Gemeinsam als Paar auf Reisen? Im Digitalen-Nomaden-Stil? Viele fragen sich, ob und wie das geht. Um ellenlange theoretische Abhandlungen oder Listen mit Tipps und Tricks zu vermeiden, haben wir kurzerhand ein Pärchen interviewt, die das sehr erfolgreich leben.

In diesem Interview erfahrt ihr also die ungeschminkte Wahrheit. Darüber, wie es ist, als Pärchen sehr viel unterwegs zu sein und sich seine Brötchen (Baguettes, Ciabattas, Croissants,…) unterwegs zu verdienen. Was funktioniert gut, was solltet ihr beachten und was habt ihr davon? Wir fragen mal nach! Los geht’s mit Katharina und Henryk von Out of Office.

Was hat euch dazu bewogen, ortsunabhängig arbeiten und dabei reisen zu wollen?

K: Ich war der Treiber, war nicht mehr wirklich glücklich im Job und einfach ausgepowert. Ich wollte kündigen! Und eine Veränderung! Aber mir war natürlich wichtig, das mit meinem Partner zu arrangieren. Als PR-Beraterin musste ich mein neues Arbeitsmodell „out of office“ schon etwas umstellen, aber das hat nach einiger Zeit dann auch funktioniert.

H: Bei mir ist es anders, ich bin selbstständiger Grafiker und habe während des Studiums schon mit der Selbstständigkeit angefangen. Während dieser Zeit war ich schon in Deutschland viel unterwegs und ich fand, das hat sehr gut funktioniert! Daher empfinde ich die Umstellung gar nicht als so groß! Es war vielmehr spannend, das Modell ab jetzt mit Katharina zusammen machen zu können.

Was war in eurer Beziehung die größte Schwierigkeit, der ihr euch bis jetzt stellen musstet?

K: Die größte Schwierigkeit ist sicher, letzte Zweifel auszuräumen, wenn man sich für das „Nomaden-Dasein“ entscheidet. Denn natürlich gibt es keine Garantie, dass die Beziehung das aushält. Werden wir unterwegs genug Raum für uns haben? Einen Rückzugsort? Wir haben aber an uns geglaubt und am Ende hat sich das gar nicht so sehr wie eine Herausforderung angefühlt!

H: Wirklich wichtig ist, dass der Takt zueinander passt. Wann gehen wir zum Strand, wann arbeiten wir? Die Abstimmung ist da manchmal schon schwierig. Auch der W-Lan- und Stromzugang unterwegs macht häufig zusätzliche Probleme – und bringt die gemeinsame Planung dann wieder durcheinander!

K: Wenn es Schwierigkeiten beim Arbeiten gibt, finde ich es wichtig, die nicht auf die Beziehungen zu übertragen!

H: Wobei das in einem „normalen“ Leben auch so ist…

Gab es bei euch ein Erlebnis, was euch zusammengeschweißt hat?

K: Beim Reisen gibt es immer wieder Ausnahmesituationen. In Tansania sind z.B. unsere Nachbarn überfallen worden und da wird einem wieder deutlich, dass man sich auch Gefahren aussetzt. Wir waren einfach froh, dass wird gesund sind und einander haben.

H: Ein wichtiger Punkt ist auch unser gemeinsames Blog-Projekt gewesen. Das war ein anderes Gefühl, denn dabei haben wir nicht nebeneinander her sondern miteinander gearbeitet. Eine neue Art der Partnerschaft.

Wie seht ihr das Familienproblem?

K: Das Thema finde ich spannend! Natürlich stellt sich hier die Frage, ob der Nomaden-Lifestyle ein zeitlich begrenztes Projekt ist. Spätestens, wenn ein Kind in die Schule muss, ist man gezwungen, den Nomaden-Lifestyle für eine Weile zurückzufahren.

H: Ich finde es wichtig, auf Kinder Rücksicht zu nehmen. Man sollte Kindern schon ein halbwegs stabiles Umfeld ermöglichen.

Seid ihr abgesehen vom vielen Reisen auch extravagant, oder eher „Beziehungsnormalos“?

K: Ich denke, wir sind relativ normale Beziehungsmenschen. Wichtig ist für uns, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen. Hilfreich ist auch, dass wir viel Nähe gut aushalten können, ohne uns gegenseitig auf die Nerven zu gehen!

Nehmt ihr eure gemütliche Couch unterwegs mit oder was macht ihr, um euch zu Hause zu fühlen?

H: Ich glaube, man fühlt sich dann zu Hause, wenn man Rituale und Rhythmen hat! Ein Picknick etwa ähnlich zu gestalten wie zu Hause ein Sonntagsfrühstück auf dem Balkon. Vertrautheit herstellen halt…

K: Ich glaube, dass man sich als Paar unterwegs eher ein kleines Nest baut als ein Alleinreisender!

H: Schließlich will man sich gemeinsam wohl fühlen!

Gibt es den einen Tipp, den ihr anderen angehenden Nomaden-Partnern mit auf den Weg geben würdet?

K: Keine zu hohen Erwartungen haben, dann wird man eher positiv überrascht. Ich glaube, das ist immer hilfreich, egal, ob man alleine, zu zweit oder mit vielen Leuten unterwegs ist. Man vermeidet unnötige Frustration, die der Partner sonst eventuell zu spüren bekommt. Also lieber etwas tiefer stapeln. Und wenn irgendwas vor Ort nicht auf Anhieb passt, immer erst mal eine Nacht drüber schlafen!

H: Mein Tipp wäre, die Lösung nicht zwangsläufig in Kompromissen zu suchen, aber dennoch tolerant zu bleiben. Wir sagen oft: „…dann lass uns jetzt das eine machen und beim nächsten Mal das andere!“ Wenn einer in die Berge will und der andere ans Meer, macht es ja auch keinen Sinn als Kompromiss nach Düsseldorf zu fahren! (lacht)

Besten Dank Ihr Zwei! Das ist deine Gelegenheit, Fragen in die Kommentare zu schreiben, wenn du selbst ebenfalls darüber nachdenkst, mit Partner oder Partnerin mal längere Zeit unterwegs zu sein! Bis dahin viel Spaß auf dem Weg zu deiner glücklichen, aber nicht zu perfekten ortsunabhängigen Beziehung! Dein Nils von Deine Perfekte Beziehung.

OUT OF OFFICE – Katharina Jacobs & Henryk Berlet - HawaiiBesten Dank an Nils Terborg für diesen Gastartikel!

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

5 Antworten zu “Digitale Nomaden: Geht das auch als Paar? Ein Interview”

  1. Zusätzlich zur Frage von and! würde ich gerne wissen, ob die Dig. Nomaden nach einer Pause ( wegen d. Kinderwunsches) später wieder zu ihrem dig. Nomadenleben zurück kehren oder das Leben wie im normalen Alltag leben würden

  2. Vor allem der letzte Punkt mit den Kompromissen hat mir gefallen, muss ich mir merken! Ich denke trotzdem das es stressig zu zweit ist. Als ich mit meiner Freundin fur drei Monate in den usa wahren, haben wir uns jede zweite Woche gestritten, wobei der streit meistens von mir ausging

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