Die Reichtümer der Pharaonen wurden, wenn diese in den Pyramiden zu Grabe getragen wurden, meist in den Grabkammern mit eingeschlossen. Schliesslich sollten die Pharaonen ihre Reichtümer auch mit ins Jenseits nehmen können. Ist ja auch logisch:

Welchen Sinn hätte sonst die Anhäufung all dieses Goldes gemacht?

Wenn man es nicht mitnehmen kann, wozu das ganze Sammeln und Horten von materiellem Zeugs?

Menschliche Sammelwut

Man stelle sich vor: Man verbringt sein ganzes Leben damit, Dinge anzuhäufen, die schön sind, in der Sonne funkeln und mit denen man prahlen kann. Doch steht eben jenes Leben kurz vor dem Ende, hat man von all diesen Reichtümern… Nichts. Nada. Null.

Daher ist es nur logisch, all den wertvollen Kram mit ins Jenseits zu nehmen. Vorausgesetzt man glaubt:

  • A) an die Existenz eines Jenseits und
  • B) ist davon überzeugt, materielle Dinge dorthin mitnehmen zu können.

Wir sind da heute irgendwie schon einen Schritt weiter: Wir können mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass es uns nicht möglich sein wird, unseren materiellen Besitz mit ins Jenseits zu nehmen. Darüber hinaus ist es auch eher unwahrscheinlich, dass ein Jenseits existiert. Zumindest keines, dass mit unserem irdischen Leben in irgendeiner Form vergleichbar wäre.

Diese Erkenntnis führt jedoch offensichtlich nicht dazu, dass die Menschen sich in der Anhäufung materieller Güter zügeln.

Was ist also der Sinn dieses extremen Materialismus?

Haben die Menschen noch nicht kapiert, wie kurz ihre Lebenszeit eigentlich ist? Nun, man könnte argumentieren, dass der Sinn von Reichtum ist, unser Leben bis zum Tode so angenehm wie möglich zu machen. Vielleicht auch noch ein wenig Sicherheit für unsere Familie zu schaffen, indem wir ihnen materielle Sicherheit hinterlassen.

Unsere Kinder sind sicher froh, wenn sie nicht bei Null starten müssen. Ob ihnen das gut tut, ist eine andere Frage. (Der Papst ist ja sicher auch froh, dass diverse Päpste vor ihm schon ordentlich gesammelt haben. Ansonsten hätte er heute sicher nichts in der Tasche.)

Besitz wird überschätzt

Eines ist aber klar: Die Rolle von Geld und von materiellen Gütern als „Glücklichmacher“ wird heute ganz enorm überschätzt. Das sagen auch Menschen, die sich mit dem Thema „glücklich sein“ professionell beschäftigen. Der Glückswisschenschaftler Tal Ben Shahar weiß zum Beispiel:

„Spaß ist wichtig, noch wichtiger sind jedoch Ziele. Stell Dir vor, Du wachst morgens auf und hast nichts zu tun. Du könntest den Fernseher anschalten, Freunde treffen. Aber das sind nicht die glücklicheren Tage. Die glücklicheren Tage sind die, an denen Du genau weißt, was Du zu tun hast“.

Glücklich ist also nicht, wer wie Onkel Dagobert im Geldspeicher in seinen Münzen badet, sondern der, der eine Aufgabe in seinem Leben sieht, wer nach dem „Warum“ fragt.

Auch erfolgreiche Hollywood-Schauspieler sind mit Sicherheit nicht deswegen glücklichere Menschen, weil sie eine fette Villa in L.A. haben und jeder auf sie steht. Warum nehmen so viele von ihnen Drogen und stürzen häufig ab? Auch Berühmtheiten können auf ihr Leben nicht klar kommen, so wie jeder von uns. Glückliche Menschen sehen in der Regel sicher anders aus.

„Wer Zahnweh hat, hält jeden, dessen Zähne gesund sind, für glücklich. Der an Armut leidende begeht denselben Irrtum den Reichen gegenüber.“ (George B. Shaw) [Dieses Zitat twittern].

Zeit ist eine endliche Ressource

Es gibt etwas, was viel viel wertvoller ist, als alles Gold der Welt, denn es ist eine extrem endliche Ressource. Irgendwie kapiert nur keiner, wie endlich diese Ressource ist, bis es dann zu spät ist.

Welche Ressource ich meine? Es ist die Zeit.

Zeit verstreicht jeden Tag. Und sie lässt sich nie wieder zurückholen. Jemandem „seine Zeit zu schenken“ ist daher eines der größten Geschenke, die man einem Menschen machen kann. Jemandem die „Zeit zu stehlen“, ohne dass dieser damit Einverstanden ist, ist in der Tat mit einem Diebstahl gleichzusetzen.

„Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit.“ (afrikanisches Sprichwort) [Dieses Zitat twittern].

Wer jung ist, der vertrödelt gern seine Zeit. Er langweilt sich, „hängt rum“, spielt stundenlang Computerspiele oder schläft einen ganzen Tag durch. Warum ist das so? Weil man als junger Mensch der Meinung ist, man habe alle Zeit der Welt. Es fühlt sich so an, als sei die Ressource Zeit unendlich vorhanden. Wer jedoch nicht irgendwann erkennt, dass die Uhr immer schneller läuft, der begeht kapitale Fehler in seiner Lebensplanung.

Verstehe mich nicht falsch: Man kann auch mit Dingen viel Geld verdienen, die einem Spaß machen und einen erfüllen. Nur zu! Gegen finanzielle Sicherheit gibt es nichts einzuwenden. Wer sich diese aber erarbeitet, indem er sich durchs Leben quält, der sollte lieber darauf verzichten.

„Der Weg ist das Ziel.“

Auf Nichts trifft dieser Spruch so sehr zu, wie auf das Leben selbst. Wer seine Lebenszeit verschwendet und sich ein Leben lang quält, nur um mit vollen Taschen durch die Zielgrade zu laufen, der kann sich seine Trophäe mit ins Grab buddeln lassen. Herzlichen Glückwunsch.

Das war meine ungeschminkte Meinung. Aber mich interessiert: Wie siehst du das? In den Kommentaren kannst du es mir sagen.

 

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

9 Antworten zu “Endliche Ressourcen und die Sache mit der Uhr”

  1. Normalerweise mag ich immer keine Artikel, die „mir die Welt erklären“ wollen. 😉 Davon abgesehen, dass wohl kaum jemand an dem Inhalt dieses Posts wirklich zweifeln kann, finde ich den Artikel aber wirklich schön geschrieben, zusammengefasst, Thema umrissen. Und das Shaw-Zitat ist genial. 🙂
    Grüßle,
    Inka

  2. Ich hab den Artikel erst jetzt entdeckt, ich finde ihn sehr inspirierend.
    Ich gehör noch zu den jungen Dingern, aber ich werde durch solche Artikel (meiner Meinung nach) in eine ganz gute Richtung geleitet 😉 Das afrikanische Sprichwort ist sehr schön.
    Auch echt toll geschrieben, ich find ihn super und schreib deswegen jetzt noch einen Kommentar 🙂
    Liebe Grüße, Nana

  3. He Tim,

    super einstellung im Grunde Teile ich diese auch, weil es der richtige Weg ist.
    Stehe gerade vor der Entscheidung nach Ausbldung und Weiterbildung ein Studium dranzuhägen, nur weiß ich nicht so recht warum – Sicherheit trifft es wohl am besten.
    Glücklich macht mich der Gedanke jedoch nicht wirklich. Seinen eigenen Weg zu gehen ist für viele nicht so einfach, wie auch für mich. Zukunftsängste die gesellschaftlich konstruiert sind machen es einem da nicht leichter.
    Kann abschliesend nur sagen, dass ich nach der Lektüre deiner Artikel nochmals gründlich darüber nachdenken werde.
    Wünsche dir weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg.
    Viele Grüße
    Lars

    • Hi Lars, kennst du schon die Seite von Ben: http://www.anti-uni.com ? Dort findest du sicher auch viel Inspiration zum Thema Studium ja/nein

      Zum Thema Zukunftsangst: Wovor hast du genau Angst? Finanzielle Unsicherheit? Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass man als Selbstständiger deutlich bessere Chancen hat, wahre finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Wenn morgen meine Kunden abspringen würden, hätte ich durch meine Webprojekte immerhin noch genug, um das Nötigste zu finanzieren. Eine Festanstellung bietet nicht unbedingt mehr Sicherheit, jedoch mehr Bequemlichkeit.

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