Bloggen ist kein Business und wird es auch nie sein. Trotzdem solltest du es tun. Warum, das erkläre ich dir ein letztes Mal in diesem kurzen Artikel, um danach dieses Thema nie wieder anzusprechen. Versprochen!

Neulich erreichte mich eine E-Mail von einer netten Leserin, die mich um Hilfe bat. Sie stand kurz davor, ihren Blog zu launchen. Hier ein kurzer Ausschnitt ihrer E-Mail:

„Mein Blog geht in Kürze online, ich arbeite am Design und schreibe die ersten Artikel. Mein Problem ist weder Angst noch Inspiration, sondern meine Umgebung. Jedes Mal, wenn ich beginne, am Blog zu arbeiten, kommt mein Mann und schlägt mir eine andere gemeinsame Unternehmung oder eine Businessidee vor und wenn ich dann sage „Du siehst doch, dass ich am Blog arbeite“ dann ist er sauer. Ich fühle mich sabotiert. Was soll ich tun?“

E-Mails wie diese erreichen mich häufiger. Ich verstehe die Personen sehr gut, doch trotz allem Verständnis für die Situation (ich bin dort auch einmal gewesen) kräuseln sich mir die Nackenhaare ein wenig, sobald ich solche Zeilen lese. Das Problem ist in dieser E-Mail der kurze Abschnitt:

„…eine andere gemeinsame Unternehmung…“

..welcher impliziert, dass die Leserin das Bloggen selbst bereits als eine Unternehmung sieht. Das halte ich für sehr gefährlich!

In diesem konkreten Fall konnte ich nur dazu raten, den Mann nicht davon zu überzeugen, dass Bloggen eine tolle Sache ist, sondern ihm eine gemeinsame Unternehmung vorzuschlagen, die einen Blog als Marketingkanal mit einbezieht. Ihn vielmehr mit einem Businessplan zu überzeugen. Denn Bloggen ist nicht mehr und nicht weniger, als der geilste Marketingkanal, den man im Jahr 2015 als Unternehmer haben kann.

Trotzdem ist das Bloggen selbst keine Unternehmung an sich. Wer das nicht erkennt, begeht einen grundlegenen Fehler und verschwendet mitunter eine Menge Zeit. „Vom Bloggen leben“ ist Quatsch. Besser sollte man sagen: „Durch das Bloggen vom eigenen Business gut leben.“ Denn Bloggen übernimmt im Idealfall das Wichtigste, was es für einen Selbstständigen oder Unternehmer überhaupt gibt: die Akquise (und Marketing).

Mit einem Blog kann man sich eine fantastische Reichweite aufbauen und viele Menschen erreichen, ja mit ihnen sogar ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebauen. Was gibt es Tolleres?

Das Ganze dauert jedoch eine Weile (im Idealfall ein paar Monate, in der Regel eher ein paar Jahre) bis diese Reichweite in Form von Website-Besuchern, E-Mail Abonnenten und Social Media Followern so groß ist, dass sie für deine Marketingmaßnahmen relevant ist.

Wenn du Bloggen möchtest, dann bin ich der Allerletzte, der dir davon abrät. Bloggen hat mir unglaublich viele Türen geöffnet und mich mit spannenden Menschen zusammengeführt. Zudem kann ich meine Reichweite dazu nutzen, bereits vorab interessierten Menschen meine Produkte und Dienstleistungen näher zu bringen, ohne mich dabei verbiegen zu müssen.

Aber genau jetzt sind wir am Punkt: Meine Produkte und Dienstleistungen sind mein Business. Der Blog ist mein Marketingkanal.  Mein Sprachrohr in die Welt, um meine Ideen, Gedanken und mein Wissen, aber auch meine Produkte und Dienstleistungen einer breiten Masse präsentieren zu können. Mein Blog selbst ist kein Business. Ohne Produkte oder Dienstleistungen gibt es keinen Umsatz.

(Affiliate-Einnahmen über Nischenseiten betrachte ich hier bewusst nicht, da nicht sehr nachhaltig oder wertschöpfend. Zudem muss dein Blog dazu eine sehr große Reichweite haben.)

Stell dir das Ganze mal in etwa so vor, wie die Pinnwand hinter der Kasse bei Rewe. Du kannst dort einen Zettel anpinnen, um deine Waschmaschine zu verkaufen oder deine Dienstleistung als Reinungshilfe anzubieten. Aber die Pinnwand selbst macht keinen Umsatz. Ein Blog ist wie diese Pinnwand.

Selbst wenn nun Rewe auf die Idee käme, für jeden angepinnten Zettel 5 Euro zu nehmen, überleg einmal wie viele Zettel dort hängen müssten, damit sich das Ganze für Rewe überhaupt lohnt? Zudem würde die Pinnwand dann die Supermarkt-Wand sprengen.

Bloggen ist fantastisch, aber…

Bloggen ist fantastisch, wenn du es nicht als Business betrachtest, sondern dir im Vorhinein überlegst, was dein eigentliches (und idealerweise nachhaltiges) Business ist. Es ist jedoch nie zu spät, mit dem Bloggen zu beginnen und ich würde es in jedem Fall als eine gute Investition deiner Zeit betrachten.

Die Zeit, die du hineinsteckst, wird sich in jedem Fall lohnen (wenn du am Ball bleibst). Denn eine Reichweite durch einen Blog ist ein Asset, das später in vielerlei Hinsicht nützlich sein kann.

Wenn du nun, trotz meiner kleinen Kopfwäsche, immer noch mit dem Bloggen beginnen möchtest, dann empfehle ich dir von Herzen die Blogging University von meinem Kollegen Ben Paul. Wenn ich noch einmal von vorne anfangen müsste, würde ich mich in seiner Universität einschreiben. Hier geht es zur Blogging University.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

11 Antworten zu “Bloggen ist kein Business”

  1. Wow!

    Da spricht mir wirklich mal jemand aus der Seele. Ich selbst habe seit geraumer Zeit schon im Kopf, so einen Artikel zu schreiben. Und in meinem kostenlosen E-Mail Kurs weise ich meine Community auch genau auf diese Thematik hin.

    Ja, das Bloggen kann ein sehr guter Marketing-Kanal sein. Natürlich auch abhängig davon, was man eigentlich macht.

    Aber die Betonung liegt ganz klar auf „Marketing-Kanal“.

    Genauso wenig wie ich automatisch ein Business habe, wenn ich eine Facebook Fanpage betreibe, habe ich auch keines, wenn ich einen Blog betreibe.

    Natürlich kann sich aus einem Blog ein Business entwickeln. Aus heiterem Himmel passiert das aber auch nicht. Und man sollte vorher schon eine ungefähre Idee von dem haben, was man macht.

    Auch habe ich mal was zum Thema Blogging über Hobbys, Leidenschaften, etc. geschrieben: http://florianfelsing.com/die-folge-deiner-leidenschaft-luege-und-ihre-harten-konsequenzen/

    Einen Blog zu starten und über seine Leidenschaft zu schreiben mag Spaß machen. Aber es ist kein Business.

    Und wenn man sich als Ziel gesetzt hat Geld zu verdienen, tut man sich in den meisten Fällen keinen Gefallen, wenn man diesen Weg wählt.

  2. Hey Tim,
    sehr schöner Artikel, der immer noch in meinen Augen pro Bloggen spricht. Aber das wolltest du ja auch so. Für mich ist das Bloggen auch dazu da, in meiner Entwicklung meine Gedanken zu ordnen. Als ich anfing zu arbeiten, habe ich über die Hürden als Jung-Architekt geschrieben. Eher weniger oft und selten mit gutem Ton. Es hat ja irgendwie gefrustet und deswegen höre ich ja auch in gewisser Weise auf damit.

    Die Blogs dienen auch als eine Art Tagebuch, in dem andere gerne mitlesen und mitlernen dürfen. Außerdem festigt das Aufschreiben auch nochmal das eigene Wissen. Warum sollen andere nicht davon profitieren? – Und wenn man irgendwann mal ein Produkt ‚auf den Markt wirft‘, haben ganz viele andere Vertrauen gefasst, weil man ja doch den gleichen Mist durchgemacht und den goldenen Käfig verbogen hat um in die freie Welt zu flüchten 😉 Vielleicht ist man ja irgendwie Inspiration.

    Allein der Kontakt zu Menschen, die durch das Lesen ein stückweit glücklicher werden, hilft schon ungemein, finde ich.
    LG
    Julia

    • Tim Chimoy

      „Allein der Kontakt zu Menschen, die durch das Lesen ein stückweit glücklicher werden, hilft schon ungemein, finde ich.“ Das finde ich einen sehr schönen Satz, Julia

  3. Lieber Tim,

    danke für diesen tollen Artikel. Ich stimme dir absolut zu. Ich selbst habe mit meinen Kunden eine ähnliche Hürde zu überwinden, die aber genau anders herum ist. Meine Kunden haben ein funktionierendes Unternehmen mit echten Angeboten. Nur verstehen viele nicht, dass man durch einen Blog sehr viel Traffic auf die Seite bekommt. Viele meiner Kunden denken immer noch, dass ein Blog dazu da ist, mal etwas über die letzte Weihnachtsfeier zu posten. Da rede ich mir manchmal den Mund fusselig. Blogging ist eine fantastische Methode – wie du es bereits gesagt hast – um neue Kunden über das Internet zu akquirieren. Ich konnte bei einem meiner Kunden den Traffic von 800 Usern pro Monat auf 8000 Usern/Monat in 3 Monaten bringen und das nur, weil wir einmal die Woche einen neuen Blogartikel gepostet haben. Und dann gibt es ja noch viele weitere Möglichkeiten, mehr Traffic auf die Seite zu bekommen. Meine amerikanischen Kunden haben bereits viel Vorwissen, da muss ich nicht mehr so viel reden, doch die Deutschen brauchen noch ne Menge Überzeugungsarbeit. Aber ich denke mal, dass auch Deutschland irgendwann ins Zeitalter des effektiven Online-Marketings ankommen wird.

    Viele Grüße

    Melanie

    • Tim Chimoy

      Danke für deinen Kommentar, Melanie. Es scheint also Missverständnisse in Bezug auf das Bloggen auch von anderer Seite zu geben. Manche haben zu hohe, manche haben zu geringe Erwartungen 🙂 Ich kann mir gut vorstellen, dass sich viele klassischen Unternehmen da sehr schwer tun. Wünsche dir viel Erfolg dabei, effektives Online-Marketing in Deutschland zu etablieren.

  4. Hallo Tim,

    einen tollen Artikel hast du da geschrieben !
    Wir können dir nur zustimmen !
    Nachdem wir fast 6 Jahre lang ausschließlich im Urlaub gebloggt haben (die kostenlosen Blog’s hatten ordentliche Zugriffszahlen), sind wir ein wenig „umgestiegen“ und haben alles in die eigene Hand genommen und es auch professioneller aufgezogen.

    Wir sind erstaunt, wo wir jetzt nach 2 Jahren mit „semiprofessionellem Bloggen“ stehen.
    Das hätten wir vor 2 Jahren niemals gedacht !

    Wir können nur jedem raten, es EINMAL (auch auf den kostenlosen Plattformen) zu probieren.

    Jetzt kommt es aber…..sollte derjenige schon beim ersten Mal Spaß daran gehabt haben, dann sollte man den Blog aber schnellst möglich in die eigenen Hände nehmen !

    Wir sprechend a aus Erfahrung ! Das macht ne Menge Arbeit, drei Blog’s zu einem zusammen zu führen !
    Wir wissen selber, dass wir mit dem Bloggen nicht wirklich reich werden.
    Dazu sind wir auch zu fest in unsere Jobs verwurzelt.
    Aber hat schon seinen Vorteil, wenn man die Sache professionell an geht !
    Nun ist es auch nicht unsere Intension, ortsunabhängig zu Arbeiten, aber wir werden durch die Kommentare und sonstige Resonanz doch für unsere Arbeit entschädigt !

    Es ist wie in einem Theater: Des Künstlers Lohn ist der Applaus !

    Also, wer auch nur ein bisschen Spaß am Schreiben hat, der sollte es mit einem Blog versuchen !
    Es lohnt sich !

    Liebe Grüße
    Bibo & Tanja

  5. Super Artikel. Da kann ich dir nur sowas von zustimmen. Es gibt eventuell eine einzige Ausnahme, bei der ein Blog das Business ist, und zwar wenn das Geschäftsmodell ein hundertprozentiges Publishing-Business und die einzelnen Inhalte überwiegend kostenpflichtig wären. Damit dafür heute aber jemand etwas bezahlt, bräuchte man ein großes Redaktionsteam und das entsprechende Startkapital 😉 LG

    @Melanie: Du weißt, was mit den Dinosauriern passiert ist, oder? 😉

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