal gelebt haben sollte”

  1. Also Bier in Buenos Aires ( Quilmes 1 Liter) kostet 8 Peso im Supermarkt. Das sind ca. 1,20 Euro.

    Bloß der Restauranpreis ist sehr optimistisch für umgerechnet 24 Peso findest du nichts zu essen. Die Preise in einem vernünftigen Lokal sind so wie in Dtl. ab ca. 50/60 Peso (8-10 Euro)

    grüße Jörg

  2. Ich würde noch Phuket dazu nehmen, auch wenn es keine Stadt ist. Warum? weil ich dort 7 Jahre gelebt habe und die beste Zeit meines Lebens hatte.

    Ausserdem würde ich noch gerne mal in Kalifornien leben. Da gibt es bereits eine grosse Szene von Bloggern. Wäre also gut zum Austausch.

  3. Ja ich war regelmässig in Bangkok. Wäre für mich aber kein Ort um zu leben. Ich finde Bangkok für ein paar Tage ganz ok, aber bin dann auch wieder froh raus zu sein. Das gilt aber für alle grossen Städte in Südostasien, mit Ausnahme von Singapur. Anders ist es mit Ostasiatischen Städten, Shanghai, Seoul, Hong Kong, Tokyo, Taipeh, finde ich persönlich alle angenehmer.

  4. Wenn meine Lust am ständigen Reisen etwas nachlässt, kann ich mir auch vorstellen, immer mal ein paar Monate in anderen Städten zu leben. Ich habe einige auf meiner Liste – allerdings kaum welche mit Währungsvorteilen: Barcelona, San Francisco, Buenos Aires, Rom.. Vor ein paar Jahren hätte ich auch noch eine skandinavische Stadt auf der Liste gehabt, aber die Preise (v.a. Oslo) machen keinen Spaß 😉

  5. Barcelona – und New York natürlich, sind meine Traumstädte. Beide leider nicht gerade billig…

    Bangkok hat mir auch gut gefallen, und man fndet schon ruhige Inseln in all der Hektik. Und in ein paar Stunden ist man per Bus und Schiff auf Koh Samet – absolut traumhaft – ruhiger gehts nicht!

  6. Mein Herz hängt an Montréal!!! Wegen seiner angenehmen, entspannten Lebensart, den vielen Parks mit darin musizierenden Hippies, den diversen veganen, vegetarischen und sonstwie alternativen Restaurants und Cafés und den vielen verschiedenen Kulturen von Little India über das portugiesische Viertel bis Chinatown. Ach ja, und wegen der sehr netten Quebecois und ihrer einfach nur entzückenden Sprache. Montréal ist voll von netten Orten mit Internet, wo man sitzen & arbeiten kann – wenn man will. Ich habe es, zumindest von den Preisen für Essen & Trinken als erschwinglich empfunden. Wohnen geht auch – wenn man nichts gegen Hostels hat. Es ließe sich aber sicher auch ein günstiges WG-Zimmer finden. Oh, und es gibt Waschbären. Ist ja auch ein wichtiges Kriterium 🙂

  7. Kuala Lumpur, einfacher und besser geht es nicht wenn man Großstadt mag. Sehr sicher. Gutes und günstiges Wohnen, Essen und schnelles Internet . KLIA ist ein Drehkreuz in Asien mit den besten Verbindungen.

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