Das erste Mal kam ich nach Riga im April vergangenen Jahres, um mich dort mit Freunden aus Finnland zu treffen. Warum Riga? Nun, Riga lag für uns verkehrsgünstig in der Mitte und war sowohl von Düsseldorf-Weeze als auch von Tampere (in Finnland) mit Billigfliegern zu einem Schnäppchenpreis zu erreichen. Ich übernahm die Planung der Reise und buchte für uns alle ein Hotel im Zentrum der Stadt für drei Nächte.

Um mich näher über die Stadt und ihre Freizeitmöglichkeiten zu informieren, hatte ich leider keine Zeit mehr. Da es aber nicht das erste Mal für mich war, ohne einen Plan neues Terrain zu betreten, war ich recht entspannt. Im Notfall fragt man halt einfach im Hotel, was man gesehen haben sollte.

Eines frühen morgens ging es nun also mit Ryanair los nach Riga, der Flug ging ab Düsseldorf-Weeze, einem kleinen Ryanair-Flughafen 90 km nördlich von Düsseldorf (warum ein Flughafen, der so weit entfernt liegt, sich noch „Düsseldorf“ nennen darf, ist ein anderes Rätsel). Ich schaffte es so gerade, meinen Kabinenkoffer ins Flugzeug zu schmuggeln, der etwas zu voll war.  Da ja besonders Ryanair extrem streng die Maße und das Gewicht des Kabinengepäcks kontrolliert, hatte ich ein wenig Sorge, ich müsste noch einmal draufzahlen.

Der Koffer wurde nicht beanstandet, jedoch wurde ich mit Nachdruck aufgefordert, die Butterbrot-Dose in meiner linken Hand in den Koffer zu packen, da es nur erlaubt sei maximal ein Gepäckstück mit an Bord zu nehmen. Ich versuchte also, mein als Gepäckstück bezeichnetes Butterbrotdöschen in meinen sowieso bereits überfüllten Koffer zu stopfen, scheiterte, und entsorgte das Brot in einer Blitzaktion in meinem Mund. Die Dose musste am Flughafen bleiben.

Mit Mayoverschmiertem Mund betrat ich nun eilig den Flieger, da ich bereits der Letzte war. In der Kabine befanden sich zu meinem Erstaunen zahlreiche, gut gelaunte Männergruppen in ihren 30er und 40er Jahren, die alle bei bester Stimmung waren. Die meisten waren Holländer mit lustigen Hüten, aber es waren auch einige deutsche Kegelclubs dabei, die nicht weniger dumm aussahen. Es schien mir, das Riga sich als Partystadt bereits einen Namen gemacht hatte und ich davon noch nichts wusste.

Nachdem der Flieger in der Luft war, wurde mir langsam klar, dass sowohl die Reise als auch die Stimmung im Flieger eine Feucht-Fröhliche werden würde und es lag eine gewisse „Reisebus nach Arenal“-Stimmung in der Luft. Ich stopfte also die Kopfhörer meines MP3-Players noch etwas tiefer ins Ohr und hoffte, das dieser Flug ein schnelles Ende finden würde.

Nach etwa einer Stunde und 30 Minuten Flug befanden wir uns bereits im Landeanflug auf Riga. Während auf dem gesamten Flug bisher traumhaftes Wetter herrschte, lag über Riga plötzlich ein schweres Gewitter. Der Flieger rappelte und wackelte. Wir verloren deutlich an Höhe, was man daran bemerken konnte, dass die Körper (wie auf der Achterbahn) aus dem Sitz in die Höhe gerissen wurden. Die mittlerweile schwer betrunkenen, holländischen Kegelfreunde hatten Freude an diesem Gefühl und die Reisebus-Atmosphäre wich einer Achterbahn-Atmosphäre, inkl. Hände-in-die-Luft-reißen und allem, was dazu gehört.

Nach einigen Minuten teilte uns der Kapitän mit, dass eine Landung in Riga gegenwärtig zu gefährlich sei und wir auf den Flughafen von Kaunas, Litauen ausweichen müssten. Na toll. Der Flieger stieg also wieder auf, flog noch einmal eine halbe Stunde weiter und landete schliesslich in Kaunas. Dort wurden uns nach 2 Stunden Wartezeit mehrere Busse zur Verfügung gestellt, die uns nach Riga bringen sollten.

Die fröhlichen Mitreisenden, die erkennbar auch die anderen Passagiere nervten, waren nun so betrunken, dass die Busfahrt recht ruhig verlief. Die Luft im Bus war jedoch sehr alkoholisch, wozu meiner Meinung nach auch der Busfahrer selbst seinen Teil dazu beitrug. Auch er hatte sicherlich zuvor nicht nur Kaffee getrunken, sondern den einen oder anderen Schnaps inhaliert, um seine Hände zu beruhigen. Ruhige Hände sind beim Steuern eines Busses ja empfehlenswert.

Es ging also los, auf eine endlose Fahrt durch deprimierende, litauische Landschaften. Es war zu erkennen, das Litauen noch immer auf bessere Zeiten wartet. Zwei Stunden über holprige Straßen und vorbei an lange nicht mehr renovierten Häusern. Nach zwei Stunden überquerten wir die Grenze zu Lettland und es war schnell zu erkennen, dass es Lettland bereits um einiges besser geht, als seinem Nachbarn im Süden. Riga lag nur noch eine Stunde entfernt und die Umgebung wurde schöner.

Völlig übermüdet und durchgeschüttelt kamen wir nach 7 Stunden Reise dann in Riga an und ich sprang sofort ins nächste Taxi, welches mich direkt zum Hotel brachte. Am ersten Abend musste ich die Finnen allein losziehen lassen, da ich einfach zu müde war, mich ins Nachtleben zu stürzen. Der Tag fand ein jähes Ende im Hotelzimmer.

Doch am nächsten Tag wurde mir schnell klar, dass sich die harte Anreise gelohnt hatte. Es stellte sich heraus, dass Riga wesentlich spannender war, als ich es mir zuvor gedacht hätte….  Mehr dazu, inkl. eines vollständigen Reiseberichtes mit Tipps: nächste Woche in Teil 2. 

 

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

5 Antworten zu “Ein Wochenende in Riga, Teil 1: Die Anreise”

  1. Also ich weiß nicht, was sich seit meinem letzten Besuch im Baltikum vor 3 Jahren so verändert hat. Aber damals waren sowohl Straßen als auch Dörfer in Litauen in einem wesentlich besseren Zustand als in Lettland. Vielleicht lag es an deinen betrunkenen Mitreisenden? Zumal die Wirtschaftsleistung pro Kopf in Litauen immer leicht stärker ist als in Lettland. Aber das ist wohl immer das eigene subjektive Empfinden. Litauen ist mit weitem Abstand mein Lieblingsland, besonders im Baltikum. Riga fand ich immer anstrengend. Bei meinem ersten Besuch dort 2005 fand ich es aber auch noch toll. Außer die Unterkunft, die war zwar billig aber am Arsch der Welt:-)

    • Naja, vielleicht habe ich Litauen keine Chance gegeben und sollte noch einmal dorthin 🙂 Ich habe es im Grunde auch nur aus dem Bus heraus gesehen. Vom litauischen Nida habe ich zum Beispiel auch tolle Dinge gehört und würde da tatsächlich gern mal vorbei schauen. Aber wie du schon sagst, subjektives Empfinden. Lettland erschien mir nach meinem Eindruck von Riga doch moderner. Auf dem Land mag es anders aussehen.

  2. Christina

    Oje oje, also die Anreise war sicher „abenteuerlich“. Vielleicht hättest du es den Kegelklub-Mitgliedern nachmachen sollen und dich einfach hemmungslos betrinken, da erträgt man eine holperige Fahrt mit betrunkenem Buslenker sicher besser. ;-D

    Liebe Grüße
    Christina

  3. Ein Wochenende in Riga, Teil 2: What to do? | ReiseblogsReiseblogs

    […] meiner turbulenten Anreise nach Riga, von welcher ich ja im vorherigen Artikel schon berichtet habe, will ich Euch nun etwas mehr von der Weiterlesen Link zum Blog: Earthcity.de […]

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