Der heutige Artikel ist ein Gastartikel von Nicole Öhlmann, welche von ihrem Abenteuer auf einem australischen Garnelen-Kutter erzählt. Eine ganz andere, aber sehr spannende Art, seinen Auslandsaufenthalt anzugehen. Los geht es mit Nicoles Artikel:

Aufgewachsen in einem kleinen Dorf im Osten Deutschlands waren „Gefahr“ und „Abenteuer“ Wörter die ich aus Büchern kannte, welche aber definitiv nicht zu meinem alltäglichen Lebensstil passten. Dennoch beschloss ich vor etwa drei Jahren dem Leben in Deutschland ‚Auf Wiedersehen‘ zu sagen und für ein Jahr nach Australien zu gehen. Da ein Jahr Ausland eine Menge Geld kostet (dass ich nicht hatte) war es natürlich auch angebracht, dort etwas zu arbeiten. Bis hierhin noch keine besondere Geschichte.. Das machen schließlich viele. Und das stimmt. Da ich aber grundsätzlich versuche, nicht das zu tun, was alle machen, beschloss ich das Angebot, auf einem Garnellenkutter (engl.: „prawn trawler“) zu arbeiten, anzunehmen.

Vier Monate auf See

Das Schiff verließ den sicheren Hafen in Cairns, im Norden-Osten Australiens. Nach etwa fünf Tagen Fahrt erreichten wir den Gulf of Carpentaria (s. Luftaufnahme), in dem wir die folgenden vier Monate bleiben sollten. Genau, vier Monate. Das sind 123 Tage oder aber 2952 Stunden ohne Wochenende, ohne Land, einer unheimlich schlechten Telefonverbindung (vom Internet fange ich erst gar nicht an), aber dafür unendlich vielen Garnelen.

ein auslandsaufenthalt in australien auf dem boot

Vor der Abreise sagte man mir, dass ich hauptsächlich für die Versorgung der Mannschaft zuständig sein würde, also Kochen, Saubermachen und so weiter. Allerdings ist irgendwie untergegangen, dass ich ebenfalls wie der Rest der Crew beim Fangen der „Tiger Prawns“ helfen werde. Wer ein bisschen was vom Garnelenfangen versteht, weiß wie körperintensiv die Arbeit ist. Für alle anderen hier eine kurze Erläuterung:

Mein „Tag“ begann jeden Abend um etwa 18.00 Uhr mit den Vorbereitungen für das Abendessen. Was meistens aus frischen Kartoffeln, Gemüse und gebratenem und gekochten Fleisch bestand. Dahingehend mangelte es uns an nichts. Nach dem gemeinsamen Essen, wurde der erste Fang eingeholt: An dem Boot befinden sich jeweils links und rechts ein riesiges Schleppnetz. In der Nacht, wenn die Garnelen sich nahe der Wasseroberfläche befinden, werden sie von den Netzen abgefischt und in einem riesigen Bottich auf dem Schiff gelassen. Neben Garnelen befinden sich noch zahlreiche andere Tiere wie Seeschlangen, Krabben und kleinere Haie im Netz, die aber freundlicherweise wieder in die Weiten des Meeres entlassen wurden.Wir (die Crew) stehen dann an einem Laufband, der den Fang von dem Bottich wieder ins mehr transportiert und ergreifen alles was nach Garnelle aussieht.

Als ungeübter „Garnelenfänger“ kann das am Anfang ganz schön schmerzhaft sein, da die kleinen „Biester“ an der Vorderseite eine Art Stachel besitzen. Nachdem die Garnelen sortiert sind werden Sie in Kartons verpackt und im booteigenen Tiefkühlraum gelagert. Pro Nacht durchläuft man ungefähr vier Fänge. Zwischendrin hat man glücklicherweise immer mal wieder Zeit eine Stunde zu schlafen. Ein normaler „Arbeitstag“ ist gegen 11 Uhr morgens vorbei und nach dem Frühstück gibt es dann gewöhnlich den wohlverdienten Schlaf.

Allseits bekannt, besitzt der Mensch eine innere Uhr für Schlaf- und Wachzeiten, die in diesem Fall natürlich völlig auf den Kopf gestellt wird. Dazu kommt dann noch die ungewohnte physische Arbeit. Glücklicherweise sind Menschen aber generell anpassungsfähig und nach etwa einer Woche hatte ich mich an die neuen Umstände gewöhnt.

Das Boot und seine Bewohner

So ein Garnellenkutter ist durchschnittlich 24 Meter lang und besitzt auf kleinsten Raum eigentlich alles was man zum Leben nötig hat: drei Schlafkajüten mit jeweils zwei Betten, ein Badezimmer mit Dusche und WC, eine Küche mit Herd, Kühlschrank und Spüler und ein Wohnzimmer mit Fernseher zum DVD’s schauen. Dennoch kann so ein Boot im Laufe der Zeit und mit vier unterschiedlichen Charakteren ganz schön eng werden. Platzmangel ist in diesem Fall nicht das Problem.

Meine Kollegen hatten schon viele Jahre auf See hinter sich und waren dementsprechend mehr und minder raue Seebären geworden: Unsere Kapitän Lester, war ein verrückter aber dennoch sehr liebenswerter 50 jähriger und somit ein alter Hase im Geschäft. Chris, unser erster Deckarbeiter war 37, meistens gesprächig und humorvoll, konnte auf der anderen Seite aber auch sehr schlecht gelaunt sein.

Das gleiche galt auch für Robert, den zweiten Deckarbeiter. Sehr hilfsbereit und verständnisvoll zum einen oder aber unglaublich besserwisserisch und ungenießbar zum anderen. Sicherlich haben alle drei auch das eine oder andere über mich zu sagen. Fakt ist, dass vier Monate auf dem Boot sich manchmal wie „Big Brother“ anfühlten und mich an meine emotionalen Grenzen brachten. Aber nur wer seine Grenzen kennt, kann sie irgendwann auch überschreiten.

Sprachbarrieren

In den ersten zwei Wochen war es mir beinahe unmöglich etwas zu verstehen. Der australische Akzent gemixt mit Begriffen aus der Seefahrt und dem sich ständig wiederholendem F*** brachten mich zur Verzweiflung. Auch meinen lieben Kollegen war es schnell über, mir alles fünf Mal zu erklären (ich übertreibe nicht!). Der Englischunterricht in der Schule bereitet einem diesbezüglich nicht gerade auf das wirkliche Leben vor.

Ich kann mich noch gut an die gemeinsamen Mahlzeiten erinnern, bei denen Lester immer einer seiner Witze zum Besten gab. Ich lernte schnell am Tonfall und an den Gesichtszügen der anderen zu erkennen, wann es angebracht ist zu lachen, als das ich wirklich etwas verstand. Irgendwann aber viel der Groschen und mein Gehirn machte die notwendigen Verknüpfungen.

Nach vier Monaten habe ich nicht nur meine Englischkenntnisse und Fähigkeiten im Garnelenfangen unglaublich verbessert, sondern auch gelernt, dass der eigene Wille der Schlüssel zum Erfolg ist. Wer bereit ist alles zu geben und durchzuhalten, wird selten scheitern. Am Ende liegt es doch an einem selbst die gestellten Ziele zu erreichen. Ob ich noch einmal vier Monate auf einem Fischerboot arbeiten würde? Ich denke nicht. Was aber nicht heißt, dass ich diese Erfahrung missen möchte. Ich habe viel gelernt, über das Leben, andere Menschen, aber auch über mich selbst. Ich kann diese Reise jedem empfehlen, der noch nicht genau weiß, wo er hin will im Leben. Abenteuerlust ist allerdings Voraussetzung.

Für alle Interessierten gibt es weitere Informationen zum Thema Work & Travel, Sprachreisen für Erwachsene und Sprachenlernen unter anderem auf dieser Seite.

Wen es für eine englische Sprachreise nicht ganz so weit in die Ferne zieht, der kann natürlich auch nach England. Dort lernt man mindestens genau so gut. Hier findet Ihr Möglichkeiten für eine Englisch Sprachreise speziell für Schüler von 11-19 Jahren.

Vielen Dank noch einmal für diesen spannenden Gastartikel. Möchtest auch Du einen Gastartikel veröffentlichen? Ich freue mich immer über Anfragen von interessierten Bloggern und Hobby-Autoren. Bitte sende mir eine E-mail und wir besprechen alles Weitere.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

2 Antworten zu “4 Monate auf einem ‚Prawn Trawler‘ in Australien”

    • Nicole Öhlmann

      Hallo Uwe, danke für dein Kompliment! Die vier Monate waren ohne Zweifel anstrengend, aber auch eine unheimlich tolle Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte. Emfehlenswert? Auf jeden Fall. Jedoch sollte man sich darüber bewusst sein, worauf man sich einlässt. Wer einen starken Willen und etwas Durchhaltevermögen hat, wird wenig Probleme haben. Liebe Grüße, Nicole

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