Ich habe dich ertappt! Du hast gerade dein Hotelzimmer betreten und als erstes nicht die Festigkeit der Matratze überprüft, sondern ob und wie gut das WLAN funktioniert. Oder bist in ein Café gegangen, und deine ersten Worte zur Bedienung waren nicht: „Die Karte, bitte!“, sondern: „Wie ist denn Euer WLAN-Passwort?“

Aber mach dir nichts draus, du bist in guter Gesellschaft. WLAN-checken ist die neue Zwangshandlung der Reisenden geworden. Ob auf dem Flughafen, dem Bahnhof, dem Campingplatz, dem Einkaufszentrum, in der U-Bahn oder im Fernbus: Stets der prüfende Blick, ob ein Drahtlos-Netzwerk verfügbar ist.

Die acht Zauberbuchstaben „Free Wifi“

Regelmäßig lösen die acht Zauberbuchstaben „Free Wifi“ ein kleines Glücksgefühl aus. Bei mir zumindest war das so, als ich zuletzt ein halbes Jahr lang mit meinem VW Bus durch Europa getingelt bin und gleichzeitig fleißig an meinem Blog geschrieben habe.

Wenn ich unterwegs arbeiten will oder muss hänge ich nun einmal an der Wifi-Nadel, bin süchtig nach dem freien Datenstoff und immer auf der fieberhaften Suche nach neuen Dealern. Das trifft vor allem auf digitale Nomaden zu.

Das galt bei mir übrigens aber auch für die Tage, an denen ich nicht zwingend Internet gebraucht habe. Deshalb habe ich mich mit ein wenig schlechtem Gewissen gefragt: Brauchen wir den Stoff wirklich die ganze Zeit? Oder ist das Verhalten nur unserer Abhängigkeit geschuldet? Sind wir hoffnungslose WLAN-Junkies?

Was ist die richtige Dosis?

Was ist also die richtige Dosis? Auf der einen Seite sind da die unzähligen nützlichen Helferlein auf dem Smartphone, die einem unterwegs großartige Dienste leisten. Auf der anderen Seite geht unser dauerndes Abtauchen in die Online-Welt zulasten unserer Achtsamkeit, unserer Aufmerksamkeit gegenüber den Mitmenschen, unserer Flexibilität und unserer Instinkte.

Du spazierst durch eine dir fremde Stadt und Tripadvisor zeigt dir ein gutes Restaurant an. Sehr bequem. Aber bist du nicht zufriedener, wenn du mit deinem eigenen Näschen (im wahrsten Sinne des Wortes) einen super Laden entdeckst? Google Maps weiß, wo du gerade stehst und lotst dich auf dem schnellsten Weg dorthin, wo du willst. Aber hat es nicht auch Charme, sich mal einfach treiben zu lassen, sich richtig zu verlieren und irgendwann nach dem Weg zu fragen, wenn du dich hoffnungslos verlaufen hast?

WLAN – das neue Grundbedürfnis?

Aber mal weg von diesem altmodisch-romantischen Ansatz: WLAN auf Reisen dürfte bei vielen Menschen inzwischen auf der Grundstufe der Bedürfnispyramide angekommen sein, also auf einer Ebene mit Essen, Trinken, Schlafen und Sex. Oder ist WLAN gar das neue Grundbedürfnis, und alles andere kommt danach?

Fakt ist, dass die Frage nach drahtlosem Internet inzwischen zu einer zentralen Komponente der Reiseplanung geworden ist. Gleich mehrmals auf meiner Tour haben mich neue Bekanntschaften gefragt: „Suchst du dir deine Unterkünfte auch nur noch nach WLAN-Verbindungen aus?“ Mitschwingend dabei immer ein wenig schlechtes Gewissen, aber auch eine gewisse Unabänderlichkeit.

Die ehrliche Antwort darauf muss natürlich „Ja“ heißen. Ich bin von zufällig ausgewählten Campingplätzen wieder weggefahren, weil sie kein WLAN hatten. Dafür bin ich auf anderen Plätzen länger geblieben, weil dort die Verbindung so gut und kostenlos war.

In der Gastronomie dasselbe Thema: Ein Café mit „Free Wifi“-Schild und nichts wie rein. Oder McDonald’s: Als bekennender Slow-Food-Anhänger wirklich nicht meine Anlaufstelle Nummer eins. Aber was willst du machen, wenn es sonst weit und breit kein WLAN gibt und du weißt, dass es unter dem goldenen Doppelbogen so wunderbar funktioniert.

Nur noch einige Bio-Unterkünfte ohne Netz?

Noch können touristische oder gastronomische Anbieter sogar damit werben, dass sie WLAN zur Verfügung stellen. Vor allem in der Provinz, wo das andere als selbstverständlich ist. Doch das wird sich in den nächsten Jahren umdrehen. Aufgrund der stetig wachsenden Nachfrage dürfte WLAN nach und nach zur Normalität werden. Und wer sich dem verschließt, wird Probleme bekommen.

Wer kein WLAN anbietet, wird auf Dauer gemieden werden. Vielleicht gibt es dann noch einige Bio-Unterkünfte, die ganz bewusst darauf verzichten. Aber selbst im eher beschaulichen Bereich der Pensionen und Ferienwohnungen hat das Thema längst Einzug gehalten.

Was waren doch früher noch gleich die wichtigsten Kriterien bei der Hotelsuche? Meerblick, Lage, Sauberkeit, Restaurant? Alles wunderbar. Doch das zählt alles nicht mehr, wenn kein WLAN vorhanden ist.

Wer braucht schon Meerblick?

Ich persönlich würde bei gleichem Preis ein Zimmer ohne Meerblick, aber mit WLAN, ganz klar einem Zimmer mit Meerblick ohne WLAN vorziehen. Auch bei den anderen Komponenten würde ich gegenüber einem stabilen Netz Abstriche machen (wenn alles zusammen gegeben ist, umso besser).

Vor allem, wenn ich arbeiten will, will ich verdammt nochmal arbeiten. Und nicht auf der Suche nach dem nächsten Hotspot umherirren. Oder über eingeschränkte Verbindungen fluchen. Ob ich ab und an mal offline bin, kann ich dann immer noch selbst entscheiden …

Wie oft hast du schon geflucht, wenn du kein WLAN hattest oder es nicht richtig funktioniert hat? Ist für dich eine gute Verbindung auch zu einem entscheidenden Kriterium unterwegs geworden? Und wie exzessiv nutzt du das Internet auf Reisen oder gönnst du dir auch mal Offline-Phasen? Ich freue mich auf deinen Kommentar! /Mischa

Dieser Artikel stammt aus der Feder von Mischa Miltenberger, Co-Autor auf Earthcity. Wenn du mehr von Mischa lesen willst, dann schau auch auf seinem Blogprojekt Adios Angst, Bonjour Leben vorbei.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Mischa Miltenberger
Über den Autor

Mischa Miltenberger

Mischa hat nach 11 Jahren als Sportredakteur den Job gekündigt und ist mit seinem VW Bus auf eine sechsmonatige Europareise gegangen. Gleichzeitig sprang er ins kalte Wasser der Selbstständigkeit. Er schreibt leidenschaftlich gerne und viel zu den Themen Persönlichkeitsentwickung, Ängste und Herausforderungen.

22 Antworten zu “Tausche WLAN gegen Meerblick: Warum unterwegs ohne Netz nichts mehr geht”

  1. Ich ertappe mich auch immer wieder dabei, dass mein erster Blick aufs Smartphone geht auf der Suche nach einem W-Lan im Café oder Hotel. Fürs Arbeiten ist das natürlich unerlässlich, ansonsten aber eigentlich verzichtbar. Gerade auf Reisen ist es eigentlich völlig überflüssig, seine Zeit bei Facebook, Twitter & Co. zu vertrödeln. Macht man aber trotzdem immer…

    Beim Spazieren durch eine fremde Stadt bin ich noch sehr Old School und bevorzuge einen gedruckten Reiseführer, so richtig aus Papier. Einfach so treiben lassen ist aber auch super.

    • Hi Sebastian,

      es ist eigentlich immer überflüssig, seine Zeit bei Facebook, Twitter & Co zu vertrödeln 🙂 Aber ich bin da leider auch nicht davor gefeit. Das ist für mich die größte Prüfung, mich da zu disziplinieren.

      Und Old School sein macht manchmal auch richtig Spaß …

      Liebe Grüße

      Mischa

  2. Also wenn ich in den Urlaub gehe, dann hab ich das Handy eh meistens aus. Sollten viele auch mal probieren, ist echt toll.

    Ich brauch im Urlaub nicht immer an der Nadel hängen. Wenn es aber ein kostenloses WLAN gibt nutzt ich das auch mal alle paar Tage.

    • Hallo Markus,

      vielen Dank für deinen Kommentar!

      Und Gratulation, das nehme ich mir auch öfter vor, als ich es schaffe. Aber an den Tagen, an denen es einfach mal 10 Stunden irgendwo liegt und ich ganz woanders bin, vermisse ich ebenfalls nichts.

      Vielleicht ist der Trick zur Selbstdisziplin wirklich, es ganz auszuschalten. Muss ich mal probieren.

      Viele Grüße

      Mischa

  3. Ich gebe zu, ich bin auch ein hoffnungsloser Wifi-Junkie. Und wenn ich ganz ehrlich bin, würde auch ich ein Zimmer mit Wifi einem Zimmer mit Meerblick vorziehen. Klar, am liebsten beides… 🙂
    In der Stadt bin ich aber nach wie vor ganz klassisch ohne Netz unterwegs und Restaurants suche ich mir immer „nach der Nase“ aus. So viel Spontanität muss sein.

    • Hi Sarah,

      dann willkommen im Club! Und zum Glück gibt es ja immer öfter Wifi mit Aussicht 🙂

      Das mit den Restaurants finde ich gut. Da ticke ich ganz genauso. Entweder auf die Spürnase verlassen oder Einheimische fragen.

      Danke für deinen Kommentar und liebe Grüße

      Mischa

  4. Bisher habe ich bei Fernreisen nie ein Handy dabeigehabt (habe aber auch erst seit letztem Herbst ein Smartphone – Late Adopter 😉 ) Ich denke, auch beim nächsten Trip wird das Smartphone zu Hause bleiben, denn ich genieße ganz bewusst das Offline-Sein im Urlaub. Einmal die Woche ins Internetcafé reicht, um zu schauen, ob wichtige Mails angekommen sind. Hoffen wir mal, dass es noch eine Weile Internetcafés geben wird. Sind ja irgendwie ein aussterbendes Business … 😉

    • Hi Sabine,

      das ist bemerkenswert konsequent. Schlägst du dich dann so richtig klassisch mit Reiseführer, Karten, Fahrplänen, etc. durch? Ich kann mir ja einen Stadtaufenthalt ohne Google Maps inclusive der Möglichkeit, ständig meine beste ÖPNV-Verbindung zu checken, nicht mehr vorstellen.

      Ich stimme dir aber zu, dass man Offline-Sein auch richtig genießen kann.

      Liebe Grüße

      Mischa

  5. Oh, das kenne ich nur zu gut! Ich bin auch WLAN Junkie… Vor allem, wenn man einen Blog betreibt, ist es schlimm, weil man ja von demher schon abhänging ist. Ich bin sogar mal in die Innenstadt gefahren, weil mein Anschluss daheim nicht mehr funktioniert hat! Tragisch! 😀

    • Hi Corinna,

      ja, du bringst es auf den Punkt. Selbst, wenn ich unterwegs bin, will ich ja niemanden tagelang warten lassen, bis sein Kommentar freigeschaltet ist und ihm natürlich auch gleich antworten.

      Und frag mich mal, wie viele Bars ich auf Sardinien abgeklappert habe, bis endlich mal eine WLAN hatte. Ein Barbesitzer kannte nicht mal das Wort Internet 🙂

      Liebe Grüße

      Mischa

  6. Ja, ich gehöre auch zu der „Möglichst-immer-online“-Gruppe von Menschen. Wir sind auch schon in einem Bed&Breakfast länger geblieben, weil das WLan so schön schnell und stabil lief. Ich empfinde das allerdings weder als Last noch als Sucht. Für mich gehört WLan mittlerweile so wie Strom und fließend Wasser dazu. Und ich habe mir das Leben ja so ausgesucht! Es zwingt mich niemand online zu sein und Kommentare zu beantworten oder Dinge in den Sozialen Medien zu teilen. Ich mache das freiwillig und gerne. Es gehört zu meiner Berufung und damit zu meinem Leben. Und genau so gehört dazu, dass ich weiß, dass ich regelmäßig Pausen machen muss, um den Akku wieder aufzuladen. Und zu diesen Pausen gehört es dann das Handy bewusst aus der Hand zu legen und z.B. zu meditieren.
    Ich glaube, dieses Internet wird uns nur zur Last, wenn wir die Verantwortung aus der Hand geben und uns besitzen lassen. Sobald wir wieder selbst die Entscheidungen treffen, eröffnet uns das WLan ungeahnte Möglichkeiten:)

    • Hi Stefanie,

      deine Zeilen unterstreiche ich ganz dick. Nur dass man sich über Strom und fließend Wasser viel seltener ärgern muss als über die WLAN-Verbindung 🙂

      Das Pause machen und bewusst offline gehen ist – wie so vieles im Leben – eine Frage der Disziplin. Wie lang sind denn die Pausen, die du dir gönnst?

      Liebe Grüße

      Mischa

  7. Hi Mischa,

    super Artikel und gerade als Blogger auch wirklich wichtig immer Wifi zu haben. Manchmal nervt mich die Wifi Suche aber ein bisschen muss ich zugeben. Trotzdem wird eine Unterkunft gerne danach ausgewählt. 😉 Aber wenn das Wifi dann ein paar Tage super läuft und dann mal einen Tag mehrere Aussetzer hat, dann wird man schon ein bisschen verrückt. Schon krass, wie abhängig wir uns eigentlich von diesem Wifi machen, aber das sind wohl die Nachteile am online arbeiten – zum Glück gibt es aber genügend Vorteile, die das Aufwiegen. 🙂

    Liebe Grüße aus Chiang Mai
    Tobi

  8. Hi Tobi,

    lieben Dank für deinen Kommentar!

    Ja, solange es noch keine Blogs gibt, die die Kommentare ihrer Leser selbsttätig beantworten, muss das wohl so sein 🙂

    Liebe Grüße nach Chiang Mai und genieß die Sonne

    Mischa

  9. Oh man du hast sowas von Recht. Ich bin gerade in Australien und in dem Hostel in Tully gibt es kein WiFi was mich ehrlich gesagt gerade dazu verleitet hier wieder zu verschwinden obwohl es hier Arbeit gibt….
    Ich hab mir jetzt für 50$!!! 3,5 GB aufs Handy geladen und davon in 3 Tagen 1,5 GB schon weggesaugt ohne youtube oder Nachrichten online anschauen furchtbar. Aber das ganze Hostel ist voller Menschen denen das wohl nichts aus macht (oder die wirklich dringend Geld brauchen)
    In den nächsten 2 Tagen werde ich mich wohl entscheiden ob ich noch diese Woche oder nächste Woche auf die Suche nach besserem WiFi begebe 🙂

  10. Hej Felix,

    ich leide mit dir! Und die Erfahrung, wie schnell so Flats weggesaugt sind, habe ich auch auf meiner Reise gemacht.

    Dann bin ich mal gespannt, wie deine Entscheidung ausfällt 🙂

    Liebe Grüße

    Mischa

  11. Hi Mischa,

    ja das mit der Überall-Erreichbarkeit ist wirklich zu einem Grundbedürfnis geworden. Ganz egal wie man dazu steht.

    Letztes Jahr waren wir auf einer dreimonatigen Reise durch entlegene, wirklich entlegene Länder. Mit eigenem Fahrzeug und selten mit WiFi. Die paar Mal wo wir freies WiFi hatten, war die Freude um so größer. Wir sind dann wie Motten ins Licht, eh ins Internet, und haben ausgiebig gesurft und kommuniziert.

    Gerade ich, als Online-Tagebuch-Schreibender der Reisegruppe war dann immer sehr, sehr lange beschäftigt unser Reise online zu stellen, damit unsere Angehörigen ein Lebenszeichen von uns bekommen und mit verfolgen können was wir gerade so erleben. Teilweise hab ich dann ganze Wochen hochgeladen. Das WiFi war wirklich selten und vor allem langsam. Dafür war ich umso dankbarer, wenn es dann mal geklappt hat. Auch eine schöne Erkenntnis: Dankbarkeit für hierzulande Alltägliches zu empfinden.

    Ich persönlich käme ohne ständiges WiFi auf Reisen und im Urlaub aus. Aber um Lebenszeichen oder tägliche Berichte nach Hause zu schicken, finde ich es äußerst praktisch und oftmals wichtiger als ein bequemes Bett 🙂 Gerade wenn die Entfernung nach Hause groß ist oder die Länder ungewöhnlich und fremd. Und damit meine ich nicht Italien oder Schweden, sondern Länder wie Usbekistan oder die Mongolei.

    Also wenn ich mich entscheiden müsste, dann würde ich den Meerblick wählen.

    Der Kontakt nach Hause oder zu Freunden, bloggen, mailen und sich informieren, all das ist schön, aber vergessen wir dabei nicht warum wir reisen? Wir wollen etwas erleben? Dann sollten wir uns vor Ort, live und in Farbe auf den Urlaubsort einlassen und nicht ständig auf einen kleinen Bildschirm schauen und altbekannte Pfade gehen.

    Liebe Grüße
    Chris

  12. Hi Chris,

    du beschreibst den Zwiespalt des modernen Reisenden sehr schön. Einerseits unser Bedürfnis, ein paar Lebenszeichen zu senden oder eben sich um seinen Blog/die Mails zu kümmern und andererseits eigentlich viel lieber sich ohne jede Ablenkung auf die neuen Eindrücke einlassen.

    Ich denke, allein das Nachdenken darüber, führt schon zu einem bewussteren Umgang.

    Liebe Grüße
    Mischa

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