Die Diätindustrie macht jedes Jahr Milliardenumsätze mit Wunderpulvern, Abnehmpillen oder Speck-Weg Gürteln. Ein unglaublicher Zirkus, der den Menschen dabei helfen soll, ihre Pfunde zu verlieren.

Dabei funktioniert Abnehmen eigentlich total einfach: Man muss dem Körper lediglich weniger Kalorien zuführen, als man verbraucht. Das ist schon alles! Das einzige Problem dabei ist die Willenskraft. Pillen braucht kein Mensch, trotzdem werden sie massenweise verkauft.

Warum das so ist? Hier meine Theorie: Menschen geben liebend gern Verantwortung ab. Wenn ich jeden Tag eine Diätpille nehme und trotzdem keine Kilos verliere, dann ist schließlich der doofe Pillenhersteller schuld, dass es nicht klappt.

Wenn ich mir aber eingestehe, dass ich schlicht und ergreifend weniger Kalorien zu mir nehmen muss, als ich verbrauche, dann trage ich ganz allein die Last der Verantwortung. Eigenverantwortung wiegt schwer. Darauf hat keiner Bock.

Was Verantwortung mit Business zu tun hat?

Ich finde, mit dem Erfolg im eigenen Business verhält sich das häufig ganz genau so. Wir geben gern die Verantwortung ab und suchen daher Möglichkeiten, die Schuld des Misserfolgs auf anderen Schultern zu verteilen.

Ich kenne das von mir selbst, ein Phänomen, dass vor allem in den ersten Monaten der Selbstständigkeit weit verbreitet ist. Die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg liegt aber fast immer ganz allein bei einem selbst.

Selbstständig gemacht – und dann?

Klar, die Selbstständigkeit ist der erste logische Schritt, wenn du flexibler und selbstbestimmter arbeiten möchtest. Du kündigst also den verhassten Job, schließlich träumst du davon, als digitaler Nomade aus der Strandhütte arbeiten zu können, oder einfach mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können.

Du denkst dir: „Alles kein Problem. Die Kunden kommen schon, wenn ich durchhalte“. Im Notfall, sagst du dir,  gehst du halt zur Beratungsstelle. Andere haben es ja auch geschafft.

Die Wochen streichen ins Land, aber die Kunden kommen einfach nicht. Du sitzt im Home-Office und suchst Aufträge bei Elance, nimmst kleinere Jobs bei Websites wie Machdudas.de an, aber machst unterm Strich keine 300,- Euro im Monat. Das Telefon klingelt nur, wenn Mutti anruft.

Das Ticket nach Thailand ist auch noch zu teuer. Die Miete ist wichtiger und den Gründerzuschuss hast du auch nicht bekommen.

Frau Meier von der Gründerberatung schaut dich an wie ein Auto, nachdem du ihr erklärt hast, dass du ortsunabhängiger Online-Unternehmer werden willst. Die einzigen Nomaden, die Frau Meier kennt, sind Mietnomaden, und die mag sie nicht. Sie rät dir „lieber wieder einen Job zu suchen“.

Es gibt viele Gründe, die dafür sorgen können, dass deine Selbstständigkeit nicht so richtig ans Laufen kommt. Ein paar entscheidende Gründe, die mich selbst häufig ausgebremst haben, und ich daher allzu gut kenne, liste ich in diesem Artikel auf. Vielleicht helfen sie dir, schneller die Kurve zu bekommen.

#1 Du hast die falsche Akquise-Strategie (oder hast gar keine)

Kunden kommen im seltensten Fall von allein (es sei denn du hast eine Eisdiele im Prenzlauer Berg). Deine Strategie, an Kunden heran zu kommen, sollte also schon lange vor deiner Selbstständigkeit feststehen. Ich würde sogar sagen: Die Akquisestrategie ist das wichtigste Element deiner Selbstständigkeit.

Ich habe auch lange gebraucht, bis ich die für mich richtige Strategie gefunden habe und bin zu Beginn dem Irrtum unterlaufen, dass irgendwann schon die Kunden kommen würden, ohne dass ich eine Strategie dafür habe.

Nicht ohne Grund bekommen in großen Unternehmen die Mitarbeiter im Vertrieb das beste Gehalt. Alle finden Akquise doof, aber es ist nun einmal das Herzstück eines erfolgreichen Geschäftes. Das ist nicht anders, wenn man Dienstleistungen oder Produkte online vertreibt.

Ein Blog zum Beispiel ist im Grunde nichts anderes, als eine geschickte (und langfristig ausgelegte) Akquisestrategie. Man baut Vertrauen auf, zeigt seine Expertise, und erzeugt vor allem Reichweite. Ein Blog ist somit ein klassischer Verkaufstrichter. Daran ist überhaupt nichts Verwerfliches.

Ein Blog kann somit ein wichtiges Element deiner Akquise-Strategie ein. Es gibt aber auch noch viele weitere Möglichkeiten: Von Telefonakquise über Adwords bis hin zu anderen Medien.

Du musst also herausfinden, welcher Verkaufstrichter für dich Sinn macht, und diesen gezielt aufbauen. „Überall ein bisschen“ oder „einfach mal machen“ bringt dich nicht weiter. Du solltest dir in Ruhe eine Strategie überlegen, die zu deinem Produkt oder deiner Dienstleistung passt.

#2 Deine Selbstvermarktung ist mies bzw. Du verkaufst dich nicht gut

Wer sich als Experte positionieren will (oder wer z.B. einen Blog als Verkaufstrichter nutzen will), der muss lernen, sich selbst zu vermarkten. Hierfür gibt es sehr unterschiedliche Strategien, aber die wirklich erfolgreichen davon, haben einiges gemeinsam. Ganz vorne dabei ist die Authentizität. Du musst „du selbst“ sein, und zu dir stehen.

Selbstvermarktung bedeutet nicht, eine Maske aufzusetzen und etwas vorzuspielen. Es bedeutet, seine Talente und sein Können in den Vordergrund zu stellen. Zeige deine Schokoladenseite, aber verleugne deine Schwächen nicht. Das macht dich nämlich nicht nur authentisch, sondern auch einfach sympathisch und menschlich. Menschen wollen Geschäfte mit Menschen machen.

Neben der Authentizität musst du dich vor allem auch aus der Deckung trauen und akzeptieren können, dass es immer Menschen geben wird, die dich oder das, was du tust, doof finden. Menschen, die gut finden, was du tust, gibt es ja trotzdem. Wer nicht auch mal jemandem auf den Schlips tritt, der vermarktet sich nicht gut. Du musst polarisieren – jedoch ohne Authentizität zu verlieren.

Ich habe erst durch das Bloggen über Jahre hinweg gelernt, mich aus der Deckung zu trauen. Mit jedem Blogpost einen Zentimeter mehr. Man kann mittlerweile so ziemlich alles über mich im Netz erfahren. Ich habe mich sozusagen nackig gemacht. Nachteile hat mir das aber noch nie gebracht. Vor 5 Jahren wäre das aber für mich noch völlig unvorstellbar gewesen.

#3 Du findest nicht die Mitte zwischen Perfektionismus und Lieblosigkeit

Wichtiges Thema, das oft zu wenig Beachtung findet. Es gibt viele Perfektionisten da draußen, die sich unendlich lange mit Kleinkram aufhalten können, weil sie immer alles perfekt haben möchten. Das kann das eigene Website-Design sein, die Texte eines E-Books oder eine Dienstleistung für einen Kunden.

In meinem Bereich, der Erstellung von CAD-Zeichnungen, kenne ich solche Spezis, die sich dann mit kleinen Zeichnungsdetails stundenlang aufhalten, anstatt sich auf Dinge im größeren Maßstab zu fokussieren und die Zeichnung zeitnah fertig zu stellen.

Es gibt aber auch das Gegenteil. Menschen, die immer alles ganz schnell machen müssen und keine Geduld haben (und dabei oft eine Arbeit zu schnell abschließen, obwohl die Qualität einfach noch schlecht ist). Das sieht man häufig im Netz an miserabel umgesetzten Websites, bei denen einem die Augen bluten.

Lange Rede kurzer Sinn: Sei vorsichtig, dass du zwar immer gute Arbeit ablieferst, aber auch in einem angemessenen Zeitrahmen dabei bleibst. Ein Problem, dass vor allem für Dienstleister schnell zur Falle werden kann. Schließlich bekommst du nur eine gewisse Anzahl an Stunden für eine Arbeit bezahlt. Aber auch für alle anderen ist Zeit etwas, das man sinnvoll einteilen muss.

#4 Deine (potentiellen) Kunden sind dir nicht wichtig genug

Hege deine Kunden wie einen Schatz. Sie sind zugleich deine besten Neukunden. Wer einmal bei dir eine Dienstleistung abgerufen hat und zufrieden war, ein E-Book gekauft oder ein gehäkeltes Kissen bestellt hat, der wird es vermutlich auch noch ein zweites Mal tun. Die Reaktivierung von „Bestandskunden“ ist grundsätzlich immer viel leichter als die Neukundengewinnung.

Wenn du Produkte anbietest, dann sammle fleissig die E-Mail Adressen deiner Kunden und halte sie auf dem Laufenden, versorge sie mit Infos über neue Produkte, sende ihnen regelmäßige Updates. Kurz: Baue eine Beziehung zu Ihnen auf!

Eine Zeit lang habe ich Kunden, die mich (aus welchen Gründen auch immer) genervt haben, mit denen ich aber schon über Monate gearbeitet hatte, benachteiligt behandelt gegenüber Neukunden, die mir auf Anhieb sympathisch waren. Wie dumm von mir! ich will gar nicht wisssen, wie viel Umsatz mir dadurch verloren gegangen ist.

Mittlerweile pflege und hege ich Beziehungen zu Stammkunden und lebe zu über 80% von Ihnen. Ich freue mich natürlich auch immer über Neukunden (schließlich sind sie ja potentielle Stammkunden). Aber die Stammkunden geben dir eben eine gewisse Sicherheit.

Das gilt im Übrigen nicht nur für Dienstleistungen. Sorge immer dafür, dass deine Kunden happy sind. Wenn ein Käufer dein E-Book doof findet und sein Geld zurück haben will, dann zahle es ihm ohne Murren zurück. Wenn jemand dir eine Mail schreibt und eine Anregung für dein Produkt hat, dann nimm die Anregung ernst und bedanke dich. All diese „Kleinigkeiten“ machen am Ende unglaublich viel aus.

#5 Du ruhst dich zu schnell auf kleinen Erfolgen aus

Das gilt für viele Bereiche, zum Beispiel für deine Einnahmen. Wenn deine Einnahmen wachsen, und du merkst, dass du bereits davon leben kannst, dann setze dich nicht in den Sessel und denke dir „Yipppeh ich habs geschafft“.

Wer selbstständig ist, muss Rücklagen schaffen. Das was reinkommt, ist nicht alles dafür da, von dir auf den Kopf gehauen zu werden. Spätestens wenn das Finanzamt anklopft, wirst du dich wundern.

Außerdem benötigst du Geld, um reinvestieren zu können. Wer alles verprasst, und nicht investiert, der wird logischerweise auch nicht wachsen. Als Selbstständiger muss man unbedingt lernen, mit Geld umgehen zu können. Für mich war das eine der größten Herausforderungen, und ich arbeite immer noch an mir.

Angenommen du hast einen großen Job abgeschlossen, und 3.000 Euro verdient. Bedeutet dies, dass du den nächsten Monat einfach mal frei machen kannst? Eher nicht. Kannst du zwar machen, aber dann kämpfst du immer nur ums Überleben und kommst nie auf einen grünen Zweig. Die Füße hochlegen sollte man erst, wenn man ein saftiges Polster hat.

Brauchst du Unterstützung?

Wenn du dich in einem oder mehreren dieser Gründe wiederfindest, dann ist das nicht ungewöhnlich. Jeder durchläuft am Anfang die eine oder andere Lernkurve, und das Lernen hört nie auf. Ich will dich nicht entmutigen, aber ich bin halt ein Realist. Das ist meine Rolle. Die Wahrheit ist: Man muss erst herausfinden, welche Strategien gut funktionieren und welche nicht.

Unterstützung auf dem Weg, dein Online-Business endlich erfolgreicher zu machen, bekommst du kurz und intensiv auch im Citizen Circle. Dort geben wir dir nicht nur mit auf den Weg, was allgemein gut funktioniert und welche Strategien für dein Business gut geeignet sind, sondern du kannst dich zugleich mit Gleichgesinnten austauschen, dein Netzwerk ausbauen und von uns und den Projekten anderer lernen.

Nichts (wirklich mit Abstand nichts) hat mir in meiner Selbstständigkeit so geholfen, wie mich mit andern Menschen zu vernetzen, die ähnliche Dinge tun. Wenn du dieses Netzwerk noch nicht hast, dann ist der Citizen Circle der ideale Start dazu.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

7 Antworten zu “5 Gründe, warum dein Business nicht gut läuft und Lösungen”

  1. Sehr unterhaltsam geschrieben! Und zu jedem Punkt möchte man jetzt gern in die Tiefe gehen und mehr wissen. Das macht Lust auf Euren Mastermind Workshop – obwohl ich noch nicht ganz sicher bin, dass ich die richtige Zielgruppe dafür bin… Insofern, jedenfalls: Alles richtig gemacht 🙂

  2. Hi Tim,

    eine sehr hilfreiche Zusammenstellung, bei der ich hin und wieder an meinen eigenen Werdegang zurückdenken musste. Online läuft man tatsächlich Gefahr, leicht den Fokus zu verlieren – das ging mir auch so, bzw. ist teilweise immer noch der Fall. Die Selbständigkeit ist auch ein permanenter (Optimierungs-)Prozess, bei dem man sich weiterentwickeln muss, sich auch hin und wieder „neuerfindet“ oder zumindest ein paar Stellschrauben neu justieren muss. Dein Artikel hat mich jedenfalls inspiriert und mich über meine eigenen Tätigkeiten nachdenken lassen – vielen Dank dafür! Auch für Deine persönliche Geschichte, die Dich zum Unternehmer gemacht hat und sicherlich vielen anderen Menschen, die eine ähnliche Richtung einschlagen, Mut macht.

    • Hey John. Danke Dir! Freu mich, dass ich dich zum Grübeln bringen konnte. Bin voll bei dir, dass Selbstständigkeit ein nie endender Optimierungsprozess ist! Weiterentwicklung auf allen Ebenen, persönlich und geschäftlich ist das A und O

  3. Hallo Tim,

    ich bin selbst seid einem Jahr Unternehmer und kann nur sagen, dass die Zeiten manchmal echt turbulent sind. Man ist noch neu und macht viele Fehler. Man zahlt immer wieder Lehrgeld. Mein Team bekommt als erstes Geld und ich muss zum Schluss sehen, was übrig bleibt. Manchmal ist es mehr, manchmal ist es weniger. Was mir besonders hilft, ist eine interne Buchhaltung. Was der Steuerberater macht, ist oft nicht aussagekräftig, um zu entscheiden, ob dieses oder jenes Projekt erfolgreich war. Zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass ich genug Geld verdienen würde, doch als ich dann meine interne Kosten- und Leistungsrechnung aufgesetzt habe, konnte ich sehen, dass ich eigentlich nicht genug Geld verdiene und ich jeden Monat Verluste einfahre. Wie geht das? Ich hatte doch Geld auf meinem Konto? Naja, in der Berechnung werden halt auch Abschreibungen einberechnet. Z.B. wenn du dir einen Computer kaufst. Der kostet 1000 Euro und hält drei Jahre. In drei Jahren brauchst du also einen Neuen und somit musst du jeden Monat 28 Euro erwirtschaften, damit du dir dann einen Neuen kaufen kannst. Das ist nur eine Kleinigkeit von vielen, warum eine interne Buchhaltung wirklich viel Sinn macht. Wer jetzt leichte Übelkeit und einen Würgreflex entwickelt, wenn er das Wort Kosten- und Leistungsrechnung hört, dem möchte ich dieses Buch empfehlen:

    http://www.amazon.de/Kosten–Leistungsrechnung-macchiato-Cartoonkurs-Scientific/dp/3868941789/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1415271513&sr=8-1&keywords=kosten+und+leistungsrechnung+macchiato

    Das Buch ist eigentlich an Schüler adressiert, hat mir aber einen sehr leichten Einstieg in das Thema gegeben.

    Viele Grüße

    Melanie

  4. Sehr guter Artikel Tim, der wirklich die wichtigsten Dinge hervorhebt. Vor allem Punkt #1 und #5 finde ich sehr wichtig. Zu Punkt #5: Ich habe lange Zeit als selbstständiger Spieleprogrammierer gearbeitet. Dort habe habe ich teilweise ein halbes Jahresgehalt als Vorschuss oder für den Abschluss eines Projekts bekommen. In meinem Freundeskreis gab es darüber immer erstaunen wie man nur soviel Geld verdienen kann und warum ich jetzt nicht erstmal in Urlaub fahre. Ich musste dann bei jedem neuen Projekt von neuem erzählen, dass ich mit diesem Geld mehrere Monate auskommen muss und in der Zwischenzeit an dem Projekt, für welches das Geld gedacht ist arbeiten muss. Wenn ich schon sehe, dass viele sich ein Monatsgehalt schon nicht richtig einteilen können, weiß ich warum soviele Leute in der Selbstständigkeit scheitern wenn sie mal, wie du in deinem Artikel angesprochen hast, eine größere Summe auf einmal verdienen.

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