Es kann ein langer, steiniger Weg sein, bis man sein Amazon FBA Geschäft soweit gebracht hat, dass es wirklich profitabel funktioniert. Aus diesem Grund gibt es immer mehr Investoren, die daran interessiert sind, die arbeitsaufwendige Startphase zu umgehen. Sie sind bereit eine große Summe Geld in die Hand zu nehmen, um ein laufendes Amazon FBA Unternehmen zu kaufen.

Das Unternehmen DragonFlip hilft Amazon FBA Unternehmern, ihr Geschäft zu verkaufen oder ein passendes zu kaufen. In diesem Artikel geben sie uns einige Tipps an die Hand, worauf beim Kauf und Verkauf zu achten ist. Bühne frei:

Warum verkauft man sein Amazon FBA Unternehmen?

Im Jahr 2017 wurden allein in den USA Amazon FBA basierte Unternehmen im Wert von über 329 Millionen US Dollar verkauft. Die Preisspanne der Listings lag zwischen 2.000 Dollar und 73.000.000 Dollar. Das macht bei insgesamt 174 erfassten Verkäufen einen durchschnittlichen Verkaufswert von 1.892.209 Dollar pro Unternehmen!

Auch wenn es auf den ersten Blick schwierig erscheint jemanden zu finden, der sein gutlaufendes Geschäft verkaufen möchte, gibt es auch auf Verkäuferseite ein relativ reichhaltiges Angebot. Die Gründe für einen Verkauf können vielfältig sein: Von dem Wunsch sich einem anderen Thema anzunehmen, über die Generierung von einer größeren Menge Kapital für eine anderweitige Investition, bis hin zu Änderungen an der aktuellen, persönlichen Ausgangssituation ist hier alles denkbar.

Was ist ein Amazon FBA Unternehmen?

FBA steht für „Fulfillment by Amazon“. Ein Modell, welches in den letzten Jahren immer beliebter wurde, um sich ein Online-Business aufzubauen. Hierbei werden Produkte über den Amazon-Marktplatz verkauft. Das besondere an der Sache ist, dass man dabei die Lagerhaltung, sowie Verpackung und Versand an Amazon auslagert. Dadurch hat man die Möglichkeit sein Amazon Business ortsunabhängig zu betreiben.

Aufgrund dieser Tatsache, der niedrigen Einstiegsbarriere und der Möglichkeit sich ein passives Einkommen aufzubauen, ist dieses Verfahren in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Eine ganze Community mit Social-Media-Gruppen, nützlichen Tools und diversen Coaches und Infoprodukten hat sich rund um diese Thematik gebildet.

FBA Unternehmen kaufen: Welche Preise können FBA Unternehmen erzielen?

Um ein besseres Gefühl für die genaue Preisfindung zu bekommen, schauen wir uns an dieser Stelle die allgemeinen Kriterien an, die bei einer solchen Unternehmensbewertung herangezogen werden. Im nächsten Schritt werfen wir dann gemeinsam einen Blick in die Vergangenheit, um tatsächliche Preise betrachten, die bisher bei derartigen Verkäufen erzielt wurden und wie diese zustande gekommen sind.

Im US-amerikanischen Raum gibt es bereits eine lange Historie von Geschäftsleuten, die FBA Unternehmen kaufen und einige spezialisierte Broker und Plattformen, die beim Verkauf helfen. Der deutschsprachige Markt hingegen ist noch nicht so groß, wie der amerikanische. Hier wurde erst letztes Jahr die Plattform DragonFlip geschaffen, welche zwar bereits erfolgreich verkauft, jedoch noch nicht an die Verkaufszahlen der US-Broker herankommt. Aus diesem Grund betrachten wir die Märkte getrennt voneinander und vergleichen sie dann miteinander.

Als Datenbasis dient zum einen der Jahresbericht 2017 von https://thefbabroker.com/ für den US-Markt und zum anderen die Verkaufszahlen von DragonFlip für den deutschsprachigen Markt. Durch dieses Vorgehen siehst du, welches Entwicklungspotential im deutschsprachigen Raum vorhanden ist und bekommst einen guten Überblick über die Marktlage.

Die wichtigsten Kriterien für die Bewertung eines Amazon FBA Unternehmens

Um ein Gefühl für den Preis und die Preisberechnung eines FBA Unternehmens zu bekommen, muss man die Kriterien kennen, die für die Unternehmensbewertung herangezogen werden.

Der Kaufpreis basiert grundsätzlich immer primär auf dem Deckungsbeitrag, den das Unternehmen im Monat erzielt. Hierfür wird der durchschnittliche monatliche Deckungsbeitrag der letzten sechs bis zwölf Monate genommen. Dieser wird dann mit einem Multiplikator multipliziert, welcher im deutschsprachigen Raum derzeit ca. zwischen 18 und 36 liegt.

Durch diese Berechnung erhält man den Kaufpreis, zu dem in den meisten Fällen noch der Wert des aktuellen Warenbestandes addiert wird – bewertet nach dem jeweiligen Einkaufspreis.

Wie hoch der oben beschriebene Multiplikator ist, hängt von der Erfüllung der Kriterien ab, die im weiteren Verlauf des Beitrags besprochen werden. Man muss vorab festhalten, dass diese Punkte in jedem Einzelfall ein wenig variieren. Je nach Branche sind die Anforderungen an das Business ein bisschen anders und jeder Investor legt sein Hauptaugenmerk auf unterschiedliche Dinge.

Durch die bisherigen Verkäufe kann man zwei sehr wichtige Segmente der „Value Drivers“ identifizieren, die sich in fast jeder Preisfindung in dieser Form abzeichnen:

    • 1. Der aktuelle Ertrag und die Entwicklungsmöglichkeiten, welche das Unternehmen bietet

 

    2. Das Risiko, welches im Optimalfall für den Investor möglichst gering sein sollte.

FBA Unternehmen kaufen: Ertrag, Entwicklungsmöglichkeiten und Risiko

Ertrag und Entwicklungsmöglichkeiten

  • Wie hoch ist der Ertrag des Unternehmens aktuell?
    (Der durchschnittliche monatliche Deckungsbeitrag stellt, wie beschrieben, die Basis für die Berechnung der gesamten Bewertung dar.)
  • Ist eine lückenlose Ertragshistorie vorhanden und auch nachvollziehbar?
    (mindestens 12 Monate, je länger desto besser)
  • In welche Richtung entwickeln sich die Zahlen des Unternehmens derzeit?
    (steigend, stagnierend, fallend)
  • Wie sieht die Wachstumsprognose für das Unternehmen aus?
    (basierend auf der Entwicklung der Zahlen und der aktuellen Marktsituation)
  • Inwieweit ist es für den neuen Eigentümer möglich mit dem Unternehmen und den Produkten neue Märkte und Channels zu erschließen?
  • Ist es möglich die Prozesse und Kosten in Zukunft zu optimieren und somit den Ertrag dadurch zu steigern?

Risiko

  • Kann der Käufer dem Verkäufer vertrauen?
    (Wichtig dafür vor allem: Hohe Transparenz und guter persönlicher Kontakt)
  • Gibt es einen guten und nachvollziehbaren Grund warum das Geschäft verkauft wird?
    (Der Verkäufer muss plausibel erklären können, warum er eine laufende „Gelddruckmaschine“ die er sich selber mühsam aufgebaut hat verkaufen möchte)
  • Bietet der Verkäufer dem Käufer an ihn nach dem Kauf noch einige Monate bei der Übernahme zu betreuen?
  • Ist Diversifikation in den Produkten und Branchen vorhanden oder stützt sich die Unternehmung nur auf eine Branche bzw. nur auf ein einziges Produkt?
  • Wird über verschiedene Amazon Marktplätze (in verschiedenen Ländern) verkauft oder auf anderen Plattformen?
  • Welche Traffic Quellen werden genutzt? Gibt wie einen Newsletter oder Social Media Accounts, die mit verkauft werden?
    (Der Traffic sollte hier am besten reproduzierbar sein, sodass man sich bereits vor der nächsten Kampagne den ungefähren ROI ausrechnen kann.)
  • Ist eine Wortmarke oder Wort-/Bildmarke eingetragen?
    (Ohne Markeneintragung kann das Business normalerweise nicht verkauft werden.)
  • Gibt es auf den angebotenen Produkten Gebrauchsmuster und/oder Patente?
    (Die Produkte sollten am Besten über den Markennamen hinaus geschützt sein, je umfangreicher der Schutz desto besser.)

Mithilfe dieses Fragenkataloges kann der ungefähre Multiplikator für den durchschnittlichen monatlichen Deckungsbeitrag geschätzt und somit ein erster Kaufpreis für das Amazon Business definiert werden. Außerdem kann auf der Basis der Antworten bei den anstehenden Preisverhandlungen sowohl von Käufer- als auch von Verkäuferseite argumentiert werden.

FBA Unternehmen kaufen: Zu welchen Verkaufspreisen?

Welche Preise bei den Abschlüssen dann letztendlich in der Praxis erzielt werden, wollen wir uns nun auch noch gemeinsam anschauen.

Tabelle 1: Aufschlüsselung der Verkäufe n den USA nach erzieltem Preis bei den Deals (n=174)

Wert des Businesses

Anzahl verkaufte Businesses in dieser Kategorie von (von174)

% Anteil an den gesamten Sales (100 %)

Range der Multipier in dieser Kategorie

unter 100k Dollar

42

24,14 %

20,04 bis 25,68 x

100k bis 500k Dollar

67

38,51 %

25,08 bis 33,24 x

500k bis 1 MM Dollar

19

10,92 %

36,12 bis 39,48 x

1 MM bis 2 MM Dollar

15

8,62 %

39,12 bis 47,64 x

2 MM bis 5 MM Dollar

14

8,05 %

45,36 bis 51,48 x

über 5 MM Dollar

17

9,77 %

48,00 bis 55,68 x

Wie man sieht, wurden einige „kleinere“ Verkäufe unter 100.000 Dollar durchgeführt, jedoch wurden auch in den höherpreisigen Kategorien viele Deals abgeschlossen. Insbesondere die Abschlüsse über 5 Millionen Dollar (ca. 10 %), haben den durchschnittlichen Kaufpreis nach oben hin beeinflusst. Insgesamt muss man bei den vorliegenden Zahlen hervorheben, dass knapp 75 Prozent der Unternehmen einen Verkaufspreis von 100.000 Dollar oder mehr erzielt haben.

Der Multiplikator

Im deutschsprachigen Raum bewegt sich der Multiplikator üblicherweise zwischen dem 18- und 36-fachen des durchschnittlichen, monatlichen Deckungsbeitrages. In den USA fällt der Multiplikator in den meisten Fällen deutlich höher aus. Hierbei spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen ist der Markt für Amazon basierte Unternehmen in den USA schon deutlich älter und hat deshalb auch einen größeren Pool an potentiellen Interessenten.

Auf der anderen Seite ist es auffällig, dass der Multiplikator fast direkt proportional zum Kaufpreis wächst. Wenn das Unternehmen also einen hohen durchschnittlichen monatlichen Deckungsbeitrag hat, profitiert man doppelt davon, indem sowohl der Ausgangswert als auch der Multiplikator steigt. Mit kleinen Unternehmen lassen sich trotzdem sehr vorzeigbare Verkaufsergebnisse erzielen.

Nach diesem umfassenden Blick auf den US-Markt wollen wir uns nun noch den deutschsprachigen Markt ansehen.

FBA Unternehmen kaufen auf dem deutschsprachigen Markt

Im deutschsprachigen Raum liegt leider keine derart ausführliche Datenbasis wie in den USA vor. Die folgenden Aussagen basieren ausschließlich auf acht Verkäufen, die von DragonFlip von September 2017 bis Juni 2018 getätigt wurden.

Aufgrund dieser relativ niedrigen Anzahl an Verkäufen und einem Gesamtverkaufswert von “nur“ 821.500 Euro, lassen sich noch keine belastbaren Aussagen über Zusammenhänge, beispielsweise zwischen Multiplikator und Kaufpreis treffen. Im Folgenden sind die vorliegenden Zahlen und Daten aus den bisherigen Verkäufen aufgeführt. Dabei stehen insbesondere die Zahlen im Vordergrund, die für einen potentiell bevorstehenden Deal relevant sein könnten:

Tabelle 2: Daten aus den Verkäufen auf der Plattform Dragonflip.com im Jahr 2017 (n=7)

Gesamte Range

Durschnitt Ø

Verkaufspreis (netto)

9.000 € bis 440.000 €

102.687,50€

Tage bis zum Verkauf

15 bis 161

66,5

Erreichter Multiplikator

12,86 bis 21

18,51

Man erkennt also deutlich, dass der deutschsprachige Markt im Gegensatz zu den USA eher noch in den Kinderschuhen steckt. Trotzdem wurde bereits ein Verkauf im Wert von 440.000 € getätigt. Außerdem konnte bei einem Deal ein Multiplikator von 21 Mal erzielt werden.

Wenn jedoch die „größeren Spieler“ in den deutschsprachigen Markt kommen, können diese Zahlen sehr schnell auch ein Vielfaches der heutigen Werte erreichen. Dafür ist es wichtig, dass wir die USA und die dort erzielten Verkaufspreise nicht als „unerreichbaren Vorreiter“, sondern als eine Art „Vorbild“ sehen. So kann sich der Markt für Amazon-basierte Unternehmen sowohl auf Käufer- als auch auf Verkäuferseite in den nächsten Jahren weiter gut entwickeln.

Fazit

Auch wenn im deutschsprachigen Raum derzeit noch lange nicht die Preise wie in den USA erzielt werden, so kann der Verkauf eines Amazon FBA Unternehmens auch hier je nach den individuellen Gegebenheiten sinnvoll und auch sehr lukrativ sein. Wer in den letzten zwölf Monaten einen Deckungsbeitrag von über 50.000 Euro erzielt hat und zudem eine Wortmarke oder Wort-/Bildmarke registriert hat, kann sein FBA Business über die deutsche Plattform DragonFlip verkaufen.

Wer mit dem Gedanken eines Verkaufs spielt, kann sich dort eine erste Unternehmensbewertung einholen. Außerdem sollte man 3-6 Monate für den Verkauf einplanen, denn die Erfahrungswerte zeigen: Je früher ein Unternehmer anfängt potentielle Käufer für sein FBA Business zu suchen, desto mehr Interessenten finden sich und desto höher fällt dann im Endeffekt auch der Kaufpreis aus.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Marta Rechul
Über den Autor

Marta Rechul

Marta ist Online-Unternehmerin. Mit ihrem Hörbuch-Service Liberaudio (Hörbuch Produktion & Vertrieb) verhilft sie Experten zu mehr Umsatz mit ihren Büchern. Sie ist Mitglied im Citizen Circle, den sie als Community Managerin mit betreut. Ihre größte Leidenschaft gilt allerdings dem Poolbillard.

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