Unsere Arbeitswelt stellt sich zur Zeit völlig auf den Kopf. Digitale Nomaden sind dabei ein wichtiger Teil der Speerspitze.

Zwar merken immer mehr Menschen mittlerweile, was sich da am Horizont abzeichnet. Trotzdem haben längst nicht alle davon Wind bekommen. Die entscheidende Frage ist aber: Hast du es schon mitbekommen? Bist du bereit?

Ich will keine Panik verbreiten. Wer jedoch nicht bald aus dem Dornröschenschlaf erwacht und sich mal kräftig schüttelt und umschaut, der läuft Gefahr, auf der Strecke zu bleiben. Das ist so ähnlich, wie mit dem Frosch im Wasserglas, dessen Wasser man ganz langsam aber stetig erhitzt.

Ruhig bleiben ist der falsche Rat

In der James Altucher Show hörte ich neulich einen (etwas plakativen) Satz und er inspirierte mich unter anderem zu diesem Artikel.

„Work is a scam.“

Übersetzt heisst das ungefähr so viel, wie: „Arbeit ist eine Verarschung“. James Altucher meinte mit „work“ vor allem die Arbeit als Angestellter. Ein Arbeitsverhältnis innerhalb einer Firma, bei welchem man in erster Linie erst einmal seine Zeit gegen Geld tauscht. Es war hier sicher nicht Arbeit als solches gemeint, so lange man diese nicht als einen Ort, sondern eine Tätigkeit begreift.

Das ist sicher ein wenig plakativ. Ein Job als Angestellter ist kein Teufelszeug, sondern kann Sinn machen und für manch einen ein erfüllendes Leben bedeuten. Besonders für Familien ist es oft die (vermeintlich) sicherste Wahl. Es kann aber in vielen Fällen auch kräftig in die Hose gehen.

Wie sieht ein Tag in der Tretmühle meist aus?

Du gehst als Angestellter morgens zur Arbeit, musst um 8 oder 9 Uhr dort sein und bist dann (abgesehen von deiner Mittagspause) mehr oder weniger an deinen Arbeitsplatz gefesselt. Einfach mal 2 Stunden abzuhauen, das kommt gar nicht gut an. Im schlimmsten Fall gibt es eine Stechuhr. Um 18 Uhr gehst du erschöpft und vom Computerbildschirm getoastet nach Hause.

Somit hast du 9 Stunden deines Tages gegen Geld eingetauscht. Geld gegen Lebenszeit. Wie produktiv du warst, spielt dabei erst einmal keine direkte Rolle.

Warum soll das aber nun ein Betrug sein? Schließlich bekommst du ja einen Lohn. Stimmt! Als Selbstständiger arbeitet man zudem häufig noch wesentlich mehr. Stimmt auch! Was die ganze Sache erst zum Betrug macht: Du bist das Bienchen, den Honig essen andere.

Nun sind wir alle in erster Linie unser eigenen Glückes Schmied. Wer sein Glück nicht in die Hand nimmt, ist grundsätzlich selbst Schuld. Daher muss man erst einmal für sich selbst erkennen, das viele (nicht alle) Angestelltenverhältnisse ein ziemlich mieses Tauschgeschäft sind. Lebenszeit gegen Geld – oft machen die zugewiesenen Tätigkeiten nämlich zudem gar keine Freude.

Wir alle brauchen Geld. Jedoch kommt man an dieses durchaus auch anders. Und zwar mit Dingen, die zugleich ein Zugewinn für deine Lebenszeit sind. Dazu muss man sich nicht zwingend Selbstständig machen, jedoch ist es als Selbstständiger leichter, die Arbeit so zu formen, dass sie dir Spaß macht. Das ist auch schon das ganze Geheimnis. Selbstbestimmung. Denn Lebenszeit gibt uns keiner zurück. Die verringert sich jede Sekunde.

5 Gründe, warum die Tretmühle oft ein mieser Deal ist

#1 In einem Unternehmen hast du einen gewissen Stundenlohn. Dieser entspricht aber nicht dem Wert deiner Arbeit, sonst hätte das Unternehmen ja keinen Gewinn. Shareholder und Co wollen einen großen Batzen vom Kuchen. Wenn du selbstständig bist, steuerst du, wer welches Stück Kuchen bekommt. Kurz: Als Angestellter bekommst du grundsätzlich erst mal weniger raus, als du wert bist.

#2 Jobsicherheit war mal. Es gibt sie schlichtweg nicht mehr. Die Zeiten sind vorbei. Und ich überspitze hier nicht, es ist eine Tatsache. Zeitarbeitsfirmen wachsen und wachsen. Immer mehr Menschen bekommen nur Zeitverträge. Auch solche mit langfristigen Verträgen können gekündigt werden. Eine Firma bis zur Rente? Für unsere Eltern noch normal. Für uns: Abgeschafft!

#3 Wenn du einen Angestelltenjob hast, gibst du dein Schicksal in die Hand anderer Menschen. Das ist so wie beim Fliegen, du musst dem Kapitän vertrauen. Nur, dass der Absturz eines Unternehmens wesentlich wahrscheinlicher ist, als der eines Flugzeuges. Wenn du am Steuer sitzt, bist du wenigstens selbst schuld, wenn du vor einen Baum fährst und hast dabei was gelernt. Beim zweiten Versuch wirst du es besser machen.

#4 In Unternehmen herrscht oft Krieg. Oder zumindest kriegsähnliche Zustände. Ich habe es erlebt. Manch einem macht Politik ja tatsächlich Spaß. Ich habe es jedoch abgrundtief gehasst. Man muss darauf achten, nichts Falsches zu sagen. Es herrscht Anspannung und jeder versucht, besser dazustehen, als der andere. Die nette Sekretärin aus der Kaffeepause redet womöglich vorm Chef gar nicht so gut über dich, nachdem du ihr im Vertrauen vom letzten Partywochenende erzählt hast. Keine Umgebung, um einfach man selbst zu sein.

#5 Du hast 5 Wochen Urlaub pro Jahr. Nur in dieser Zeit bist du wirklich frei. Wenn du dein Geld selbstständig verdienst, kannst du im Grunde jederzeit machen, was du willst. Wenn der Pool im Urlaub nicht perfekte 25 Grad hat und das Frühstücksei zu hart ist, kotzt du so richtig ab – aus Angst, deine kostbaren 2 Wochen könnten falsch investiert sein. Wenn du über deine Zeit selbst bestimmst, bist du gelassener und lässt auch mal ‚Fünfe gerade sein‘.

Ich habe in der vergangenen Woche ein paar Coachings mit drei sehr netten und interessanten Leserinnen absolviert und mit ihnen besprochen, wie sie ihr bestehendes Business auf Ortsunabhängigkeit vorbereiten können. Zwei davon waren zuvor bei Zeitarbeitsfirmen und hatten hohe, aber schlecht bezahlte Positionen. Die dritte Leserin war in diversen Festanstellungen, erhielt aber meist nur Jahresverträge. So geht es offensichtlich immer mehr Menschen.

Im Grunde belegt dies nur die Entwicklung, die man auch daran feststellen kann, wie rasant Zeitarbeitsfirmen wachsen: Firmen stellen nicht mehr ein. Sie wollen höchstmögliche Flexibilität. Auf Kosten der Planungssicherheit von Angestellten.

Es gibt auch positive Beispiele

Diverse Firmen bieten ihren Angestellten zunehmend mehr zeitliche und örtliche Freiheit. Es soll bereits Angestellte geben, die ortsunabhängig Arbeiten können und bei denen nicht die abgesessene Zeit, sondern alleinig die Leistung zählt. Vielleicht auch etwas für Dich?

Die Festanstellung wird in Unternehmen natürlich weiterhin gebraucht. Sie ist sicher auch nicht vom Aussterben bedroht. Jedoch wird der ehemals dichte Wald hier stark ausgedünnt. Die, die bleiben dürfen, werden dann womöglich eines Tages auch von den Freiheiten profitieren, die wir uns als digitale Nomaden mit Hilfe unserer Selbstständigkeit erarbeitet haben.

Die ersten Vorboten sind schon am Firmament zu erkennen. Die deutsche Bahn unterhält einen (bisher recht verwaisten) Schreibtisch im Betahaus und ist damit nicht allein. Diverse Beratungsunternehmen haben ihre Büros abgeschafft und eine Art Firmen-Coworking Umgebung geschaffen. Alles kleine Zeichen des Wandels.

Wohin geht also die Reise? Meine Vorhersage

Wer flexibel ist, wird oben schwimmen. Egal ob selbstständig oder in einem Unternehmen: Flexibilität wird zunehmend überlebenswichtig.

Wer sich erfolgreich selbstständig macht, wird diese Flexibilität viel schneller lernen müssen. Man bringt sich quasi selbst das Überleben bei. Viele Angestellte stehen erst einmal auf dem sprichwörtlichen Schlauch, wenn sie gefeuert werden.

Auch Angestellte müssen sich zunehmend als Unternehmer verstehen. Ihr Chef ist quasi ihr bester Kunde (der jedoch auch abspringen kann, wenn man einen miesen Job macht). Unternehmerisches Denken wird somit in Zukunft ebenfalls für alle Überlebenswichtig.

All jene, die das nicht erkennen, laufen Gefahr, vom Tellerrand zu kippen, in den Hundetrog zu fallen und gefressen zu werden. Nein, die Rente ist nicht sicher. Nein, es wird sich keiner um dich kümmern. Ärmel hochkrempeln ist angesagt.

Wie mein lieber Nomadenkollege Patrick Baumann neulich im Earthcity Podcast so schön sagte: „Die beste Altersvorsorge ist, vermögend zu werden.“ Womöglich ist es eines Tages die Einzige…

Was soll ich nun tun?

Sich grundsätzlich als Unternehmer zu sehen, ist schon einmal ein großer Schritt in die richtige Richtung. Vor allem in Deutschland fällt den Menschen dies aber oft schwer.

Auch als Angestellter sollte man wie ein Unternehmer denken. Du musst dich nicht zwingend selbstständig machen, solltest dich ggf. aber zumindest einmal damit auseinandersetzen, ob es für dich die bessere Lösung sein könnte. Jeder Jeck ist anders. Aber auch als Angestellter musst du unbedingt lernen, unternehmerisch zu handeln.

Zudem macht es Sinn, dich weiterzubilden. Und zwar in Themenbereichen, die dich auch wirklich interessieren. Ich habe Jahre meines Lebens mit unnützen Dingen verbraten. Was hätte ich mir da alles beibringen können, was mir nun nützen könnte und zugleich Spaß macht. Glotze aus!

Wer früher erkennt, wie der Hase läuft und seinen sinnvollen Interessen intensiv nachgeht, der hat später immense Vorteile. Manch einer erkennt das mit 18 (meinen tiefsten Respekt). Manch einer erst mit 30 (so wie ich zum Beispiel). Manch einer nie.

Es ist offensichtlich nie zu früh, etwas zu entdecken, dass einem Spaß macht und zugleich eine gute Grundlage für die spätere Arbeit darstellen könnte. Zu spät ist es jedoch definitiv auch nie, so lange das Herz noch pumpt. Oder wie siehst du das?

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

10 Antworten zu “Zukunftsangst: Was ist die beste Sicherheit?”

  1. Stefan Scherer

    Hallo,
    ein sehr interessanter Artikel. Aber leider hat man oft das Problem, das man seinem Geld hinterrennen muss. Also als Unternehmer meine ich jetzt…
    Und das ist ehrlich gesagt ein sehr großes Problem und auch der einzigste Grund warum ich in einer festen Anstellung bin. Denn ich habe wie viele andere ( oder jeder andere auch ) meine Verpflichtungen und u.a. auch eine Familie. Vielleicht ist das auch die größte Verpflichtung, denn wenn man der nicht nachkommen kann, weil offene Rechnungen nicht beglichen werden ist das echt ein Problem.

  2. Toller Artikel in dem viel Wahrheit steckt.

    Was ich immer gerade in der Sicherheits-Diskussion seltsam finde: Als Selbständiger bekommt man immer den Tipp, sich nicht auf zu wenige große Kunden zu konzentrieren, sondern zu streuen. Wenn ein Kunde plötzlich abspringt, hat man sonst erhebliche Einbußen. Aber als Angestellter ist es ja noch viel schlimmer, da hängt das gesamte Einkommen an einer einzigen Firma, die ebenfalls jederzeit „abspringen“ kann.

  3. Hallo, wir haben uns auch entschieden digitale Nomaden zu werden.Es gehört, wie ich finde doch viel Mut dazu aber es lohnt sich.Mir macht unser Leben viel Spaß, endlich ohne Chef oder Menschen, die mir zeigen wollen was ich zu tun oder zu lassen habe.Unsere Entscheidung war absolut die Richtige und ich bereue nichts.

    Viele liebe Grüße
    Julia

  4. Hallo Tim,
    auch ich muss sagen, ein sehr gelungener Artikel!

    Bin ebenfalls gerade dabei mich auf eigene Beine zu stellen, da sowas wie mein nennen wir es mal „Lebensprojekt“ (http://360westx.com/ , falls es wen interessiert…) nicht im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses zu verwirklichen ist. Aber wenn man sowas in Angriff nimmt kommt man mit einer Angestelltenmentalität ohnehin nicht weit.

    Allerdings muss ich sagen, Freiheit kommt nicht von selbst, man muss sie sich erarbeiten und erkämpfen. Aber es lohnt sich! Und: flexibel sein und bleiben und mehrgleisig fahren wird in Zukunft immer wichtiger!

    Viele Grüße,
    Andreas

  5. Starkes Ding! Ich merke, dass es auch immer mehr junge Menschen (also so mein Alter: 23 oder jünger) gibt, die das schon mehr und mehr erkennen und sich daher ihren eigenen Weg bauen. Ob das Bloggen ist oder was auch immer ist ja erst mal egal – Hauptsache das Mindset stimmt =)

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