Wer von uns reisefreudigen Menschen kennt das nicht: „Sehr geehrte Damen und Herren, die Abflugzeit des Fluges LMAA-0815 wird sich auf unbestimmte Zeit verschieben.“ Der Flug hat eine stundenlange Verspätung, das Wetter sorgt für Chaos oder das Flughafenpersonal ist mal wieder im Streik. Ich kann ein Lied davon singen. Erfahre, welche Rechte du als Passagier bei Flugverspätung hast.

Zuvor hier meine persönlichen Highlights aus meinen Erfahrungen der letzten Jahren:

20 Stunden Wartezeit in Helsinki wegen Flugverspätung

Am Flughafen Helsinki saß ich einmal 20 geschlagene Stunden fest, weil eine Air-Berlin Maschine in Tegel aufgrund von Schneeverwehungen nicht abheben konnte. Das Interessante an diesem Vorfall war, das in Helsinki deutlich mehr Schnee lag, als in Berlin. Nach einer Wartezeit von 10 Stunden am Gate, wurde uns dann für die restlichen paar Stunden ein Hotelzimmer angeboten.

2 Tage Flugverspätung

Am Flughafen Schiphol in Amsterdam wurde ich einmal wieder nach Hause geschickt (nach 3 Stunden Anreise mit dem ICE) weil der Flug um 2 Tage verschoben wurde. Der Anruf, in welchem ich über den gecancelten Flug informiert wurde, erreichte mich exakt eine Sekunde nachdem ich in Amsterdam aus dem Zug gestiegen war.

Sturm, Notlandung und eine kranke Passagierin

Ein Flug nach New Ark (New York) musste einmal wegen eines Sturms in New York gecancelt werden. Daraufhin wurde ich über Minneapolis umgeleitet. Im Anschlussflieger von Minneapolis nach New York sorgte dann eine Notlandung in Detroit für weitere Verspätungen. Eine Passagierin der ersten Klasse fühlte sich „nicht so gut“, flog dann nach dem Ärztecheck am Boden in Detroit und 2 Stunden zusätzlicher Verspätung aber weiter mit uns bis nach New York. Toll, was US Airways für die Passagiere tut.

8 Stunden in London wegen Flugverspätung

Während Vulkanasche über Europa niederging, saß ich 8 Stunden in London fest und hoffte auf eine Zugfahrkarte für den Eurostar. Leider gab es für diesen keine freien Plätze mehr und ich musste die Zeit am Flughafen totschlagen. Wer Stansted kennt, der weiß wie langweilig es dort ist.

Sicher geht es vielen von Euch ähnlich. Jeder hat seine Geschichten zu diesem Thema. Auch jetzt gerade in diesem Augenblick sitzen wieder Tausende von Passagieren in Köln, Düsseldorf und Hamburg aufgrund der dortigen Streiks am Boden fest.

Klar, es ist eine gute Sache, dass es Streiks gibt und wer schlecht bezahlt wird, sollte dafür kämpfen, dass sich etwas ändert. Trotzdem ist das Erlebnis, am Flughafen zu stranden, nur lustig wenn man es rückblickend betrachtet. Für den gegenwärtig Reisenden ist es eine Qual. Entweder man besäuft sich hemmungslos oder man bezahlt horrende Preise für den Internetzugang, um ein wenig surfen zu können.

Deine Rechte bei Flugverspätung, Unwetter und Streiks

Der Passagier hat deutlich mehr Rechte als es manch einem Reisenden bewusst ist. Die wichtigsten Rechte des Fluggastes (z.B. bei Streik) will ich Euch hier einmal auflisten:

Umbuchung:

  • kostenlos, so schnell wie möglich
  • Bei Langstrecke: auf andere Airline oder späteren Flug
  • Bei Kurzstrecke: auf die Bahn

Reiserücktritt:

  • wenn der Flug mehr als 5 Stunden Verspätung hat, wird der Kaufpreis erstattet
  • bei Reiserücktritt verfallen Ansprüche wie Unterkunft und Verpflegung

Benachrichtigung (Alternativ):

  • kostenlos 2 Telefonate
  • kostenlos 2 Faxe
  • kostenlos 2 E-Mails

Essen und Getränke:

  • stehen im Verhältnis zur Wartezeit
  • bei 3 Stunden Verspätung gibt es ca. 10,- Euro (Gutschein)
  • Gutschein gilt für Reataurant im Flughafen

Unterkunft:

  • Wenn Flug über Nacht Verpätung hat: kostenloses Hotelzimmer
  • Transfer zum Hotel muss auch angeboten werden
  • Feldbetten im Terminal ist nur im Notfall erlaubt (keine Zimmer frei)

Pauschalreisende:

  • Reiseveranstalter muss Ersatzbeförderung organisieren
  • Verspätung über 4 Stunden: Reisepreis kann gekürzt werden

Anschlusflüge:

  • Anschlussflüge der selben Airline müssen neu organisiert / angeboten werden
  • verpasste Anschlussflüge bei unterschiedlichen Airlines werden nicht ersetzt

Habe ich noch etwas vergessen? Falls ja, bitte ich Euch um weitere Hinweise. Wer zudem noch besonders spannende Geschichten passend zum Thema hat, der möge diese hier mit uns teilen, ich freue mich darauf!

Titelbild: Kazutaka Yagi

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

4 Antworten zu “Pyjamaparty am Flughafen
Welche Rechte hat der Passagier?”

  1. Meine letzten Erfahrungen solch langer Flugverspätungen liegen schon länger zurück. Als ich noch ein Kind war mussten wir mal eine Nacht im Flughafenterminal verbringen. Es gab ein kleines Tetrapack als Getränk, irgendeinen Snack und geschlafen haben wir auf den Stuhlreihen. An mehr kann ich mich nicht erinnern – aber es waren bescheidene Umstände diese Nacht.

    Falls wieder mal so etwas passiert, habe ich nun Anhaltspunkte dank deiner Übersicht. Danke.

    LG
    Christina

    • Ich hoffe, die Stuhlreihen hatten wenigstens keine Lehnen. Die Verbiegungen, die man auf Stuhlreihen mit Lehnen machen muss, sind ja schon höhere Yogakünste 😉 Als Kind war es aber vielleicht noch leichter, dort zu schlafen. Danke für deinen Kommentar und die netten Worte. LG, Tim

  2. Wer Rechte auflistet, sollte auch die rechtlichen Grundlagen nennen. Für Flüge aus der EU und (im Falle von Unternehmen aus der EU) auch für Flüge aus Drittländern in die EU gilt die folgende Verordnung:
    http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2004:046:0001:0007:de:PDF

    Bei einer Annulierung ist für Fluggäste besonders die pauschale Ausgleichszahlung (bemessen nach der Länge der Strecke) interessant, vgl. Art. 5 I c) i.V.m. Art. 7.
    Oftmals werden die Flugunternehmen sich dann auf auf „außer-
    gewöhnliche Umstände“ i.S.d. Art. 5 III berufen. Nach EuGH-Rechtsprechung sollen solche außergewöhnliche Gründe z.B. keine technischen Probleme, die auf mangelnde Wartung zurückgehen, erfassen; Streik und ungewöhnliche Wetterlage (Aschewolke) können dann aber schon darunter fallen.

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