Warum gelingt es vielen Menschen nicht, sich selbstständig zu machen und etwas auf die Beine zu stellen, obwohl sie sich seit Jahren mit dem Thema „Online-Business“ beschäftigen? Vielleicht, weil sie zu viele Artikel wie diesen hier lesen, anstatt damit anzufangen, eigene Fehler zu machen und sich auszuprobieren.

Ich habe eine Menge Menschen kennengelernt, deren Ziel ein ortsunabhängiges Business (oder ganz allgemein ein selbstbestimmtes Leben) ist. Die Erfolgszahlen sind jedoch ernüchternd, wenn man bedenkt, wie viele sich mit dem Thema auseinandersetzen. Die meisten lesen nur darüber, gehen zu Meet-Ups, kommen aber nicht weit oder kriechen am Existenzminimum herum.

Das Problem dabei sind aber nicht die Voraussetzungen. Auch nicht die Möglichkeiten. Das Problem, solltest du zu dieser Gruppe gehören, bist du selbst, bzw. deine Einstellung zu den Dingen.

Viele reden nur und „spielen Business“ oder geben auf halbem Weg wieder auf. Andere konsumieren Wissen und Lerninhalte zu Gründung und Business wie ein McDonalds Menü, lesen Blogartikel, kaufen Onlinekurse, hören Podcasts, setzen es aber niemals um.

Jeder will die Benefits, kaum einer hat wirklich Lust auf die Arbeit, die nötig wäre.

Aber woran liegt das? Die Gründe dahinter sind natürlich von Person zu Person unterschiedlich. Es gibt aber 3 oder 4 Punkte, die oft eine entscheidende Rolle spielen. Diese will ich im Folgenden einmal durchgehen. Wer sich ertappt fühlt: Um so besser! Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.

Risikobereitschaft

Du hast Angst, dass deine Geschäftsidee albern ist? Das sie schon zum Scheitern verurteilt ist, bevor du überhaupt anfängst? Du fragst dich jetzt schon: “Warum dann überhaupt erst loslegen?”

Wenn dem so ist, hast du die falsche Denke. Denn es geht beim Umsetzen von Geschäftsideen nicht immer darum, damit auch erfolgreich zu werden. Oft sind Gründer erst mit der dritten oder vierten Idee erfolgreich. Hätten sie vorher aber nicht schon zwei andere Ideen in den Sand gesetzt, wären sie nie bei einer funktionierenden Idee angekommen! Warum? Weil sie bei den ersten Ideen unglaublich viel gelernt haben, was ihnen später zu Gute gekommen ist.

Beispiel: Hätte ich 2012 ein Ernährungsplan-Business nicht vor die Wand gesetzt, hätte ich nie den Umgang mit Adwords gelernt. Hätte ich nicht den Umgang mit Adwords gelernt, hätte ich dieses nie für die Kundenakquise fürs CAD-Outsourcing Business einsetzen können. Genau das war aber der finale Schritt zum Erfolg für das Business.

Fang an Fehler zu machen! Perfekte Geschäftsideen gibt es nicht. Fang einfach mit einer durchschnittlichen Idee an und lerne auf dem Weg. Probiere dich aus und schalt die Zweifel im Kopf ab. Setze die Lokomative in Gang! Wenn sie einmal rollt, wird alles leichter!

Shiny Objects

Ein ähnliches Problem tritt auf, wenn man aus Angst vorm Scheitern zu viele Ideen gleichzeitig startet. Nach dem Motto: “Lieber direkt mal 3 Eisen ins Feuer schmeißen. Eines wird schon schmilzen.”

Das Problem ist aber, dass es dann auch dreimal so lange dauert, um zu merken, ob die Idee funktioniert, oder nicht. Man ist mit allem insgesamt 3x langsamer unterwegs. Alles zieht sich wie ein Kaugummi. Man verliert schneller das Interesse, wenn man sich nicht mit einer Idee voll reinhängen kann.

Ein bisschen Produkte auf Amazon mit FBA verkaufen, parallel einen Onlinekurs erstellen und nebenbei noch ein Buch schreiben? Da kann doch nichts Gutes bei herauskommen, es sei denn, man betrachtet diese Zeit einfach als Experimentierphase. Dann ist es etwas anderes. Wenn man aber ernste, unternehmerische Absichten hat, dann sollte man all seine Energie auf eine Idee konzentrieren. Zumindest, bis sie halbwegs läuft!

Kein Durchhaltevermögen

Bei manchen Menschen scheitert es nicht an der Risikobereitschaft, sondern am Durchhaltevermögen. Sie sind nicht Erfolgshungrig genug oder haben sich eine Geschäftsidee ausgesucht, die überhaupt nicht zu ihnen und ihrer Persönlichkeit passt, und verlieren daher das Interesse und die Lust, die nötigen Schritte zu gehen. Jede Idee muss vor allem eines: Zu dir passen. Es gibt aber etwas, dass noch wichtiger ist: Du musst aus den richtigen Beweggründen handeln, ein Ziel vor Augen haben. Hungrig sein, dieses Ziel zu erreichen, komme was wolle.

Wer abnehmen will kommt auch nicht weit, wenn er sich sagt „Hach ja, wäre schon ganz nett, mal 20 Kilo weniger zu haben.“ So läuft die Sache nicht! Wer erfolgreich abnimmt, der hat die Schnauze voll vom Status Quo und will endlich etwas ändern. So ist es auch beim Umsetzen von Geschäftsideen. Da muss ordentlich Dampf im Kessel sein, sonst kann man es lieber gleich sein lassen.

Die Rufe der Propheten

Genau genommen solltest du diesen Artikel gar nicht zu Ende lesen. Womöglich ist es schon der fünfte Artikel in dieser Woche, indem es darum geht, dich zu motivieren und dir einen Schubser zu verpassen. Keiner von diesen fünf Artikeln hat es geschafft, eine Veränderung anzustoßen. Warum sollte es diesmal anders sein?

Vielleicht ist Selbstständigkeit auch einfach nichts für dich. Sie ist ganz sicher nichts für Jeden. Das ist ja auch okay. Vielleicht bist du nur den Rufen der Propheten gefolgt und denkst jetzt, dass du unbedingt ein Business starten musst, um demnächst vom Strand zu arbeiten.

Vergiß mal dieses ganze Glamour-Bild von Digitalen Nomaden, Hängematte und Freiheits-Business. Es geht hier in erster Linie erst einmal nur um Selbstständigkeit und Unternehmertum. Sau viel Arbeit! Schlaflose Nächte. Existenzängste, die eher zunehmen, als abnehmen. Einen riesigen Misthaufen, durch den du dich erst durcharbeiten musst, nur um dann am anderen Ende festzustellen, dass dort auch nicht das Schlaraffenland auf dich wartet. (Naja, ein bisschen Schlaraffenland schon. Zumindest ein selbstbestimmtes Leben.)

Die nächste Workation, die du besuchst, um danach doch nichts zu ändern. Verschwendung. Der erste Schritt hin zur Selbstständigkeit war deine Kündigung? Danach kam erstmal lange nichts? Na wenn das nicht mal ein Fehler war. Kündigungen sind selten ein guter erster Schritt. Das ist so, als würdest du dir Gedanken um Steuern und Behörden machen, bevor überhaupt die ersten Einnahmen geflossen sind.

Fehlende Selbstreflektion

Ein völlig unterschätzter Punkt! Wer keine Fähigkeit zur Selbstreflektion besitzt, sollte meiner Meinung nach lieber nicht unternehmerisch tätig werden. Denn Gründung heisst vor allem: Persönliche Weiterentwicklung. Nicht nur deine Geschäftsidee musst du laufend anpassen, viel wichtiger bist du selbst. Du musst dich und deine Entscheidungen ständig hinterfragen, dich nicht zu ernst nehmen aber gleichzeitig auch ein klares Bild davon haben, wer du bist, wer du sein willst, und wohin deine Reise gehen soll.

Wer keine Selbstreflektion besitzt, ist auch nicht in der Lage, mit Kritik umzugehen. Wer sie jedoch besitzt, kann Kritik einordnen und entsprechend verarbeiten.

Dieser Artikel ist ein gutes Beispiel. Fühlst du dich durch das, was ich hier schreibe, angegriffen? Wenn dem so ist, dann habe ich wohl mit meinen Feststellungen gar nicht so unrecht. Wenn du aber eine gute Selbstreflektion hast, dann wirst du es einzuordnen wissen, und im Endeffekt einen Mehrwert daraus ziehen können.

Du hast es schon geschafft, deinen Fernseher aus deinem Leben zu verbannen. Jetzt ist es an der Zeit, die Informationsflut weiter zu bändigen und deinen Informationskonsum insgesamt einzudämmen. Entscheide dich für eine Idee, und ziehe sie durch. Fahre sie so richtig vor die Wand, wenn es sein muss. Mit Schmackes!

Höre auf, Businessgurus im Internet zu konsumieren. Die Videos von ihnen unterscheiden sich letztendlich auch nicht wirklich von GZSZ.

Du kannst Bücher, Artikel und Onlinekurse konsumieren, und zu 20 Konferenzen im Jahr gehen, aber trotzdem nie in die Umsetzung kommen. Kein Wunder, es gibt immer einen neuen Artikel, einen neuen Kurs, ein neues Buch, und so lange man diese liest, hat man eine Ausrede, noch nicht loslegen zu müssen.

Es ist Zeit, loszulegen.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

9 Antworten zu “Bitte lies diesen Artikel nicht!”

  1. Haha, musste gerade voll lachen! Was für ein geiler Post! Ich bin irgendwie genau das, was du beschreibst, und auch wieder nicht. Ich habe einfach Lust, mich auszuprobieren. Aber ich kann es mir leisten, denn ich habe einen richtigen Job, der mich finanziert. Also kann ich munter rum bloggen und beinah täglich Luftschlösser bauen. Mir macht das einfach Spass und ich schau mal, was draus wird. Wie du richtig bemerkt hast, ist Selbständigkeit nichts für jeden. Allerdings hab ich für meine Karriere auch schon sehr viel Schweiss und Tränen vergossen und schlaflose Nächte verbracht. Wenn du aber eine Vision hast und für eine Sache brennst, gehört das eben dazu. Ich mag deinen Schreibstil sehr gern. Freu mich auf mehr. Geile Überschrift!

  2. Ich erkenne mich ein bisschen wieder. Ich habe vor zwei Jahren alle diese Artikel gelesen und auch Kurse gemacht und letztendlich bin ich doch beim Freelancing geblieben. Immerhin bin ich seit anderthalb Jahren selbständig und mehr oder weniger ortsunabhängig (New York oder London könnte ich mir allerdings nicht leisten). Jetzt merke ich aber, dass es doch Zeit wird, ein richtiges Business zu starten und habe vor ein paar Wochen so langsam damit angefangen. Ich hoffe, es klappt. Mein Problem ist immer, dass ich mir selber vieles nicht zutraue und immer am Zweifeln bin. Das blockiert mich dann. Andererseits hätte ich früher nie gedacht, dass Selbständigkeit etwas für mich sein könnte, und jetzt möchte ich nie wieder einen Chef haben.

  3. Haha. Ich habe laut gelacht. Der Artikel trifft wirklich ins Schwarze. Gefangen und gelähmt in der Informationsflut des Internets. Man kann soviele Artikel, E-Books und Bücher lesen, dass man schnell vergisst, dass man nur vorwärts kommt, wenn man etwas anfängt und aus seinen Fehlern lernt.

  4. Provokanter aber sehr starker Artikel! Einfach die Wahrheit für die meisten auf den Tisch gelegt, und auch ich habe lange genau nach diesen Kredos gelebt und einfach nichts unternommen.

    Bis irgendwann zum Glück von selbst der Groschen fiel und 1-2 kleinere Erfolgserlebnisse mich durchhalten ließen & ich nun weiß ich bin auf dem richtigen Weg.

    Man muss einfach machen, und nicht zuviel über „mögliche“ Ergebnisse nachdenken, nur durch die gemachten Ergebnisse und Erfahrungen ist die Chance zu Wachstum und Weiterkommen gegeben.

  5. Also ich hab natürlich gleich den Weiterlesen-Reflex gehabt. 😉 Tut mir leid, dass ich nicht auf dich gehört habe. Aber nun weiss ich auch, dass ich alles richtig gemacht habe! Und weiss Gott, ich habe schon viele Fehler gemacht (auch ein paar echt teure!)… aber letztendlich kommt durch Ausprobieren auch was Gutes bei raus!

  6. Ein schöner, provokativer und doch sehr wahrer Beitrag. Die Informationsflut lässt uns Menschen teilweise fast still stehen, obwohl wir das Gefühl von Wachstum haben.

    Im Endeffekt ist es egal ob wir etwas wissen und es nicht anwenden oder es gar nich erst wissen. Letzterer Punkt belastet uns zumindest mit weniger Informationen.

    Beste Grüße,
    Deniz

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