Nach meinem Besuch in Hanoi, der Hauptstadt Vietnams, bin ich nun für eine Weile in der thailändischen Hauptstadt Bangkok gelandet. Thailand hat sich in den letzten zwanzig Jahren zu einer der weltweit beliebtesten Urlaubsdestination entwickelt und (ganz im Gegensatz zu seinen Nachbarländern) sind hier die Touristenpade schon längst keine Trampelpfade mehr, sondern vielmehr geteerte, gut ausgebaute Touristen-Autobahnen.

Jedes Jahr besuchen über 12 Millionen Touristen Bangkok, sowie für 1, 2 oder 3 Wochen das Land, und bewegen sich fast ausschliesslich auf den alteingesessenen Touristen-Routen. Meist landet man in Bangkok, verbringt dort 2 oder 3 Tage in dieser spannenden Metropole, um dann einen Strand (vermutlich auf Phuket oder Koh Samui) anzusteuern um dort zu entspannen und die Füße hochzulegen.

Dementsprechend kann man täglich beobachten, wie diese Stadt neue Besucher anlockt und nur wenige Tage später wieder ausspuckt. Ein Tag shoppen, ein Tag Tempel-Tour, und weiter geht’s zum Strand. Die wenigstens wissen, dass die Besucher aus Europa gerade einmal ca. 30% ausmachen. Mit in etwa 40% aller Besucher, sind die Chinesen tatsächlich die größte Reisegruppe. Jedoch fallen Sie innerhalb der Straßen Bangkoks dem geschulten Auge höchstens durch Ihre Reisegruppen-Grösse als durch Ihre blonden Haare oder Ihre lange Nase auf.

Wer diese Stadt aber besser kennenlernen möchte, der muss deutlich mehr Zeit investieren. Aus meiner Perspektive ein lohnendes Investment, denn diese Stadt ist extrem spannend, ständig in Bewegung und dauernd in Veränderung. Zugleich ist sie aber trotz all des Trubels ein Ort der Entspannung und der Entschleunigung, wenn man Sie aus dem richtigen Winkel betrachtet.

Meine Bleibe liegt weit nördlich des Zentrums, in einer Gegend, die abseits der normalen Touristenpfade liegt. Eine eher zufällige Begebenheit, die sich aber als Glücksgriff herausgestellt hat. Man lernt die Stadt auf diese Weise wesentlich besser kennen, als würde man sich auf den altbekannten Pfaden mit den Namen „Sukhumvit“, „Khao San“ oder „Silom“ aufhalten. Hier oben, irgendwo zwischen Aree und Weekend-Market, sieht man die Stadt aus einer anderen Sicht. Man bewegt sich auf anderen Routen und diese kreuzen eher selten die Touristenpfade.

Diese Gegend, ganz in der Nähe des bekannten ‚Weekend Market’ bietet viele gemütliche Bars, Cafes und Street-Food Stände in Hülle und Fülle. Die Motorbike-Taxis hier sind  nicht an Touristen gewöhnt und haben Ihre festen Preise. Sie grüßen jedes Mal freundlich, auch wenn man gerade kein Taxi braucht. Ausländer, die sich hierher verirren, sind selten Touristen sondern arbeiten meist eine längere Zeit in Bangkok.

So lernt man hier leicht Menschen kennen, Thais und Ausländer gleichermaßen, die in dieser Stadt arbeiten, leben oder studieren – jeder mit seiner ganz eigenen Geschichte. Dabei bemerkt man, dass sich der Betrachtungswinkel immer weiter verschiebt. Zur Entschleunigung trägt besonders die morgendliche und abendliche Rush-Hour bei, in welcher die Stadt täglich einen neuen Verkehrskollaps erlebt. Für Strecken, welche man in der Nacht oder am späten vormittag 10 Minuten benötigen würde, muss man zur Rush-Hour plötzlich eine Stunde einkalkulieren – es sei denn, man wagt sich todesmutig auf ein Motorbike-Taxi, welches sich durch die im Stau stehenden Autos schlängelt.

Jedoch bekommt man schnell Angst, dass der Motorbike-Fahrer eventuell einmal vergessen könnte, dass die Knielänge seines Mitfahrers für Thai-Verhältnisse eher überdimensional ist und daher eine Lücke zwischen zwei Autos doch etwas zu eng sein könnte, um dort hindurch zu fahren. Aber sei’s drum, man hat die Wahl zwischen Stau oder der Gefahr von blauen Knien.

Die ständige Verfügbarkeit von Essen (an jeder Ecke gibt es Street-Food zu, aus europäischer Sicht, äußerst günstigen Preisen) sorgt dafür, dass man sich das Selbstkochen vollständig abgewöhnt. Wer selbst kocht, zahlt drauf. Eine Avocado im Supermarkt kostet soviel wie zwei Abendessen an der Strassenecke. Und an der Strassenecke ist es deutlich spannender, als in den eigenen vier Wänden oder gar in einem schicken Restaurant.

Nun völlig vom Sightseeing-Druck befreit den ich sowieso nie hatte, wirkt diese Stadt nun wesentlich ruhiger und entspannter auf mich als zuvor. Trotz Verkehrschaos, Touristenhorden und dem üblichen Treiben der Arbeiter und Angestellten, die morgens in die Stadt und abends hinausströmen, hat diese Stadt etwas entspannendes, sobald man sich darauf einlässt. Dies liegt sicherlich daran, dass der Thai allgemein sehr entspannt ist. „Sabai“ nennt sich diese Gemütlichkeit. Bei tropischen Temperaturen macht es ja auch keinen Sinn, zu hetzen.

Ich empfehle jedem, sich bei einem Thailand-Urlaub durchaus bewusst etwas mehr Zeit für diese Stadt zu nehmen und die Unterkunft dementsprechend auch bewusst abseits der bekannten Pfade zu wählen. Vorraussetzung ist natürlich, dass man das Gespräch nicht scheut und sich auch gern einmal in ein Lokal begibt, in denen sonst nie Reisende verkehren. Diese Stadt ist mehr, als der Lonely Planet oder ähnliche Reiseführer darüber verraten!

Achtung: Wer nach dem Aufenthalt in Bangkok ein wenig Ruhe an den Stränden von Phuket sucht, der sollte sich vorab auf dem Blog Phuketastic von Sebastian informieren, hier gibt es viele gute Tipps!

 

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

3 Antworten zu “1 Monat, 1 Stadt: Bangkok”

  1. WOW! Cooler Artikel über Bangkok. Da mir Bangkok sowieso richtig gut gefällt, lese ich beinahe alles was ich darüber finden kann. Ich muss Tim unbedingt recht geben. Es ist definitiv ein lohnendes Investment die Statt genauer kennenzulernen! Der Lifestyle dort ist einfach unvergleichlich und es macht immer wieder Spaß dorthin zurückzukehren. Wenn man eine Weile in der Stadt verbringt, macht es vor allem Freude ganz leicht neue Leute kennenzulernen. Oft auch Einheimische oder Expaten aus aller Welt. Kurzum: Bangkok ist einfach super.

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