Als ich vor fast genau drei Jahren die Tür zum Büro meines Chefs öffnete, vor seinen Schreibtisch trat und die legendären Worte „Chef, ich schmeiß den Job hin und werde Dauerreisende!“ aussprach, hatte ich eigentlich keine genaue Vorstellung davon, was auf mich zukommen würde. In diesem Artikel erzähle ich, wie ich meine Selbstzweifel besiegen konnte, sie über Board warf und gebe dir Techniken dazu auf den Weg.

Ok, zugegeben: Ganz so dramatisch war es auch nicht. Ich habe es netter ausgedrückt und mein Chef versuchte eine halbe Stunde lang, mich zum Bleiben zu überreden.

Also verließ ich das Büro wieder, komplett verunsichert und mit der bohrenden Frage im Kopf, ob ich eigentlich noch alle Tassen im Schrank habe.

Genauso fühlt sich der gesamte Weg bis zum eigenen Online-Business an.

Selbstzweifel begleiten dich auf dem Weg in die Selbstständigkeit

Im einen Moment bist Du absolut davon überzeugt, dass das eine grandiose Idee ist, Du reich und berühmt werden wirst und im nächsten findest Du Dich, mit dem Kopf in den Händen schluchzend vor dem Laptop wieder und überlegst, wie Du an die Formulare zur Anmeldung der Arbeitslosigkeit kommst.

Der Weg zur Selbstständigkeit ist keine gerade Linie. Er ist ein Weg, reich bestückt mit bequemen Haltebuchten. Manche davon verlockend mit Hängematten und Cocktails garniert, in denen kleine pinke Schirmchen schwimmen.

In der Realität bedeutet das, Du wirst mit unglaublich vielen Gegenstimmen bombardiert, wirst immer mal wieder verlockende Alternativen sehen, die vermeintlich sicherer sind und hast vor allem einen furchterregenden, grausamen Feind:

Dich selbst.

Du selbst wirst Dich und Deine Business-Idee häufiger in Frage stellen als all Deine Freunde, Bekannten und (ehemaligen) Arbeitskollegen zusammen. Das ist nur eine Art, wie sich deine Selbstzweifel in deinem Kopf festsetzen.

Du selbst wirst Dich immer wieder selbst klein reden, an Deinen Fähigkeiten zweifeln und Dich mit unzähligen anderen vergleichen, die scheinbar viel besser, selbstbewusster und kompetenter sind als Du.

Grund genug also, Dich schon bevor Du in die Selbstständigkeit und in Dein eigenes Online-Business startest (auch wenn es nie zu spät dafür ist…) mit einer Reihe von Taktiken auszustatten, die Dich davor schützen, zu früh aufzugeben oder – was noch viel schlimmer wäre – niemals anzufangen:

Wenn nach der ersten Euphorie die Existenzängste zuschlagen…

Nachdem ich also in Runde 2 im Büro meines Chefs tatsächlich die Kündigung fix gemacht hatte, die erste Euphoriewelle („Ich bin freeeiii!!“) abebbte und die Realität langsam einsetzte, kamen natürlich auch meine tief verankerten Sicherheitsbedürfnisse an die Oberfläche und meine Selbstzweifel stiegen empor…

  • Werde ich ab jetzt nachts vor Geldsorgen nicht mehr schlafen können und als Zombie enden?!
  • Wie soll ich meine Rente eigentlich so auf die Reihe bekommen?!
  • Was, wenn ich am Ende doch wieder bei Mama und Papa im Gästezimmer ende (und ich mir nen Job bei H&M suchen muss)?!

Zum Glück bin ich genauso vernünftig, wie ich ängstlich bin. Was sich in diesem Fall also ausnahmsweise fantastisch ergänzte. Deshalb hielt ich mich vor allem an zwei Strategien fest:

  1. Wissen ist Macht. (Und vertreibt verdammt gut Kummer und Sorgen.)
  2. Plan B, C und D sind meine neuen besten Freunde.

Selbstzweifel besiegen: Wissen aneignen und einen Plan B parat halten

Ich wurde zum Behörden-Junkie und Internet-Stalker aller erdenklicher Informationen. Ich lief zum Finanzamt, zum Gewerbeamt, zum Gründerseminar, zum Arbeitsamt und zu allen Internet-Seiten, die sich mit diesen Themen zuverlässig auseinandersetzten.

Je mehr ich darüber wusste, was auf mich zu kommen würde und welche Möglichkeiten sich mir bieten würden, desto mehr rückte die Horror-Vision, in der ich reumütig und ohne Geld zurück nach Deutschland kroch, immer weiter in den Hintergrund.

Je besser Du informiert bist, desto sicherer fühlst Du Dich und desto mehr Möglichkeiten siehst Du. Was uns gleich zum zweiten Punkt bringt…

Sobald ich verschiedene Versionen davon hatte, wie ich im Krisenfall (a.k.a. völliges Versagen meiner Business-Idee) meinen Kopf aus der Schlinge ziehen konnte, desto ruhiger wurde ich.

Denn auch wenn es eine Weile brauchte, um wirklich im Unterbewusstsein anzukommen, war mir doch eines von Anfang an klar: Aufgeben war keine Option. Und mit Hartnäckigkeit würde ich es schaffen.

Das einzige was ich also überbrücken musste, bis der Erfolg sich zeigen würde, war die Zeit. Egal wie lange es dauern würde, der Erfolg an sich stand für mich nie in Frage. Ich hatte lediglich Angst, es nicht bis dorthin zu schaffen.

Also suchte ich nach Alternativen und plante mein Scheitern (was in meinem Kopf bedeutete, mich nach einem Jahr noch nicht finanzieren zu können), indem ich bereits nach Jobs suchte, die ich als Freelancer nebenbei übernehmen könnte (Virtuelle Assistentin, Texterin, Social Media Managerin…) und mich über den Gründungszuschuss und seine Bedingungen zu informieren.

Habe ich jemals einen Plan B gebraucht? Ja, mehr als einmal. Sogar Plan C.

Aber genau sie haben mich auch dazu gebracht anzufangen. Weiterzumachen. Durchzuhalten.

Denn das ist das ganze Geheimnis von Erfolg.

Nach den Existenzängsten werfen Dir die Selbstzweifel die nächste Keule zwischen die Beine

Nicht, dass wir damit schon durch wären.

Denn egal wie gut Du technisch und bürokratisch vorbereitet bist – nichts knüppelt Dich so sehr nieder wie das eigene Spiegelbild, das Dich immer wieder auslacht.

Dafür, dass Du mutig Deinen eigenen Weg gehen, die Welt verbessern und auch noch ganz dreist damit Geld verdienen willst.

An manchen Tagen schmeißt es sich gerade zu weg darüber, sodass Du versucht bist ein Taschentuch zu reichen, um die Lachtränen wegzuwischen. Dann schnappst Du Dir die nächste Flasche Wein und studierst die Jobanzeigen.

Falsch.

Was Du statt dessen tun solltest? Vorbeugen.

Selbstzweifel besiegen: Zwei Techniken

Sorg dafür, dass Du an solchen Tagen etwas hast, was Du Deinen Selbstzweifeln an den Kopf werfen kannst, um es zum Verstummen zu bringen.

Auch hier hatte ich zwei Techniken parat, die mich über die ersten Monate gebracht haben (und die ich noch bis heute nutze).

  1. Ein Vision-Board (das ist die Sache mit der Maus und dem Stückchen Käse an der Angel)
  2. Eine Ego-Wand – denn gegen zu wenig Selbstvertrauen hilft nur ein kräftiger Ego-Push!

Zunächst solltest Du die allererste Euphorie nutzen, bevor sie abflaut. Den Moment, in dem Du entscheidest wirklich loszulegen, alles zu riskieren (oder zumindest etwas zu riskieren) und der Dich davon überzeugt hat, dass jetzt genau der richtige Augenblick dafür ist.

Erstell Dir ein Vision-Board. Das kann in Form von einem Pinterest-Board, einem Word-Dokument oder sogar einer echten Collage sein. Ganz egal. Aber erstell Dir ein Bild davon, wie Dein Leben aussehen wird, wenn Du Erfolg mit Deinem Online-Business hast.

Was wirst Du tun, wenn sich Deine Träume und Ziele erfüllt haben? Wie wirst Du leben? Wie wird Dein Alltag aussehen? Wo wirst Du sein? Und mit welchen Menschen wirst Du Dich umgeben?

Zeichne das Bild so genau wie möglich und geh tief ins Detail. Je klarer Du dieses Bild vor Augen hast, desto mehr wird es Dich in schwachen Momenten antreiben. Denn schließlich ist es der Inbegriff all Deiner Träume, richtig?! Dann halte Dir das selbst auch immer wieder vor die Nase.

Als nächstes erstell Dir eine Ego-Wand. Natürlich nur bildlich gemeint: Meine Ego-Wand ist zum Beispiel eine Evernote-Notiz.

Darin sammele ich jedes motivierende Wort, jeden positiven Artikel-Kommentar, aufbauende E-Mails und Screenshots von Tweets oder Facebook-Kommentaren, die mich zum Glühen gebracht haben. Weil ich stolz und berührt war, Menschen positiv beeinflusst zu haben oder ihnen helfen konnte.

Es spielt keine Rolle, ob Du noch ganz am Anfang stehst. Schreib jedes kleine Fitzelchen auf, dass Dich motiviert dran zu bleiben. Ein Schulterklopfen, von jemandem der Dir nahe steht. Unterstützende Worte aus Deiner Familie oder Deiner Freunde. Selbst Facebook-Kommentare aus Gruppen völlig fremder Menschen, denen Deine Idee vielleicht gefällt.

Sammel alles an. Und es wird sich mit jedem weiteren Schritt den Du machst, automatisch vermehren. Und irgendwann können selbst die größten Selbstzweifel Deiner Ego-Wand nichts mehr entgegensetzen. So kannst du dauerhaft Selbstzweifel besiegen.

Was nicht bedeutet, dass sie es nicht trotzdem immer wieder versuchen werden…

Die letzte Hürde und die alles entscheidende Frage: Bin ich bereit?

Auf diese Frage wird es niemals die richtige Antwort geben, wenn Du immer noch Sorgen und Zweifel im Kopf hast. Und das wirst Du. Ich spreche dabei aus Erfahrung.

Soll ich Dir ein Geheimnis verraten? Wir sind niemals wirklich bereit. Keiner von uns.

Denn die Selbstzweifel sorgen schon dafür, dass wir immer, aber auch immer, Verbesserungs-Potential sehen.

Das ist auch in Ordnung so. Das einzige was Du Dir hier antrainieren solltest ist, auf den guten Herrn Pareto zu hören. Wieder etwas, was ich mir bis heute selbst immer wieder vorbete.

Die 80/20 Regel.

Du kennst das im Grunde, ohne vielleicht je von ihm gehört zu haben: Die ersten 80% einer Aufgabe oder eines Projektes brauchen in etwa so lange, wie die letzten 20% zu vervollständigen. Warum?

Weil wir uns dann in unserem dummen Perfektionismus verheddern. Hier noch gefeilt, da noch geschraubt, um auch ja die ganzen 100% zu erreichen. Die Webseite braucht hier noch dies und dort noch jenes und achja… hier ist noch eine Zeile nicht ganz mittig.

Du kannst mit diesen letzten 20% eine Ewigkeit verbringen. Aber der Punkt ist, dass Du das gar nicht solltest.

Mach statt dessen 80% zur neuen 100%.

Warte nicht darauf, bis alles perfekt ist oder Du Dich bereit fühlst. Denn Deine Versagensängste werden schon dafür sorgen, dass Du Dich nie soweit fühlen wirst.

Am Ende, egal was Dir das Teufelchen auf Deiner Schulter einreden will, gibt es nur eine Sache, die Dich zum Sprung ins kalte Wasser überreden kann:

Die Gewissheit, dass Du Dich sonst immer fragen würdest „Was wäre gewesen, wenn ich es einfach versucht hätte?“

Diese Frage wird Dich schlimmer verfolgen, als alle Niederlagen, die Du vielleicht wegstecken musst.

Und wer weiß, vielleicht werden das sogar weniger als Du erwartest…

Welche Sorgen und Ängste hindern Dich noch am Durchstarten?

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Carina Herrmann
Über den Autor

Carina Herrmann

Carina hat vor fast drei Jahren ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt und ist seitdem Dauerreisende, erfolgreiche Online-Unternehmerin und bekennende Femininja. Auf Pink Compass und Um 180 Grad steckt sie leidenschaftlich gern andere Frauen mit dem Reise-Virus oder Unternehmer-Fieber an, je nach Wunsch.

3 Antworten zu “Wenn das einzige, was Dich von Deinem Online-Business abhält, der Sprung ins kalte Wasser ist…”

  1. Liebe Carina,

    was für ein schöner und entspannter Artikel! Ich habe in sehr vergnügt gelesen und meine eigenen zwar ganz anderen aber doch auch ähnlich empfundenen Erfahrungen darin wiedererkannt… und das tut irgendwie gut. Ich bin nicht allein 😉 .

    Als Coach rate ich Coachees meist zum Ego-Büchlein, aber mir gefällt die Idee mit der Wand noch viel besser! Am besten nicht nur eine Pinnwand oder ein Board, sondern gleich die ganze Wand. Werde ich bei mir gleich in die Tat umsetzen.

    Dankeschön für den ermunternden und augenzwinkernden Beitrag!!

    Herzlichst
    Regina 🙂

  2. Vielen Dank für den tollen Text,

    ich stehe ganz am Anfang und täglich plagen mich Zweifel. Zur Zeit arbeite ich noch angestellt und versuche, nebenbei ein Grundeinkommen aufzubauen. Doch eines weiß ich sicher! Ich will mein eigenes Leben selbst in die Hand nehmen. Deine Worte geben mir einen neuen Schub Euphorie, dass ich es schaffen kann.

    LG, Martin

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