Flughäfen verbinden die meisten Menschen mit positiven Dingen: Urlaub, Reisen und dem Beginn einer schönen Zeit. Doch wer viel reist, dem geht dieses Gefühl irgendwann flöten. Falls Du auch zu den Vielreisenden gehörst, weißt Du wovon ich spreche. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sie nur noch als anstrengend empfindet. Das liegt sicher nicht zuletzt daran, dass viele Flughäfen chaotisch sind, man sehr viel Laufen muss, um an sein Abfluggate zu gelangen und die Architektur der Gebäude als solches selten wirklich gut durchdacht ist und gestalterisch zu wünschen übrig lässt.

Neues Konzept: Drive Through Airport

Es gibt natürlich auch Unterschiede zwischen den einzelnen Flughäfen und die Qualität des Flughafens hängt oft auch mit seiner Größe zusammen. Manche Flughäfen sind architektonische Leuchttürme, andere Flughäfen trumpfen auf durch ein gutes Gastro-Angebot und relativ kurze Wege zum Gate. Mir ist jedoch kein Flughafen bekannt, der in allen Punkten optimal funktioniert. Doch Hoffnung besteht: Ein interessantes Konzept ist die Idee des Drive Through Airports, bei welchem die Prozesse umgedreht werden: Nicht der Passagier kommt zum Flugzeug, sondern das Flugzeug kommt zum Passagier.

Neben Passagieren profitieren auch alle anderen Beteiligten rund um den Flughafen, denn so ein Flughafen würde Unterhaltskosten und Energiekosten senken. Damit wäre er auch umweltfreundlicher. Passagiere können mitten aus der Einkaufs-Mall in ihre Flugzeuge einsteigen, im Gegensatz zum Amsterdamer Flughafen Schiphol zum Beispiel, wo das Einsteigen in abgelegenen Piers erfolgt.

Die ankommenden Flugzeuge werden, so wie auf der Visualisierung zu sehen, an einem Pfad entlang zu verschiedenen Stationen geführt. Ähnlich einer Waschstraße werden die Hauptprozesse der Flugzeug- und Passagierabfertigung in mehrere Funktionsstationen aufgeteilt: Ankunft, Service und Abflug. Ein einzelnes Flugzeug blockiert einen Stand nicht für die gesamte Dauer der Abfertigung, sondern nur für ein Drittel dieser Zeit. Die Menge der notwendigen Gates kann dadurch um zwei Drittel reduziert werden. Der ökologische Fußabdruck sinkt, während gleichzeitig zusätzlicher Raum für Branchenrelevante Einnahmen geschaffen wird, wie zum Beispiel Vermarktungsfläche, die auch positive Auswirkungen für die Fluggäste hat – unter anderem ein besseres Angebot am Flughafen.

Auch alte Flughäfen können was 

Sehr kurze Wege zum Gate bietet der gute alte Flughafen Tegel in Berlin. Zugegeben, man muss sich dort vor Abflug oft in enge Wartebereiche quetschen, in denen sich die Passagiere gegenseitig auf die Füße treten. Oft haben diese Wartebereiche auch keinerlei Gastronomie. Auch das Flughafengebäude als solches hat ganz offensichtlich seine besten Zeiten bereits hinter sich und dass dort seit einer ganzen Weile nicht mehr in die Substanz investiert wird, ist auch unübersehbar. Ein repräsentativer Empfang für Berlin-Besucher sieht sicherlich anders aus.

Doch trotzdem sollte man die vielen positiven Aspekte an diesem Flughafen nicht vergessen. Berliner und regelmäßige Berlin-Besucher wissen, wovon ich rede. Die Wege vom Gate zum nächsten Bus oder zum Taxistand sind extrem kurz. Man muss nicht weit Laufen und spart eine Menge Zeit. Wie im zuvor beschriebenen Modell ist man Ruck-Zuck am Gate. Der Flughafen ist extrem übersichtlich gestaltet und man kann mit dem Auto sogar fast direkt vors Gate fahren. Zweifelsohne ist Tegel in Berlin die bessere Wahl – mindestens, bis vielleicht im Jahre 2140 der neue Flughafen eröffnet wird.

Mittlerweile gibt es auch ein Angebot von diversen Billigfliegern, die ab Tegel starten. Man muss daher nicht nach Schönefeld hinunter, um günstig abzuheben. Im Internet findet man zahlreiche Angebote auch von Billigfliegern direkt nach Tegel. Noch kann man ab Tegel fliegen. Viele Berliner werden den Flughafen schmerzlich vermissen, wenn er erst einmal geschlossen wurde. Bis also der „Drive Through Airport“ Realität wird, muss man Kompromisse machen.

 Foto: Flughafen Tegel

 

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

2 Antworten zu “Schnell zum Gate: Ein Flughafen muss praktisch sein”

  1. Die Idee des Flughafens der Zukunft hat aber auch Nachteile. Was passiert, wenn ein Flugzeug außerplanmäßig länger gewartet werden muss? Dann würde sich der Prozess für alle anderen Flugzeuge in der Reihe verzögern. Steigen alle Passagiere an einem Gate ein, gibt es dort den übelsten Andrang und die im Video auf deren Seite dargestellten Sitzplätze an Gate würden wohl nicht reichen. Ich persönlich mag die Randbereiche im Terminal in München z.B. G01, wo wenige Leute vorbei laufen und man dem Trubel halbwegs entkommen kann.

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