Dieser Artikel richtet sich an dich, wenn du vor hast, als Freelancer durchzustarten (oder dies kürzlich getan hast) und noch damit kämpfst, Aufträge und Kunden an Land zu ziehen. Ich kenne deine Situation zu gut. Zwar kann ich dir nicht abnehmen, selbst Dinge auszuprobieren, aber vielleicht den einen oder anderen Denkanstoß mitgeben.

Überall liest man, dass Freelancing der beste Einstieg ins ortsunabhängige Arbeiten ist, und das ist er grundsätzlich auch. Es ist ohne Zweifel eine gute Möglichkeit, aber er ist längst nicht so einfach, wie es sich hin und wieder anhört.

Wenn ich dir aus meiner eigenen Erfahrung einen Rat mitgeben darf, so ist dieser: Lerne so viel über Selbstvermarktung und Akquise, wie du nur kannst. Lass die Finger von Elance und Co, um an Aufträge zu kommen, und lerne von Anfang an, wie man auf anderen Wegen an Kunden kommt.

Freelancing bringt am Schnellsten erste Einnahmen

Keine Frage: Nirgendwo kommt das Geld so schnell herein, wie im direkten Kundengeschäft. Eine digitale Dienstleistung ist meist schnell geliefert und genau so schnell abgerechnet. Zwar ist Kundengeschäft mitunter schwer skalierbar und automatisierbar, aber auch das ist möglich, wenn man es richtig angeht – zumindest langfristig. Man kann Freelancing somit als Grundstein für den Aufbau eines Unternehmens nutzen.

Wer finanziell etwas besser aufgestellt ist und auch die richtigen Fähigkeiten mitbringt, der kann das Freelancing natürlich überspringen und auf anderen Wegen sein Geld verdienen, ein eigenes Produkt erschaffen zum Beispiel. Dafür benötigt man aber eben Geld oder Zeit, idealerweise sogar beides.

Für alle anderen gilt: Am besten erstmal Geld scheffeln im Kundengeschäft und dabei Erfahrungen sammeln. Denn wenn gleich zu Beginn das Geldpolster nicht stimmt, dann ist alles andere für die Katz. Ohne Moos nix los. Vor allem lernst du aber im Kundengeschäft am besten die Basics der Akquise und des Direktmarketings kennen.

Die Reihenfolge sollte idealerweise so aussehen: Erst ein stabiles Einkommen aufbauen, dann mit andern Möglichkeiten experimentieren, ggf. passive Geldströme aufbauen oder stattdessen die eigene Dienstleistung automatisieren, und dann die neue Freiheit nutzen und z.B. Reisen. Wer gleich mit dem Reisen beginnt, der macht es sich doch deutlich schwerer (funktionieren kann es aber grundsätzlich auch).

Der Einstieg ins Freelancing ist gar nicht so leicht

Zwar ist Freelancing ein guter Start, aber mit dem Einstieg ins Freelancing ist es gar nicht ganz so leicht, wie es sich oft anhört. Zwar gibt es altbekannte Plattformen wie Elance oder Odesk, auf denen man seine Fähigkeiten anbieten kann. Doch in Wahrheit suchen die meisten Auftraggeber auf diesen Plattformen vor allem billige Arbeitskräfte.

Ein gut augebildeter Inder arbeitet für 600 Euro im Monat. Ein Hochschulabsolvent auf den Philippinen für unter 300 Euro. Der Europäer, der ein vierstelliges Einkommen benötigt, kann hier gegen den Asiaten oder Südamerikaner mit dreistelligem Einkommen kaum bestehen und sich maximal auf Kunden im deutschsprchigen Raum stürzen. Aber auch in Osteuropa gibt es eine wachsende Armada an digitalen Arbeitskräften mit Deutsch-Fähigkeiten.

Ja, man kann auf Job-Plattformen Geld verdienen und Auftraggeber finden. Aber gut bezahlte Jobs bekommt man hier nur in Ausnahmefällen. In der Regel muss man sich hier unter Wert verkaufen und verdient weniger als an der Tankstelle. Kein allzu erfolgversprechender Einstieg. Wenn du als Freelancer versuchst, über solche Plattformen Fuß zu fassen, dann gehst du einen unlukrativen Weg.

Auch wenn du gut bist indem was du tust: Es bleibt ein undankbares Geschäft. Ich kenne nur sehr wenige Beispiele von Europäern, die sich über Elance und Co ein nennenswertes Einkommen aufbauen konnten. Ich rate dir deshalb von solchen Plattformen ab, zumindest wenn deine Ambitionen etwas größer sind. Du begibst dich dort auf ein Schlachtfeld, auf dem du es dir schwerer machst, als es scheint. Ein bisschen wie ein Sumpf, aus dem du nur schwer wieder herauskommst.

In Indien, Vietnam oder auf den Philippinen gibt es übrigens ganze Firmen, die hunderte von Mitarbeitern über Elance-Aufträge versorgen. Für weniger als 2 Euro die Stunde. Daher: Nutze diese Plattformen lieber geschickt als Auftraggeber. Sitze am anderen Ende der Kette! Finde Freelancer, die für dich arbeiten. Nicht andersherum.

Lerne die Basics von Selbstvermarktung und Akquise

Du solltest entscheidende Skills einfach selbst erlernen, welche dann solche Job-Plattformen als Akquisetool für dich überflüssig machen. Vor allem (Selbst-)Marketing und Akquisekenntnisse sind Dinge, die dir dein Leben lang von Nutzen sind. Wer nicht verkaufen kann, wird immer einen Wettbewerbsnachteil haben, egal wie gut seine eigentliche Arbeit oder die eigene Ausbildung ist.

Wo lernt man Akquise und Marketing? Der optimale Weg ist es sicherlich, von Menschen zu lernen, die bereits Profis in diesem Bereich sind. Ein Praktikum bei einem erfolgreichen Unternehmer, der die Kunst des Verkaufens beherrscht, ist sicher der erfolgreichste und zudem auch der einfachste Weg.

Ein anderer Weg ist, sich das WIssen mühsam selbst anzueignen. Da mir die Wichtigkeit dieser Fähigkeiten früher nicht klar war, habe ich mich sehr langsam Schritt für Schritt selbst in diese Themen hineingearbeitet und lerne immer noch weiter, was funktioniert und was nicht. Noch heute passiert es mir immer wieder, dass eine Maßnahme nicht funktioniert. Ein Selbststudium ist mit viel „Trial and Error“ verbunden. Ich will gar nicht wissen, wie viel Geld ich schon in unnützen Werbemaßnahmen verbrannt habe. Aber man lernt daraus.

Lerne vor allem auch, die Angst vor Ablehnung abzulegen und trau dich zum Telefonhörer zu greifen und Menschen auch tatsächlich selbst anzurufen. Ein Anruf ist in vielen Bereichen immer noch 1.000 Mal mehr Wert als jede E-Mail der Welt.

Lerne das Erstellen von Verkaufstexten. Probiere dich darin aus. Gehe dorthin, wo deine potentiellen Kunden sind. Nutze Social Media, E-Mail Marketing und Tools zum Managen deiner Kundenbeziehungen (CRM). Stelle immer sicher, dass deine Kunden 120% zufrieden sind. Bestandskunden sind das Wertvollste, das es gibt. Finde heraus, was in deiner spezifischen Branche gut funktioniert.

Es gibt nicht den einen perfekten Weg, die Kundenakquise anzugehen. Du musst deinen Weg finden, aber es lohnt sich, damit loszulegen und Dinge auszuprobieren. Marketing- und Akquisekenntnisse werden sich langfristig immer auszahlen. Sich selbst und die eigenen Dienstleistungen verkaufen zu können ist der ultimative Schlüssel zum Erfolg. Zumindest wenn man diesen am Umsatz misst.

Zum Glück gibt es Elance

Heute nutze ich Elance nur noch äußerst selten, bin aber trotzdem nach wie vor ein großer Fan der Plattform. Jedoch nur aus der Perspektive eines Auftraggebers. Meine besten und treuesten freien Mitarbeiter habe ich auf Elance gefunden. (Nachdem wir nach einiger Zeit eine Vertrauensbasis aufgebaut haben, entscheiden wir uns dann gemeinsam aus Kostengründen auf die Nutzung von Elance zu verzichten und alles direkt abzurechnen.)

Lerne die nötigen Skills, um Kunden zu gewinnen und verlasse dich für deine Akquisemaßnahmen nicht auf Onlineplattformen. Die braucht man dafür nämlich nicht. Nutze sie lieber, um selbst Arbeit outzusourcen.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

13 Antworten zu “Wie du als Freelancer neue Kunden bekommst und Aufträge an Land ziehst”

  1. Hallo Tim,
    danke für diesen Artikel! Ich habe vor einiger Zeit begonnen mir über den „Austieg“ und die Selbstständigkeit Gedanken zu machen.
    Als Informatiker / Softwareingenieur wurde ich aber schnell vom Preiskampf auf den Onlineplattformen abgeschreckt.
    Ich denke Du hast absolut recht, man muss hier einfach viel Mühe in die Aquise guter (lieber weniger) Kunden stecken! 
    Bekommst Du häufig Anfragen über Xing/LinkedIn – wie würdest Du persönlich speziell diese Business-Social-Plattformen bewerten?

    Gruß,
    Sebastian

    • Lieber Sebastian. Danke für deinen Kommentar! Wir sind uns in dem Punkt einig.

      Auf Xing habe ich bisher wenig akquiriert, habe aber auch noch nicht in die Vollen gegriffen, was die dortigen Möglichkeiten angeht. Steht auf meiner Liste! Ich werde berichten, wenn ich fundiert was dazu sagen kann.

  2. Hallo Tim,

    ich nutze diese Plattformen auch nur noch als Auftraggeber und konnte mir so ein sehr gutes und loyales Team aufbauen.
    Ich selbst akquiriere meine Kunden in dem ich echte Stellenanzeigen bei Monster anschaue und diese Firmen dann anspreche. Ich sage ihnen dann, dass ich kein Interesse an einer Festanstellung habe, ich ihnen dennoch gerne unter die Arme greife auf selbständiger Basis.
    Hat bis jetzt oft geklappt, weil die Firmen sich nicht immer auf eine Festanstellung versteifen und oftmals sogar froh sind, wenn sie weniger Committment eingehen müssen.

    Viele Grüße

    Melanie

    • Hi Melanie,

      das klingt wirklich spannend! Welche Dienstleistungen bietest du auf dem Weg konkret an?

      Ja, bei mir ist es genau so. Ein toller Tool, um seine eigene Mitarbeiterschaft zu erweitern.

      Liebe Grüße 🙂

      • Hallo Tim,

        ich bin ein Content Marketer. WordPress, SEO, Social Media, Adwords, E-Mail-Marketing etc. Full Service.

        Klappt auch gut mit dem digitalen Nomadentum bei mir. War gerade für 5 Wochen in den USA. Nur meinen Berg an Papier-Post muss ich noch in den Griff bekommen 😉

        Viele Grüße

        Melanie

  3. Hallo Tim,

    der Artikel hat mir sehr gut gefallen! Elance hatte mich von vornherein abgeschreckt mit seinem Preisdumping. Meine ersten Kunden habe ich über Nischen-spezifischere Portale gefunden, mittlerweile arbeite ich mit ihnen aber direkt zusammen.

    Das schöne an der Arbeit als Übersetzer ist, dass es relativ gute Skalierungsmöglichkeiten gibt, an denen ich gerade arbeite. Ich sehe die Arbeit als Freelancer auch in erster Linie als Sprungbrett in das „echte“ Unternehmertum.

    Mach weiter so!

    Gruß, Justin

  4. Hallo Tim,
    zuerst hatte ich mich gefreut einen Artikel gegen das Preisdumping bei Elance und ähnlichen Plattformen lesen zu dürfen. Ich selbst bin Freelancer und würde auch dringend davon abraten dort mitzumachen.
    Was ich allerdings schade finde ist, dass du dich später trotzdem dafür aussprichst und die Plattform auf der Gegenseite (wenn auch nur selten) nutzt und unterstützt. Wir europäischen Freelancer können preislich einfach nicht mit den Indern mithalten und es wird teilweise immer schwerer dagegen anzukämpfen und unseren Kunden unsere Preise zu erklären.

    Was ich selbst noch für die Aquise empfehlen kann, sind gezielt Firmen anzuschreiben und eine „Blindbewerbung“ abzugeben oder, wie Melanie schon schrieb, Stellenausschreibungen zu beobachten.

    • Liebe Hanna. Danke für deinen Kommentar. Ich empfehle Elance ausschließlich, um sich selbst Unterstützung zu suchen. Deine Sorge verstehe ich sehr gut und sie ist berechtigt, aber diese Konkurrenz wird immer nur noch mehr werden und man muss damit umgehen. Zum Beispiel in dem man als Outsourcing-Dienstleister die gestalterische Oberhand behält, sich aber für einfachere Arbeiten selbst Unterstützung holt. Oder durch Spezialisierung, etc. Wenn man von etwas bedroht wird (wie in deinem Fall von den billigen Indern via Elance) dann hilft meiner Meinung nach nur, das Schwert umzudrehen, und sich anzupassen. Sonst bleibt man auf der Strecke. Leider ist das in vielen Branchen schon zu beobachten gewesen und ein E-Lance Streik wird daran auch nichts mehr ändern :-/

  5. Hallo Tim,
    guter Artikel, ich stimme dir voll zu. Ich steh mit meiner IM Agentur noch am Anfang und versuche zukünftig mehr zu automatisieren, was aber nicht einfach ist. Würde gern zukünftig auch Kunden online gewinnen… aber das ist echt schwer – gerade wenn mann dann auch in Konkurrenz zu grossen Portalen steht. Bisher habe ich klassisch aquiriert, aber das widerspricht ja dem Konzept „ortsunabhängig zu arbeiten“, was ich gern würde!
    Hab da leider noch keine echte Lösung gefunden.

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