Einmal um die Welt und zurück. Die Freiheit, zu arbeiten, wo auch immer man will. Ferne Länder entdecken, leben und erleben. Den Wind um die Nase spüren. Nur noch zu machen, was man selbst spannend findet, was einen herausfordert, was einen interessiert.

Diese Freiheit hat meist einen hohen Preis: Den der finanziellen Sicherheit.

Die allermeisten können nicht etwa einfach ihre Koffer packen und in den nächsten Flieger steigen, sondern müssen für diese Freiheit lange vorher sparen oder nachdem sie ihren sicheren Job gekündigt haben, sich entweder online ein eigenes Unternehmen großziehen oder sich als Freelancer von Projekt zu Projekt hangeln.

Und auch, wenn die Freiheit noch so sehr ruft, nicht jeder kann aus genau diesem Grund diesem Ruf folgen.

Nicht jeder möchte seinen sicheren Job opfern. Z.B. weil es einige Zeit dauern kann, bis so ein Online-Business Erfolg hat. Oder er eine Familie hat und ihm das Risiko, plötzlich ohne alles da zu stehen einfach zu groß ist. Oder er ist nicht der Typ für Entrepreneurship. Oder er möchte einfach nachts gerne ruhig schlafen, in dem Wissen, dass ja er im nächsten Monat eine Wohnung und genug zu essen haben wird.

Aber muss es denn ein Entweder – Oder sein? Entweder angestellt und sesshaft oder selbständig und nomadenhaft? Entweder sicheres Gehalt oder Freiheit?

Was wäre, wenn beides vereinbar wäre, Freiheit und Geld? Ohne Online-Business oder Freelancertum? Sondern als Angestellter? Das geht tatsächlich.

Wie kommt man an einen solchen Job?

Es gibt verschiedene Herangehensweisen.

Als allererstes überlege und probiere aus, ob und wie du deinen jetzigen Job in einen ortsunabhängigen Job umwandeln kannst. In manchen Fällen ist das natürlich nicht möglich, z.B. wenn du als Verkäufer im Laden stehen musst. Aber gib hier nicht so schnell auf. Vielleicht ist es möglich, in eine andere Abteilung zu wechseln.

Entwickle einen Plan, wie du einerseits Kontakt mit deinen Mitarbeitern halten kannst, z.B. durch strukturierte Zeiten, in denen du online präsent bist (wichtig bei verschiedenen Zeitzonen), oder durch feste Skype-Meetings. Und andererseits, wie du den Rest alleine am PC schaffen kannst.

Bereits einen Plan zu haben, wie dein zukünftiger Arbeitsrhythmus aussehen könnte, hilft sehr, um auch dem Vorgesetzten zu zeigen, dass es machbar ist.

Wenn dein Chef nicht gleich begeistert aufspringt, dir die Hand schüttelt und dir alles Gute wünscht, dann kannst du ihn vielleicht mit diesen Argumenten für dich gewinnen:

  • Du wirst durch die Reise einen gehörigen Motivationsschub haben.
  • Durch den physischen Perspektivwechsel wird auch deine Arbeit profitieren: Neue Ideen sind garantiert.
  • Wenn deine Firma international arbeitet kann es von Vorteil sein, wenn das Team mehrere Zeitzonen abdeckt.
  • Und vielleicht wäre es gut für deine Firma, das Netzwerk auf der ganzen Welt auszubauen? Du wärest das perfekte Bindeglied.

Sollte dies alles nicht möglich sein, muss wohl ein neuer Job her.

Einfach nach “ortsunabhängiger Job” googlen bringt erfahrungsgemäß leider sehr wenig.

Ebenfalls wenig hilft es, bei monster.de oder indeed.de nachzuschauen. Das Stichwort “remote” oder “ortsunabhängig” kennen sie gar nicht, höchstens “Home Office”. Und leider kommen dabei vor allem Verkäufertätigkeiten raus, bei denen man an ein bestimmtes Gebiet gebunden ist.

Es gibt aber bereits verschiedene Plattformen, die eine hohe Dichte an “remote Jobs” haben.
Zu den internationalen Jobbörsen, die sich auf ortsunabhängige Jobs spezialisiert haben, gehören z.B. RemoteOk.io, WeWorkRemotely.com und GoRemote.io.

Andere Seiten haben zwar auch “normale” Jobangebote, aber auch eine große Dichte an remote Jobs. Dazu gehören z.B. Stackoverflow, Jobspotting und Freelancermap.

Allen diesen Plattformen ist ein großes Angebot für Digitale Nomaden gemein. Es lohnt sich definitiv, dort vorbei zu schauen. Sie sind aber, wie gesagt, international und/oder mit einem hohen Anteil an Angeboten für Freelancer.

Natürlich ist an beidem nichts verkehrt. Aber wenn man eine ortsunabhängige Festanstellung sucht, helfen einem die Freelancer-Angebote wenig.

Auch an international ist grundsätzlich nichts auszusetzen, die Arbeit ist schließlich remote! Allerdings unterscheiden sich die Arbeitsgesetze in Deutschland sehr stark von denen, sagen wir, in den USA, von wo aus ein Großteil der Firmen stammt.

Deutsche Firmen geben z.B. wesentlich mehr (bezahlte!) Urlaubstage. Der Mutterschutz ist umfassender. Die Elternzeit ist real existent. Es besteht ein guter Kündigungsschutz – und nicht zu vergessen die Krankenversicherung!

In den USA hingegen gibt es keinen garantierten Mindesturlaub, 70% der Arbeitnehmer haben nur 15 Tage oder weniger “frei” im Jahr – meist unbezahlt, versteht sich. Der Mutterschutz in den USA beträgt 3 Wochen nach der Geburt – natürlich in den allermeisten Fällen auch unbezahlt. Danach wird voll weitergearbeitet. Elternzeit gibt es nicht. Ach ja, und vor der Geburt wird selbstverständlich  auch bis zum Schluss weitergearbeitet.

Kündigungsschutz in den USA – ähhhm, nein. D.h., du bekommst natürlich 2 Wochen vorher Bescheid gesagt.

Und Krankenkasse – wir wissen denke ich alle, dass die gerade erst eingeführte (durchaus problembehaftete) flächendeckende Krankenversicherung einer ungewissen Zukunft gegenüber steht.

All dies sind Gründe, für ein deutsches Unternehmen zu arbeiten. Zumal es ja auch sein kann, dass du irgendwann wieder sesshaft werden willst…

Bitte bedenke außerdem, dass auch, wenn du von der ganzen Welt arbeiten und deine Zeit oft selbst einteilen kannst, es trotzdem Arbeit bleibt, die zusätzlich zu der Reiseplanung und -zeit und evtl. Kindererziehung zu bewerkstelligen hast. Kein Urlaub.

Deutsche ortsunabhängige Festanstellungen sind aber noch schwieriger zu finden. Deutschland hinkt da leider sehr hinterher.

Hier gibt es noch drei Lösungen:

Die erste Lösung ist die Jobbörse von DNX. Du findest hier einen großen Anteil an deutschen Jobs. Leider auch hier viele projektbasiert und für Freelancer. Aber manchmal hat man Glück.

BerlinStartupJobs.com ist die zweite Lösung mit einem verhältnismäßig hohen Anteil an Festanstellungen, die in Berlin ihren Sitz haben, dich aber auch remote arbeiten lassen oder zumindest offen dafür sind.

Und dann gibt es noch RemoteArbeiten.de, das von Coworking-Space-Plattform MESHVILLE ins Leben gerufen wurde. Diese Seite ist stark kuratiert. Es gibt hier ausschließlich Festanstellungen bei deutschen oder mitteleuropäischen Firmen, die zu mindestens 50% ortsungebunden sind.

Und auch, wenn der Fokus auf IT liegt, einfach, weil es hier die meisten Angebote gibt, so gibt es doch auch etwas für Texter, Designer, Projektmanager oder Social Media Experten.

Ich hoffe, dass du mit all diesen Tipps dem Traum vom Digitalen Nomadentum ein gutes Stück näher kommst – ohne Kopfschmerzen, wie du geldtechnisch den nächsten Monat überstehen sollst.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Hannah Schmidt-Samuels für meshville.de
Über den Autor

Hannah Schmidt-Samuels für meshville.de

Hannah ist Webdesignerin, Videoproduzentin, Bloggerin, Coach und Mama. Sie liebt die Vielfalt und vor allem die Freiheit, die der Fortschritt der Technik mit sich bringt. Hannah arbeitet fast ausschließlich ortsunabhängig, meist innerhalb von Deutschland, da sie eine Tochter im schulpflichtigen Alter hat. Unterwegs ist der Laptop immer dabei und einfach nur Urlaub ohne Arbeit eher selten.

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