Das schöne Zitat “Live by design, not by default” entspringt auf jeden Fall nicht meiner Kreativität, obwohl ich mir das insgeheim vielleicht wünschen würde. Die beste Übersetzung, die mir dafür in den Sinn gekommen ist wäre etwa „Gestalte Dein Leben selbst, anstatt es nach äußeren Vorgaben zu leben“. Also genau das, worum es hier bei uns im Citizen Circle geht. Dazu habe ich einige Gedanken verfasst, die ich im nachfolgenden teilen werde.

Wenn wir kreativ sind und „etwas Neues“ erfinden, dann ist das zunächst einmal für uns persönlich in dem Moment auch tatsächlich etwas Neues. Im Prinzip aber verwenden wir bereits vorhandene Dinge oder Elemente und setzen sie in einer neuen Art und Weise zusammen. Manchmal in unserer ganz eigenen und einzigartigen Art und Weise.

Deswegen sollten wir uns selbst eines klar machen: wir leben in einer Zeit, in welcher wir sehr selten das Rad komplett neu erfinden. Wir mögen der romantischen Idee verfallen sein, dass wir etwas noch nie Dagewesenes der Welt präsentieren müssen. „Entrepreneurship“ aber erfindet selten komplett Neues, sondern fügt nur neu und im aktuellen Kontext sinnvoll zusammen. Diese Idee entspringt nicht von mir, sondern aus Günter Faltin’s Buch „Kopf schlägt Kapital“.

Wenn aber schon alles erfunden und getan wurde, was bedeutet es dann „by design“ zu leben?

“Entrepreneurship erfindet selten Neues,
sondern fügt nur neu und im aktuellen Kontext sinnvoll zusammen”

VORHANDENES NEU ZUSAMMENSETZEN

Ich habe selbst in meinem eigenen ersten Projekt im Jahre 2012 die Elemente Trampen, Streetart, Geld für gemeinnützige Zwecke sammeln und eine Doku daraus machen zusammengesetzt. Okay, das habe ich natürlich nicht alleine gemacht. Aber du siehst, keines dieser Dinge habe ich damals neu erfunden. Die Zusammenstellung dessen aber war bis dato einzigartig. Wie wir mit ca. 15 Leuten von Istanbul nach Berlin gekommen sind, das kannst du dir hier anschauen.

Dessen steht der Citizen Circle indes in nichts nach. Ortsunabhängigkeit und andere einhergehende Freiheiten im Stile eines digitalen Nomaden sind seit einigen Jahren bereits auf dem Vormarsch. Communities existieren seit es Menschen gibt. Und auch dem eigenen, ganz persönlichen Lebensstil nachzugehen, das ideale Leben anzustreben, gibt es so lange, seitdem Menschen sich derartige Gedanken leisten können. Was es aber eben zu etwas Besonderem macht, ist die geglückte Kombination.

Was vorsichtig ausgedrückt als Neuheit betrachtet werden kann, ist dass wir zum ersten Male in der Menschheitsgeschichte in der Lage sind, die lokale mit der globalen Ebene zu verbinden. Ich kann durch meine Kunden in Brasilien, Japan oder in der Schweiz mein Einkommen verdienen, gleichzeitig aber völlig woanders auf lokaler Ebene in einem Tierheim aushelfen oder die Sprache eines Landes lernen.

“Was den Citizen Circle zu etwas besonderem macht,
ist die geglückte Kombination aus bereits vorhandenen Elementen”

ORTSUNABHÄNGIGKEIT GIBT DIR MEHR “BY DESIGN”

Der Umstand, dass du dein Einkommen ortsunabhängig machen, selbst deinen Lebensmittelpunkt und deinen Lifestyle bestimmen kannst, nimmt dich zugleich in eine persönliche Verantwortung.

Du kannst dir aussuchen, wo, wie und mit wem du leben möchtest. Das holt dich definitiv aus deiner allzu bekannten Komfortzone raus, aus dem „by default“ Status. Weil es eben nicht mehr das Büro und die entsprechenden Kollegen umsonst dazu gibt, die dir deinen restlichen Lebensalltag diktieren.

“By design zu leben geht mit mehr Eigenverantwortung einher”

„By default” wird Dir u.a. vorgegeben…

  • was du zu tun hast
  • was akzeptabel ist
  • was Erfolg bedeutet
  • wann du Urlaub hast
  • wie viel Geld du verdienen wirst

Das bedeutet für nicht wenige Menschen das Gefühl von Sicherheit, und das ist auch okay so.

„By design“ zu leben bedeutet für dich, dass du deine eigene Zeiteinteilung gestaltest, dir deine Arbeit oder deine Kunden aussuchen kannst, mitunter sogar deinen präferierten Lebensmittelpunkt. Es bedeutet für dich aber eben auch, dass du in einem viel höherem Maße die Verantwortung deines Handelns und die entsprechenden Konsequenzen übernehmen musst.

DIE EXTRAMEILE, DIE ZU GEHEN IST…

Das erfordert Aufwand. Ich gerate mit mir selbst immer wieder ins Gehege. Das ist völlig unvermeidbar. Ich muss selbst darauf achten, dass ich mich hinsetze und meine nötigen Dinge mache. Niemand kontrolliert mich. Ja niemand sagt mir, was eigentlich nicht genau nötig ist. Wenn ich etwas falsch mache, kann ich nur schlecht jemand anderem die Schuld in die Schuhe schieben. Stattdessen muss ich einsehen, dass es an mir lag.

„To live by design“ ist definitiv der schwierigere und kurzfristig der schmerzvollere, aber langfristig auch der belohnendere Weg im Gegensatz zu der „by default“ Version. Und wie bei allen Gegenüberstellungen muss klar sein: es gibt kein Schwarz/Weiß, sondern viele Grauschattierungen.

“Ich kann niemand anderem die Schuld in die Schuhe schieben”

Manche Dinge gilt es selbst für sich im Leben zu entdecken. Das geht los mit dem ersten Mal mit seiner Patschehand auf die heiße Herdplatte zu fassen. Hatte Mama es nicht schon x-Mal gepredigt? Nur durch die hauteigenen Erfahrungen wirst Du wachsen, verstehen, weiterkommen.

…ABER GEHE SIE NICHT ALLEINE

Mach es dir andererseits aber auch nicht unnötig schwer, weil du (und dein Ego) es immer auf einzigartige und komplett neue Weise machen möchtest. Wie gesagt, das ist sowieso nur ganz selten der Fall.

„To live by design“ ist definitiv der schwierigere und kurzfristig der schmerzvollere,
aber langfristig auch der belohnendere Weg”

Ich selbst hatte mich vor einiger Zeit in einem Vorhaben verheddert, wo ich fest davon überzeugt war, dass ich da etwas völlig Neues aufmache. Alternatives Reisen in der Türkei war mein Ansatz. Ich wollte alles anders machen, alles Herkömmliche direkt mal zur Seite schieben. Brauchte ich sowieso nicht, schließlich stand mir ja etwas absolut Innovatives bevor.

Das dachte ich solange bis ich irgendwann alleine vor meinem Computer saß und merkte, dass ich nichts von dem hatte, was nötig gewesen wäre. Keine Ahnung von Tourismus, keine Fans meiner Idee, ja eigentlich noch nicht mal wirklich ein Produkt. Das Wichtigste aber was mir fehlte: ein Netzwerk. Eine Reihe von Menschen, die mich verstehen und unterstützen hätten können. Ein Gemisch aus meinem eigenen Ego, sowie fehlender Glaube an mich selbst, ließen das Ganze sehr schnell in sich zusammenfallen.

KRÖNCHEN ZURECHTRÜCKEN, WEITER GEHT’S!

Andererseits ließ ich mich davon auch nicht unterkriegen. Es war gut, dass ich nach einiger Zeit auch wieder von der Idee ablassen konnte. Das war besser als ewig lange weiter zu versuchen, ein totes Pferd zu reiten. Außerdem interessiert es heute niemand mehr, dass das nicht funktioniert hat.

Wenn du dir also aussuchen kannst, wie dein eigenes Leben aussehen soll, wie lautet deine Antwort darauf? Was ist dein “by design”?

Soviel kann ich verraten: die nächsten Herausforderungen warten bereits um die Ecke und wollen angepackt werden. Ich wünsche dir den Mut dazu, diesen Weg zu gehen.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Jorin Eichhorn
Über den Autor

Jorin Eichhorn

Jorin folgt der ortsunabhängigen Bewegung seit geraumer Zeit und macht sich zusammen mit Gleichgesinnten auf der Projektplattform Economadia Gedanken darüber, wie wir in Zukunft leben möchten und wie das Village of the 21st century als neue Heimat für Ortsunabhängige einmal aussehen könnte. Seit November 2019 ist er auch für den Citizen Circle im Hintergrund aktiv, nachdem er vorher bereits Mitglied war.

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