„Wie lange möchtest du eigentlich ortsunabhängig leben und arbeiten? Das geht doch nicht für immer.“Diese oder ähnliche Fragen begegnen mir häufiger. Meine Antwort darauf ist jedoch erschreckend kurz: So lange ich es kann.

Da kann ich noch so lange grübeln: Es fallen mir absolut keine Gründe dafür ein, warum ich nicht bis zum Ende meiner Tage auf diese Weise leben sollte. Denn seinen Aufenthaltsort frei bestimmen zu können, bedeutet ja noch lange nicht, auch permanent zu reisen. Es bedeutet lediglich maximale Freiheit.

„Was bedeutet ortsunabhängiges Arbeiten dann?“

Du kannst dein Leben so gestalten, wie Du es willst. Deine Freiheit beschränkt sich nicht auf 6 Wochen Urlaub. Du allein bestimmst über Zeit und Ort.

Zudem arbeitest du an Dingen, die dich erfüllen und persönlich weiterbringen.

„Aber irgendwann musst du doch mal sesshaft werden.“

Ich habe bereits ein zuhause. Auch wenn ich viel unterwegs bin, bin ich deswegen nicht heimatlos. Ich habe eine Wohnung. Ich habe einen Partner. Ich habe eine Familie. Ich habe Freunde, überall auf der Welt.

Sollte ich einmal einen Punkt erreichen, an welchem ich die Reiselust verliere (egal, ob bereits in 5 Jahren oder in 50 Jahren) dann werde ich halt zum Küchentisch-Nomaden und arbeite von zuhause aus.

Die Freiheit, seinen Arbeitsort jederzeit frei bestimmen zu können, ist auch dann noch genau so verführerisch, wenn man sie nur innerhalb der eigenen Stadtgrenzen nutzt.

Was hält dich davon ab, dein Leben selbst in die Hand zu nehmen?

„Was ist denn mit der Rente?“

Ich habe bereits einige Jahre vorgesorgt. Zur Zeit zahle ich dort jedoch nicht in eine Rentenkasse oder ähnliches ein, denn das Geld, dass ich verdiene, benötige ich für meine eigenen Projekte. Das ist aber nur vorübergehend so.

Geld zurücklegen? Das mache ich grundsätzlich immer – jedoch nicht viel. Das meiste geht dann irgendwann wieder fürs Reisen drauf. Ich bin zuversichtlich, mein Einkommen in den kommenden Jahren so steigern zu können, dass es mir nicht wehtut, wieder deutlich mehr zurückzulegen.

Langfristig gar nichts auf die hohe Kante zu legen, das halte ich für relativ unklug.

Jedoch sollte dich Zukunftsangst und Rentenpanik auf gar keinen Fall daran hindern dürfen, deine Träume zu verwirklichen!!

„So ein unsicheres Leben… Das macht doch keine Beziehung mit!“

Nun ja… ich bin in einer Beziehung. Und es funktioniert! Was soll ich sonst noch sagen?

Ob es klappt oder nicht hängt sicher stark von den einzelnen Persönlichkeiten innerhalb einer Beziehung ab. Es gibt Beziehungen, die diese häufige Trennung und dieses finanzielle Wackelgerüst nicht aushalten.

Bei uns klappt das aber. Wir haben beide unsere eigenen Passionen und diese leben wir auch, jeder für sich. Trotzdem haben wir aber auch gemeinsame Interessen und viele Erlebnisse, die uns zusammenschweißen.

Du solltest nicht aus Verlustängsten heraus deine Träume unterdrücken.

„Verliert man so auf Dauer nicht seine Bekannten und Freunde?“

Ich war noch nie ein Mensch, der all zu viele Freunde hat. Lieber wenige, aber gute Freunde. Es gibt einen recht übersichtlichen Kreis von Menschen, die mir wichtig sind und die ich als meine guten Freunde bezeichne.

Aber diese Freundschaften überleben es auch, wenn man sich einmal mehrere Monate nicht gesehen hat. Die gemeinsamen Erinnerungen schweißen einen zusammen.

Abgesehen von diesem relativ kleinen Kreis umgebe ich mich gern mit Menschen, mit denen ich viele Interessen teile. Hier schweißen einen eben diese gemeinsamen Interessen besonders zusammen.

Ich kann auf Partybekanntschaften und ähnliches vollkommen verzichten und bin in vielerlei Hinsicht eher ein introvertierter Charakter und ein Einzelgänger. Angst vor dem Alleinsein? Das ist eher hinderlich im Leben.

„Irgendwann hast du auf den ganzen Internetkram und ‚Arbeiten von überall‘ sicher keine Lust mehr.“

Kann sein. Who knows? Wenn mir danach ist, dann mache ich eben eine Frittenbude auf. Aber soll ich mir jetzt darüber Sorgen machen? Warum? Ich lebe im hier und jetzt, während ich mir eine Zukunft baue.

Ja, ich hatte schon einmal mehr Sicherheit in meinem Leben. Glücklicher gemacht hat mich das nicht. Ich habe genug. Zudem liebe ich die Freiheit, die Dinge zu tun, auf die ich auch wirklich Lust habe. Für mich ist das Erfolg.

Und wie geht es Dir? Was macht dich glücklich? Was ist für dich Erfolg?

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

5 Antworten zu “Von überall Arbeiten? Ständig reisen? – Das geht doch nicht für immer!”

  1. Word! Ich kenne diese Fragen und habe die gleichen Antworten. Die dahinter liegende Frage ist oft, glaube ich: „Wann wirst du wieder normal?“ Und es sind oft genau die skeptischen Fragen, die sich der Fragende selbst stellt, wenn er davon träumt, mehr sein Ding zu machen.

    • Ja, stimmt. Ich denke “Wie lange möchtest du eigentlich ortsunabhängig leben und arbeiten? Das geht doch nicht für immer.” kann man echt übersetzen in „Wann wirst du wieder normal?“ Normal ist ein grausames Word.

  2. Hut ab. Seine Träume zu verwirklichen und ab und an seine Koffer zu packen, um von überall auf der Welt zu arbeiten, ist mutig. Viele Reisen bringen eben viele neue Weltbilder und diese Eindrücke prägen fürs Leben. Ich habe auch eine Homebase, aber in unregelmäßigen Abständen packt mich das Reisefieber und ich steige ich ins nächste Flugzeug. Meine Reisen bringen mir viele neue Erfahrungen und prägen auch mein Leben daheim. Ob ich bald mehr Zeit auf Reisen als in meiner Homebase verbringe, wird die Zukunft zeigen.

  3. Witzigerweise stelle ich mir diese Fragen öfter selbst… Andere halten sich da raus. Vielleicht, weil ich zwar sehr sehr SEHR viel reise, aber keineswegs ein „Digitaler Nomade“ bin und etliche feste Bezugspunkte im Leben habe. Vielleicht, weil meine (ebenfalls wenigen und ebenfalls handverlesenen) Freunde mir nicht reinreden wollen und es sich andere nicht erlauben würden, solche Fragen zu stellen – sicher auch wegen meines Alters. Ich bin jetzt 42 und reise immer noch gerne! Allerdings weiß ich nach jeder Reise auch mein zu Hause mehr zu schätzen. Ich reise auch nicht mehr ganz so viel. Vielleicht wird es Dir genau so gehen. Auf jeden Fall finde ich es gut, dass Du den Mut dazu hast, Deine Träume zu leben.

    Ein Lieblingszitat von mir:
    “Why do you go away? So that you can come back. So that you can see the place you came from with new eyes and extra colors.” ― Terry Pratchett, A Hat Full of Sky

    • Danke für deine Worte!

      Ich finde, es ist legitim, mehrere „zu hause“ zu haben und jedes dieser Heimaten auch aus anderen Gründen zu haben. Das eine zuhause kann der Ort der Geborgenheit mit Familie und Partner sein Das andere zuhause kann der Ort der grössten Klarheit im Denken sein. Ich sehe den Begriff „Heimat“ etwas weiter gefasst und kann mir einen Lebensstil vorstellen, in dem ich zwischen 2 oder 3 Heimaten hin und her reise. 1000 verschiedene Orte zu besuchen, war noch nie meine Art des Reisens. Ich „reise“ im Grunde nur zwischen Orten, die ich mag 🙂

      Das Zitat mag ich sehr.

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