Es gibt viele Menschen, die ein Leben als digitaler Nomade anstreben, doch nur wenige setzen dieses Vorhaben auch in die Tat um. Der digitale Lifestyle heißt für uns vor allem ortsunabhängig zu arbeiten und jederzeit selbst entscheiden zu können, wo wir uns aufhalten. Ferne Länder zu bereisen, dort den Alltag zu erleben und neue Kulturen kennenzulernen. Insbesondere der Aspekt, dass wir ohne Enddatum um die Welt reisen, ist für viele unserer Gesprächspartner sehr reizvoll.

In den letzten zwei Jahren wurde der Lifestyle von digitalen Nomaden zunehmend gehypt. Mehr und mehr Coworking-Spaces entstehen, ebenso finden vermehrt Konferenzen statt, die sich dem ortsunabhängigen Lebensstil widmen. Doch was verbirgt sich wirklich hinter dem Lifestyle und warum wird dieser so gehypt?

Ein reizvoller Lebensstil?

Wir haben zuletzt im Coworking-Café Dojo in Canggu (Bali) gearbeitet und dort eine kleine Umfrage durchgeführt. 20 Ortsunabhängige aus verschiednen Ländern erzählten uns, was sie an ihrem Lifestyle reizt. Die Frage war dabei frei gestellt, es gab keine vordefinierten Antwortmöglichkeiten. 18 von 20 Leuten antworten spontan, dass es die Selbstbestimmtheit ist, die den Reiz dieses Lifestyles ausmacht. Sich immer dort zu befinden, wo dauerhaft 30 Grad und Sonnenschein herrschen und das Meer nur wenige Meter vom Arbeitsplatz entfernt liegt. Hierdurch fühlt sich “kein Tag mehr wie Arbeit” an, erzählt ca. die Hälfte aller Befragten.

Doch warum gibt es dann nicht viel mehr Menschen, die die örtlich ungebundene Selbstständigkeit auf sich nehmen und die Welt bereisen? Wir sind dieser Frage auf den Grund gegangen und haben in den letzten Monaten eigene Erfahrungswerte hierzu gesammelt.

Warum sich viele so schwer tun, aktiv etwas zu ändern

Unserer Erkenntnis nach besteht die Schwierigkeit vor allem darin, alte Gewohnheiten loszulassen und hinsichtlich eines neuen Lebensmodells erste Schritte zu ergreifen.

Nur etwa einer von zehn kommt auch wirklich ins Handeln. Von 10 Menschen, denen wir Tipps zum ortsunabhängigen Arbeiten geben, findet also nur eine Person den Antrieb, auch wirklich zu starten. Bei vielen bleibt nach einem Jahr immer noch alles beim Alten.

Viele nehmen die Gegebenheiten und Umstände in Kauf, anstatt sie aktiv zu verändern. Die Motivation scheint nicht groß genug zu sein. Denn wenn sie es wäre, würden viel mehr Menschen handeln, anstatt ungeliebte Umstände beizubehalten. Vielleicht ist es auch die Angst vor dem Neuen und Ungewissen, die davon abhält, das gewohnte Lebenskonzept zu verlassen. Wenn Motivation und Tatendrang dann doch entfachen, dann meistens nur am Anfang. Sie ebben unserer Erfahrung nach häufig genauso schnell wieder ab, wie sie gekommen sind.

Sobald wir zeigen, wie es funktionieren kann bzw. wie es für uns funktioniert hat, ortsunabhängig zu leben und zu arbeiten, stellen viele fest, dass es mit einer ganzen Menge Arbeit verbunden ist. Plötzlich wird der Bequemlichkeit wieder Vorrang gegeben und alte Gewohnheiten werden beibehalten.

Albert Einstein hat allerdings gesagt, dass wir Probleme nicht mit derselben Denkweise lösen können, durch die sie entstanden sind. Auch wenn wir keine physikalischen Probleme lösen wollen, so besteht für die meisten dennoch das Problem darin, bei 0 zu starten und den Stein ins Rollen zu bringen.

Gerade am Anfang ist dafür ein enorm großer Kraftaufwand nötig, um Momentum zu bekommen und nennenswerte Ergebnisse zu erzielen. Und genau davor schrecken viele zurück: Das Problem zu lösen, richtig PS auf die Straße zu bekommen um sich aus dem selbstgeschaffenen Hamsterrad endlich zu befreien. Zu lästig und unbequem ist die Tatsache, sich ernsthaft mit diesem Problem auseinander zu setzen.

Wie du den Start ins digitale Nomadenleben schaffst

Der Start gelingt dir nur dann, wenn du massiv etwas in deinem Alltag änderst. Du musst dafür nicht direkt deinen Job kündigen und alles auf eine Karte setzen. Das einzige, was du wirklich musst, ist ins Handeln zu kommen. Am besten jetzt. Und dabei spielt es schon fast keine Rolle, womit du ins Handeln kommst (eine wirtschaftlich orientierte Denkweise sei an dieser Stelle mal vorausgesetzt). Du wirst nämlich ohnehin später feststellen, dass sich die Tätigkeit, mit der du angefangen hast, in vielen Fällen in eine ganz andere Richtung entwickelt. Das ist auch nicht schlimm. Denn dieser Entwicklungsfortgang ist sogar Grundvoraussetzung für deinen späteren Erfolg.

Wenn du wirklich etwas ändern möchtest, überlege dir jetzt, wie dein Ziel aussieht, bis wann du es erreichen und wie viel Zeit du dafür regelmäßig aufbringen möchtest. Es nützt nämlich nichts, wenn du mal alle 2 Monate ein komplettes Wochenende dafür opferst. Kontinuität und Regelmäßigkeit sind ausschlaggebend. Jeden Tag nach der Arbeit zwei Stunden und am Wochenende jeweils von 7:00 bis 16:00 Uhr. So hast du immer noch genug Zeit für deine Hobbys, deine Freunde und deine Familie. Klingt hart? Ist es auch.

Du solltest eine echte Gewohnheit darin entwickeln, jeden Tag an deinem Vorhaben zu arbeiten. Am Anfang ist das hart und unbequem, aber nach einigen Wochen kommt es dir überhaupt nicht mehr ungewohnt vor. Entwickle eine Routine und integriere sie in deinen Alltag. Dann folgen bald die ersten Ergebnisse, die dich darin bestätigen, dass du in die richtige Richtung gehst.

Motiviere dich, indem du dein Vorhaben visualisierst und es dir jeden Tag vor Augen führst. Hierfür kannst du bspw. eine PowerPoint Präsentation erstellen, in der du die entsprechenden Bilder deiner Pläne immer wieder abspielst. Ein schönes Lied im Hintergrund trägt außerdem dazu bei, dass sich der Gedanke noch stärker festsetzt.

Zudem solltest du dich mit Gleichgesinnten vernetzen. Nutze hierfür zum Beispiel die digitale Nomaden Facebook Gruppe. Denn es kann sehr gut passieren, dass dir Freunde, Bekannte oder deine Familie dein Vorhaben ausreden wollen. In solchen Gruppen bekommst du das Gefühl, nicht alleine zu sein (vor allem wichtig, wenn du alleine startest).

Wenn du dies das ganze erste Jahr lang durchziehst, stellst du fest, dass sich in dem einen Jahr nicht nur deine Denkweise geändert hat, sondern du auch etwas geschaffen hast, worauf du wirklich stolz sein kannst. Für den einen mag die Möglichkeit zum Einstieg in ein neues Lebensmodell schneller möglich sein, andere brauchen vielleicht etwas länger. Aber der Erfolg kommt, wenn du dranbleibst und stetig daran arbeitest – ganz sicher.

Ist ein Leben als digitaler Nomade wirklich erstrebenswert?

Diese Frage solltest du für dich selbst beantworten und deine Gründe sachlich hinterfragen. Was genau versprichst du dir vom ortsunabhängigen Lifestyle? Sind es die Freiheit und Selbstbestimmtheit, die dich daran reizen? Oder ist es eher die Vorstellung, dass du als die Welt bereisen kannst?

Wenn Letzteres auf dich zutrifft, können wir dies gut verstehen. Denn uns geht es genauso. Dennoch solltest du an dieser Stelle realistisch bleiben und nicht zu viel in Sachen Freiraum erwarten. Denn letztlich wird Geld zu deinem Chef. Wenn die Einnahmen ausbleiben oder nicht genug Geld zum Leben reinkommt, nützt dir auch der ortsnabhängige Freiheitsgrad nichts.

Mach dir bewusst, dass ein digitales Nomadenleben mit viel Arbeit verbunden ist. Klar kannst du den Feierabend am Strand verbringen. Und das solltest du auch, denn das erhöht das Lebensgefühl. Doch du verbringst viel Zeit damit, an deinem Business zu arbeiten, statt am Strand zu liegen und zu relaxen.

Sofern du diese Lebensweise jetzt immer noch erstrebenswert findest, können wir dich zum Start motivieren und dich unterstützen.

Schaue dir unser neues E-Book „Goodbye 9 to 5 – ortsunabhängig Geld verdienen“ an. Es ist ideal für dich, wenn du noch nicht weißt, wie und womit du anfangen kannst. Im E-Book teilen wir unsere Erfahrungen, die uns auf den Weg zum digitalen Nomaden gebraucht haben und verraten dir unsere Learnings.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Jenny und Christian
Über den Autor

Jenny und Christian

Jenny und Christian betreiben den Reiseblog unaufschiebbar.de, auf dem du neben zahlreichen Reisetipps auch Informationen zum ortsunabhängigen Arbeiten findest. Die beiden bereisen als digitale Nomaden die Welt und finanzieren die Reise durch ihr eigenes Online Business.

Eine Antwort zu “Woran die meisten auf dem Weg zum digitalen Nomaden scheitern”

  1. Toller Artikel! Gibt mir nochmal ein wenig Extra-Motivation auch wenn ich schon vor langem ins starten gekommen bin 🙂

    Hatte jedoch auch das Problem, was glaube ich bei vielen so ist, dass einem das bloße nachdenken und „planen“ wie man sein Leben zukünftig ändern möchte meist leider schon das Gefühl gibt, „genug“ getan zu haben.

    Man denkt man hat den Plan und wüsste wie es geht wenn man es angehen möchte, aber startet deshalb leider oft nicht.

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