Heute im Interview: Conni Biesalski. Erfolgreiche Bloggerin, Nomadin und Entrepreneurin. Sie liebt das Reisen, die Freiheit und das Umsetzen von Online-Projekten. Zudem hat sie viele, viele gute Tipps parat, für jeden der eigene Webprojekte realisieren möchte und wieder Herr über die eigene Zeit werden möchte. Los gehts:

Conni, echte Backpacking-Fans und viele Blogger kennen dich schon. Für alle anderen: Wer bist Du und womit verdienst du deine Brötchen?

Ich bin Conni, 30 Jahre alt und digitale Nomadin seit Anfang 2012. Davor habe ich mein halbes Leben rund um die Welt verbracht.

Wen es interessiert: Ich bin lebenslange Vegetarierin und überzeugte Minimalistin.

Ich schreib auf Planet Backpack über das Reisen mit dem Rucksack und seit neuestem auf Planet Nomad über Online Business und Lifestyle Design-Themen.

Mit meinem Businesspartner Sebastian von Off the Path betreibe ich Blog Camp und, ganz neu, Transit Media.

Meine Brötchen verdiene ich vordergründig mit Planet Backpack, Blog Camp und hier und da ein paar Freelance-Kunden.

Wo befindest Du dich zur Zeit? Wie oft wechselst du deinen Standort und wie verträgt sich das mit deinem Workflow?

Ich bin derzeit in Mexiko seit etwa einem Monat. Dabei war ich etwa zwei Wochen in den Bergen, dann ein paar Tage hier und ein paar Tage dort. Eine Routine was Standortwechsel angeht gibt es so nicht.

An Reisetagen schaut es oft nicht so gut aus mit dem Worklow, aber so ist halt. Ich halte mir immer offen wann ich arbeite und wann ich mir komplett frei nehme. Sonst müsste ich mich wahrscheinlich immer selbst enttäuschen

Generell bin ich oft länger auf Reisen und länger an einem Ort. Meine On-Off Homebase in Berlin, dort habe ich zum Beispiel den Sommer dieses Jahr verbracht.

Zu viel und zu schnelle Ortswechsel verträgt meine Arbeitsroutine nicht.

Du hast verschiedene Einkommensquellen: Dein Blog „Planet Backpack“, das Blog Camp, (dessen Webseite auch einen Blog beinhaltet) sowie diverse andere Projekte. Neulich hast du nun noch einen weiteren Blog gestartet. Warum?

Er musste einfach raus. Das Verlangen war schon länger da, die Domain auch, also hab ich einfach gestartet.

Starten ist besser als warten um zu starten.

Der Blog ist ein kleines Leidenschaftsprojekt. Mal sehen wo es mit ihm hingeht.

Wird das nicht zu viel? Ist dein Tag so nicht bis zum Rand mit Arbeit vollgestopft?

Manchmal frag ich mich auch warum ich mir immer mehr aufhalse. Aber ich sage auch vermehrt Nein zu den vielen Projektangeboten und –kooperationen, die ständig reinflattern.

Derzeit arbeite ich schon recht viel, allein schon wegen unserem Blog Camp Online Kurs und meinem E-Book zum ortsunabhängigen Arbeiten, aber grundsätzlich bin ich gegen Tage, die bis zum Rand mit Arbeit vollgestopft sind. Das ginge gegen meine Lebensphilosophie.

Das Leben ist schließlich zum Leben da und nicht zum Arbeiten.

Aber im Ernst: Nein, ich bring mich nicht um mit meinem Arbeitspensum. Alles cool. Alles eine Frage des Zeitmanagements und der Produktivität.

Und mir machen all meine Projekte Spaß, da fühlt sich Arbeit meist nicht wie Arbeit an – sondern wie etwas, das ich liebe und, hoppla, zufällig damit auch Geld verdiene.

Der Großteil meines Einkommens ist komplett passiv durch Planet Backpack, d.h. alles andere ist komplett freiwillig und weil es mir Freude bereitet und meine Leidenschaften sind.

Das „digitale Nomadentum“ – ein Lifestyle über den wir beide viel schreiben (und ihn auch leben) ist in der deutschsprachigen Blogosphäre noch ein zartes Pflänzchen. Über das ortsunabhängige Arbeiten wurde jedoch schon seit 2006 diskutiert. Damals noch unter dem Namen „digitale Boheme“. Siehst du zwischen den Begriffen einen Unterschied?

Ich hab das Buch gelesen und nach der Hälfte nur noch durchgeblättert, hat mich sehr gelangweilt.

Ich sehe grundsätzlich aber Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Ja, digitale Nomaden und die digitale Boheme nutzen neue Kommunikationswege um unsere individuellen Handlungsspielräume zu erweitern. Und ja, für mich persönliche schneidet die Festanstellung meine persönliche Freiheit ein.

Die digitale Boheme fokussiert sich aber vordergründig auf die künstlerisch-kreative Aktivitäten, wobei digitale Nomaden ein viel breiteres Spektrum an Online-Arbeiten umfassen. Im Grunde ist das digitale Nomadenleben einfach nur eine ortsunabhängige Selbständigkeit.

Kannst du mir die (aus deiner persönlichen Sicht) drei größten Vorzüge und drei größten Nachteile des ortsunabhängigen Arbeitens nennen?

Vorteile

  1. Das Office im Rucksack: Die Freiheit von überall zu arbeiten, u.a. an den schönsten Orten der Welt, mit flexiblen Arbeitszeiten
  2. Geo-Arbitrage: Euros verdienen, in schwächeren Währungen Geld ausgeben
  3. Sein eigener Boss sein. Du willst mehr Kohle? Streng dich an und mach mehr. Dein Einkommen ist nicht fix, keiner der dir über die Schulter schaut. Du machst die Regeln.

Nachteile

  1. Arbeiten wo andere Urlaub machen erfordert manchmal eine hohe Disziplin. Besonders ohne Klimaanlage bei 35 Grad im Schatten.
  2. Einen Lebenspartner finden, der auch auf ein digitales Nomadenleben Lust hat bzw. auch die Freiheit hat es leben zu können
  3. Hier und da suboptimale Wifi-Situation (wie z.B. in dem kleinen Dorf in Mexiko, von wo aus ich gerade diese Worte schreibe)

Es gibt zunehmend Kritik an der angeblich missionarischen Haltung der digitalen Nomaden-Blogger (da fühlen wir uns vermutlich beide angesprochen). Es ist die Rede von „Bekehrungsversuchen“ oder zu wenig kritischem Umgang mit dem Thema. Ich kann die Kritik zwar oft nicht nachvollziehen, finde es aber spannend, dass seither das Thema wieder verstärkt diskutiert wird. Wie stehst du dazu?

Mich hat die Kritik am Anfang getroffen, ja, da ich sehr überrascht war wie negativ Menschen sein können und in was sie ihre Energien verschwenden können.

Aber mittlerweile interessiert sie mich nicht mehr. Null. Nada.

Ich persönlich konzentriere mich lieber darauf anderen zu helfen, hilfreiche Dinge zu schaffen und einen wirklichen Wert für meine Leser und in meinen verschiedenen Businesses zu leisten als mich mit der oftmals völlig substanzlosen Kritikdiskussion auseinander zu setzten. Das überlasse ich gern anderen.

Ich möchte diejenigen erreichen, die Bock auf unser Leben haben und offen für alternative Lebensentwürfe haben. Alle anderen sind mir ziemlich egal und können meinetwegen so viel Kritikposts und Hater-Emails schreiben wie sie wollen. Wenn sie dazu Zeit haben, bitte gern. Ich möchte jedoch meine Zeit in sinnvollere Dinge investieren. Das Leben als Missionar finde ich ziemlich unsinnig, auch will ich niemanden bekehren. Leben und leben lassen, oder?

Klar ist unser Leben für uns das geilste, aber das heißt ja nicht, dass jeder damit glücklich wäre. Insofern dürfen die Kritiker gern untereinander ihre negativen Energien austauschen. Ich lehne dankend ab.

Paulo Coelho hat kürzlich das hier getwittert:

“Haters are confused admirers who don’t understand why people love you.”

Wo willst du mit Planetnomad.de noch hin? Wirst du dich auf diesen neuen Nomaden-Blog nun verstärkt konzentrieren? Ganz unter uns: Hast du ein klein wenig die Lust an Planetbackpack.de verloren und brauchtest ein neues „Baby“? Oder siehst du die Blogs als „ebenbürtige Geschwister“?

Ich habe gemerkt wie sehr mir Themen rund um Online Business, Lifestyle Design und Persönlichkeitsentwicklung am Herzen liegen. So sehr, dass ich darüber schreiben will um andere damit zu erreichen.

Das war eigentlich schon alles.

Außerdem wollte ich ein anderes, minimalistischeres Blogformat austesten: Keine Social Media-Kanäle, keine Kommentarfunktion. Kein Bilder. Das heißt für mich auch: Weniger Arbeit. Reiner Fokus auf den Text und die Worte.

Die Lust an Planet Backpack ist weiterhin vorhanden, dazu bin ich zu stolz auf mein Baby – aber der Blog ist auch ein kleiner Selbstläufer geworden. Ich publiziere dort nun öfter Gastbeiträge von anderen Autoren, bin effizienter in meinen Prozessen – das gibt mir die Zeit, andere Dinge zu machen.

Planet Backpack und Planet Nomad sind wenig miteinander zu vergleichen und sind keine Geschwister in dem Sinn. Sie sind völlig unabhängig voneinander. Wir werden sehen wie es weitergeht, das Leben ist immer im Wandel und die Onlinewelt sowieso.

Als Fan von Web-Projekten kann ich gut verstehen, wenn es nach einer Weile einfach Zeit für das nächste Projekt ist. Dein Projektepensum ist aber echt nicht ohne. So viele Projekte gleichzeitig. Respekt dafür – aber wie geht sowas? J Hast du mittlerweile Unterstützung in Form von virtuellen Assistenten? Oder bist du einfach Super-Effizient beim Arbeiten?

Ich bin mega-effizient beim arbeiten haha! Anders geht’s nicht, besonders weil ich trotz der vielen Projekte keine Lust auf einen 8-Stunden-Arbeitstag habe. Ich will mit diesem Lifestyle ja schließlich leben und nicht die meiste Zeit vor dem Laptop verbringen.

Mir liegt Produktivität sehr am Herzen. Daher optimiere ich wo es nur geht, nütze die verschiedensten Tools und habe strikte To-Do Listen jeden Tag.

Mir macht es Spaß kreativ und produktiv zu sein, aber Unternehmerin zu sein ist auch eine Herausforderung, klar.

Für unsere Blog Camp und Transit Media Sachen haben wir eine Assistentin, eine gute alte Freundin von mir. Außerdem teilen Sebastian und ich uns viele Aufgabenbereiche, und akzeptieren wenn einer mal einige Wochen keine Zeit oder Kapazitäten hat, dann haut eben einer mehr rein. Das hält sich bei uns recht im Gleichgewicht.

Kurze Frage: Dein wichtigstes Ziel in nur 3 Worten:

Face your fears.

Letzte Frage: Welche Frage würdest du dir selbst stellen, wenn du ich wärst und dieses Interview führen würdest? Und: Was wäre die Antwort darauf?

Wie viel Kohle machst du so im Monat?

Antwort: Derzeit um die 2500 – 3000 Brutto. Davon mehr als die Hälfte komplett passiv. Tendenz: steigend.

Happy now?

Conni – Vielen Dank für das Interview.  An die wenigen Backpacker, Blogger und Nomaden unter Euch, die Conni noch nicht kennen: Lest ihre Blogs, es lohnt sich! Hier findet ihr die Links:


Übrigens: Vor Kurzem lief ein Radiointerview mit mir auf Radio Fritz zum Thema digitales Nomadentum. Lust reinzuhören? Hier gehts zum Interview.

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Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

7 Antworten zu “„Das Leben ist schließlich zum Leben da und nicht zum Arbeiten“ – Interview mit Conni”

  1. Sehr interessanter Beitrag. Was mich noch interessiert bzw. was ich noch nicht ganz vestanden habe: Wie genau verdienst du „passiv“ Geld mit dem Blog? Würde mich auf eine Rückmeldung dazu sehr freuen… Sonnige Grüße, Nicole

  2. Wirklich interessant. Schön auch die Ehrlichkeit – dass es eben auch Nachteile dieses Lebensstils gib, welche dies sind, wie viel man verdienen kann… Allerdings würde auch ich gerne mehr zum „passiven“ Einkommen wissen, das wird gar nicht erklärt, obwohl es in der Überschrift steht. Wahrscheinlich sind Affiliate-/Werbeeinnahmen gemeint?
    Liebe Grüße Maike

    • Ja, ich mache das meiste mit Amazon Affiliate und anderen Affiliate-Netzwerken.
      Darüber hinaus gibt es hier und da ein Advertorial bzw. sponsored Post auf Planet Backpack, ab und zu schalte ich auch Bannerwerbekampagnen oder mache Produktreviews und Gewinnspiele, für die Unternehmen bezahlen.
      Nichts mit dem andere Blogger nicht auch ihr Geld verdienen 😉

  3. Sehr schönes Interview und tolle letzte Frage Tim!! 😀
    Aber auch gut gekontert… 😉

    Ich belese mich ja selbst immer mehr dazu aber solche Interviews ziehen mich immer wieder in ihren Bann. Und es war spannend mal die Entstehungsgeschichte von Planetnomad zu erfahren. Ich bin gespannt weo es damit hingeht!

    Viele Grüße an euch zwei,
    Carina

  4. Max Klamer

    Es ist so toll, wenn man Wege findet, wie man seinen Trämen folgen kann und dabei noch Geld verdient! Das mit den Blogs ist ja super, aber es gibt noch viele anderen Möglichkeiten Reisen und Arbeiten zu verbinden. Ich habe vor 3 Jahren begonnen selbstständig für eine Firma zu arbeiten. Zu Beginn haben wir uns einmal pro Woche in einem Büros zu Besprechungen getroffen, gearbeitet wurde von Zuhause oder wo halt Internet vorhanden ist, aus. Mittlerweile gibt es einige Kunden auch im Ausland, die Meetings werden immer noch in Persona abgehalten, aber oft auch via Online Konferenz. Es gibt echt viele verschiedene Möglichkeiten, recht frei zu arbeiten.

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