„Gut, dass die Welt gesehen hat, was für ein toller Hecht ich bin.“ waren seine letzten Worte, bevor er für immer seine Augen schloss. – Hast Du schon einmal von einer Person gehört, die auf dem Sterbebett so etwas in der Art gesagt hat? Ich schätze, die Antwort ist nein.

Die meisten Menschen stellen spätestens im Alter fest, dass sie die Meinung Anderer völlig überbewertet haben. Diese Feststellung kommt mit einem ganzen Rattenschwanz an weiteren Fragen, die sich auf das eigene Leben beziehen:

Warum habe ich mir diesen neuen Porsche gekauft, anstatt mit einem alten Geländewagen durch die Kalahari zu brettern? War es Angst vor der Reaktion anderer? War es das gute Gefühl, dass ich bekam, als andere mich um den teuren Porsche beneideten?

Warum habe ich damals nicht begriffen, dass das Leben eigentlich viel zu kurz ist, um ständig nur Imagepflege zu betreiben, anstatt das zu tun, was mir entspricht? Warum war ich so häufig nicht ich selbst?

Menschen kaufen ständig irgendwelche Dinge, die fast ausschließlich den einen Zweck haben sie zu schmücken, ihnen ein Image zu verpassen. Dabei geben sie eine Menge Geld aus. Das teure Auto muss abbezahlt werden, der neue Fernseher und die Espresso-Maschine waren auch nicht billig. Schwups, kein Geld mehr für andere Dinge übrig. Reisen zum Beispiel.

Es behauptet jedoch sicherlich keiner, dass eine Riesen-Glotze oder ein Nespresso-Kaffeemaschine mehr Zufriedenheit schenken, als der Blick übers Meer, die Zeit mit Freunden, neue Länder oder das Lagerfeuer mit Reisebekanntschaften.

Sei mal ehrlich zu Dir selbst: Hättest Du die große Wohnung genommen, wenn Du sie niemals vor Deinen Freunden hättest vorführen können? Brauchst Du Sie wirklich? War sie es wert, dafür 400 Euro mehr im Monat auszugeben? Was hättest du mit diesen 400 Euro nicht alles anstellen können. Eine Reise pro Monat zum Beispiel.

Das Leben ist nicht dazu konzipiert, möglichst viele materielle Güter anzuhäufen und dabei auf die Rente zu warten. Das Leben ist kein Wartesaal. Das Leben ist insgesamt schon kurz genug, um es nicht voll auszukosten.

Absolut jede Sekunde auszukosten, das ist eine etwas übertriebene Vorstellung. Oft liegt das Glück auch in den Momenten, in denen man sich einfach gehen lässt. Langeweile ist aber beispielsweise ein Konzept, das mir über die letzten Jahre völlig schleierhaft geworden ist. Langeweile ist das Warten auf den Tod, sonst nichts.

Man sollte das Leben einfach als Abenteuer sehen, mit Bergen und Tälern, Hürden und Zielen. Dinge anzuhäufen ist hingegen wenig abenteuerlich. Am wichtigsten sind Menschen und Beziehungen. Danach kommt das Geld, denn es schenkt uns ebenso Freiheit. Erst weit hinter Menschen und Geld sollten die Dinge kommen, denn sie haben die geringste Bedeutung.

Ich bin auch kein völliger Anti-Materialist. Ich kaufe mir gern mal ein schönes Hemd oder etwas in der Art. Auch wenn es 100 Euro kostet. Aber ich glaube trotzdem daran, das man insgesamt zufriedener lebt, wenn man der Anhäufung materieller Güter eine etwas geringere Wichtigkeit zuordnet und sich verstärkt um die Anhäufung von Erlebnissen und schönen Erinnerungen bemühen. Vielleicht Du ja auch?

Übrigens: Diesen und viele weitere Texte findest du in meinem neuen Buch: Nur ein Leben! Es ist gegenwärtig für einen ermäßigten Preis erhältlich.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

15 Antworten zu “Imagepflege, letzte Worte und wieso hier etwas gewaltig falsch läuft”

  1. Wenigflieger

    Was hier gewaltig falsch läuft? Du verpestet die Umwelt deutlich mehr als ein Porschefahrer, wenn Du nur zum Vergnügen um die Welt jettest. Lerne doch erstmal die Menschen in deiner Nachbarschaft kennen. In deiner Straße, in deiner Stadt. Als internationaler „Nomade“ bist Du keinen Deut besser als andere Konsumisten. Du bist nur dem Marketing eines anderen Produkts ins Netz gegangen.

  2. Hallo Tim,
    Du sprichst mir aus dem Herzen!

    Das was Du beschreibst, merke ich immer verstärkt, wenn ich mal wieder nach Deutschland zurückkomme und auf ein paar alte Freunde treffe…Da merkt ich dann wie dieses „Schema-F“ Heirat, Kinder/Haus bauen, Auto upgraden, etc..besonders vorherrschend ist.. Da es so Viele machen, kann man als „Nomade“ kurz in den Einflussbereich geraten und meinen, man würde etwas falsch machen… was aber natürlich nicht so ist…;-)

    LG
    Tobias

    • Hi Thomas, stimmt… was du beschreibst kenne ich gut. Aber man muss einfach auch ein paar Menschen um sich haben, die ähnlichen ticken. Die Mischung machts, oder? 🙂

      Liebe Grüße und danke für deinen Kommentar!

  3. Löschkandidat

    Haha, und wenn jemand Deinen ach so besonderen Lebensstil mal kritisiert, weil Du einen größeren CO2-Fussabdruck als ein Porschefahrer hast, dann ziehst Du den Schwanz ein und löschst Kommentare. Bravo! Jetzt wissen wir, was hier gewaltig falsch läuft.

    • Lieber Unbekannter,

      ich lösche keine Kommentare. Jedoch solltest du den Mut haben, deine Kritik nicht anonym abzugeben, sondern dazu zu stehen. Wer kritisiert, sollte auch die Eier haben, dafür gerade zu stehen. Zu deiner inhaltlichen Kritik: Der CO2-Fußabdruck ist durchaus etwas, das mich beschäftigt, auch wenn ich gar nicht so viel fliege, wie du vermutlich denkst. Trotzdem hast du vollkommen recht, das ich in Sachen Umweltschutz hier kein Vorbild bin. Wenn man etwas an dem Lebensstil des digitalen Nomaden kritisieren kann, dann hat dein Kritikpunkt zweifelsohne die größte Berechtigung von allen, das gebe ich offen zu.

      Jedoch geht es in meinem Artikel auch nicht um Umweltschutz, sondern um Konsum und um eine bestimmte Lebenseinstellung. Wenn mehr Menschen ortsunabhängig arbeiten würden, gäbe es beispielsweise keine morgendlichen Staus mehr. Ortsunabhängigkeit hat viele Aspekte, die sich positiv auf den CO2 Verbrauch auswirken. Ortsunabhängigkeit bedeutet nicht zwangsläufig, ständig durch die Luft zu jetten. Ich kenne viele Nomaden, die das anders umsetzen.

      Übrigens, weitere Kommentare von dir gebe ich gerne frei – aber nur, wenn du dich aus deiner Deckung wagst. Anonyme Kommentare gebe ich ab jetzt nicht mehr frei! Für sachführende Diskussionen bin ich immer zu haben.

  4. Hi Tim,
    Ich verstehe genau was du meinst und habe in den letzten Wochen auf meiner Pilgerreise auch sehr viel über dieses Thema nachgedacht. Es ist wie es ist, manche Menschen schaffen sich durch materielle Güter eine Fassade, die ihren Status darstellen soll. Auch wenn sie sich nicht darüber im Klaren sind. Guter Artikel!

    Meine Erkenntnisse und vor allem Erlebnisse habe ich hier festgehalten:
    https://shesanomadgirl.wordpress.com

    Liebe Grüße, Jasmin

  5. Christian

    Hallo Tim und hallo an die Kommentare über mir 🙂

    über deinen Artikel musste ich auf jeden Fall erstmal ein wenig nachdenken (immer gut!). Ich sehe es ähnlich, dass Erlebnisse bedeutender sind als materielle Dinge. Allerdings müssen wir immer bedenken, nicht jeder tickt wie wir. Ich kenne genug Leute die ein schickes Auto fahren – weil sie es lieben…nicht um es anderen zu zeigen. Zu meinem Geburtstag habe ich, von all meinen Freunden, eine Espresso-Maschine geschenkt bekommen. Von dem Geld hätte ich ein paar Wochen Meer gucken können. Aber die Maschine hat für mich einen genauso großen Wert…vielleicht sogar einen größeren. Und wenn ich pflegsam mit ihr umgehe und nicht gerade unterwegs bin, wird sie mich ewig begleiten…genauso wie der Blick aufs Meer. Wenn ich mir jetzt vorstelle aufs Meer zu gucken und dabei einen selbstgemachten, perfekten Espresso zu trinken, wohlmöglich noch mit all den Freunden…das wäre perfekt! Und wahrscheinlich wäre dieser Moment jener, den ich immer mit der Maschine verbinden würde.
    Ich finde es schön, dass du deinen Leser auf einen kleinen Gedankenritt mitnimmst. Und wir sollten immer vor Augen haben, dass jeder seine eigene Philosophie hat zum glücklich werden.

  6. Ich habe mich in den letzten 2-3 Stunden durch einige Blogs durchgeklickt, die allesamt ziemlich interessant waren und alle im Prinzip eine ähnliche Botschaft verbreiten: seit frei, genießt den Moment, verfolgt eure Träume…Aber keiner macht es deutlich, dass es nicht für alle Menschen gilt und das ist mir zu pauschal. Ich höre oft einen Vorwurf an die Menschen raus, die den „klassischen“ Weg gehen: Heiraten, Haus bauen, die eigenen Kinder erziehen und aufwachsen sehen…Aber wieso soll dieser Weg der falsche sein? Bzw. wieso hört man da immer einen negativen Unterton heraus? Wieso kann es nicht der Traum sein eben ein Haus zu bauen und ein glückliches Familienleben zu haben? Ich finde die Menschheit sollte aufpassen, dass sie sich nicht zu viel vornimmt und ausstirbt weil Familienleben zu „gewöhnlich“ ist….
    Und zum Thema – ja das Konsumverhalten ist extrem und man muss nicht jedes halbe Jahr ein neues Smartphone haben, aber wer hart arbeitet will sich eben auch mit Dingen belohnen und nicht jeder ist gerne auf Reisen wie der Autor…Ich reise ca. 4-5 mal im Jahr z.B. weiter Weg und es ist ok so wie es ist, ich mag es nach Hause zu kommen. Wir Menschen sind verschieden, deswegen sollte man es vielleicht nicht so polarisieren. Aber dann wäre es auch nur halb so spannend in den Blogs 😉
    Und ja ich hätte das Haus auch genommen, wenn ich es keinem zeigen dürfte!
    Grüße

    • Hallo Alex! Vollkommen legitim. Wenn du damit glücklich bist, dann solltest du den klassischen Weg gehen. Jeder Jeck ist anders. Du gehörst dann schlichtweg nicht zur angesprochenen Zielgruppe des Blogs, das ist auch schon alles. Aber schön, dass dich das Thema trotzdem ein wenig interessiert! Alles Gute Dir.

  7. Sebastian

    Zum Thema Kerosinverbrauch möchte ich auch noch mal was loswerden.

    Werde auch oft darauf angesprochen, da ich sehr viel überall auf der Welt unterwegs bin.
    Anfangs habe ich hier immer versucht zu argumentieren, das ich kein Auto habe, welches bei der Produktion, Benutzung und bei der Entsorgung eine Menge CO2 erzeugt.
    Dass ich wenig Fleisch esse und im Winter oft in Südostasien bin, wo ich durch Verzicht auf meine Heizung daheim ebenfalls CO2 spare, und und und…

    Aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es den meisten wenn überhaupt nur sekundär um Umweltschutz geht. Es geht ihnen vielmehr um’s Kritisieren. Schließlich ist es ja etwas so völlig anderes, als das was alle (und vor allem der Kritiker selbst) machen. Und Kerosinverbrauch ist eben auch so schön offensichtlich und plakativ.

    Das gesamte Thema ist in einer gewissen Art und Weise verlogen. Weil wir es in unserer heutigen Welt hier in Deutschland sowieso nicht schaffen werden KEINEN negativen Einfluss auf die Umwelt auszuüben. Da kann man recyceln und verzichten so viel man will.
    Und auch wenn der Ansatz, das jeder verzichtet sehr ehrenwert ist, ist es leider mehr als unrealistisch das dies jeder tun wird. Vor allem international.

    Mein Weltbild und der Blick auf Umweltprobleme hat sich jedenfalls durch mein Reisen sehr verändert.
    Wie Tim schon sagt, muss ja nicht jeder um die Welt fliegen. Und gerade durch Blogs wird es vielen auch möglich, Dinge von Orten zu erfahren, die man eben auch nicht selbst bereisen muss. (ja, ich versuche wohl immer noch dagegen zu argumentieren. 😉 )

    Es gibt viele Wege aktiv und weniger aktiv einen kleineren oder größeren Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.
    Aber am meisten in den letzten Jahren haben dabei hier in Deutschland Innovationen und ein stärkeres Bewusstsein beigetragen. Nicht das Bespucken von Porsche oder Airbus.

  8. Habe Deinen Artikel gespannt gelesen, ich lebe auch ortsunabhängig, möchte aber meinen Radius nicht wesentlich größer als 3-4 Stunden um die mir lieben Menschen spannen. Ich finde das gerät etwas in Vergessenheit, ortsunabhängig bedeutet ja auch weg von den anderen zu sein…und ja, Du hast an jedem Ort andere und kannst immer Online mit allen verbunden sein…aber jetzt mal Hand aufs Herz, das klappt doch genau dann nicht, wenn es genau nötig wäre und dazu kommt: Online ist nicht physikalisch, punkt.

    Ich würde also das „klassische“ Lebenskonzept nicht so hart angehen, das hat alles seine Vorteile, es muss nicht besser sein Leute in Rio, London, Tokyo zu kennen als in der Brauerstr., Elisabethstr. und Einsteinstr…in Bad Homburg.

    Das die Menschen Dinge kaufen um sich dafür zu belohnen oder zu entschädigen dass sie so viel Zeit damit verbringen Geld zu verdienen um sich die Dinge für Ihre Belohnung oder Entschädigung kaufen zu können ist ein oft gelebtes Konzept und mir ist nicht klar ob das oft bewusst wird, da stimme ich Dir zu.

    Aber Du kannst auch nicht her gehen zu sagen das Menschen die bestimmte Materielle Dinge lieben (hier der Porschefahrer) das nur tut weil er „Posen“ möchte, was ist an Deinem 100 EUR Hemd denn da anders?

    Kurzum, im Mittelteil hatte ich ein wenig den Eindruck Du musst Dir Dein eigenes „Nomadenleben“ ein wenig vor Dir selbst schön reden.

    Also mein Feedback zu Deinem Artikel, Du hast da in vielen Punkten recht, nur würde ich mein Lebensstil nicht über den von anderen „erheben“ wollen.

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