Ein Flug vom schönen Berlin nach London fühlt sich heute an wie eine Kaffeefahrt oder ein Besuch bei Tante Truda im Nachbardorf. Fliegen ist normal geworden. Nichts besonderes mehr. Alltag. Gewöhnlich.

Doch ist das wirklich gut? Sind Kurzstreckenflüge sinnvoll?

50 Mal so viel Flugzeuge gibt es heute am Himmel als noch vor 50 Jahren. Es fliegen ständig 20.000 Flugzeuge um den Erdball. Weltweit gibt es über 1.000 Airlines und genau so viele Flughäfen.

Dass jedoch die CO2-Emissionen von Flugzeugen verdammt hoch sind, ist kein Geheimnis mehr. Sie liegen in etwa 10 Mal so hoch wie die Emissionen eines Zuges (pro Person). Ausserdem sind die Ausstöße der Flugzeuge besonders schädlich, da sie so weit oben am Himmel freigesetzt werden.

Warum sind die Flüge trotzdem oft immer noch günstiger als Zugfahrten? Ein Flug von Köln nach London oder von Köln nach Berlin ist fast immer günstiger zu haben, als eine Zugfahrt auf der selben Strecke. Woran liegt das?

Hier ein Beispiel für die Strecke Köln-London (welche auch in 4 Stunden mit dem Zug zu meistern ist):

Flug: 300 kg CO2 p.P. (Air Berlin Boeing 737-700) — durchschn. Preis: 49,00 €
Zug: 30 kg CO2 p.P. (ICE & Eurostar) — durchschn. Preis: 99,00 €
Auto: 20 kg CO2 p.P. (VW Passat D, 4 Passagiere) — durchschn. Preis: unter 50,00 €
Bus: 15 kg CO2 p.P. (Scania Bus) — durchschn. Preis: 45,00 €

Wie man sieht, ist der Zug wesentlich teurer, während er zugleich jedoch wesentlich weniger CO2-Emissionen freisetzt. Warum ist das so?

Eine kleine Geschichte hierzu:

Im Dezember 1944, kurz nach dem zweiten Weltkrieg, kamen 52 Länder zusammen, um gemeinsam die sogenannte „Convention on International Civil Aviation“ zu unterzeichnen. Diese multilaterale Vereinbarung ist noch immer gültig. Sie wurde ins Leben gerufen, um die Welt auf den wachsenden Flugverkehr vorzubereiten und um weltweit gleiche Standards zu setzen. (Heute haben 160 Staaten die Vereinbarung unterzeichnet.)

Eben diese Vereinbarung hatte jedoch noch einen weiteren Zweck: Den internationalen Flugverkehr zu fördern, damit er schnell weiter wachsen würde. Ein Weg um dies zu tun, war die Einführung von besonderen Steuerregelungen für die Flugindustrie. Aus diesem Grund haben nahezu alle Staaten nach 1944 Steuervergünstigungen für Luftverkehrsunternehmen und vor allem für Kerosin eingeführt. In Deutschland wurde dies 1953 umgesetzt und die Industrie wurde daraufhin mit steuerbefreitem Kerosin versorgt.

Eines steht jedoch fest: Heutzutage muss der Luftfahrtverkehr nicht mehr subventioniert werden. Es ist bereits ein riesiger Markt vorhanden. Ganz im Gegenteil, man muss Wege finden, diesen zumindest auf kurzen Strecken einzudämmen. Der Kurzstrecken-Luftverkehr hat überhand genommen und ist zu einer Bedrohung geworden. Vor allem für Strecken innerhalb Europas unter 500-1000 Kilometern sollte es immer günstiger sein, die Bahn zu benutzen. Warum also nicht damit beginnen, die Bahn zu subventionieren und alle Subventionen für den Flugverkehr endlich abzuschaffen?

Schön wärs, wenn es so einfach wäre. Kerosin wieder zu besteuern ist nicht so leicht, denn es gibt diverse Vereinbarungen zwischen einzelnen Ländern, die geändert werden müssten und Änderungsanträge innerhalb der ICAO wurden bisher immer geblockt. Auch die EU bewegt sich hier wenig. Kaum ein Land ist bereit, hier ein gutes Beispiel zu setzen.

2006 haben immerhin zwei europäische Länder wieder Kerosin-Steuern für inländische Flüge eingeführt – Norwegen und die Niederlande. Wieviele Inlandsflüge es innerhalb der Niederlande gibt, könnt Ihr euch sicher vorstellen. Norwegen ist auch nicht besser. Es ist zwar größer, jedoch sehr dünn besiedelt.

In Deutschland gibt es viele Interessenvertreter, die eine Erhebung von Kerosinsteuer blocken. Hierzu gehören unter anderem der Flughafenbetreiber Fraport, sowie diverse Industrievertreter, die alle Angst haben, dass die deutschen Flughäfen dann an Wichtigkeit einbüßen. Die Flugindustrie-Lobby ist zudem sehr stark und will den Kurzstreckenmarkt nicht eindämmen lassen.

Nur zur Klarstellung: Auch ich freue mich über günstige Flugpreise. Ich fliege gerne und oft. Aber eine Subventionierung von Kerosin (während der Zug- und Busverkehr keinerlei Subventionen erfährt) macht keinen Sinn. Wo es möglich ist, sollte man Züge benutzen. Inlandsflüge innerhalb Deutschlands müssen wirklich nicht sein, oder?

Kontinentalflüge sind ein anderes Thema. Aber eine Strecke, die man in 5 Stunden mit dem Zug bewältigen kann, muss zumindest innerhalb Europas nicht geflogen werden (….es sei denn, ihr habt gerade kein Geld). Es wird daher Zeit, dass sich das auch in den Preisen widerspiegelt.

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Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

6 Antworten zu “Flüge, Züge und die große Lüge”

  1. Da bin ich absolut deiner Meinung. Ich finde es schlimm, wenn ich mir die Bahnpreise im Vergleich mit Flugpreisen anschaue. Ich fahre sogar gerne Zug, aber wenn es schon soweit ist, dass ich fliegen muss, weil ich mir den Zug nicht leisten kann, stimmt etwas ganz gewaltig nicht. Ich hoffe, dass sich da in Zukunft etwas tut. Grüße Timm

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