Alle Menschen, die schon eine Weile bloggen, podcasten oder youtuben und dabei eine gewisse Reichweite erreicht haben, kennen die Herausforderung, mit Kritik umzugehen. Zugleich wissen sie aber auch, dass sie im Idealfall polarisieren müssen und dass es ganz normal ist, dass jedem Fan auch eine Person gegenübersteht, die die Inhalte oder einen selbst nicht gut findet. Man zieht, wie ein Magnet, gewisse Menschen an und stößt andere eher ab. So läuft der Hase eben.

Wie aber gehen diese Menschen, inklusive mir, mit der Kritik um, die auf sie einhagelt? Dieser spannenden Frage geht Stefan Merath in seiner Blogparade auf den Grund. Dieser Artikel ist Teil dieser Parade.

Menschen, die einem negativ gegenüberstehen, äußern eher destruktive Kritik. Menschen, die einem eigentlich wohlgesonnen sind, aber denen trotzdem etwas nicht gefällt, äußern konstruktive Kritik.

Destruktive und konstruktive Kritik – wo liegt der Unterschied

Es ist wichtig zu erwähnen, dass es zwei verschiedene Arten von Kritik gibt. Destruktive Kritik und konstruktive Kritik. Alles, was unter destruktive Kritik fällt, versuche ich, eher zu ignorieren bzw. auch nicht weiter anzuheizen. Das ist nicht immer leicht, aber der einzig sinnvolle Weg. Hier versuchen Menschen in der Regel nur, ihre negativen Emotionen abzuladen. Mein Tipp: Destruktive Kritik abprallen lassen. Hier will dich jemand nur zumüllen.

Konstruktive Kritik nehme ich hingegen sehr ernst. Sie hilft nicht nur dir und deinem Business, sondern kommt in der Regel von Menschen, die du für deine Inhalte zurückgewinnen kannst.

Die folgenden Stichpunkte helfen ein wenig bei der Einsortierung.

Konstruktive Kritik

  • sachlich
  • nüchtern ohne Emotionen – objektiv
  • beruht auf Tatsachen, Handlungen und konkretem Fehlverhalten
  • lösungsorientiert
  • motivierend

Destruktive Kritik

  • bewertet und verurteilt
  • persönlich
  • unsachgemäß
  • emotional
  • demotivierend
  • beschämend

Beispiele für destruktive Kritik

Häufig kommen Pauschalisierungen vor, wie “Der Text bringt mir nichts, es gefällt mir nicht, totaler Unsinn, etc.” ohne dabei auf konkrete Inhalte einzugehen. Wer konstruktive Kritik anbringen will, macht sich zumindest die Mühe, etwas konkreter zu werden.

Ein anderes Beispiel ist emotional aufgeladene Kritik. Das kann mit direkter Kritik an der Person verbunden sein, wie “ist ja klar, dass ausgerechnet du so etwas sagst…” Oft wird es dabei sehr persönlich und die Kritik hat die bewusste Absicht, zu verletzen.

Destruktive Kritik kann auch sein, dass die eigenen Motive verdreht werden. So zum Beispiel, dass einem pauschal unterstellt wird, man hätte nur die eigenen Interessen im Sinn und die Leser oder Follower seien einem egal.

Wie ich mit konkret mit destruktiver Kritik umgehe

Als erstes sollte man schauen, ob wirklich alle Elemente destruktiv oder ob Teile der Kritik konstruktiv sind und ernst genommen werden sollten. Hin und wieder kommen beide Arten von Kritik zusammen vor.

So lange die Person, die die Kritik an einen heranträgt, nicht beleidigend oder verletzend wird, sollte man den Dialog nicht gleich abwürgen und sachlich bleiben. Zuhören, womöglich nicht unterbrechen, Auswege aus dem Gespräch suchen oder es vielleicht sogar auf eine konstruktive Ebene bringen.

Sobald ein Gespräch aber kippt und es unwahrscheinlich scheint, dass sich daraus noch etwas sinnvolles entwickelt, den Gesprächsfaden unterbrechen. Am besten nur ein finales Statement platzieren und dann einfach aus dem Gespräch aussteigen.

Wenn der Gesprächston unterirdisch wird, hilft nur noch blocken bzw. unter Umständen sogar Beiträge oder Kommentare löschen.

Warum ich mich über konstruktive Kritik freue

Konstruktive Kritik ist wichtig! Denn sie zeigt einem Schwachstellen, für die man selbst womöglich blind ist. Und sie hilft einem, zu wachsen. Nur so können Lösungen gefunden, Produkte verbessert oder die Bedürfnisse von Kunden besser verstanden werden.

Daher wandert bei mir konstruktive Kritik immer in mein Notizbuch. Ich setze nicht immer jede Kritik gleich um, aber ich dokumentiere sie und nehme sie ernst. Manchmal führt sie zu einer unmittelbaren Verbesserung, manchmal dauert es ein wenig, bis sie in Änderungen einfließt. Manchmal entscheide ich mich aus bestimmten Gründen bewusst gegen die Implementierung. Aber sie wird immer ernst genommen. Das gleiche gilt für unser gesamtes Team. Besonders für eine Community wie den Citizen Circle ist es wichtig, auf die Mitglieder zu hören! Denn eine Community lebt davon, dass sich die Mitglieder ernst genommen fühlen und aktiv mitgestalten können, denn nur dies führt dazu, dass sie sich wohlfühlen.

Den Umgang mit Kritik kann man lernen

Auch konstruktive Kritik ist nicht immer reines Zuckerschlecken und kann einen persönlich treffen. Deshalb muss man hier erst recht damit umgehen lernen.

Am wichtigsten ist es, Kritik daher nicht persönlich zu nehmen. Es wird nicht die Person kritisiert, sondern die geleistete Arbeit. Das muss man unterscheiden können.

Man sollte außerdem möglichst akzeptieren, dass immer mehrere Wege zum Ziel führen. Ggf. hat die Person, von der die Kritik kommt, einfach einen alternativen Weg im Blick. Womöglich einen besseren Weg, womöglich einen schlechteren, womöglich einfach nur einen anderen.

Ich versuche die Dinge aus der Sicht der anderen Person zu betrachten. Empathie halte ich generell für eine Eigenschaft, die Gold wert ist. Empathische Menschen können schneller die Sichtweisen anderer verstehen und mitfühlen. So kann man wiederum ihre Kritik besser einordnen und damit umgehen.

Kritik sollte man zudem nie einfach abblocken. Ein Minimum ist es, stattdessen anzubieten, darüber nachzudenken. Auch wenn man zum aktuellen Zeitpunkt seinen Standpunkt nicht verlassen will oder kann. Zeit zum Nachdenken ist immer gut. Zum Beispiel denke ich gern beim Sport über solche Dinge nach.

Auch kann es helfen, die Gedanken des Gegenübers aufzugreifen und zu wiederholen, um sicherzustellen, dass man nicht aneinander vorbeiredet (bzw. aneinander vorbeischreibt, wenn es im Netz geschieht.) Zuletzt ist es immer gut, sich für die Aufrichtigkeit und den Mut zu bedanken, dass die Person die Kritik an einen herangetragen hat.

Fazit

Wie du siehst, finde ich es sehr wichtig, zwischen den zwei Arten von Kritik zu unterscheiden. Destruktive Kritik solltest du charmant abblocken und nicht noch weiter Öl ins Feuer gießen. In ganz schlimmen Fällen die Person blocken und ächten. Konstruktive Kritik ist jedoch enorm wichtig und den Umgang mit ihr kann man lernen. Bei mir hat sich die Fähigkeit zum Umgang damit über die Jahre verbessert. Das braucht seine Zeit, aber kommt auch nicht von allein.

Wenn ich mein Fazit auf zwei Worte herunterbrechen müsste, wären es diese: Sei empathisch!

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

2 Antworten zu “Wie man als Online-Unternehmer mit Kritik umgehen kann”

  1. Hallo Tim,
    vielen Dank für deine Teilnahme an meiner Blogparade. Du hast völlig recht, entscheidend ist es die wirklich nützlichen Kritiken zu isolieren und sich dann die Zeit zu nehmen darüber zu reflektieren. Konstruktive Kritik ist ein wichtiges Feedback für jeden Unternehmer – dafür sollte man immer dankbar sein. Ob man diese dann aber auch wirklich in seine Arbeit einfließen lässt ist natürlich eine ganz andere Sache. Wie du richtig sagst, ist die Fähigkeit zur Empathie von essentieller Bedeutung beim Umgang mit Kritik. Ich muss mich in den Gegenüber hineinversetzen können um dessen Kritik auch wirklich verstehen zu können – und um die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Ich schließe mich also deinem Ratschlag an: Sei empathisch!

    viele Grüße
    Stefan von Unternehmercoach

  2. Tim, vielen Dank für den tollen Beitrag! Ich glaube dass wir Menschen einfach viel zu anfällig für Kritik sind und sie oftmals falsch interpretieren oder sofort persönlich nehmen. Ganz wichtig zu erwähnen ist der Fakt, dass immer der Ton die Musik macht. Wichtig bei konstruktiver Kritik sind alternative Lösungswege. Jeder Designer kennt das Problem: Es wird viel Zeit in ein Projekt investiert und der Kunde schmettert das Ganze einfach ab. Statt einer klaren Ansage wird die geleitete Arbeit kritisiert und schlecht dargestellt.

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