Ein Bruch – das klingt auf Anhieb nicht gut. Beinhaltet Schmerzen, möglicherweise Komplikationen, braucht Lange zum Heilen. Aber mal abgesehen vom rein medizinischen Aspekt können Brüche im Leben äußerst wertvoll sein. Ich behaupte sogar: Sie sind notwendig! Hier meine 5 Gründe dafür: 

1) Ohne Bruch erstirbt das Leben in Monotonie und Langeweile

Es war das Traumleben der Nachkriegsgeneration, und viel davon steckt aufgrund unserer Erziehung auch in unseren Köpfen: Ein fester Job vom Abschluss der Ausbildung an bis Mitte 60. Ein Häuschen, das fleißig abbezahlt wird. Mindestens ein großer Urlaub pro Jahr mit der Familie. Alles nimmt seinen geregelten Gang, tagein, tagaus. Überraschungen? Fehlanzeige!

Man lebt so vor sich hin, ist zufrieden mit dem, was man erreicht hat, dem Besitz, den man aufgebaut hat. Aber ganz tief im Inneren ist da dieses irritierende Gefühl und die bedrückende Frage: „Kann das alles gewesen sein?“ Die Antwort liegt auf der Hand. Doch es ist besser, sie zu ignorieren. Sonst müsste der gesamte Lebensentwurf in Frage gestellt werden.

Alles erstirbt in Monotonie und Langeweile. Kommt dagegen ein Bruch, ein entscheidender Einschnitt – egal ob von außen, aus Gesundheitsgründen oder weil man auf die innere Stimme gehört hat – ist es vorbei damit. Das Leben ist zwar erst einmal nicht mehr so einfach, aber wird plötzlich wieder spannend!

2) Ein Bruch setzt neue Energien frei

So, nun ist es also soweit: Das Leben ist aus den Fugen geraten, nichts ist mehr wie vorher. In meinem Fall war das ein langer krankheitsbedingter Ausfall. Ich hatte aufgrund von fortwährenden Panikattacken und einer schweren Depression einen Zusammenbruch (den ich so auch vorhergesehen hatte, aber mich nicht dagegen wehren konnte). Und plötzlich, als ich ganz unten war, hat es „Klick“ gemacht.

Ich hatte zwar zu diesem Zeitpunkt vor rund einem Jahr noch keinerlei Ahnung, wie ich aus dem Loch herauskommen soll. Doch plötzlich wusste ich, dass ich meine Energie die ganze Zeit nur auf Selbstmitleid und die Verwaltung meiner mangelhaften Situation gerichtet hatte. Immer in der Hoffnung, es würde schon irgendwann und irgendwie besser.

Ich hatte das große Glück, nach 5 Wochen in einer psychosomatischen Klinik so stabil zu sein, dass ich fortan die bis dato sinnlos verschleuderte Energie in die richtige Richtung lenken konnte. So ein Prozess ist nie abgeschlossen und tut manchmal auch ganz schön weh. Aber es ist diese neue Energie, die einen auf dem Weg den nötigen Rückenwind verleiht.

3) Ein Bruch zwingt einen zu Veränderungen

…die nötig sind, man aber aus Bequemlichkeit vermieden hätte. Veränderungen sind nötig, Veränderungen sind wichtig, Veränderungen sind die Antriebskraft des menschlichen Wesens. Und doch sträuben sich die meisten von uns vehement dagegen. Es ist doch so schön bequem in der Kuschelecke. Alles soll so bleiben, wie es ist. Ist doch viel einfacher, als sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Die Weichen bleiben eingerostet, der Zug tuckert immer dieselbe Strecke entlang. Uns fällt zwar auf, dass er immer langsamer wird und das Fahren gar nicht mehr so viel Freude macht wie früher, aber immerhin fährt er ja noch. Kommt aber ein entscheidender Einschnitt im Leben, dann ist es vorbei damit.

Dann müssen die verrosteten Weichen bewegt werden – und plötzlich gibt es ganz viele verschiedene Richtungen, in die es gehen könnte. Konkretisiert auf meinen Fall hieß das, dass ich irgendwann begriffen habe, dass mir mein Job als Sportredakteur bei einer Lokalzeitung nicht mehr gut getan hat.

Weder psychisch noch physisch. All die Jahre hatte ich das ignoriert. Das Geld kam pünktlich und war absolut ausreichend, um ein Leben frei von materiellen Sorgen zu führen. Aber ich mit meinem Freiheitsdrang, mit meiner kreativen Ader und meiner Abneigung gegen sinnlose hierarchische Strukturen, die auf Angst und Ausbeutung beruhen, bin dabei kaputt gegangen.

Der Bruch im Leben hat mir die Augen geöffnet: Ich muss etwas verändern, ich habe etwas verändert. Gekündigt, ohne Netz und doppelten Boden. Die wichtigste Entscheidung meines Lebens.

mischa_m4) Ein Bruch eröffnet neue Perspektiven

Und auf einen Schlag sind sie dann da, die neuen Perspektiven. Wenn die Ketten abgelegt sind, wenn man den Ausbruch aus seinem eigenen Gefängnis geschafft hat, kommt man gar nicht umhin, sich Neuland zu widmen. Die Gedanken werden freier, die Optionen mehr. Plötzlich stellt man fest, dass es auch ein Leben nach dem alten Job, der unglücklichen Beziehung oder was auch immer einen eingesperrt hat, gibt. Das ist erfrischend, aber zugegebenermaßen auch sehr anstrengend.

Wer sich von nun an außerhalb der eingefahrenen Bahnen bewegt, muss besser aufpassen, muss all seine Power dem Neuen widmen, muss neue Wege sondieren und sich irgendwann für einen entscheiden. In meinem Fall sah es so aus, dass ich die Eingebung hatte, mir einen VW Bus zu kaufen und ein halbes Jahr durch Europa zu tingeln. Quasi als Abenteuerreise und Abschluss meiner Therapie. Diese neue Perspektive hielt mich in den letzten Monaten meines früheren Jobs am Leben. Und sie treibt mich jetzt auf meiner Tour täglich an.

Ich weiß, dass ich in dieserr Zeit so viel Erfahrungen machen werde und so viel Zeit habe, mich auf mich selbst zu konzentrieren, dass ich irgendwann weiß, was ich hinterher mache, womit ich später mein Geld verdienen will. Ich vertraue auch hier dem Leben und der Kraft der Veränderung sowie meiner neu gewonnen Energie.

5) Ein Bruch zeigt einem, dass das Leben aus viel mehr Facetten besteht

Ein Bruch im Leben ist gleichzeitig ein Aufbruch. Der Geist muss und wird sich neuen Dingen widmen. An irgendeiner Stelle geht es los, und dann gibt es kein Halten mehr. Bei mir sah das so aus: Da ist ein Buch namens „Die Fuck it Lösung“. Verschlungen, viel gelacht, mich ans Umsetzen gemacht. Dann noch ein Buch „Das große Los“. Theoretisch ein Buch über eine Weltreise, praktisch ein Anleitung zu einem guten Leben.

Dann auf earthcity.de gestoßen, weil ein Freund das bei Facebook angeklickt hatte. Angefixt von der Idee des digitalen Nomadentums. Weitere Seiten dazu entdeckt. Mich mit der Idee des Bloggens beschäftigt. Einen großartigen Kurs im BlogCamp dazu gemacht, URL reserviert, Blog entwofen, gelauncht. Und, und, und … Das alles sind Dinge, die vor einem Jahr noch weit außerhalb meines Denkens, meines damaligen Vorstellungsvermögens waren.

Doch einmal einen neuen Weg eingeschlagen, gibt es täglich neue Inspirationen, neue Bekanntschaften, neue Ideen, ein neues Lebensgefühl. Das tut gut, das befreit, das spornt an. Für mich war der  harte Bruch in meinem Leben ein Segen. Er war notwendig, damit ich demjenigen näher komme, der ich wirklich bin. Etwas ist kaputt gegangen, aber ganz viel wertvolles Neues entstanden.

Zum Autor: Auf Adios Angst schreibt Mischa über eine besondere VW-Bus Reise, um das Abenteuer seines Lebens, um den Mut zu Veränderungen, um Herausforderungen und die Frage, wie man mit diesen und seinen Ängsten umgehen kann. Es lohnt sich sehr, dort mal vorbei zu schauen!

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Mischa Miltenberger
Über den Autor

Mischa Miltenberger

Mischa hat nach 11 Jahren als Sportredakteur den Job gekündigt und ist mit seinem VW Bus auf eine sechsmonatige Europareise gegangen. Gleichzeitig sprang er ins kalte Wasser der Selbstständigkeit. Er schreibt leidenschaftlich gerne und viel zu den Themen Persönlichkeitsentwickung, Ängste und Herausforderungen.

16 Antworten zu “5 Gründe, warum Brüche im Leben notwendig sind”

  1. Romina

    Hi Mischa!

    Toller Artikel – er spricht mir total aus dem Herzen. So krass wie bei dir ist meine Situation nicht, aber ich habe diese Woche meinen Job gekündigt, den ich seit 9 Jahren mache. Ich habe jetzt eine Chance wahrgenommen, bei der ich sehr wenig verdienen werde (wenn überhaupt) – aber die mich in Begeisterung versetzt. Zwar ein für mich grosses Risiko, aber die Chancen sind unzählig viele. Seit ich gekündigt habe platze ich beinahe vor Energie und die Ideen sprudeln. Es ist, als wäre ich aus einem zermürbendem, matten, freude- und ernergieraubendem Traum erwacht.

    Ich drücke dir die Daumen, dass du dir viele neue Träume schaffen kannst und diese auch mehr als nur erfüllst! Danke für die Inspiration – es hat mir nochmals bestätigt, dass ich genau auf dem richtigen Weg bin. Alles Gute!

  2. Hey Erisch,
    Guter Artikel, gefällt mir. Vielleicht hätten wir ja doch ne Tanzschule aufmachen sollen 🙂
    Et kut wie et kut, naja oder so ähnlich sagen das die Rheinländer.

    Wir freuen uns schon auf Dich: Hängematte hängt, Grill ist bereit, Bier gekühlt, und Urlaub ist eingereicht. Am Donnerstag geht’s zur Wattwanderung, vielleicht treffen wir ja den Klabautermann im Nebel – Adios Angst.

    Bis bald,
    Eros

  3. Hi Romina,

    es freut mich sehr, dass dir der Artikel gefallen hat. Und dein Weg, den du jetzt gehen willst, hört sich großartig an! Ich bin überzeugt davon, dass du mit deiner neu erwachten Energie Bäume ausreißen kannst. Und an jedem Tag, an dem du zweifelst (und die sind unvermeidbar), denke einfach daran, was du dir Gutes damit tust – und dass, wenn du so mutig warst, so weit zu gehen, dich nichts mehr stoppen kann und wird.

    Das Daumendrücken geb ich zurück. Bin sehr gespannt, was die Zukunft für dich bringt. Wenn du willst, kannst du mir ja gerne mal auf meiner FB-Seite ein PN schreiben. Fände ich klasse!

    Liebe Grüße
    Mischa

  4. Das mit der Nachkriegsgeneration sehe ich auch so. Und den Rest auch. 🙂 Mein größter Bruch im Leben bislang war 2009 der Abbruch meines BWL Studiums. Und im Nachhinein kann ich nur sagen, dass es die beste Idee meines Lebens war. Naja die 2. beste. Die beste war es nach Leipzig zu ziehen. 😉 Aber 2012 die Ausbildung beendet, einen festen Job, der unbefristet ist und Teilzeitstudium neben den Beruf stecke ich wieder fest. Keine Freizeit, keine Zeit die Eltern oder Freunde zu besuchen. Mein Leben besteht fast nur aus Arbeit und für Klausuren lernen. Die 2 Wochen Sommerurlaub sind viel zu kurz. Eine zündende wie ich da wieder herauskomme, habe ich bislang noch nicht. Spätestens 2016, wenn mein Bachelor fertig ist, kommt der nächste große Bruch. Denn den brauche ich dringend. Aber Angst oder so habe ich davor keine, denn wenn man ersteinmal einen Einschnitt gut bewältigt hat, weiß man, dass man sich auf sich selbst verlassen kann und weiß auch, dass man sehr stark ist.
    Und zum Schluss: Ich finde es sehr mutig, dass du in der Öffentlichkeit von deinen Panikattaken und der Depression zu schreibst, viele können das nicht und schämen sich, dass ihnen so etwas in einer viel zu stark leistungsorientierten Gesellschaft passiert ist. Vielen Dank dafür.
    Grüße Myriam

  5. Hi Myriam,

    das finde ich klasse, dass Du an Dich und Deine Stärke glaubst und Dich darauf verlässt. Das ist für mich das A und O, um Dinge in die richtige Richtung zu lenken. Denn viele, die ahnen, dass sie eine Änderung dringend nötig hätten, scheitern daran, dass sie sich selbst und ihren Gewohnheiten nicht über den Weg trauen.

    Und danke für das Lob. Für mich ist das so unheimlich befreiend, nachdem ich so lange Jahre alles verschwiegen habe und es dadurch für mich noch viel schlimmer wurde. Seitdem ich offen damit umgehe, bekomme ich unglaublich viel tolles Feedback und habe schon großartige Gespräche geführt (auch mit Menschen, bei denen ich das vorher nie gedacht hatte).

    Liebe Grüße und weiter viel Energie!

    Mischa

  6. Hallo Mischa,
    Mein leben hat auch gerade eine böse wende gemacht. Gut bezahlten Job verloren, und nun steht ich allein da. Mich würde interessieren wie du die Reisezeit vom Amt bekommen hast oder gab es da Probleme. Ich hab meinen caddy umgebaut mit Bett und kleiner Küche. Ich hab auch Lust nach der Kündigung zu reisen von Nord Frankreich bis zum Zipfel Italiens. Kannst du mir paar Tips geben. Ich finde dein tun klasse und Hut ab. Alles Gute und viel Glück. Mfg Sven

    • Hi Sven,

      das mit deinem Job tut mir leid. Aber ich bin fest davon überzeugt (und weiß es aus eigener Erfahrung), dass alles im Leben seinen Sinn hat.

      Wenn du dich schon arbeitslos gemeldet hast, musst du dich für eine längere Reise einfach komplett abmelden. Das heißt, du bekommst in der Zeit keine Leistungen, hast aber auch keine Verpflichtungen gegenüber der Arbeitsagentur. Dein Anspruch bleibt aber voll bestehen und läuft dann wieder an, wenn du zurück bist und dich wieder anmeldest.

      Für weitere Fragen und spezielle Reisetipps schreib mir doch einfach eine Mail an mischa@adios-angst.de

      Liebe Grüße und Danke für das Lob

      Mischa

  7. Hallo Misch,

    das Wort Bruch ist in unseren Breitengraden meist negativ behaftet. Da gebe ich Dir Recht. Und klar steht es für etwas das verloren, zerbrochen oder kaputt ging. Doch in Deinem Fall, scheint mir ganz klar das Richtige kaputt gegangen zu sein: nämlich Deine falsche Lebensart 🙂 Die Art wider Deiner Natur zu leben.

    Es freut mich für Dich, dass Du – zwar schmerzhaft über einen Zusammen-Bruch – Deinem Leben eine ordentliche Kehrtwende geben hast. Weiter so.

    Das Leben ist voller toller Momente, wenn wir sie zu lassen.

    Liebe Grüße
    Chris

    • Hi Chris,

      schöner hätte ich es nicht formulieren können 🙂

      Ich bin im Nachhinein auch wirklich froh über den Zusammenbruch. Sonst wären mir die Augen vielleicht nie geöffnet worden …

      Liebe Grüße
      Mischa

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