„Eitel ist es, mit mehr zu tun, was auch mit weniger getan werden kann.“ Wilhelm von Ockham (1300-1350), Philosoph
Um zu erläutern, wo ich nun stehe und wie es dazu gekommen ist, muss ich kurz meinen bisherigen Werdegang zusammenfassen. Ich verspreche, mich kurz zu fassen!

Also… 2007 habe ich mein Studium der Architektur abgeschlossen. Kurze Zeit später begann ich in einem Architekturbüro zu arbeiten. Die Projekte waren spannend und die Atmosphäre recht entspannt. Trotzdem war es ein klassischer 9 to 5 Job. 9 Stunden täglich, 5 Stunden die Woche. Manchmal musste ein Wochenarbeitspensum an einem Tag absolviert werden. Des Öfteren war aber auch wenig zu tun. Das Gehalt war jedoch mau und wenig motivierend – daher entschied ich mich kurzerhand nach 2 Jahren, nochmal ein Aufbaustudium zu beginnen. 2 Jahre voller Spannung und Abenteuer lagen nun wieder vor mir…. Gott sei Dank (inklusive 2 Auslandsaufenthalten). Das Studium sollte nicht einfach werden, aber es wurde zumindest nicht langweilig. Ich lebte einige Monate in China, Berlin und zuletzt im kalten Helsinki. Alles innerhalb von 2 Jahren und alles im Auftrage der Weiterbildung. Gelernt habe ich während dieser Zeit zweifelsohne eine Menge. Aber bekanntlich geht auch die schönste Zeit einmal zu Ende. Mitte 2011 musste also wieder ein fester Job her. Da ich während des gesamten Aufbaustudiums bereits bei einem großen Unternehmen gejobbt hatte, bewarb ich mich dort und wurde prompt eingestellt. Was für ein Glück, oder? Ich begann also dort zu arbeiten. Projektmanagement. Wesentlich trockener als mein alter Job als Architekt, aber trotzdem sehr spannend und mit einem wesentlich besseren Verdienst. Einige Monate gingen ins Land, und die spannenden Projekte, welche ich mir erhofft hatte, wollten sich einfach nicht so recht blicken lassen. Da ich aber neu war und mich in der Probezeit befand, gab ich mir natürlich grösste Mühe, trotzdem Engagement zu zeigen. Ich bemühte mich anfangs sehr um Arbeit, begriff aber schnell das Akten sortieren eine Arbeit ist, die grösste Seelische Qualen bedeutet und einen geistig in etwa sosehr fordert wie das Erbsenzählen auf dem Jahrmarkt. Das alles war sehr demotivierend. Nach 4 Monaten kam eine gewisse Verzweiflung in mir auf. Es wurden mir spannende Aufgaben versprochen… morgen, übermorgen, nichts kam. Irgendwie schaffte ich es, bis zu meinem ersten Urlaub durchzuhalten. Eine Reise, welche schon lange Zeit geplant war, daher bekam ich auch Urlaub, trotz Probezeit. Es ging nach Südostasien und Australien. 3 Wochen. Endlich wieder das Gefühl von Freiheit und Abenteuer, welches mir anscheinend so tief in den Genen verankert ist, dass ich schon nach wenigen Wochen in jedem festen Job Gefühle der Beklemmung bekomme. Versteht mich nicht falsch- ich bin äußerst begeisterungsfähig und in vielen Dingen auch sehr engagiert. Auch das Arbeiten als solches widerstrebt mir nicht im Geringsten. Aber ohne Herausforderungen fällt das ‚Kartenhaus der Motivation‘ sehr schnell zusammen. GEnauso erging es mir hier, es fehlte einfach der Antrieb, die Motivation.

Nun, es ging also los… Eine tolle Reise sollte es werden. Auf dem Rückflug (irgendwo zwischen Sydney und Bangkok) beschloss ich schliesslich, meinen Job sofort zu kündigen und den oben erwähnten Satz von Wilhelm von Ockham in die Tat umzusetzen. Ich stellte mir die Frage: Warum 50 Stunden pro Woche in einem Büro herumsitzen und beschäftigt aussehen, und all meine Motivation verpuffen lassen? Die Antwort war mir natürlich klar: Um Schmerzensgeld für verlorene Zeit zu kassieren. 1400 Euro netto monatlich. Eigentlich ein gutes Einkommen, genauer betrachtet aber ein recht unfaires Schmerzensgeld, wenn man überlegt was man mit dieser Zeit alles anfangen kann. Ich war mir sicher: ich finde eine Möglichkeit die gleiche Summe in wesentlich kürzerer Zeit, jedoch zweifelsohne wesentlich intensiverer Arbeit pro zu verdienen. Mir war klar.. am Anfang konnten es auch 12 Stunden am Tag sein- ganz egal. Hauptsache ich näherte mich meinem Ziel irgendwie. Ich wollte eine selbstständige Arbeit, die Spass macht und mir das Gefühl gibt, wirklich etwas zu bewegen und mich voran zu bringen. Ich wollte nicht mehr nurSchmerzensgeld für verlorene Zeit bekommen, ich wollte beschäftigt sein und Spass daran haben!

Also begann ich in der Zeit zwischen dem Einreichen der Kündigung und meinem ersten Tag in Freiheit erste Planungen anzustellen, wie ich dies erreichen könnte. Tim Ferriss sei Dank (ja, Klischee erfüllt: Natürlich las ich während dieser Zeit das Buch ‚4 Hour Workwerk‘ von Tim Ferriss- wer es noch nicht kennt, sollte es sich schnellstens besorgen), also Tim Ferriss sei Dank verlies mich auch nicht der Mut und einige Wochen später hatte ich plötzlich eine Menge Zeit.

Es ist nun Mai 2012. Meine Kündigung liegt 4 Monate zurück und ich bin vergangene Woche von einer 1-monatigen Reise zurück gekommen, auf welcher ich das Umsetzen einer neuen Geschäftsidee mit ein paar Tagen Entspannung verbinden wollte. Entspannt hat mich die Reise nicht, aber motiviert hat sie mich stärker als jemals zuvor. Egal was passiert, ab jetzt arbeite ich nur noch aus 2 Gründen: weil ich Spass daran habe oder weil es mir Geld einbringt. (Im Idealfall beides). ‚Schmerzensgeld‘ kann mich mal. Ich bin noch lange nicht im ’sicheren Hafen‘ angekommen. Um ehrlich zu sein sehe ich ihn noch nicht einmal in der Ferne. Aber ich bin mir sicher, das ich in die richtige Richtung steuere. Den Leuchtturm sehe ich schon am Horizont blinken! Darum bleibe ich am Ball und halte Euch auf dem Laufenden… Es gibt auch noch Plätze auf dem Schiff zu vergeben

Linkempfehlung des Tages für alle, denen es auch so geht, dass Sie im Büro nicht gefordert werden: www.buerospiele.de

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

2 Antworten zu “Schmerzensgeld und andere Bezüge”

  1. Hallo Tim 🙂
    Dein Blog ist wirklich klasse. Mach bloß weiter so!
    Ich bin gerade in meiner Ausbildung, weiß aber schon seit geraumer Zeit, dass ich den Weg, den du und andere Digitale Nomaden eingeschlagen haben, auch gehen will.
    Da meine Ausbildung in einer Online Marketing Agentur (mit SEO und allem drum und dran) stattfindet, werde ich mir so viel Wissen wie möglich aneignen.

    Meine eigentliche Frage ist, was für ein Aufbaustudium/ Weiterbildung du denn gemacht hast?

    Liebe Grüße,
    Mareike

    • Hallo Mareike,

      Vielen Dank für deinen Kommentar und die netten Worte:) Das motiviert.

      Das Aufbaustudium war „Projektmanagement“ in der Immobilien-/Baubranche… hat also nicht ganz so viel mit meinen jetzigen Tätigkeiten zu tun. Aber Projektmanagement ist ja in jedem Bereich nützlich.

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