Tina, bitte stell Dich kurz vor. Wer bist Du, was machst Du, was treibt Dich an?

Anstatt zur Uni zu gehen reise ich seit 3 Jahren um die Welt und bastele an meinem eigenen, ganz persönlichen Bildungsweg. Hauptfächer sind Entrepreneurship, Lifestyle Design, Persönlichkeitsentwicklung, finanzielle Unabhängigkeit durch passives Einkommen, Online Business und Reisen. Mein Abschluss: Erfolg und Zufriedenheit in allen Lebensbereichen.

Es begann mit einem klassischen Backpacker Work & Travel Jahr in Australien. Mit 19 Jahren habe ich mein Nest in Dresden verlassen und mich in mein erstes Abenteuer gestürzt. Vor allem vorm Englisch sprechen hatte ich großen Respekt.

Ich wollte nach diesem Jahr endlich mit einer Entscheidung bzgl. meiner Studienwahl nach Deutschland zurückkehren und mich ins Studentenleben stürzen, so wie es von mir erwartet wurde. Doch weder wusste ich was ich studieren wollte, noch hatte ich letztendlich Interesse.

Auf meinem Weg traf ich Rob, der sein eintöniges Büroleben in Deutschland verlassen hatte, um in Australien aufregende, neue Erfahrungen zu sammeln und nicht wieder zurückkehren wollte.

Die Entscheidung letztendlich nicht zu studieren, traf ich Anfang 2012 in Neuseeland, nachdem ich das Buchs „The Education of Millionaires“ von Michael Ellsberg gelesen habe. Ein Buch, dass ich Jedem empfehle zu lesen. Egal, ob du dein Studium schon beendet oder dich gegen Studium entschieden hast: Michael stellt Schritt für Schritt vor, welche „Real World Skills“ du für deinen persönlichen Erfolg brauchst und wie du sie dir selbst beibringen kannst.

Denn dieses Wissen und diese Fähigkeiten wirst du kaum in einem konventionellen Studium finden. Dazu hat er etliche smarte Millionäre interviewt, die alle ohne Abschluss unheimlich erfolgreich wurden.

Hast Du einen festen Wohnsitz, eine Art Heimatbasis? Wo in der Welt steckst Du gerade?

Seit 3 Jahren habe ich keinen festen Wohnsitz mehr. Zwischen meinen Aufenthalten in Australien, Neuseeland und Kanada war ich jedoch jeweils immer mal zurück in der Heimat – Freunde und Verwandte besuchen.

Da der Heimatflug jedoch sehr teuer ist, habe ich mich beim letzten Besuch auf unbestimmte Zeit verabschiedet. Wer weiß, wohin es mich die nächsten Jahre verschlägt, doch wenn Dresden „um die Ecke liegt“, komme ich sicherlich vorbei!

Seit über 8 Monaten stecke ich in Vancouver, Kanada. Das praktische „Work and Holiday“ Visum hat uns hierher verschlagen. Und da wir kalte Temperaturen nicht mögen, war Vancouver hier in Kanada die erste Wahl, denn hier ist es auch im Winter relativ mild.

Mein Freund und ich haben eine Wohnung gemietet, die einen extra Raum hat, der als Office dient. Von hier aus arbeitet Rob für eine neuseeländische Firma und ich habe die ersten Monate genutzt, um durch Selbststudium HTML, CSS, Online Marketing und einiges mehr zu lernen.  

Was war die Initialzündung, die dazu geführt hat, dich mit ortsunabhängigem Arbeiten zu beschäftigen?

Bis jetzt war das Geld verdienen auf unseren Reisen kein Problem, da wir durch das „Work and Holiday“ Visum eine Arbeitsgenehmigung im jeweiligen Land hatten. Somit habe ich in einigen ‚shitty Jobs’ vor Ort gearbeitet, hauptsächlich als Kellnerin.

Da mir dieser ortsunabhängige Lifestyle so unglaublich gefällt, ich es zudem satt bin, von Arbeitgebern abhängig zu sein und ich mein eigenes Ding durchziehen will, beschäftige ich mich seit ungefähr einem Jahr mit dem digitalen Nomadenleben.

Mich interessiert besonders, wie man sein Geld online verdienen kann, was das Internet für Möglichkeiten bietet, wie man als Freelancer arbeitet, bloggt, start-ups gründet, und so weiter. Ich finde Entrepreneurship unheimlich interessant!

Da ich nicht studiere, ist der innere Drang für mich umso größer, durch eigene Willenskraft, harte Arbeit, viel Motivation und Leidenschaft erfolgreich zu werden und letztendlich mein eigenes Business zu führen.

Du bist also auf dem Weg zur Ortsunabhängigkeit. Aber womit verdienst Du deinen Lebensunterhalt gegenwärtig? Wann rechnest Du damit, auf eigenen Beinen zu stehen?

Wie schon erwähnt verdiene ich zur Zeit mein Geld als Kellnerin. Ein idealer Job um Land, Leute und Kultur kennen zu lernen. Doch natürlich bin ich es satt, meine Zeit gegen Geld einzutauschen und meine Unabhängigkeit aufzugeben.

Mein großes Ziel ist ein ortsunabhängiges Business aufzubauen, welches ich mit Leidenschaft führe und ich mit vielen inspirierenden Leuten arbeiten kann. Passives Einkommen ist ein weiteres Ziel und dafür lese ich fleißig Bücher, trete mit Leuten in Kontakt, die es schon „geschafft“ haben und bastele an Business Ideen, die mich meinen Zielen näher bringen.

Wie kam es zur Entstehung Deines Blogs? Wann hast Du ihn gestartet und wie kamst Du auf das Thema?

Meinen Blog habe ich vor 6 Monaten erstellt, was ein mega aufregendes Projekt für mich war und immer noch ist. Ich habe nie zuvor öffentlich meine Meinung geäußert. Der Prozess ihn zu erstellen, war auch spannend, da ich mein Wissen über WordPress, HTML und CSS endlich umsetzen konnte, welches ich die Wochen zuvor erworben habe. Ich schreibe in Englisch, was zusätzlich herausfordernd ist, jedoch ordentlich zu meinem Fortschritt beiträgt.

Auf  www.realworlddegree.com geht es um meinen unkonventionellen Weg, sich bewusst gegen Studium zu entscheiden und stattdessen sich Dinge mit Motivation, aufregenden Zielen und einem hohen Grad an Interesse selbst bei zu bringen. Ich stelle unser derzeitiges recht veraltetes Schulsystem in Frage und führe Interviews mit aufregenden Leuten aus aller Welt, die über ihren Bildungsweg berichten, was sie im Studium und außerhalb gelernt haben und was sie zukünftigen Studenten raten.

Ich will meine Lebenseinstellung und meine Story mit anderen Leuten teilen, Gleichgesinnte finden und inspirieren.

Ich bin unheimlich glücklich diese Seite erstellt zu haben, denn schon in diesem halben Jahr und mit den relativ wenigen Blog posts habe ich viele aufregende Leute kennen gelernt und viele motivierende Worte erhalten.

Hast Du schon viele andere „digitale Nomaden“ kennengelernt?

Virtuell bin ich mit Einigen im Kontakt. Vor allem durch unsere deutsche digitale Nomaden Gruppe auf Facebook, die Du und ich ja kürzlich ins Leben gerufen haben.

Persönlich habe ich einige Freunde, die auch ortsunabhängig leben, jedoch jeweils vor Ort ihr Geld verdienen.

Sobald wir in Panama sind werde ich mich noch intensiver mit dem eigenen Online-Business beschäftigen. Ich will dann auch dem Dynamite Circle, einer Gruppe ortsunabhängiger Entrepreneure, beitreten.

Was sind Deine Hauptziele wenn es um das Bestreiten Deines Lebensunterhaltes geht? Was bedeutet Geld und ein gutes Einkommen für Dich?

Mein größtes Ziel ist passives Einkommen aus mehreren Quellen. Ich will Wohlstand in meinem Leben, nicht um mir Kram und Zeugs zu kaufen (Hilfe, ich hab eh bloß einen Koffer), jedoch um mir Lebenserfahrung leisten zu können. Reisen kostet Geld, genauso wie sich neue Fähigkeiten anzueignen Geld und Zeit kostet. Ich will frei und unabhängig leben können ohne finanzielle Sorgen.

Natürlich weiß ich, dass es eine große Portion harte Arbeit benötigt, sich solch einen Lebensstandard aufzubauen. Jedoch: One step after another! Ich bin jung und mit jedem Buch, dass ich lese, jedem Projekt, dass ich angehe und jedem Land, dass ich bereise, komme ich meinem Ziel näher.

Wirst Du irgendwann wieder sesshaft(er)?

Ich werde mit Sicherheit wieder sesshaft werden, doch bestimmt nur temporär. Die Welt hat viel zu viel zu bieten und ich will alles sehen und erleben!

Was ist Dein wichtigster Rat, für jeden, der diesen Weg zu mehr Ortsunabhängigkeit auch gehen möchte?

Just do it! Werde all deinen überflüssigen Kram los und setz dich in den nächsten Flieger. Alles andere folgt von ganz allein, du wirst Gleichgesinnte treffen und alle neuen Möglichkeiten werden sich dir eröffnen. Mit der Zeit wirst du selbstbewusster und auch das mit der fremden Sprache kommt von ganz allein. Just go with the flow und lass dich nicht von negativen Meinungen beeinflussen. Lies hilfreiche inspirierende Bücher wie “The Four Hour Work Week” oder “The Art Of Non-Conformity”.

Was ist der größte Fehler, den Du auf dem bisherigen Weg zu mehr Selbstbestimmung und Freiheit gemacht hast? Wovor kannst Du die Leser warnen?

Um ehrlich zu sein, bin ich sehr zu frieden und stolz, wie sich alles entwickelt hat. In ein paar Situationen habe ich einiges an Geld verloren (zum Beispiel wenn ich falsche Reisedaten gebucht habe).

Meine Heimatbesuche waren auch sehr kostenintensiv, doch in den jeweiligen Situationen war es mir sehr wichtig und hat zu meiner Entwicklung stark beigetragen.

Ich rate dir, mehr Zeit in dich selbst zu investieren, dein Leben zu reflektieren und deine wirklichen Ziele und Wünsche zu identifizieren und Pläne zu schmieden.

Sich mit inspirierenden und motivierenden Menschen zu umgeben, hilft unheimlich, sich persönlich weiterzuentwickeln und große Ziele zu erreichen.

Soweit ich weiß, hast Du Pläne, bald nach Panama aufzubrechen. Warum dorthin? Wie lange willst Du dort bleiben?

Rob hat Freunde in Panama, die uns sehr gastfreundlich für einen längeren Zeitraum bei sich aufnehmen. Wir wollen nun auch endlich günstige Mini-Retirements (á la 4 Hour Work Week) in Billig-Ländern machen. Lateinamerika erschien uns passend, es liegt ja eh gleich „um die Ecke“ und ich freue mich ein wenig Abstand von der verrückten westlichen Welt zu bekommen und total neue Erfahrungen zu sammeln. Ich bin vor allem sehr gespannt darauf, wie es klappt Spanisch zu lernen und mich in fremde Kulturen einzuleben.

Für wie lange wir uns in Lateinamerika aufhalten und in welche Länder wir reisen, dass steht noch in den Sternen. Costa Rica, Mexico, Argentinien, Brasilien sind auf jeden Fall mögliche Optionen. Für interessante Vorschläge bin ich offen! Wir werden sehen, wie lang unser Erspartes reicht und wie erfolgreich wir unsere Business Ideen umsetzen werden.

Lateinamerika ist ja schon beliebt unter digitalen Nomaden, aber es wird anscheinend immer beliebter – ihr werdet sicher viele Gleichgesinnte treffen. Geht es denn irgendwann wieder nach Australien? Nach meiner Erfahrung nach zieht es einen immer wieder dorthin zurück, wo alles begonnen hat.

Ja, in 2015 wird es dann wohl vermutlich wieder nach Australien gehen. Rob hat noch ein zweites Work and Holiday Visum offen. Ich werde ihn begleiten, jedoch nur als Tourist und hoffentlich mit einer eigenen online Geldquelle, die bis dahin sprudelt.

Was möchtest Du den Lesern sonst noch mit auf den Weg geben? Deine 2 Cent sozusagen.

Wenn du deine Leidenschaft im Leben noch nicht gefunden hast, nimm dir Zeit, sie zu entdecken und sei offen für alle Möglichkeiten, die dir auf deinem Weg begegnen!

Viel zu viele Menschen schränken sich mit selbst aufgestellten Regeln oder Meinungen ein und gehen lieber in der Masse unter, als etwas wirklich Ausgefallenes und Aufregendes zu kreieren.

Umgib dich mit inspirierenden Menschen, von denen du lernen kannst und die dich auf deinem Weg unterstützen, anstatt dich zurück halten. Finde Mentoren, die schon ein bis zwei Schritte weiter sind als du.

Achte auf deinen täglichen Informations-Input – wähle lieber einen lehrreichen TED Talk als Frauentausch, oder ein geniales Sachbuch als einen Schnulzenroman.

Setze hohe Ziele – und zwar regelmäßig, nicht nur zu Silvester. Jeder sollte eine aufregende Bucketliste haben. (Anm. Tim: Ich schreibe meine Bucketliste zur Zeit!)

Und zu guter Letzt: Genieß dein Leben in vollen Zügen und gestalte es nach deinen Vorstellungen und strebe an, positive und inspirierende Spuren auf dieser Welt zu hinterlassen.

Vielen Dank für das Interview, Tina.

Mehr über Tina auf ihrem Blog www.realworlddegree.com oder bei Facebook www.facebook.com/RealworldDegree

Titelbild: ecstaticist / photopin cc

 

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

8 Antworten zu “„Anstatt zur Uni zu gehen, reise ich seit 3 Jahren um die Welt“ – Interview mit Tina”

  1. Danke Tina für die unglaublich motivierenden Worte! Ich bin auch im Aufbau, meines Digitalen Nomadenlebens.
    Du schreibst:
    „Sich mit inspirierenden und motivierenden Menschen zu umgeben, hilft unheimlich, sich persönlich weiterzuentwickeln und große Ziele zu erreichen.“
    das find ich auch, ist extrem motivierend. Hab ich auch grad wieder im BembelBlogCamp erleben dürfen (gel Tim 😉 )

    Also mach weiter so und ich wünsch dir viel Erfolg bei deinen Vorhaben, vielleicht treffen wir uns mal auf der Welt! 🙂

  2. Hi Marco, danke fuer deine lieben Worte! Es macht mich unheimlich gluecklich mit Gleichgesinnten in Konakt zu treten und trotz der Entfernung bei der deutschen digitalen Nomadenszene mitten drin zu sein.
    Ich wuensch dir auch viel Erfolg und bin gespannt, mehr von dir zu hoeren!! Ab Dezember bin ich in Lateinamerika unterwegs, falls du in der Naehe bist, sag Bescheid 😉

  3. Ein super Interview Tina! Ich kann dir in vielen Punkten nur zustimmen. Mit Abstand am besten gefällt mir jedoch dein Rat „Wenn du deine Leidenschaft im Leben noch nicht gefunden hast, nimm dir Zeit, sie zu entdecken und sei offen für alle Möglichkeiten, die dir auf deinem Weg begegnen!“. Absolut!!
    Ich habe gerade erst ein dreijähriges Studium beendet und werde jetzt auch erst einmal meinen Rucksack packen und die Welt bereisen 🙂
    Dir wünsche ich alles Gute und viel Erfolg auf deinen (Reise-)Wegen! Viele Grüße, Ramona

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