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Digitales Nomadentum meets Plastikproblematik


Im Oktober 2016 ging es für Lisa mit einem One-Way Ticket und einem Handgepäck Rucksack nach Thailand. Geplant war eigentlich “nur” eine kleine Weltreise von ein paar Monaten. Doch abgesehen von herzlichen Menschen, wunderschönen Landschaften, sowie neuen Kulturen und Lebensweisen begegnete ihr vor allem eins: Plastik – und das praktisch überall.


Wie Lisa daraus ein erfolgreiches Online-Unternehmen gründete, erfährst du in diesem Artikel.

Ob an den Stränden von Bali oder während einer dreistündigen Zugfahrt in Myanmar, teilweise sah Lisa mehr Müll als Natur. Ihr wurde schnell klar: Dagegen muss etwas unternommen werden. In diesem Beitrag erzählt dir Lisa, wie auf Reisen eine nachhaltige Geschäftsidee entstand und welche Herausforderungen sie auf dem Weg in die Selbständigkeit begleiten.

Wie aus einem One-Way Ticket nach Thailand eine nachhaltige Business-Idee wurde:

Meine Reise führte mich von Thailand, nach Laos, Vietnam, Kambodscha, die Philippinen und Japan, im Anschluss ging es für mich weiter nach Bali. Der Plan war es zunächst nur 2 Wochen auf der indonesischen Insel zu bleiben, bevor es wieder weiterging. Das Reisen war damals bei mir noch viel schneller ausgelegt, als es das heute ist. Auf Bali entdeckte ich recht schnell die Digitale-Nomaden-Szene – Menschen, die von überall auf der Welt arbeiten konnten: so auch vom Strand auf Bali.

Okay, zugegeben, mit Laptop am Strand zu arbeiten, ist eher eine Vorstellung von vielen Menschen – in Wirklichkeit ist es ziemlich unbequem, mit dem ganzen Sand und der Sonne auf dem Bildschirm.  Abgesehen von der großen Digitalen-Nomaden-Szene mit Menschen aus der ganzen Welt, fiel mir vor allem auch eins auf: Die einst traumhaften Strände waren häufig vermüllt. Vor allem abseits der typischen Touristenregionen fand ich unzählige alte Plastikflaschen- und tüten, Flip-Flops und Verpackungsmüll.

Mehr Plastik als Muscheln… 

… sah ich an vielen Stränden auf Bali. Mir wurde schnell klar: Dagegen muss etwas unternommen werden. Und genau diese Plastikproblematik gepaart mit der Digitalen-Nomaden-Szene wurde schließlich auch zur Geburtsstunde von EcoYou. Zunächst organisierte ich vor Ort Clean Ups und langsam entwickelte sich eine Community aus Locals, Reisenden und auch Digitalen Nomaden, welche zusammen die Strände säuberten. 

Parallel startete ich mit einem Blog über das Thema Nachhaltigkeit & plastikfrei Leben. Hier können Leser*innen Tipps zu einem plastikfreien Leben finden. Zudem postete ich auf Social Media Bilder von der Plastik-Problematik auf Bali. 

Auch wenn es zu Beginn nicht wirklich danach aussah, wuchs die Anzahl der Menschen, die unserem Account auf Instagram folgten langsam immer mehr. 

Nachdem unsere Community und die Fragen nach mehr Nachhaltigkeit immer größer wurden, entwickelten wir unser erstes nachhaltiges Produkt.

Plastik-Trinkhalme sind ein klassisches “einmal benutzen und danach wegwerfen Produkt“. Ich dachte mir: „Hier muss es doch eine nachhaltige Alternative geben.“ In einer lokalen Facebook-Gruppe auf Bali entdeckte ich dann zufällig einen Post von einer Familie, die auf Bali Trinkhalme aus Bambus produzierte. So wurde ich direkt auf den Post aufmerksam und schaute mir die Produktion der Trinkhalme aus Bambus genauer an. Die Bambushalme wurden von einer Familie auf Bali unter nachhaltigen und fairen Bedingungen produziert. Ein Punkt, der uns auch heute noch sehr wichtig ist. Die nachhaltigen Strohhalme wurden so das erste Mitglied der EcoYou Produktfamilie. 

Nachdem unsere Community über die Zeit immer größer wurde, wuchs auch die Nachfrage und das Interesse nach weiteren nachhaltigen Produkten immer weiter. 

Unser zweites Produkt waren dann wiederverwendbare Obst- und Gemüsebeutel. Mit den Gemüsebeuteln soll vor allem Plastiktüten für Obst und Gemüse eingespart werden. Im Ausland (und auch hier in Deutschland) wurde teilweise ein einzelner Apfel in eine Plastiktüte eingepackt, das muss nicht sein. Mit Beuteln aus Bio-Baumwolle kann so täglich einiges an Plastik eingespart werden.

Mehr Produkte = mehr Herausforderungen?

Während bei den Trinkhalmen die Entwicklung noch ziemlich einfach war, war die Entwicklung der Gemüsebeutel schon um einiges anspruchsvoller. Wie viel Gemüsebeutel sollen unser Set beinhalten und welche Größen sind optimal? Wie sollen die Beutel verpackt sein und welche Regularien und Gesetze gibt es? Fragen wie diese und noch mehr schwirrten mir im Kopf herum. So begann ich auch die Nachhaltigkeitskriterien für unsere Produkte zu entwickeln und baute mir ein Netz aus passenden Produktionspartnern auf, welche eine nachhaltige und faire Produktion ermöglichten. 

Als Vertriebsweg entschieden wir uns damals auch die Produkte auf Amazon anzubieten. Auch hier gab es jede Menge zu lernen: Wie optimiere ich meine Produkt-Listings, um auf Amazon gefunden zu werden und was gibt es noch zu beachten?

Da ich während der Anfangszeit selbst als Freelancerin im Bereich Amazon Optimierung arbeitete, war dies auf alle Fälle ein nützliches Know-how. 

Der Vorteil bei Amazon lag auf alle Fälle auch darin, ohne große Fan-Base unsere Produkte anzubieten und den Alltag der Nutzer:innen nachhaltiger zu gestalten.

Wir wollten auch Zero Waste Anfänger:innen den Einstieg erleichtern und sie daher dort abholen, wo sie waren, dies war damals in unserem Fall auf Amazon. Während Rücksendungen von anderen Anbietern häufig vernichtet werden, konnten wir mit einem fairen Start Up eine Kooperation aufbauen. So werden alle Rücksendungen aufgearbeitet und Menschen erhalten die Möglichkeit, günstiger an die Produkte zu kommen.

Neben dem Amazon Vertriebsweg war es uns von Anfang an wichtig, auch unabhängig von Amazon zu sein und starteten daraufhin unseren eigenen nachhaltigen Online-Shop.

Die Entwicklung von physischen Produkten dauert häufig einige Monate – umso schöner ist es dann am Ende das fertige Produkt in der Hand zu halten. 

Noch mehr freut es mich, wenn ich Menschen treffe, die unsere Produkte benutzen – auf einem Yoga Retreat erzählt mir eine Teilnehmerin, dass sie sich einen nachhaltigen Rasierhobel gekauft hat und war ganz happy darüber. Später im Gespräch stellte sich heraus, dass sie sich einen EcoYou Rasierhobel geholt hatte. Solche Momente sind für mich immer die Schönsten.

Mittlerweile sind wir ein Team von 8 Personen, die alle remote arbeiten. Auch haben wir seit einigen Jahren ein kleines Büro in Berlin. Hier besteht die Möglichkeit für jedes Team-Mitglied zu arbeiten. Ob 100 % remote oder auch vor Ort, unser Team kann sich aussuchen, was am besten zu ihm/ihr passt. Unser Sortiment umfasst mittlerweile über 40 Produkte, wie u.a. den Rasierhobel für eine nachhaltige Rasur.

Manchmal muss man sichere Dinge hinter sich lassen, um am Ende zufrieden zu sein

Auch wenn das Unternehmertum täglich neue Herausforderungen an mich stellt, liebe ich es selbstständig und eigenständig zu arbeiten und neue Ideen zu entwickeln. 

Vor meinem Studium in Wirtschaftspsychologie & Marketing machte ich eine Ausbildung zur Industriekauffrau und arbeitete einige Jahre in diesem Beruf. Relativ schnell wurde ich unzufrieden mit meiner Tätigkeit. Mir fehlte es mich frei zu entfalten und sah den Sinn der Arbeit nicht. Ich wusste, so konnte es nicht weitergehen. Auch wenn mir alle Menschen aus meinem damaligen Umfeld davon abrieten, einen „sicheren Job“ zu kündigen, bereue ich mit keiner Sekunde diese Entscheidung. 

Auf Bali lebte ich während der Entstehung von EcoYou knapp 1 Jahr am Stück. Gerade die Digitale-Nomaden-Szene hat mich auf dem Weg zur Selbstständigkeit stark weitergebracht. Obwohl ich auf Bali von Zuhause und Cafés arbeitete, gab es die Möglichkeit bei verschiedenen Workshops und Vorträgen im Co-Working-Space teilzunehmen. Hier bemerkte ich schnell, wie wichtig es ist, sich mit anderen Entrepreneuren auszutauschen und Teil aus einer (internationalen) Community von Gleichgesinnten zu sein. 

Den Community-Aspekt finde ich daher auch beim Citizen Circle toll.  

Dieser Beitrag wurde von Lisa Zachmann, Gründerin von EcoYou verfasst.

Lisa Zachmann

Über Lisa Zachmann

Lisa ist die Gründerin von EcoYou und setzt sich mit ihrer Firma für den Umweltschutz und ein nachhaltiges Leben ein. Begonnen hat alles auf Bali. Dort sah Lisa die enorme Plastikproblematik – die Strände und das Meer waren von Plastikmüll überhäuft. Doch das könnte vermieden werden.
Mit EcoYou und ihrem Team entwickelt sie nachhaltige Produkte, die Menschen im Alltag helfen sollen, auf Plastik zu verzichten. Die ersten 4 Jahre nach der Gründung von EcoYou lebte und arbeitete Lisa u.a. in Thailand und auf Bali. Bevor sie ihr eigenes Unternehmen startete, studierte Lisa Wirtschaftspsychologie und Marketing.

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