Es soll ja Menschen geben, die jeden Tag fünf neue Business-Ideen aufschreiben. Und dann gibt es Menschen, deren einzige Business-Ideee jemals war, ihren Beamten-Vertrag zu unterschreiben. In diesem Beitrag stellen Online-Unternehmer ihre verrückte Geschäftsidee vor.

Da uns die Kreativen mehr interessieren, lassen wir die zweite Gruppe mal außen vor. Wir widmen uns den jungen Entrepreneuren, die selbst schon viel probiert haben und vor Ideen nur so sprühen. Aber natürlich lassen diese sich nicht alle umsetzen.

Manche sind einfach nur aus einer Gin-Tonic-Laune heraus entsprungen und haben in Anbetracht des nüchternen Tageslichts keine reelle Chance auf Erfolg. Manche sind vom finanziellen Aufwand her nicht zu bewerkstelligen. Doch selbst eine richtig gute und finanziell darstellbare Idee hat immer noch ein Hauptproblem: Die mangelnde Zeit des Ideengebers.

In allen Notizblöcken der Selbstständigen wimmelt es nur so von „man könnte doch mal“-Projekten, die aus den unterschiedlichsten Gründen niemals begonnen werden. Wir haben fünf erfolgreiche und kreative Jungunternehmer gefragt, welches ihre verrückteste Geschäftsidee bisher war, die sie nicht umgesetzt haben – und warum. Hier sind die Antworten.

teilnehmer-roundup

Verrückte Geschäftsidee von Felicia Hargarten – Travelicia

Marcus und ich sind mal auf die Schnapsidee gekommen, zusammen ein Stück Land auf der Nordinsel von Caye Caulker in Belize zu kaufen. Wir wollten irgendwann ein Holzhäuschen darauf bauen und dann vermieten. Die Karibikinsel Caye Caulker ist eine kleine Koralleninsel vor Belize in Zentralamerika und nur ca. 8 Kilometer lang und 2 Kilometer breit. Hurrikan Hattie hat die Insel 1961 in zwei Hälften geteilt und der Nordteil der Insel ist noch nahezu unbewohnt.

Als wir dort waren, standen kleine und große Grundstücke auf der Nordinsel zu erstaunlich günstigen Preisen zum Verkauf. In Belize kann man als Ausländer offiziell Land erwerben. Da die Insel in einem Naturschutzgebiet mit Mangroven liegt, gibt es dort viel Sumpfland.

Sandro, ein Italiener der Deutsch spricht und selbst seit Jahren ein paar Grundstücke auf der Nordinsel besitzt, nahm uns mit seinem Boot rüber, um uns zu helfen, die Qualität und Lage der Grundstücke zu beurteilen. „Das ist Swamp Land hier, das könnt ihr vergessen! Je besser der Boden, desto teurer das Grundstück.“ Mit Swampland kann man mal gar nix anfangen. Klar.

Also haben wir die Bodenbeschaffenheit der Grundstücke, für die wir uns interessiert haben, nach der groben Begutachtung durch Sandro noch einmal mit einem lokalen Bauarbeiter und einer fetten, langen Eisenstange nachprüfen lassen. Wir kannten uns mit der ganzen Materie nicht wirklich super aus und verließen uns auf die Worte von Sandro, der meinte, die Grundstücke seien auf keinen Fall den angebotenen Preis wert.

Wir beschlossen, auf Sandro zu hören und boten einen Preis an für ein Grundstück, das wir kaufen wollten. Für den Preis oder gar nicht. Jedoch ohne Erfolg. Es sollte nicht sein. Vielleicht wäre der Fruitshake-Stand auf den Philippinen das Jahr davor doch die bessere Idee gewesen?

Verrückte Geschäftsidee von Sebastian Prestele – Phuketastic

Die vielleicht beschissenste Geschäftsidee (im wahrsten Sinne des Wortes), die ich bislang nicht umgesetzt habe, ist ein Social Network namens: Stuhlvisite.de. Dort sollten User Bilder von ihrem Stuhlgang hochladen können, die dann von anderen Nutzern bewertet und kommentiert werden.

Daher auch der Name Stuhlvisite, der im medizinischen Jargon die Begutachtung des Stuhls bezeichnet. Ich glaube, dass die Idee in unserer verrückten Zeit sogar tatsächlich Potential hätte und das Portal, wie andere solcher Spaßseiten, hohe Besucherzahlen erreichen könnte.

Die Idee habe und werde ich allerdings nicht umsetzen, weil ich meine Zeit lieber mit Projekten verbringen möchte, die einen echten Mehrwert für eine bestimmte Zielgruppe erzeugen und die Welt im Idealfall ein kleines Stückchen besser machen. Eine reine Spaßseite erfüllt diese Kriterien für mich nicht.“

Verrückte Geschäftsidee von Christian Häfner – LetsSeeWhatWorks

Ich finde die Idee einer Vernetzung schon immer toll. Vor einigen Jahren hatte ich deshalb mal die Idee, einen sich selbst ernährenden City-Guide mit super-lokalen Geheimtipps zu schaffen. Die Idee kam mir, als ich mal 3 Monate in New York gewohnt habe und nach und nach dahinter kam, wo die Locals hingehen.

Diese Insights bekam ich nur, weil ich erstens eine längere Zeit dort war und zweitens immer mehr Locals kannte, die mich einweihten. Wenn ich neu in einer Stadt bin, hätte ich diese Insights am liebsten direkt von Tag 1 an. Immer nur Tourist zu sein, finde ich nämlich weniger spannend.

Das Projekt ist aber an mehreren Punkten gescheitert. Die kritische Masse bei so etwas zu erreichen, ist einfach sehr herausfordernd. Deshalb hatte ich es nicht wirklich versucht. Zweitens gibt es ja schon Tripadvisor & Co, auch wenn das nicht ganz meine Bedürfnisse erfüllt. Und drittens war ich einfach vor einigen Jahren noch sehr unerfahren. Weder wusste ich, wie man das technisch umsetzt, noch wie man damit Geld verdient.

Verrückte Geschäftsidee von Sebastian Kühn – Wirelesslife

Während meines BWL-Studiums hatten ein Kumpel und ich die Idee, eine Auslandspraktika-Vermittlung für Studenten zu gründen. Anders als die bestehenden großen Anbieter sollte unser Service persönlich, zielgerichtet und durch die Online-Abwicklung sehr günstig sein. Kontakt zu Unternehmen in Australien und im asiatischen Raum hatten wir bereits.

Unsere Hauptmotivation bestand darin, Studenten mit wenig finanziellen Mitteln eine Auslandserfahrung zu ermöglichen. Außerdem waren wir getrieben davon, dass wir Reisen ab sofort als Geschäftsausgaben absetzen könnten. Warum ist die eigentlich gute Idee gescheitert? Weil wir nie die Eier hatten, das Ganze in die Tat umzusetzen. Wir haben 6 Monate lang geplant, ohne die Idee wirklich am Markt zu validieren.

Mit dem Gründungszentrum unserer Hochschule zusammen haben wir einen Businessplan geschrieben und im Rahmen meiner Bachelorarbeit habe ich sogar eine komplette Marktanalyse gemacht. Dass wir es nie probiert haben, ärgert mich heute immer noch. Heute würde ich solche Ideen so schnell wie möglich testen (ohne Businessplan und Marktanalyse) und dann entweder verwerfen oder weiter verfolgen.

Verrückte Geschäftsidee von Mara Stix – marastix.com

Ich habe eigentlich noch nie eine verrückte Idee nicht umgesetzt. Ich habe allerdings schon eine verrückte Idee noch NICHT GANZ umgesetzt. Seit 2012 habe ich als Coach und Firmentrainerin vor allem in Wien gearbeitet. Und vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich den Traum, mein Business von jetzt an online zu betreiben, um nicht mehr ortsgebunden zu sein und die Möglichkeit zu haben zu reisen.

Und genau diesen Plan habe ich im letzten Jahr umgesetzt. Inzwischen sind über 90 Prozent meiner Kunden nicht aus Wien und ich habe ein internationales Business. Heute ist mein Coaching-Programm sogar von einer Dame aus Australien gekauft worden. Vor ein paar Monaten wäre das noch unvorstellbar für mich gewesen.

Das Lustige ist: Mein Business ist jetzt online und ich könnte reisen, aber ich habe noch nicht damit angefangen. Als ich mir die Frage gestellt habe, warum das so ist, habe ich gemerkt, dass ich nicht alleine um die Welt reisen will. Nächster Schritt: den passenden Reisepartner finden und dann den Plan umsetzen.

Verrückte Geschäftsidee von Vladi Melnik – Chimpify

Meine verrückteste Idee war die „Zitatbox“ (die Domain war zwischenzeitig eine Pornoseite und ist heute ein komischer Shop). Das war eine Webseite, die ganz viel Zitate gesammelt und dargestellt hat. Das Geschäftsmodell schien spannend: Den Content kannst du dir von überall ziehen, durch den vielen Content bekommst du relativ leicht gute Rankings und packst einfach ein paar AdSense-Banner drauf und schon rollt der Rubel. Haha, schöne Vorstellung!

Die Seite hat zwar innerhalb weniger Wochen über 10.000 Besucher pro Monat bekommen, aber die Banner-Einnahmen waren ganze 10€ im Monat. Da habe ich gemerkt, dass es gar nicht so leicht ist, damit Geld zu verdienen! 😀 Das Gute aber, ich habe SEO gelernt. War ein super Grundlagen-Projekt, worauf ich im Endeffekt aufgebaut habe. Und, noch viel, viel wichtiger, ich habe wieder eine weitere Idee getestet, die nicht funktioniert hat. Das hat mich letzten Endes zum affenblog geführt … und heute zu Chimpify. „Einfach machen und schauen was passiert“, das klingt so blöd und gar nicht smart, ist ironischerweise aber langfristig gerade smart. Genau das ist im Kern das Lean-Startup-Prinzip. Und das ist das beste und simpelste Framework, das ich kenne. Das gepaart mit Mut und Durchhaltevermögen … und es kann gar nicht mehr schief gehen! 🙂

Danke an die Teilnehmer für diese spannenden Antworten. Du willst dich auch selbstständig machen? Weitere Stories und verrückte Geschäftsideen von erfolgreichen Unternehmern findest du übrigens auch im Citizen Circle.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Mischa Miltenberger
Über den Autor

Mischa Miltenberger

Mischa hat nach 11 Jahren als Sportredakteur den Job gekündigt und ist mit seinem VW Bus auf eine sechsmonatige Europareise gegangen. Gleichzeitig sprang er ins kalte Wasser der Selbstständigkeit. Er schreibt leidenschaftlich gerne und viel zu den Themen Persönlichkeitsentwickung, Ängste und Herausforderungen.

Keine Antworten zu “Die verrückteste Geschäftsidee, die ich nicht umgesetzt habe – 5 Unternehmer erzählen”

Hinterlasse eine Antwort