Wie so viele Süchte, so hat auch die allgemeine Reisesucht häufig diverse Begleiterscheinungen. Als Reisejunkie kann ich dir ein Lied davon singen.

Diese Begleiterscheinungen können jedoch höchst unterschiedlich ausfallen. Bei mir ist eine Begleiterscheinung (welche von Mitmenschen oft nicht verstanden wird) meine unerschütterliche Begeisterung für die Atmosphäre an Flughäfen.

Meist sind diese ja eher voll, laut, hektisch. Für mich sind sie aber vor allem der Ort meiner Träume. Genau so verhält es sich auch mit Flugzeugen, und allem, das mit ihnen zusammenhängt.

Klar, nach 10 Stunden Flug habe auch ich keinen Bock mehr und mein Hintern tut mir weh, jedoch ist ein Flugzeug bei mir immer stark mit meinen Reise-Sehnsüchten verbunden. Fliegen hat eine Magie, die auch nach 20 Flügen in einem einzigen Monat noch nicht verschwindet.

Oft habe ich mir vorgestellt, bei einer Airline oder an einem Flughafen zu arbeiten, um noch mehr von dieser besonderen Atmosphäre mitzubekommen. In Zeiten, in denen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Nomadentum noch böhmische Dörfer für mich waren, habe ich von ganz anderen Nomaden-Jobs geträumt. Zum Beispiel bei einer Airline.

Kapitän oder Flughafenmitarbeiter waren noch vor 10 Jahren ganz oben auf meiner Berufswunschliste. Zwei Jobs, die völlig unterschiedlich sind, aber für mich das Naheliegendste war, um meinen Freiheitsdrang zu stillen.

Mittlerweile habe ich andere Wege gefunden, diesen Drang zu stillen. Ich arbeite ortsunabhängig. Die Faszination für diese nicht-digitalen Nomadenjobs steckt aber so tief in mir, dass ich manchmal immer noch denke „was wäre, wenn…“.

Vor Kurzem hat mir dann Condor einen Wunsch erfüllt. Ich dürfte als Allererster eine Stunde vor Abflug der Maschine (in welcher ich dann selbst mitgeflogen bin) ans Flugzeug gehen und sämtliche Prozesse miterleben, die vor dem Abflug in und um die Maschine ablaufen.

Im Flieger noch vor der Crew

Es war später Vormittag am Frankfurter Flughafen, als ich meine kleine Reisetasche am Check-In aufgab. Die Mitarbeiterin war (wie so oft) erstaunt über mein geringes Gepäck. 6 kg für 2 Wochen. Leicht reist es sich halt besser.

Nachdem das Gepäck in den Katakomben des Flughafens verschwand, wurde ich von einer freundlichen Condor-Mitarbeiterin am Schalter abgeholt und durch die Mitarbeiterschleuse in den Sicherheitsbereich des Flughafens geführt. Bereits dies war extrem spannend für mich, denn hätte ich tatsächlich einmal am Flughafen gearbeitet, wäre ich hier sicher tagtäglich durchgelaufen.

Der Sicherheitscheck war im Grunde genau so, wie er auch bei der „normalen“ Kontrolle abläuft. Jedoch ging alles ein wenig flotter.

Einmal im Sicherheitsbereich des Flughafens angelangt, ging es schnurstracks Richtung Gate. Dort war es noch vollkommen leer. Kein Mensch in Sicht, lediglich 2 Mitarbeiterinnen warteten auf den kurz bevorstehenden Ansturm der Passagiere.

Wir hingegen bestiegen sofort einen bereits auf uns wartenden Bus, um zur Maschine zu fahren. Dort angekommen, sah ich wie bereits das Catering in die Maschine beladen wurde. Einige Techniker sprangen auf dem Feld umher. Chicken oder Pasta wurde in die Kabine geladen, etwas größere Portionen für die Comfort Class und die Premium Economy.

Alles wurde sicher in den kleinen Küchen innerhalb des Fliegers verstaut. Erstaunlich, wie viel man in diesen kleinen Küchen tatsächlich unterbringen kann. Alles hat seinen festen Platz und ist wackelsicher untergebracht.

Wir bestiegen das Flugzeug und betraten das Cockpit, in welchem ein Techniker diverse Schalttafeln überprüfte. Was er da genau tat, war mir nicht verständlich, sah aber äußerst wichtig aus. Ich nahm Platz auf dem „Captains Chair“, um ein für allemal das „was wäre, wenn…“ Gefühl loszuwerden.

Ich nahm im Cockpit platz und musste feststellen: Das Cockpit ist in Wahrheit gar nicht mal so gemütlich. Viel Technik. Sicher eine tolle Aussicht. Aber hinten sitzt man im Grunde besser (vor allem, wenn man in der Comfort Class sitzt.)

Nachdem ich also den Sitz für den Kapitän ein wenig vorgewärmt hatte, kam auch schon die Crew in einem Bus vorgefahren. Der Bus stoppte an der Gangway und die Crew bestieg die Maschine.

Man konnte merken, dass alle es recht eilig hatten ihre Positionen einzunehmen, denn es war nicht mehr all zu viel Zeit, bevor die ersten Passagiere das Flugzeug betreten würden.

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Sind die Reifen noch dran?

Ich wurde vom Co-Piloten eingeladen, gemeinsam mit ihm noch die Maschine von außen zu inspizieren. Eine spannende Sache. Der Co-Pilot erklärte mir einige Details rund um die Maschine.

Die Reifen schienen okay – noch ausreichend Profil vorhanden. Die Triebwerke machten einen guten Eindruck – nix zu meckern. Die Maschine wird übrigens immer nach dem ‚vier Augen Prinzip‘ geprüft. Die Techniker checken die Maschine genauestens durch (und prüfen sich dabei gegenseitig). Zuletzt macht dann der Pilot oder der Co-Pilot noch einmal einen abschließenden Check. Es wird also alles doppelt und dreifach geprüft!

Nach ca. 20 Minuten gemeinsamer Inspektion kam auch schon der erste Bus mit den Passagieren vorgefahren, und es war an der Zeit für mich, ebenfalls die Maschine zu betreten – als ganz normaler Passagier.

Wenn digitales Nomadentum nichts für dich ist, und du lieber angestellt arbeiten möchtest, kann ich dir einen der Jobs an Bord eines Flugzeugs getrost empfehlen. Du kommst viel rum. Zudem macht der Job offensichtlich echt Spaß. Zweifelsohne ein Traumjob unter den Festanstellungen.

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Vielen lieben Dank an Condor für dieses außergewöhnliche Erlebnis. Zwar werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr an Bord eines Flugzeuges arbeiten – der Zug ist abgefahren, zumindest weiß ich nun aber, wie der Hase läuft.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

4 Antworten zu “Über den Wolken: Nomadische jobs sind nicht immer nur digital”

    • Danke Dir 🙂 Da hast du schon recht. Nicht vielen, aber einigen … man muss vorher entweder mit dem Flugbegleiter flirten oder dem Captain eine Tüte Gummibärchen mitbringen.

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