Endlich meine Freiheit genießen – wäre das schön! Stattdessen – jeden Sonntagabend dasselbe. Ich liege im Bett, denke an Montagmorgen und fühle mich – schlecht. Wieso kann ich nicht ausbrechen und frei sein? Meine eigenen Projekte voranbringen, selbstbestimmt arbeiten, wo und wann ich will, meine Arbeit mit dem Reisen verbinden? Einfach tun und lassen können, was mir gefällt. ABER…

Da sind sie wieder, die vielen Aber, die Zweifel und Ängste. Es muss doch einen Ausweg geben! Vielleicht habe ich den einfach noch nicht gesehen.

Geht’s dir auch so ähnlich?

Was ist Freiheit?

Je nachdem, wo auf der Welt du dich befindest, kann Freiheit ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Für jemanden, der in einer Diktatur lebt, bedeutet frei sein etwas anderes, als wenn wir nach Freiheit und Individualität in einer friedlichen, demokratischen Gesellschaft suchen. Folgende Definition davon findest du auf Wikipedia:

    „Freiheit (lateinisch libertas) wird in der Regel als die Möglichkeit verstanden, ohne Zwang zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können.“

Im Normalfall hast du immer die Möglichkeit frei zu entscheiden, was du gerne machen möchtest. Betrachtet man den Freiheitsbegriff von der philosophischen Seite aus, ist das nicht so einfach zu beantworten. Denn deine Freiheit schränkt evtl. die Freiheit deines Partners oder deiner Mitmenschen ein. Einfaches Beispiel: es steht dir frei, so laut Musik zu hören, wie es dir gefällt, auch wenn du dabei deine Ohren schädigst. In der U-Bahn jedoch störst du damit die Freiheit desjenigen, der neben dir sitzt und deine Musik ertragen muss.

Ich möchte hier aber nicht herum philosophieren. Hier geht es mir vielmehr um die geistige Freiheit. Es geht um die Grenzen, die du dir in deinem Denken und Handeln setzt. Die Grenzen, die dich am Wachstum hindern, an der Verwirklichung deiner Träume und Vorstellungen von deinem Leben.

Lebst du dein Leben schon oder träumst du noch?

Hast du eine genaue Vorstellung, wie dein Leben aussehen soll? Welche Freunde wählst du dir aus? Wo willst du wohnen und vor allem wie? Was willst du arbeiten, wieviel Geld verdienen? Welche Leidenschaften und Träume willst du leben bzw. verwirklichen?

Wenn du genau weißt, wie Dein Leben aussehen soll, dann lautet meine Frage: Lebst du das, wovon du träumst? Wer seine Träume verwirklichen will, muss etwas in seinem Leben ändern. Die Komfortzone verlassen, etwas Neues wagen. Veränderungen sind immer erst einmal „bedrohlich“. Du weißt nicht, ob das, was du änderst wirklich so wird, wie du es dir vorstellst. Du musst aus deinen Routinen ausbrechen, neues lernen und vielleicht scheiterst du mit deinem Vorhaben. Dann hast du den alten Weg verlassen und kannst oft nicht mehr dahin zurück. Aber du bist um einige Erfahrungen reicher. Und manchmal birgt ein Scheitern Chancen auf etwas noch Besseres in sich.

Das Gedankenkarusell

Du möchtest zum Beispiel mit deinem Partner zusammenziehen. Da er oder sie in einer anderen Stadt wohnt, musst du umziehen und dir einen neuen Job suchen. Du beginnst mit den ersten Gedankenspielen, wie das denn funktionieren könnte. Erst alles bei Dir aufgeben, hinziehen und dann einen Job suchen oder umgekehrt? Wie reagieren deine Familie und deine Freunde? Werden die Freundschaften über die Entfernung andauern? Und so weiter.

Schon bald schleichen sich die ersten Ängste in deine Gedanken. Du kannst es fast gar nicht verhindern, da nagen die Zweifel an dir und du bist nicht mehr frei in deiner Entscheidung. Zuerst sind die Zweifel ganz leise, aber bald werden sie lauter und wenn du nicht aufpasst, haben sie dich schon von deinem Vorhaben abgebracht noch bevor du begonnen hast.

Ich kenne die folgenden Gedanken sehr gut. Du auch?

  • Das schaffe ich nie
  • Ich kann das alles gar nicht
  • Ich werde nie gut genug sein
  • Freunde und Familie halten mich und meine Idee für verrückt
  • Wenn das scheitert, dann…
  • Wie soll das finanziell aussehen?

Welche Gedanken lähmen dich?

Alle Sätze, die dir sofort ins Bewusstsein dringen, wenn du etwas Neues anpacken willst, sind deine abgespeicherten Glaubenssätze. Wir haben sie gelernt bzw. entwickelt aus den Erfahrungen und der Erziehung während unserer Kindheit. Glaubenssätze sind subjektive Wahrheiten über uns selbst. Sie prägen noch heute unsere Entscheidungen und Handlungen, oft ohne dass wir das bemerken. Heute hindern sie dich aber daran zu wachsen, dich auszuprobieren, deine eigenen Ideen umzusetzen.

Es gibt eine ganze Reihe von Glaubenssätzen und sie ließe sich endlos fortsetzen. Hier einige Beispiele:

  • Ich bin nicht gut genug
  • Ich darf nicht auffallen
  • Niemand interessiert sich für mich
  • Ich bin nichts Besonderes
  • Keiner hört mir zu
  • Ich verdiene das nicht
  • Die anderen mögen mich nicht
  • Ich darf keinen Erfolg haben

Welche Glaubenssätze beschränken deine Freiheit?

Oft wirst du gar nicht merken, dass du gerade aus einem alten Glaubenssatz heraus handelst oder entscheidest. Deine Aufgabe ist es jetzt, dir diese Sätze nach und nach wieder ins Bewusstsein zu rufen. Dann wirst du immer häufiger merken, ob du gerade eine Entscheidung triffst aufgrund alter, gelernter Überzeugungen oder weil du es wirklich aus tiefstem Herzen willst und es dir egal ist, was andere dazu sagen.

Ich habe in den letzten vier Jahren sehr viel an meinen Glaubenssätzen gearbeitet. Am leichtesten ist es mir gefallen, wenn ich mir am Abend eine ruhige Viertelstunde genommen habe. Ich habe zum Zettel und Stift gegriffen und den Tag Revue passieren lassen. Zu allen Situationen, die mir im Gedächtnis hängen geblieben sind, habe ich mir Notizen gemacht und sie danach näher angeschaut.

Folgende Fragen helfen dir dabei:

  • In welcher Situation heute hattest du ein komisches Gefühl?
  • Hast du das gesagt, getan, entschieden was DU wolltest?
  • Hast du dich von der Meinung anderer beeinflussen lassen?
  • Wie hat sich die Situation für dich angefühlt?
  • Was genau hast du über dich gedacht?
  • Welcher Gedanke über dich ist dir in den Sinn gekommen?

Hier ein Beispiel: Ich habe noch nie in meinem Leben eine Küche gekauft. Obwohl ich weiß, wie sie aussehen soll und was ich will, scheute ich mich davor, zu einem Küchenplaner zu gehen und meine Wünsche von ihm umsetzten zu lassen. Meine Gedanken dazu:

  • Ich muss so etwas doch können (in meinen Augen eigentlich alles Alltägliche!)
  • Hoffentlich stelle ich mich nicht blöd an
  • Wenn der merkt, dass ich das noch nie gemacht habe, denkt der doch ich bin doof
  • Was mache ich, wenn der das ganz anders plant, als ich das will, dann muss ich den Planer ja anweisen, etwas zu ändern

Alle diese Gedanken haben mich nun ein halbes Jahr daran gehindert, mein Küchenprojekt endlich in Angriff zu nehmen.

So kommst du vom Zweifeln ins Handeln

Sich immer mit den Zweifeln und dem möglichen Scheitern zu beschäftigen, bringt dich nicht weiter. Du kannst nur etwas ändern, wenn du ins Handeln kommst. Dazu müssen die Zweifel verschwinden, am besten in unterstützende Gedanken. So kannst du nach und nach beginnen, die nötigen Veränderungen in dein Leben zu integrieren. Doch wie soll denn das gehen?

Meine Glaubenssätze in diesem Beispiel sind:

1. Das kann ich nicht
2. Dafür stelle ich mich zu doof an
3. Ich darf meine Wünsche nicht äußern

Die Sätze sind meine subjektiven Überzeugungen über mich aus meiner Kindheit. Sie sind momentan meine vorherrschenden Gedanken über mich selbst. Wenn du dir deine Glaubenssätze ansiehst, wirst du Ähnliches entdecken. Sie sind nur deine subjektive Überzeugung. Deine Umgebung sieht dich ganz anders als du selbst.

Für die richtigen Glaubenssätze musst du ein wenig in dich hineinfühlen, was der wahre Kern hinter deinen Gedanken ist. Vertraue dir, du schaffst das! Denn du kennst ganz genau deine innere Wahrheit. Du hast gelernt, sie nicht zu äußern. Aber dein Blatt Papier sieht ja keiner, das ist nur für dich.

Aus alt mach neu

Es ist an der Zeit die alten Glaubenssäte in neue, positive Impulse umzuwandeln. Aus den oben gennannten Sätzen ist der stärkste: „Ich darf meine Wünsche nicht äußern.“ Dieser muss auf jeden Fall geändert werden. Es schadet durchaus nichts, alle zu ändern. Das würde ich dir empfehlen, denn auch sie fallen dir immer wieder vor die Füße und hindern dich daran du selbst zu sein.

Nun aber zum konkreten Beispiel:

  • Das kann ich nicht -> ich schaffe das oder ich finde einen Weg
  • Dafür stelle ich mich zu doof an -> ich kann das lernen
  • Ich darf meine Wünsche nicht äußern -> meine Wünsche sind wichtig für mich

Nimm dir auch für die Umwandlung der Glaubenssätze Zeit. Höre ganz genau in dich hinein, welcher neue Satz am kraftvollsten für dich ist. Teste mehrere Möglichkeiten aus, dann merkst du, welcher der passendste ist. Es ist wichtig, dass er dir ganz viel Kraft und Unterstützung gibt.

Im Beispiel oben kannst du dir einen Satz herausnehmen oder alle miteinander kombinieren. Trage ihn immer bei dir, damit du dir im Alltag darüber wieder Kraft holen kannst und ihn nicht vergisst. Sage ihn im Stillen immer wieder auf. So prägt er sich dir ins Gedächtnis ein und du änderst nach und nach deine Gedanken über dich.

Er könnte zum Beispiel lauten:

    Ab jetzt finde ich immer einen Weg meine Wünsche zu äußern.

Für mich ist das am kraftvollsten, deswegen taucht nicht alles in dem Satz auf. Und er ist nicht nur auf eine Situation anwendbar, sondern auf alle, in denen die Wünsche eine Rolle spielen.

Jeder hat in seiner Kindheit Glaubenssätze über sich abgespeichert. Heute verhindern einige dieser subjektiven Überzeugungen dein persönliches Wachstum. Sie erzeugen Angst und lassen dich oft deine innersten Wünsche ignorieren. Das Auflösen und Umwandeln in positive, kraftvolle Impulse lässt dich deine Potentiale entfalten und den Mut gewinnen, endlich frei zu werden und dein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Ich bin gespannt, mit welchen Glaubenssätzen du dich herumschlägst und welche positiven Impulse du daraus machst.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Michaela Wiesenbacher
Über den Autor

Michaela Wiesenbacher

Michaela Wiesenbacher ist eine von bundesweit 10 Long Ku Trainern und Autorin des Blogs lebensfreude-gestalten.de. Schon in der Schule begeisterte sie sich für Menschen und tiefgründige Texte. Einer Ihrer Lieblingsautoren ist Paolo Coelho. Die Ausbildung zur Vertriebskauffrau ermöglicht ihr nun die Freiheit zu schreiben und andere Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen.

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