Die Affen rasen durch den Wald
Der eine macht den andern kalt
Die ganze Affenbande brüllt:
Wo ist die Kokosnuß?
Wo ist die Kokosnuß?
Wer hat die Kokosnuß geklaut?

An dieses Lied musste ich das erste Mal seit vielen vielen Jahren denken, nachdem ich kürzlich im Khao Yai Nationalpark östlich von Bangkok unterwegs war. Der eine oder andere mag sich an dieses Lied aus dem Kindergarten erinnern, oder weil die eignen Kinder es oft gesungen haben. Warum mir die Melodie dieses Liedes aber ausgerechnet in diesem thailändischen Nationalpark wieder ins Gedächtnis schoss, liegt – man mag es bereits ahnen – an den unzähligen Affen, die einen hier rechts und links des Weges im Nationalpark begrüßt haben.

Der Khao Yai Nationalpark ist der älteste Nationalpark Thailands und wurde bereits im Jahr 1962 eröffnet.  Seit 2005 steht der Waldkomplex, in welchem sich auch der Nationalpark befindet, auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO – und dies auch zurecht, denn wer schon ein wenig in Thailand und seinen Nachbarländern umhergereist ist, der weiß, das diese Landschaft auch hier selten geworden ist und unbedingt erhaltenswert ist. Eine echte tropische Waldlandschaft mit einer Vielzahl an Tieren und Pflanzen.

Aber nun zurück zu meinem Erlebnis im Khao Yai. Von Bangkok ging es also im Minibus in ein „Lodge“ nicht weit vom Eingang des Nationalparkes gelegen. Nicht weit bedeutet hier immer noch eine Fahrt von 1 Stunde, da die Landschaft aber spannend ist, macht das nichts. Die Lodge stellte sich jedoch nach Ankunft vielmehr als eine Ansammlung einiger Hütten heraus, welche schon seit etwas zu langer Zeit keine Renovierung mehr bekommen hatten. Diese Hütten standen bzw. stehen jedoch in einem liebevoll gepflegten Garten, im welchem sich auch das Hauptgebäude mit kleinem Restaurant befindet. Man sah dem Gelände leider an, das es die beste Zeit bereits hinter sich hatte. Aber: die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Gastgeberfamilie machte all das schnell wieder wett und man fühlte sich pudelwohl – schliesslich war man ja nicht angereisst, um die Hütten von Innen zu betrachten. Der Plan war: Schlafen, in den Park, Essen, Schlafen.

Die Resort-Familie (die thailändische Eigentümerin war mit einem Deutschen verheiratet, welcher aber vor Jahren bereits verstorben ist) kümmert sich liebevoll um die Essenversorgung, die Safari-Touren in den Park und holt einen auch in Bangkok ab bzw. fährt einen anschliessend wieder  zurück. Auch wenn die Hütten etwas einfach sind, so kann ich diese Unterkunft trotzdem jedem Khao-Yai Besucher empfehlen. Man fühlt sich gut aufgehoben. Hier geht es zur Webseite. (Es finden sich aber auch andere alternative Unterkunfts-Möglichkeiten, welche ggf. auch etwas näher am Park liegen.)

Nach der ersten Nacht ging es also früh morgens auf der mit Pritschen ausgestatteten Rückladefläche eines Pick-Ups in den Park. Nachdem man unterwegs von einigen Transport-Elefanten begrüsst wurde und einige Eindrücke des thailändischen Landlebens sammeln konnte, erreichten wir dann den Parkeingang. Von nun an ging es erst einmal eine lange Zeit bergauf, durch ein dichtes Waldgebiet. Mit zunehmender Wald-Tiefe stieg auch die Anzahl der Affen, die rechts und links an der Strasse saßen und neugierig die vorbeifahrenden Besucher beäugten. Eine Stunde lang fuhren wir tiefer in den Park und selten gab es eine Strecke, auf der keine Affen zu entdecken waren. Affen soweit das Auge entlang der Strasse reichte.

Zwischendurch gab es ab und an einige Stopps, um die Aussicht zu bewundern oder weitere Tiere zu entdecken. Bei einer einstündigen Wanderung durch den Dschungel hatten wir anschliessend sogar die Chance, einen Makaken hoch oben in den Baumwipfeln zu entdecken. Auch ein Wasserfall lag auf dem Weg. Bei diesem jedoch war der Wasserbereich grosszügig mit Kabeln und Warnschildern abgesperrt, da dort Krokodile leben sollten. In der Tat konnte man auch ein Exemplar entdecken – da es aber völlig bewegungslos auf einem Steinvorsprung in der Sonne lag, liess sich nicht vollständig klären, ob es aus Plastik war oder ein echtes Krokodil. (Ich habe mir im Nachhinein von einem Ortsansässigen sagen lassen, dass er von Krokodilen im Khao Yai Park noch nicht gehört hätte.) Man weiß es nicht, keiner erklärte sich bereit, das vermeintliche Plastodil aus der Nähe zu betrachten. Es mag echt gewesen sein! Aber es mag genau so gut nur ein Foto-Plastodil gewesen sein. Wir werden es niemals erfahren.

Vor einigen Jahren gab es einen Zwischenfall mit einem Tiger im Park, welcher eine Rangerin tötete. Somit ist die Existenz einiger weniger Tiger im Park keine Legende sondrn blutige Wahrheit, jedoch sind Tiger in der Regel sehr Menschenscheu und es war somit äußerst unwahrscheinlich einem solchen auf unserer Tour zu begegnen. Was wir uns jedoch erhofften, war ein paar wild lebende Elefanten zu entdecken. Für eben diese ist der Khao Yai Park sehr bekannt. Wir warteten also bis die Sonne langsam unterging, um noch einmal die Wege des Parkes abzufahren. Elefanten kommen erst mit Eintritt der Dunkelheit aus dem Unterholz.

Leider hatten wir jedoch bezüglich der Elefanten kein Glück und mussten, ohne einen wilden Elefanten gesehen zu haben, den Park verlassen. Ich habe aber von anderen Besuchern gehört, dass sie bereits mehrfach eine Horde Elefanten gesehen haben. Glückssache – man hat es nicht in der Hand. Wer unbedingt die Elefanten sehen will, muss Notfalls mehrfach den Park besuchen oder länger bleiben. Aber auch ohne Elefanten lohnt sich der Besuch.

Am Abend des nächsten Tages stand eine Tour auf dem Programm, welche zunächst eher als ‚Nebenprogramm‘ erschien, sich aber letztendlich als eines der Highlights des Parkbesuches herausstellte – der Besuch einer Fledermaushöhle. Wer also zum Khao Yai Park kommt, sollte dieses Spektakel auf keinen Fall verpassen! Man betritt die Höhle nicht, sondern wartet ausserhalb der Höhle auf das Einsetzen des Sonnenunterganges, um dann zu beobachten wie Tausende und Abertausende von Fledermäusen gleichzeitig die Höhle verlassen um Futter im Parkgebiet zu suchen. Dabei bilden die Fledermäuse eine Art Flugformation – ein Schwarm, welcher über fast eine halbe Stunde aus der Höhle schwärmt. Ein grossartiges Naturschauspiel.

Fazit: Wer abseits von Stadt und Strand auch einmal das Land von einer etwas anderen Seite kennenlernen möchte, und auch ein wenig Sitzfleisch besitzt, um längere Zeit auf einem schaukeligen Pick-Up zu sitzen, dem kann ich eine Tour zum Khao-Yai Nationalpark nur wärmstens empfehlen. Es lohnt sich! Mehr als 2 Nächte muss man hier jedoch nicht verbringen, nach 2 Tagen hat man alles entdeckt! Weitere Informationen gibt es unter anderem auch noch einmal hier (Wikipedia) und hier. Die Fahrt von Bangkok dauert in etwa 2 Stunden und kann für ca. 2000 Baht auch mit einem gewöhnlichen Taxi gemeistert werden. Meistens bieten die parknahen Unterkünfte aber auch einen kostenlosen oder vergünstigten Transport an.

So… und für alle, die sich nicht mehr an den gesamten Liedtext erinnern können, hier noch einmal zum mitsingen:

Die Affenmama sitzt am Fluß
Und angelt nach der Kokosnuß,
Die ganze Affenbande brüllt:
Wo ist die Kokosnuß?
Wo ist die Kokosnuß?
Wer hat die Kokosnuß geklaut?

Der Affenonkel, welch ein Graus,
Reißt ganze Urwaldbäume aus,
Die ganze Affenbande brüllt:
Wo ist die Kokosnuß?
Wo ist die Kokosnuß?
Wer hat die Kokosnuß geklaut?

Die Affentante kommt von fern
sie isst die Kokosnuss so gern
Die ganze Affenbande brüllt
Wo ist die Kokosnuss
wo ist die Kokosnuss
wer hat die Kokosnuss geklaut?

Der Affenmilchmann, dieser Knilch
Er lauert auf die Kokosmilch,
Die ganze Affenbande brüllt:
Wo ist die Kokosnuß?
Wo ist die Kokosnuß?
Wer hat die Kokosnuß geklaut?

Der Elefant im Urwald spricht:
Hier in dem Dickicht ist sie nicht,
Die ganze Affenbande brüllt:
Wo ist die Kokosnuß?
Wo ist die Kokosnuß?
Wer hat die Kokosnuß geklaut?

Die Affenbraut denkt selbst beim Kuß
Nur immer an die Kokosnuß,
Die ganze Affenbande brüllt:
Wo ist die Kokosnuß?
Wo ist die Kokosnuß?
Wer hat die Kokosnuß geklaut?

Das Affenbaby voll Genuß
Hält in der Hand die Kokosnuß,
Die ganze Affenbande brüllt:
„Hier ist die Kokosnuß!
Hier ist die Kokosnuß!
Es hat die Kokosnuß geklaut“.

Die Affenoma schreit: Hurra!
Die Kokosnuss ist wieder da!
Die ganze Affenbande brüllt
Da ist die Kokosnuss
da ist die Kokosnuss
es hat die Kokosnuss geklaut

Und die Moral von der Geschicht
Klau keine Kokosnüsse nicht
Weil sonst die ganze Bande brüllt:
Wo ist die Kokosnuß?
Wo ist die Kokosnuß?
Wer hat die Kokosnuß geklaut?

bis bald 😉

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

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