Viele Menschen würden gern einmal eine längere Zeit im Ausland leben. Aber sie machen es nicht. Warum?

Ganz einfach: Viele haben große Angst vor dem Schritt, ihren Job aufzugeben, Freunde hinter sich zu lassen und sich auf ein neues Abenteuer einzulassen. Die Vorstellung ihre Komfortzone zu verlassen, ängstigt sie zutiefst.

Klar, es macht keinen Sinn seinen Job einfach an den Nagel zu hängen, wenn man diesen mag und auch sonst mit seiner Lebenssituation vollkommen zufrieden ist. Aber an eben jene richtet sich dieser Artikel nicht. Ich möchte die vielen Menschen ansprechen, die sich in einem Job befinden, der ihnen keine Befriedigung gibt – und sich zugleich gefangen fühlen.

Geht es dir vielleicht ähnlich?

Wenn ich erzähle, wie oft und vor allem wie lange ich unterwegs bin, höre ich häufig: „Duuuu hast es gut, das würde ich auch gern machen!“

Ich denke mir dann: „Warum machst du es dann nicht einfach?“ Mal ehrlich: Jedem steht diese Möglichkeit offen.

Eins möchte ich klar stellen, denn dieser Punkt wird häufig missverstanden: Reisen wird nicht deine Probleme lösen.

Aber es wird deine Perspektive verändern und neue Türen öffnen. Wenn dich also die Abenteuerlust kitzelt, ist das Grund genug, es zu probieren, oder?

Manche Menschen haben tatsächlich gute Gründe, warum sie nicht für eine längere Zeit im Ausland leben können oder wollen. Viele andere haben diese aber eben nicht, sondern schieben Gründe vor, die eigentlich kein Hindernis sind.

Gründe, die häufig vielmehr Ausreden sind:

Grund 1: „Ich habe kein Geld.“

Wenn du keine riesigen Schulden hast, sondern schlichtweg kein Geld gespart hast, gilt das nicht als Ausrede. Warum? Du lebst in Europa, hast offensichtlich einen Computer, eine Wohnung und vermutlich auch einen Job.

Wer sagt „Ich habe kein Geld zum Reisen“, der meint damit eigentlich: „Ich gebe mein Geld lieber für Klamotten, Partys oder Deko für meine Wohnung aus.“

Wer Geld zum Reisen haben will, der hat es auch. Eine Frage der Prioritäten.

Klar, du hast es vielleicht nicht, um sofort abzuhauen. Wenn du heute aber beginnst, zu sparen, kannst du in wenigen Monaten ausreichend Geld zur Verfügung haben. Reisen muss nicht teuer sein. Kaufe dir einfach keine teuren Klamotten, trinke auf Parties lieber Bier statt Cocktails. Was auch immer nötig ist: Wer es wirklich will, kann durch sparen einen Puffer aufbauen.

Grund 2: „Zuhause ist es am Schönsten.“

Das mag ja tatsächlich so sein. Aber gleichzeitig könntest du auch sagen „Ich traue mich nicht aus meiner Komfortzone heraus.“ oder „Ich habe Schiss.“ Denn nur wer schon woanders war, kann überhaupt beurteilen, dass es zuhause tatsächlich am Schönsten ist.

Aus seiner Komfortzone herauszutreten ist übrigens eine der besten Dinge, die ich für mich jemals entdeckt habe. Das eröffnet dir neue Perspektiven, und viele neue Türen.

Grund 3: „Ich reise, wenn ich in Rente bin.“

Hey, woher weisst du, das du es bis dahin schaffst? Klingt jetzt vielleicht ein bisschen hart, aber ist nicht selbstverständlich. Dinge in seinem Leben aufzuschieben, ist ein riesiger Fehler.

Diesen Fehler begehen Menschen, denen die Endlichkeit ihres eigenen Lebens noch nicht wirklich bewusst ist. (Und von der Sorte gibt es leider viele.) Dinge in deinem Leben aufzuschieben wirst du irgendwann sehr bereuen. Rede mal mit älteren Menschen, die werden dir das bestätigen.

Warum Jobsicherheit überbewertet ist

Wenn du für mehrere Monate, für ein Jahr, oder für wesentlich längere Zeit im Ausland leben möchtest, musst du natürlich trotzdem Geld verdienen. Von nix kommt nix.

Auch hier hast du viele Möglichkeiten. Ich verdiene mein Geld online mit diversen Webseiten und mit Freelance-Tätigkeiten. (Hier findest du einen Artikel, in dem ortsunabhängige Webworker dir erzählen, wie sie ihr Geld online verdienen.) Das kannst du entweder auch so machen, oder du suchst dir einen regulären Job im Ausland.

Das muss nicht Tauchlehrer oder Tourist-Guide sein (kannst es aber). Ich habe lange Zeit im Ausland als Architekt gearbeitet. Zum Beispiel in China, Vietnam oder in den USA. In China habe ich zwar auch nur ein chinesisches Gehalt bezogen (das ist ca. 1/4 des hiesigen) aber dafür kostete meine Wohnung auch nur 100 Euro im Monat. Für meine Vorlesungen an der Uni in Hanoi habe ich pro Vortrag 500.000 Dong bekommen. Das ist extrem wenig. Aber man kann dort sehr günstig leben.

In vielen Ländern wirst du als „Westerner“ mit einem Uni-Abschluss und gutem Englisch problemlos einen Job finden. In anderen Ländern musst du kreativer sein. Aber wer sich wirklich bemüht, wird fündig.

Zudem kannst du ein Land wählen, in welchem du mit wesentlich weniger Geld auskommst. In den meisten Ländern der Welt kostet die Miete deutlich weniger als in europäischen Städten.

Du hast Angst, nach deiner Rückkehr keinen neuen Job in Deutschland zu bekommen?

Erst einmal bin ich der Meinung, dass jeder es schaffen kann, selbstständig ein Einkommen aufzubauen, ohne angestellt sein zu müssen. Es ist nicht für jeden Menschen die richtige Strategie, aber theoretisch kann es jeder schaffen.

Aber selbst wenn du lieber zurück in eine Firma möchtest: Immer mehr Firmen erkennen, dass eine Auslandszeit wie eine Lehrzeit anzusehen ist und das sie dich und deine Persönlichkeit stärkt. Davon profitiert dann auch das Unternehmen.

Zudem haben wir ein soziales Netz in Deutschland, dass dich ein Stück weit auffängt. Natürlich will ich dich nicht animieren, Sozialleistungen wahrnehmen zu müssen. Aber wenn du wirklich überhaupt keinen Job findest, landest du zumindest sicher nicht auf der Strasse. Es gibt immer einen Weg.

Aus einer Angst heraus seine Träume nicht umzusetzen, ist letztendlich das größere Risiko. Für das Leben hast du nur einen Versuch.

“Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt – denn die meisten Menschen existieren nur.” – Oscar Wilde

Warum du unendlich viel von deiner Auslandszeit profitieren wirst

Auch wenn du dich davor fürchtest und nicht so richtig Freude aufkommt: Von deiner Zeit im Ausland wirst du unendlich viel profitieren. Deine Sicht auf das eigene Leben wird sich verschieben und du wirst mit der Zeit viele Dinge wesentlich gelassener sehen können.

Das Verlassen deiner Komfortzone wird dich mutiger und stärker machen. Es wird dein Selbstbewusstsein stärken.

Ich habe immer noch ein Kribbeln, wenn ich neue Länder betrete, besonders wenn ich allein reise. Ich fühle mich zu Beginn einsam und verloren. Aber ich sehe es als eine Herausforderung. Das Gefühl wechselt dann schnell in Abenteuerlust gefolgt von einem großen Schub an Mut.

Ganz zu Beginn machen dir Kleinigkeiten Angst, wie z.B. in Taxis zu steigen oder Menschen anzusprechen. Aber jede Überwindung macht dich stärker und fühlt sich im Nachhinein gut an.

Gefährlich wird es, wenn du deine Wünsche und Träume vor dir herschiebst und somit versuchst, ein unerfülltes Leben zu rechtfertigen.

Wie viele Menschen kennst du, die ihre aufgeschobenen Träume am Ende tatsächlich in die Realität umsetzen? Sicher gibt es welche, aber sie sind wohl die Minderheit.

Meist schrumpfen ihre Träume immer weiter in sich zusammen, während diese Menschen sich durch ihr Kompromiss-Leben quälen. Am Ende sind sie selbst zu ihrem eigenen Kompromiss geworden. Sie sind mental gefangen in ihrem selbst gebauten Gefängnis.

Im Ausland leben: Vorbereitung ist alles

Du hast dich sicher schon gefragt, warum der Titel des Artikels „Warum du deinen Job nächstes Jahr kündigen solltest“ heißt, oder?

Nun. Ich selbst habe vor einigen Jahren den Fehler gemacht, die Kündigung von meinem Angestelltenjob Hals über Kopf einzureichen, ohne einen konkreten Plan zu haben. Rücklagen hatte ich zudem auch nicht.

Du brauchst nicht all zu viel Geld. Auch der perfekte Plan muss nicht unbedingt bereits vorhanden sein. Trotzdem rate ich dir dazu, meinen Fehler nicht auch zu begehen, und völlig unvorbereitet zu kündigen.

Warum? Hätte ich noch ein halbes Jahr angespart und meine Selbstständigkeit etwas konkreter geplant, dann wäre das erste Jahr nicht so holprig verlaufen (darüber berichte ich ein anderes Mal). Das kannst du dir ersparen, indem du dich besser vorbereitest.

Informiere dich, welches Land für dich am besten geeignet ist.

Baue deine Selbständigkeit zuerst auf bzw. informiere dich über Jobmöglichkeiten in deinem Zielland. Plane ein wenig vor!

Spare 5.000 oder sogar 10.000 Euro an – je nachdem, wie groß dein Sicherheitsbedürfnis ist… einfach nur, um innerlich etwas gelassener sein zu können.

Höre auf, Ausreden zu finden und lege los mit der Planung.

Wenn du Fragen hast, kannst du mir diese gern in den Kommentaren stellen. Ich freue mich, von dir zu hören.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

5 Antworten zu “Warum du einmal im Ausland leben solltest”

  1. Hallo Tim,

    bin 25 und habe Mitte 2014 vor mit dem Working-Holiday-Visum für 1 Jahr nach Australien aufzubrechen. Durch diesen Beitrag hat sich das ganze jetzt gleich noch verstärkt :). Als Grafik- und Webdesigner bei einem Unternehmen bin ich eigentlich sehr zufrieden, da die Arbeit sehr abwechslungsreich ist und einfach Spaß macht! Aber jetzt wird’s einfach mal Zeit aus der Komfortzone auszubrechen (wie du so schön sagst) und mich auf ein Abenteuer einzulassen. Vielleicht klappt’s dann nach diesem Jahr auch mit der Selbständigkeit…

    • Hey Udo. Ein super Plan! Gerade als Webdesigner kannst du doch super ortsunabhängig arbeiten. Und falls am Anfanag die Selbstständigkeit nicht so richtig ins Rollen kommt: In Australien bekommt man recht leicht Work & Travel Jobs … fahr zweigleisig. Und vor allem: Erzähl mir, wie es dir ergangen ist. Freu mich, von dir zu hören.

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