Das härteste dabei, ein Projekt zu starten, ist meistens, das Projekt zu starten. Klingt verrückt, ist aber so. Viele bekommen die Lokomotive einfach nicht ans Laufen. Das liegt jedoch nicht immer am fehlenden Dampf, sondern häufig an der falschen Strategie.

„Prokrastination“ nennt man dieses Phänomen wenn man gebildet klingen will. „Erledigungsblockade“ oder „Aufschiebungsverhalten“, wenn man verstanden werden will. Ich nenne es am liebsten einfach „Bummelei“ – nicht zu verwechseln mit Fummelei.

Klassische Bummelei äußert sich oft einfach dadurch, dass man nicht in der Lage ist, mit einer vor einem liegenden Aufgabe zu beginnen. Oft liegt dies daran, dass die Aufgabe bereits so überwältigend wirkt, dass man lieber erst gar nicht damit anfängt, da die kleinen Alltagsdinge einem viel schneller ein Belohnungsgefühl verschaffen.

Bügeln oder Spülen wird plötzlich zu einer sehr beliebten Aktion und wird zuerst erledigt, schließlich muss man da das Köpfchen weniger anstrengen und fühlt sich nach der Fertigstellung gut, da man etwas abhaken kann. Die Zehennägel müssten auch mal wieder geschnitten werden. Und außerdem ist der letzte Kaffee schon viel zu lange her. Das macht Sinn. Zumindest so lange, bis einem einfällt, das da ja noch etwas anderes zu erledigen war.

Es gibt unglaublich viele Videos, Bücher und Kurse, die sich mit dem Thema Prokrastination beschäftigen. Ich finde aber, dass das Thema ein wenig überbewertet wird, denn die Lösung ist relativ kurz formulierbar. Menschen ticken nun einmal so, dass sie immer den Weg des geringsten Widerstandes gehen wollen.

Wir werden im Grunde halt auch nur von unseren Trieben gesteuert und haben nur mehr Möglichkeiten, diese Triebe auszutricksen, als Tiere dies haben, und genau diese Fähigkeit sollten wir nutzen.

Es gibt drei Tricks, mit denen man das ganze Problem relativ schnell in den Griff bekommt. Diese drei Dinge fallen unter die Kategorie „klassische Selbstüberlistung“. Mit diesen Tricks kannst du Prokrastination stoppen, ohne über das Thema 20 Bücher lesen zu müssen. Für mich funktionieren diese Dinge übrigens immer und immer wieder. Los geht’s:

Teile das Projekt in Teilschritte

Vor dir liegt eine Mammutaufgabe? Dann hol dir eine Kettensäge und zerleg das Mammut, bis es in die Tiefkühltruhe passt. Jede Teilaufgabe kannst du dann nacheinander abarbeiten und dich zugleich belohnen, wenn sie erledigt ist. So dauert es nicht so lange, bis zur nächsten Belohnung.

Setze dir vor allem auch Deadlines für die Beendigung jeder Teilaufgabe. Nichts ist schlimmer, als keinen festen Liefertermin zu haben. Ohne zeitliches Ziel nimmst du dir alle Zeit der Welt. Ist ja logisch, oder? Geht mir heute noch so, plötzlich hab ich alle Zeit der Welt. Ich für meinen Teil brauche ein festes Datum.

Werde Verführungen los

Kennst du sicher gut: Du quälst dich durch eine Aufgabe und verlierst die Lust daran. Die vermeintliche Rettung vor dieser Aufgabe: Ein kurzes „fa“ in den Browser tippen, und schon erkennt die Worterkennung im Browser, wo die Reise hingehen soll. Alles wird wieder gut. Hmmm. Nein, wird es nicht! Ich nutze einen Facebook Blocker, der verhindert, dass ich ohne nachzudenken auf meiner Tastatur Richtung „fa“ steuere.

Facebook ist böse! Blocke es, und rufe es nur 1-2 Mal am Tag gezielt auf. Irgendwann wird das dann zur Gewohnheit. Übrigens: Menschen, die dir arbeitsrelevante Dinge über Facebook schicken, gehören verprügelt. Weise sie auf deine E-Mail Adresse hin. Ganz ganz wichtig: Nutze Facebook als deinen Marketingkanal, aber nicht als deinen Entertainmentkanal.

Übrigens: Auch andere Seiten, die ich häufig zur Ablenkung ansteuere, habe ich so geblockt.

Begünstige deinen Fokus

Fokus ist wichtig und trainierbar. Wenn du große Probleme hast, dich auf eine Aufgabe zu fokussieren, dann nutze hierfür Hilfsmittel. Hier muss jeder für sich selbst testen, was klappt. Mir hilft die richtige Musik dabei sehr. Zudem höre ich diese über Kopfhörer, so dass ich meine Umgebung ausblenden kann.

Ein aufgeräumter virtueller Desktop, sowie ein aufgeräumter Schreibtisch, helfen ebenfalls sehr. Snacks du gern beim Arbeiten? Dann stell dir dein Studentenfutter schon vor Beginn bereit, damit du nicht noch einmal aufstehen musst. Pausen sind wichtig, aber nutze die Pausen nicht zum Chatten, sondern um die Augen zu entspannen, indem du sie kurz zu machst oder aus dem Fenster schaust. Oder zum pinkeln. Gegen mangelnde Fokussierung helfen zudem auch klare Prioritäten.

Das war es auch schon. Diese drei Dinge haben mir geholfen, mein Bummelverhalten stark einzudämmen. Übrigens, versuche erst gar nicht, es völlig loszuwerden. Wir sind und bleiben Menschen. Wer nie prokrastiniert, der muss ein Roboter sein und ist mir grundsätzlich unheimlich. Nix gegen Roboter.

Hast du noch weitere Tipps? Ich bin gespannt, davon zu hören.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

21 Antworten zu “Endlich Dinge erledigen: 3 Tipps zur Selbstüberlistung”

  1. Hallo Tim,

    mein Problem ist es nicht endlich das Projekt zu starten, sondern das RICHTIGE. Ich beginne mit einem Projekt nach dem anderen und bringe dann doch kaum eins bis zu Launch. Und jedes Mal ärgere ich mich anschließend über die verschwendete Zeit. Blogs und Bücher wie deine, haben mir nach und nach aber geholfen den Fokus zu bewahren. Naja, zumindest arbeite ich dran 😀

    Mein aktueller Pro-Tipp, den ich absolut empfehlen kann:
    Erzähle von deinen Ideen und Projekten Anderen!
    Ich schreibe aktuell an einem eBook. Das Inhaltsverzeichnis war schnell geschrieben. Die Kapitel nicht. Das ist echt harte Arbeit für mich, bei der ich mich immer wieder motivieren muss. Nach dem ich aber Freunden und auch Fremden davon erzählt habe, dass ich an einem Buch schreibe und schon 3000 Wörter geschrieben habe (was nicht mal viel ist..), war das irgendwie offiziell. Und einer meiner Freunde sagte „Cool. So viel schon. Na dann musst du das jetzt auch zu Ende machen.“ Und das werde ich auch.

    Gruß, Thomas

    • Hi Thomas, schön zu hören, dass du da langsam die Kurve kriegst. Ich kenne dein Problem wirklich sehr gut. „The grass is always greener on the other side…“ und so springt man von Projektidee zu Projektidee. Die Wahrheit ist aber, dass du, wenn du dich voll reinhängst, vermutlich fast jede Idee zum Erfolg führen kannst. DU musst nur aufhören, herumzuspringen. I feel you! Viel Erfolg mit dem Buch. Tim

    • Danke Thomas, ich habe sogar schon 8000 Wörter, was wohl eher für ein e-Kurzgeschichte reicht. Aber ich erzähl es den Leuten auch, gebe sogar Leseproben ab. So werde ich weiterhin gezielt nach dem Vorankommen gefragt und muss daher etwas tun. Zeugt nicht gerade von Disziplin aber so lässt es sich auch mal „von aussen“ weiter pushen. good luck

  2. Hi Tim, ich habe gerade eine Klausurenphase hinter mir und habe für mich ähnliche Tricks herausgefunden. Einen Facebook-blocker hätte ich mir jedoch auch einbauen sollen, ich habe das erste Mal versucht mir nicht alle Vorlesungsunterlagen herunterzuladen, sondern mir nur ein paar handschriftliche Notizen zu machen und den Rest auf dem Bildschirm zu haben. Hat noch nicht ganz so geklappt, zu viel Ablenkung, aber ich habe meine Bachelorarbeit vor mir und werde mich jetzt entsprechend noch etwas stärker von der Bummelei abhalten müssen – da kommen mir deine Tipps gerade recht 😉

    Viele Grüße
    Medea

  3. Hi Tim,

    mein bestes Mittel für Selbstdisziplin war, keine Blogs und Bücher mehr zum Thema zu lesen. Denn die Tipps dort wecken viel zu hohe Ansprüche an einen selbst, die man eh nicht erfüllen kann.
    Stattdessen habe ich das Buch „Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin“ gelesen, viel dabei gelacht, mich oft wiedergefunden und am Ende festgestellt: Geht auch ohne die Guru-Sprüche. Eine Sache vornehmen, Deadline setzen, Facebook auslassen. Dann flutscht es 🙂

    Liebe Grüße

    Mischa

  4. Stimmt, das Anfangen ist definitiv das Schwierigste, und wenn dann auch noch Kleinigkeiten wie unüberwindbare Hürden aussehen (bei mir sind das immer technische Sachen, zu denen ich obendrein wenig Lust habe), wird es noch schwieriger. Last not least kommt noch der Perfektionismus im Kopf hinzu, und schwups, schiebe ich das Ganze wieder ein Stück nach hinten. Irgendwie fühle ich mich seit Beginn meiner Selbständigkeit immer im “Verbessern”- , “Umändern”- und “Noch mal neu anfangen”-Modus, aber Stagnation geht gar nicht. Selbst, wenn es Minischritte im Schneckentempo sind, es muss vorwärtsgehen.

    • Hi Daniela 🙂 Stimmt, der Perfektionismus bremst auch sehr strak aus. Irgendwann muss man einen Anker schmeißen, und die Sache durchziehen, ohne wieder von hinten anzufangen. Alles Gute Dir.

  5. Hallo Tim!

    Ich würde für mich noch etwas ergänzen wollen: Musik!

    Mir hilft es ungemein, wenn ich mir so richtig gute und mitreißende Musik anmachen (bei mir klappt es am besten mit Soul). Die macht mich munter und bringt mich in Schwung. Vielleicht sogar ein bisschen dazu tanzen und dann mit wippenden Füßen am Notebook sitzend lostippen. Das hat es bisher immer gebracht.

    🙂

    • Steffi, absolut! Musik hilft mir auch bei Fokus sehr. Aber es muss die richtige Musik sein, nicht zu aufdringlich. Wo hörst du die Musik? Hast du eine gute Playlist bei Spotify oder so die du empfehlen kannst? Ich freue mich immer über neue Musik 🙂

      • Hallo Tim!

        Wie gesagt, bei mir klappt es mit Soul am besten – dem guten alten Motown! Mir hilft diese Musik mich in eine gute Stimmung zu versetzen und schwungvoll mit der Arbeit zu starten. Gerne höre ich auch die Compilations „Science Fiction Jazz“ , Nightmares on Wax und so was… Ansonsten höre ich viel Psytrance. Das lenkt mich beim Arbeiten aber her ab.

        Was hörst du beim Arbeiten gerne?

      • Ok ich teste demnächst auch mal good old Motown 😀 Ich höre am liebsten minimalistisches Elektroniczeugs a la James Blake, Trentemoller und so Zeugs zum Arbeiten.

    • komisch viele Menschen sagen das Ihnen Musik hilft aber bei mir bewirkt das eher das Gegenteil. Ich kann Musik nur bei irgendwelchen Routineaufgaben hören. Als möchtegern Digitaler Nomade läuft dann bei mir natürlich Trance around the World 🙂

  6. Hallo zusammen,
    wenn ich an einem Projekt / Text o.ä. arbeite drücke ich zu Beginn immer erst mal die WLAN-aus Taste. Neben Facebook nerven auch die Mails.
    Beim der Emailabarbeitung kümmere ich mich zuerst immer erst um die Mails durch die ich entweder Geld einnehme oder Geld einspare. Erst danach kommt der Rest.
    Ansonsten schnipple ich mir ein Projekt auch wie Tim in kleine ToDo Häppchen. Da gibts dann Belohnungen ohne Ende. 🙂

    Gruß
    Alex

  7. Hey Tim,
    du sprichst da ein Thema, was denke ich jeder kennt, der ma Rechner arbeitet. 🙂
    Facebook hast du ja erwähnt. Es ist wohl die Ablenkungsquelle No1. Nervig ist auch WhatsApp. Und nicht zu vergessen: E-Mails.
    Oft ist man geneigt, bei geöffnetem Mail Programm, gleich zu schauen, wenn eine neue E-Mail reinkommt. Am besten also ebenfalls nur 1-2 mal am Tag die E-Mails checken.

    Einen nicht aufgeräumten Schreibtisch finde ich bei mir jetzt nicht so tragisch. Da kann sich stapeln was will. Lenkt mich nicht ab 🙂

    Beste Grüße Simon

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