Tillmann, bitte stell Dich kurz vor. Wer bist Du, was machst Du, was treibt Dich an?

Mich trieb immer schon Software an, die Menschen verbinden kann. Neben dem Abi habe ich für meine Schule ein ’social network‘ programmiert, neben dem Studium ein Nightlifeportal. Daraus entstand dann eine Softwareagentur, in der ich meine Kommilitonen angestellt habe.

Das alles hat neben dem Studium gut funktioniert und mir gezeigt, dass bei jedem Projekt die Menschen im Mittelpunkt stehen.

Am meisten Spaß habe ich immer daran, Menschen zu verbinden, Teams zu formen und Visionen gemeinsam umzusetzen.

Hast Du einen festen Wohnsitz, eine Art Heimatbasis? Wo in der Welt steckst Du gerade?

Momentan bin ich im Allgäu in einem tollen WG-Hof, in dem 8 Leute wohnen. Am Tag kann ich in den Bergen Paragliding betreiben, an den Abenden arbeite ich. Meine alte Heimatbasis war in Kiel; eine WG mit 5 Leuten. Ich kann es nur empfehlen, irgendwo einen Fixpunkt zu haben, auch wenn man selten dort ist.

Was war die Initialzündung, die dazu geführt hat, dich mit ortsunabhängigem Arbeiten zu beschäftigen?

Ich wollte schon immer ein Produkt kreieren, währen des Studiums haben wir uns allerdings auf Aufträge fokussiert. Ich bin aus meiner Agentur ausgestiegen um dieses Ziel anzugehen.

Ich bin in meinem gesamten Studium immer schon gereist. In Spanien habe ich ein Semester studiert und meine erste Firma in Deutschland aus der Ferne aufgebaut. Zur Diplomarbeit bin ich dann nach Hamburg gezogen um bei XING zu arbeiten. Das war der Start meiner ortsunabhängigen Arbeit, obwohl wir in Kiel unser Entwicklerbüro hatten.

Womit verdienst Du deinen Lebensunterhalt und wie kam es zu dieser Tätigkeit? Bist du bei deiner Arbeit völlig ortsunabhängig?

Ich entwickele und vertreibe ein Software as a Service (SaaS) im Bereich der Mitarbeiter-Mobilität. Ich habe mir direkt einen Partner gesucht, der in der Branche arbeitet. Da sie aus Dänemark kommt ist es quasi ausgeschlossen, dass wir ein Büro zusammen nehmen. Das kommt dem ortsunabhängigen Arbeiten sehr zu gute.

Wie bist du in dieses Business hineingekommen? Interesse? Zufall? Erzähl ein bisschen über Deinen Weg.

Das sogenannte Relocation-Geschäft hat mich fasziniert, da ich wie jeder Traveler oft vor der Herausforderung stand, in einer fremden Stadt anzukommen. Dass es dafür ganze Ketten von Firmen gibt, wusste ich zu Anfang gar nicht.

Ich habe daraufhin eine große Liste mit Kontakten gemacht und einfach alle abtelefoniert. Auf dem Weg hab ich viele Geschäftsmöglichkeiten gesehen und durch Zufall meinen Partner kennen gelernt.

Kernpunkt dabei war die Erkenntnis, dass ich mich auf meine Kernkompetenz konzentriere: Menschen finden und verbinden und Software herstellen. Mein Partner ist im Markt bekannt und hat „Stallgeruch“ – eine essentiell wichtige Anforderung für den Vertrieb.

Was sind Deine Zukunftspläne wenn es um das Bestreiten Deines Lebensunterhaltes geht? Wie willst Du weiterhin Dein Geld verdienen und wirst Du irgendwann wieder sesshaft?

Mein Fokus liegt momentan auf dem Geschäft. Mir ist auch die Weitergabe von meinem Wissen wichtig; besonders die Erkenntnis dass man als Supporter viel schneller seine Träume verwirklichen kann: Man muss nicht der tollkühne Startup-Gründer sein, der an dem nächsten Photosharing-Projekt arbeitet.

Viel erfüllender ist, wenn man seine Fähigkeiten benutzt um Menschen mit realen Problemen zu supporten. Dann kommt der geschäftliche Erfolg von alleine.

Ich habe gesehen, dass Du auch viel in bzw. mit der deutschen Start-Up Szene gearbeitet hast. Ist dort ortsunabhängiges Arbeiten ein Thema, oder bist Du da eher die Ausnahme?

Ja, mit unserer Agentur hatten wir viele Start-Up Kunden. Das ist schon ein spannendes Feld. Mittlerweile bin ich selbst Mentor und bin an Start-Ups beteiligt, die ich mit Wissen und Netzwerk supporte. Ortsunabhängiges Arbeiten ist in dieser Szene selten Thema.

Es gibt natürlich tolle Beispiele wie Seat 4A (Flight App) und Jimdo, die ihre Mitarbeiter oft in das Office in San Francisco schicken. Allerdings legen es wenige Firmen wirklich darauf an, das digitale Nomadentum zu leben.

Was ist Dein wichtigster Rat, für jeden, der diesen Weg zu mehr Ortsunabhängigkeit auch gehen möchte?

Jeder kann es simulieren: Man braucht nur eine Wohnung mit Internetanschluss, aus der man arbeitet. Das kann in einer anderen Stadt sein, es kann aber auch einfach ein ‚home office‘ sein. Wenn man über mindestens einen Monat ohne direkte Kommunikation auskommt und seinen Job nicht verloren hat – dann ist alles weitere einfach.

Was ist der größte Fehler, den Du auf diesem Weg gemacht hast? Wovor kannst Du die Leser warnen?

Ich habe es mir selbst nicht eingestanden und daher zu große Erwartungen bei meinen Mitmenschen geweckt. Mittlerweile habe ich Beziehungen, die mich in der Ortsunabhängigkeit bestätigen. Beziehungen sind die wichtigste Komponente in dem Vorhaben!

Wann steht die nächste größere Reise oder auch der nächste Ortswechsel bei Dir an? Hast Du konkrete Pläne?

Ja. Ende September geht es nach Thailand, erst mal ohne Rückflugticket.

Was möchtest Du den Lesern sonst noch mit auf den Weg geben? Deine 2 Cent sozusagen.

Erfolg ist niemals erreicht, sondern wird jeden Tag auf’s Neue ausgeliehen. Dies gilt auch für Zufriedenheit und Beziehungen.

Vielen Dank für das spannende Interview, Tillmann.

Ich danke dir für die Möglichkeit des Interviews!

Du willst noch mehr über Tillmann erfahren oder Kontakt zu ihm aufnehmen? Hier findest Du seine Webseite Tielefeld.com.

Titelbild: frodefjeld / photopin  // Foto Tillmann: Tielefeld.com

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

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