Krise hier, Krise da. Nicht überall in Europa, jedoch in einigen Ländern, scheinen sich Zukunftsängste und die Angst vor dem Zusammenbruch unserer Gemeinschaftswährung langsam in eine Egal-Haltung umzuwandeln. Klar, es kommt immer auf die Perspektive an. Wer in Spanien seine Wohnungs-Hypothek nicht mehr bezahlen konnte, seinen Job verloren hat und nun in einer heruntergekommenen Sozialwohnung das Schlafzimmer mit seinen Kindern teilen muss, der wird so schnell nicht in eine Egal-Haltung verfallen.

Alle anderen jedoch sind langsam Müde, ständig in den Nachrichten zu hören was da so passiert und beschlossen wird. Druckt doch einfach Scheinchen nach, Hauptsache der europäische Zusammenhalt bleibt bestehen. Meine Schulden würden durch eine Inflation ja nur schrumpfen. All die, die ein dickes Plus auf dem Konto haben, können den grössten Batzen ja noch schnell in feste Werte investieren, das sorgt für Arbeit.

Das unsere Welt sich nicht nur in technologischer und sozialer Hinsicht, sondern auch weltwirtschaftlich in einer nie zuvor so dagewesenen Umbruchsphase befindet, erkennen viele Menschen nicht. Man muss zumindest einmal versuchen, das Bild in einem grösseren Zusammenhang zu sehen, und dazu gehört es, Dinge in Frage zu stellen, die bisher als grosse Errugenschaften des 20. Jahrhunderts galten oder zu Symbolen des Fortschritts geworden sind.

Ich möchte nicht behaupten, das man sich bei der Betrachtung der Dinge aus einem grösseren Zusammenhangs nicht genauso täuschen kann – jedoch stellt man zumindest einmal die Dinge vermehrt in Frage.. ein guter Anfang.

Fangen wir doch einmal an mit dem schönen Begriff des „Wachstums“. Ständig hört man es: Das Wachstum geht zurück, Panik macht sich breit. Das Wachstum steigt und alle sind glücklich. Wachstum ist zum Indikator dafür geworden, wie gut es einer Nation geht. Die Wirtschaft boomt, ergo gibt es Wachstum. Das ständiges Wachstum jedoch einem Perpetuum mobile gleichkommt, also einem Auto, dass ohne Benzin fahren kann, das machen sich nur Wenige bewusst. Vielleicht mag sich ja das Universum unendlich vergrössern, aber unsere Wirtschaft kann es nicht.

Unsere Wirtschaft ist nach wie vor im 21. Jahrhundert voll und ganz auf endliche Rohstoffe bzw. Bodenschätze angewiesen. Irgendwann ist der Boden leer. Feierabend. Davon einmal ganz abgesehen zerstört das Wachstum unsere Umgebung, vernichtet unseren Lebensraum und – sicherlich das entscheidendste Argument – bringt uns keine Verbesserungen mehr. Wem soll es denn hier noch besser gehen?

Vielleicht ist es Zeit, verstärkt an unserer Gesellschaft zu arbeiten anstatt immer mehr Waren zu produzieren. Radikale Ideen sind gefragt. Geht die Wirtschaftsleistung zurück und Arbeitsplätze gehen verloren so muss man entweder Arbeit in ganz neuen Bereichen schaffen oder aber die vorhandene Arbeit auf mehreren Schultern verteilen. Man muss nur einmal in ärmere Länder schauen, mit welchen kreativen Mitteln dort Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten und glücklich damit sind.

Wer nur 5 Stunden am Tag arbeitet wird weniger Gehalt beziehen können, aber im Gegenzug mit Zeit bezahlt. Sie können bei weniger Verdienst Ihre Autoraten nicht zahlen? Meine Güte, dann muss die Karre halt weg. Der Wohlstandsbauch schrumpft auf dem Fahrrad eh leichter. Oder man tauscht den Benz gegen einen Kleinwagen. Lösungen gibt es immer. Zeit ist schliesslich auch eine Währung und Zeit ist wesentlich wertvoller als Geld, denn jede Sekunde verlieren wir Lebenszeit, die wir nie wieder zurück bekommen werden, für kein Geld der Welt. Wir sollten sie also nutzen. Nicht unbedingt um in der Hängematte herumzuliegen (ab und zu natürlich schon) sondern um Dinge zu tun, die einen anderen Nutzen bringen als blosse Geldvermehrung auf dem eigenen Konto.

Der Mensch ist ein soziales Tier. Glückliche Menschen sind oft solche Menschen mit vielen (oder zumindest engen) sozialen Kontakten. Gleichzeit ist für das Lebensglück entscheidend, wie positiv man auf das Umfeld wirkt. Ein Mensch, mit dem man gerne seine Zeit verbringt spürt das auch, und das macht wiederum diesen Menschen glücklich. Das 20. Jahrhundert hat uns gezeigt, dass Konsum nicht zum Glück führt. Auch nach dem dritten Flatscreen, den zwölften Paar Schuhe oder der teuren Ledercouch fühlen wir uns, abgesehen von dem einen kurzen Glücksrausch beim Einkauf,  nicht glücklicher. Das Projekt Konsumglück ist gescheitert. Trotzdem ist diese Droge noch nicht auf dem Rückzug.

Ich bin ein Fan des neuen Minimalismus. Man kauft was man braucht, man verkauft was man nicht mehr braucht. Man nutzt sein Geld (egal ob es viel oder wenig ist) um Dinge zu tun, die einem Spass machen und einen sozialen Aspekt haben. Das muss nicht heissen, dass man in Ruanda Hütten baut (sicherlich eine tolle Sache) aber es sollte heissen dass man Geld nicht gezielt in Materielles sondern vielmehr in Erlebnisse investiert. Und hier spielt auch die Zeit wieder eine grosse Rolle, diese muss man nämlich bei Erlebnissen nun auch investieren, bei materiellen Dingen muss man dies nicht.

Ein gutes Beispiel für persönliche Zufriedenheit ist Warren Buffet, einer der reichsten Männer der Welt, lebt seit seinen jungen Jahren in einem einfachen Haus in Omaha. Er hat keinen Maserati und keine Jacht. Er lebt, im Verhältnis zu seinen Milliarden, ein einfaches Leben. Denn er tut das was er tut, weil er es liebt und er bezieht sein persönliches Glück aus diesem Job und den menschlichen Kontakten die er mit sich bringt. Nicht anders als der Fischer in Indien, der mit 100 Euro im Monat ein glückliches Leben führt weil er abends viel Zeit zum Spielen mit seinen Kindern oder zum Pokern mit seinem Nachbarn hat.

Und was hat das nun alles mit der Wirtschaftskrise zu tun? Absolut alles! Denn man muss kein Wirtschaftsexperte sein, um zu begreifen dass das unendliche Wirtschaftswachstum sich irgendwann dem Ende nähert und die Menschen dann zukünftig wieder näher zusammen rücken, so wie sie es bereits heute in vielen Bereichen tun. Und genau das wird Ihnen hoffentlich auch wieder zeigen, wo Sie Ihr Glück finden können. Das Glück liegt auf der Strasse, jedoch nicht im Auto!

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

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