Hallo, Ich heiße Mischa und wohne im Niemandsland. Zumindest jobtechnisch gesehen. Örtlich gesehen, lebe ich seit vier Monaten in meinem VW Bus. Mit diesem bin ich seit Anfang Mai 2014 auf Europareise unterwegs.

Ich brach auf, nachdem am 30. April – nach elf Jahren und vier Monaten – meine Zeit als Sportredakteur bei einer regionalen Tageszeitung zu Ende gegangen ist. Genauer gesagt, weil ich gekündigt habe. Ein echter Bruch in meinem Leben.

Meine halbjährige Tour ist kein Sabbatical. Im Nachhinein bin ich heilfroh, dass meine Ex-Chefs mir das nicht gewährt haben. Sonst würden meine Gedanken jetzt, rund sechs Wochen vor der Rückkehr, schon wieder um die Arbeit kreisen.

Um die Frage, warum ich weiterhin tagtäglich einen Job mache, der einmal mein Traum war. Der mir aber nichts mehr gibt, nicht zu meiner Entwicklung beiträgt, meinem enormen Freiheitsdrang nicht gerecht wird – und unter dem ich letztlich gesundheitlich massiv gelitten habe.

An all das muss ich nicht mehr denken. Manchmal begegnen mir in meinem Träumen noch gewisse Schreckensmomente und -menschen der damaligen Zeit. Ansonsten ist der lange Lebensabschnitt abgeschlossen. Nicht einen einzigen Tag habe ich meinen Entschluss bereut. Ich bin ein freier Mann. Ich habe mich aus dem Gefängnis, in das ich mich selbst eingesperrt hatte, befreit. Dieses Gefühl täglich zu spüren, setzt unfassbar viel Energie bei mir frei.

Energie, die ich in den nächsten Jahren brauchen werde. Schließlich will ich endlich auf eigenen Beinen stehen. Mit Dingen Geld verdienen, zu denen ich 100 Prozent stehen kann. Dingen, die anderen Menschen Nutzen stiften. Dingen, die es wert sind, sein Herzblut hineinzustecken. Also genau das Gegenteil vom 9-to-5-Sklaven, der dazu beiträgt, dass die große Maschine weiterläuft, damit am Ende der Kette die Geldgeber sich noch teurere Statussymbole leisten können.

Jetzt sagst du vielleicht: „Aber dafür hast du doch jeden Monat dein Gehalt bekommen, musstest dich um nichts kümmern, hast dir nie Gedanken um deine Miete gemacht und konntest dir ein paar nette Dinge und Urlaube leisten!“ Richtig! Aber dafür habe ich teuer bezahlt. Mit einem Leben, das längst nicht mehr zu dem gepasst hat, wofür ich im Innersten stehe. Mir die Freiheit geraubt hat. Mir den Zahn gezogen hat. Mich zu einem Befehlsempfänger und sehr gut bezahlten Sachbearbeiter degradiert hat.

So, nun wohne ich also im Niemandsland. Im Reich der großen Unsicherheit. Niemand in Sicht, der mir große Gehaltsschecks ausstellt. Das Interessante daran: Ich fühle mich richtig gut dabei. Noch bin ich nicht schweißgebadet aufgewacht, weil ich vom Leben unter der Brücke geträumt habe.

Natürlich ist die Frage des Geldverdienens ein großes Thema. Nur habe ich für mich festgestellt, dass die Dinge sich viel besser entwickeln, wenn ich sie ohne Druck und Verbissenheit angehe. Ich habe den Weg eingeschlagen, ich bin losmarschiert. An welchen Gabelungen nun was auf mich wartet – davon lasse ich mich gerne überraschen.

Gestatten, Co-Autor!

So wie von Tims Ausschreibung. Im August saß ich gerade mit einem Kumpel in unserer Air-BnB-Wohnung in Berlin, als ich davon las, dass Tim jemanden sucht, der als Co-Autor mit einsteigt. Eine halbe Stunde später hatte ich meine erste Bewerbung seit über elf Jahren geschrieben.

Sie war wohl erfolgreich, denn ich bin nun einer von zwei offiziellen Earthcity Co-Autoren (auch der Grund, weshalb du heute etwas mehr von mir erfährst). Das sind die Chancen des Lebens, die sich auftun, wenn man der Zukunft offen und mit Zuversicht entgegentritt.

Das heißt nicht, dass ich im Bett liege und darauf warte, dass das Glück vom Himmel fällt. Mit meinem eigenen Blog habe ich jede Menge Arbeit, die ich auf meiner Reise erledige. Daraus entstehen wiederum tolle neue Kontakte und Möglichkeiten. Ich investiere und bekomme etwas zurück. In mir ruht die feste Zuversicht, dass ich das auch bei künftigen Projekten, von denen so einige in meinem Kopf herumschwirren, so hinbekomme.

Mein Fokus wird dabei erst einmal auf dem kreativen Bereich liegen. Ich werde unter anderem ein Buch darüber schreiben, wie ich nach über 20 Jahren mit Panikattacken und Depressionen den Teufelskreis durchbrochen habe. Eine passende Vermarktungsidee habe ich mir dazu auch schon ausgedacht.

Ein Niemandsland voller Fragen

Trotzdem bleiben im Niemandsland noch einige Fragen:

  • Werde ich mit meiner selbstständigen Tätigkeit den Nerv der Menschen treffen?
  • Bin ich kreativ genug? Habe ich genug Ideen, um die Menschen zu begeistern?
  • Werde ich damit genug Geld verdienen können, um allein davon leben zu können?
  • Bin ich dafür geschaffen, allein zu arbeiten, ganz ohne Kollegen?
  • Bin ich geduldig genug, um die wichtigen Dinge rund ums Business so gut zu lernen, dass sie zur Selbstverständlichkeit werden?

Mit Spannung warte ich darauf, wie die Antworten ausfallen werden. Ich werfe 100 % Fleiß, 100 % Überzeugung, 100 % Mut und 100 % Motivation in die Waagschale. Nackenschläge hatte ich in meinem Leben genug, sodass mich Misserfolge nicht so schnell aus der Bahn werfen sollten. Ans Scheitern verschwende ich keinen Gedanken. Ich brauche meine Energie an anderen Stellen mehr.

Und sollte wider Erwarten nichts klappen, dann habe ich schon ein Angebot in der Tasche, im Winter in Nordnorwegen als Polarlicht- oder Schlittenhundetouren-Guide zu arbeiten (weil ich wie so oft seit einem Jahr zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle war). Aber wer weiß, vielleicht kann ich diesen Brotjob sogar mit meiner Selbstständigkeit unter einen Hut bringen …

mischa-miltenberger

Nach 11 Jahren als Sportredakteur bei einer regionalen Tageszeitung und größeren gesundheitlichen Problemen hat Mischa die Notbremse gezogen, den Job gekündigt und ist mit seinem VW-Bus auf eine sechsmonatige Europareise gegangen. Danach springt er nun ins kalte Wasser der Selbstständigkeit und berichtet dir hier davon.

Mischa schreibt leidenschaftlich gerne und viel. Die Themen Persönlichkeitsentwickung, Ängste und Herausforderungen sind dabei sein Steckenpferd. Besuche auch seinen Blog dazu. Willkommen im Autorenteam!

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Mischa Miltenberger
Über den Autor

Mischa Miltenberger

Mischa hat nach 11 Jahren als Sportredakteur den Job gekündigt und ist mit seinem VW Bus auf eine sechsmonatige Europareise gegangen. Gleichzeitig sprang er ins kalte Wasser der Selbstständigkeit. Er schreibt leidenschaftlich gerne und viel zu den Themen Persönlichkeitsentwickung, Ängste und Herausforderungen.

21 Antworten zu “Im Niemandsland: Zwischen 9/5-Job und Selbstständigkeit”

  1. Willkommen! Ich bin richtig gespannt, wohin dich deine Reise führen wird. Du hast da was gemacht, wovor Tausende Menschen Angst haben, obwohl sie es sich mindestens genauso wünschen. Dafür hast du bereits meinen größten Respekt. Dass du jetzt auch noch im VW Bus durch die Welt tourst, finde ich einfach nur geil!

    Beste Grüße
    Micha

    • Hi Micha,

      das bin ich auch 🙂

      Vielen Dank für deine wunderbaren, aufmunternden Worte. Ich kann es manchmal auch nicht glauben, dass ausgerechnet ich, der Ex-Hasenfuß, gerade vor diesem Schritt dann gar keine Angst mehr hatte…

      Liebe Grüße
      Mischa

    • Servus Peter,

      erst einmal aus Autorentätigkeit bzw. freiberuflicher journalistischer Tätigkeit. Dann habe ich da noch einige Projekte im Hinterkopf, für die es aber zu früh wäre, sie herumzuposaunen.
      Und wie geschrieben: Ich bin mir auch für einen Brotjob nicht zu schade, um gerade am Anfang mögliche Durststrecken zu überwinden.
      Viele Grüße
      Mischa

  2. Schöner Artikel 🙂
    Gibts in Nordnorwegen Internet? 😉 Dann wäre das doch eine gute Aussicht.
    Oder ist die Arbeit zeitlich so intensiv und körperlich anstrengend, dass du deine Selbstständigkeit nicht weiter ausbauen könntest?

    • Hi Linda,
      Skandinavien ist in Bezug auf Internet so gut ausgerüstet wie keine andere Ecke Europas. Da hast du teilweise in öffentlichen Verkehrsmitteln Free Wifi. Von dem her wäre es kein Problem.
      Diesen Winter kommt es für mich aber noch nicht in Frage, da ich nach den 6 Monaten erst einmal heimkommen will und – mit Hilfe eines täglich perfekt funktionierenden Internets – so einige wichtige Dinge vorantreiben. Aber ab 2015 kann ich mir das gut vorstellen.
      Liebe Grüße
      Mischa

  3. Yeah, Mischa! Geile Sache und die perfekte Wahl für einen Gastautor! Du weißt ja eh schon, dass ich ein großer Fan deiner Artikel bin und so freue ich mich demnächst einmal hier auf Earthcity und natürlich auch auf Adios Angst von dir zu lesen.
    Weiter so, freue mich auf den nächsten Blogpost von dir!
    Lieben Gruß
    Anne

  4. Hallo Mischa,
    wenn du alle Texte so gut und mitreißend schreibst wie diesen, freue ich mich mehr von dir zu lesen – und ich bin sicher, andere auch! 😉
    Oh mit einem Bulli durch Europa reisen, dass ist auch eines meiner Ziele! Aber erst einmal müssen sich meine ortsunabhängigen Jobs besser entwickeln, dass ich mir den Sprit nicht von meinem Ersparten finanzieren muss. Entferne mich gerade täglich von dem tiefen Loch der Angestelltentätigkeit in irgendeinem Büro, wo man in der Masse versinkt. Habe mein Studium gerade noch beendet, aber einen Job ausüben, einen 08-15 Job, nein, dass kann ich mir gar nicht mehr vorstellen. Und solche Texte wie deiner sind unglaublich motivierend!!! Sie zeigen, wie glücklich eine Person , trotz der Ungewissheit, sein kann, wenn sie sich für seine Freiheit entscheidet!!! Ich wünsche dir alles gute, für deinen weiteren Weg und deiner Weiterfahrt (übrigends der „Brotjob“, welchen du überlegst anzunehmen, klingt doch super interessant 🙂 ).

    • Hallo Svenja,
      wow, nach solchen Komplimenten wachse ich ja gleich über meine 1,87 Meter noch hinaus 🙂 Vielen lieben Dank dafür und für deine guten Wünsche.
      Ich drücke dir die Daumen, dass sich die Dinge für dich gut entwickeln und du auch irgendwann freudestrahlend deinen Bulli starten kannst. Du hast dich schon auf den Weg gemacht und weißt, was du willst. Das unterscheidet dich schon von vielen anderen Menschen.
      Ganz liebe Grüße
      Mischa

  5. Chris Glettler

    Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass wir noch viel (erfolgreiches) von dir hören werden.
    Die Zuversicht oder noch besser die Überzeugung deine Ideen umsetzen zu können, ist das wichtigste und die kann man bei dir aus deinen Sätzen lesen!

    Genieße die Ungewissheit! Nichts stärkt mehr, als wenn sich eine nach der anderen Frage, die man sich stellt, zum Positiven löst.

    Halt uns am Laufenden,
    Chris

  6. Hi Chris,

    davon kannst du ausgehen, dass ich euch auf dem Laufenden halte 🙂

    Ich freue mich sehr, dass dir mein Artikel gefallen hat. Und jeder einzelne Kommentar wie deiner stärken mich in meiner Zuversicht. So wie ich in meinen schlechten Zeiten gar nicht anders konnte, als negativ zu denken, dreht sich jetzt die Spirale genau in die andere Richtung. Das tut jeden Tag aufs Neue gut.
    Viele Grüße
    Mischa

  7. Moin Mischa,

    gratuliere dir zu deinem Entschluss und wünsche dir auf deinem Weg alles Gute.
    Ich war selbst zwar nicht so viele Jahre festangestellt, habe aber dieses Jahr auch selbst den Entschluss gefasst, dass es so nicht mehr weitergeht und habe mich selbstständig gemacht.

    Bin gespannt, mehr von dir zu lesen und habe gleich mal deinen Blog abonniert.

    • Moin Deniz,

      danke für deine guten Wünsche!

      In welchem Bereich hast du dich selbstständig gemacht und wie geht es dir mit deiner neuen Freiheit, die bestimmt in einigen Bereichen auch ganz schön anstrengend ist?

      Liebe Grüße und freu mich sehr über dich als Blog-Abonnenten
      Mischa

      • Moin Mischa,

        ich habe mich als Web- und Softwareentwickler selbstständig gemacht.

        Mit meiner neuen Freiheit geht es mir sehr gut. Endlich bin ich in der Lage selbst zu entscheiden an was, wann und mit wem ich arbeite.

        So richtig anstrengend ist es nicht, da ich genau das mache was mir Spaß macht. Ich nehme nur Aufträge an an denen ich Spaß habe, remote arbeiten kann und lasse mir meine Arbeit und meine Expertise gut bezahlen.

        Zusätzlich arbeite ich mit einem Kumpel an einem eigenen Produkt im Bereich eCommerce und Business Intelligence. Mal gucken ob das nicht vielleicht sogar in Richtung passives Einkommen geht.

        Gruß
        Deniz

  8. Hallo Mischa,

    ich folge Dir und Deinem Blog ja schon sehr begeistert einige Zeit. Dabei mag ich u.a. Deinen Schreibstil und auch Deine wohlüberlegten Worte und Gedanken.

    Schön, dass es Dich nun auch hier zu lesen gibt.
    Ich bin sehr gespannt!

    Viele Grüße
    Mädchenpapa, der momentan die 9-to-5-Sklaverei ebenfalls auf dem Prüfstand hat

    • Hi Mädchenpapa,

      ich kenn zwar nicht deinen genauen Namen, weiß aber immerhin, dass du Pfälzer bist, was mir sehr sympathisch ist 🙂

      Den Tag heute werde ich mir rot anstreichen, denn so wurde ich noch nie mit Lob überschüttet. Es freut mich ungemein, dass du zu meinen treuen Lesern gehörst und dir mein Stil gefällt. Denn, ob du es glaubst oder nicht: Selbst als gelernter Schreiber bin ich vor dem Erscheinen jedes Artikels immer noch nervös und sehr gespannt auf die Reaktionen.

      Ich bin auch sehr gespannt, was die Zukunft bringt – und vielleicht magst du auch mal erzählen, wie deine „Prüfung“ ausgefallen ist.

      Liebe Grüße

      Mischa

  9. Hallo Mischa,

    großartig. Ich wünsche dir viel Erfolg als „Digitaler Nomade“.
    Meine eigene Reiselust wurde auch durch einen Bus geweckt. Es war aber kein VW, sondern eine alte Postkutsche von Mercedes, die wir ausgebaut haben.
    Dein Schreibstil ist toll, dein eigener Blog auch. Ich bin mir sicher, du wirst dein Ding machen.
    Wer weiß, vielleicht triffst du ja auch Ute von bravebird.de. Sie ist auch gerade mit einem VW-Bus im Norden unterwegs.

    Alles Gute wünscht dir
    Marina

    • Hallo Marina,

      bei so viel großartigem Zuspruch bleibt mir ja gar nichts anderes mehr übrig, als mein Ding zu machen 🙂 Lieben Dank!

      Ute würde ich in der Tat gerne mal treffen. Wir haben viele Gemeinsamkeiten. Und ihr aktueller Artikel über das Thema Geld in der Freiheit ist ganz wunderbar. Den habe ich heute früh auch auf FB verlinkt.

      Liebe Grüße

      Mischa

  10. Hi Micha!

    Auch mal ein herzliches Willkommen (Zwinkerzwinker 😉 )! Cooler Artikel, mir gefällt deine sympathische Art dich vorzustellen total! Freue mich auf weitere Artikel von dir und nehme aus diesem mal die Inspiration mit, mich weitere neuen Herausforderungen zu stellen. So ein oder zwei Dinge, die ich noch nicht angegangen bin, fallen mir da schon noch ein!

    Liebe Grüße,

    Nils

    • Hi Nils,

      irgendwoher kommst du mir bekannt vor 🙂

      Danke für die Blumen, und Inspirationen sind immer gut. Ich sauge auch täglich welche auf und freue mich immer tierisch, wenn andere sich von mir inspirieren lassen.

      Liebe Grüße

      Mischa

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