Eines der größten Probleme von Selbstständigen ist ihre Einsamkeit. Wer den ganzen Tag allein vor dem Laptop sitzt, der trinkt auch alleine Kaffee und macht alleine Pause. Er hat niemanden, mit dem er sich kurz austauschen kann. Aber das Gefühl der Einsamkeit entsteht nicht nur durch das reale Alleinsein. Selbstständige fühlen sich ebenfalls allein, weil sie keiner versteht – weder Freunde noch die Familie und manchmal nicht einmal der Partner.

Alleinsein ist nicht gleich Einsamkeit

Viele Menschen genießen das Alleinsein. Die Gründe dafür sind vielfältig. Als introvertierter Mensch verbringe ich zum Beispiel gerne Zeit mit mir allein. Es ist die Zeit, wo ich mich sammeln, meine Gedanken ordnen und neue Eindrücke am besten verarbeiten kann. Ich sitze dazu gerne in einem Café, am See oder im Park und lasse meine Gedanken schweifen, schreibe im Tagebuch oder lese ein Buch. Andere Menschen ziehen ihre Energie aus der gemeinsamen Zeit mit Freunden, ich wiederum aus dem Alleinsein. Das heißt nicht, dass ich immer alleine bin. Ich habe echte Freundschaften und sehe meine Freunde regelmäßig, ich verbringe auch gerne Zeit mit Bekannten, mit meiner Familie. Ich lerne gerne neue Menschen kennen und führe gute Unterhaltungen, sie halten mich im Flow und geben mir das Gefühl mit anderen Menschen verbunden zu sein.

Einsamkeit hat ihre Vorzüge

Unsere Zeit ist kostbar und je bewusster wir sie leben, desto mehr Sinn ergibt unser Dasein und macht viel mehr Spaß. Bewusst zu leben, bedeutet auch, Zeit alleine mit sich zu verbringen und einfach mal tief innehalten, einen Blick in tiefere Emotionen zu werfen und Ordnung zu schaffen.

Meine kostbarste Zeit ist der Morgen, wenn ich mit meinem Kaffee allein bin, während alle anderen noch schlafen. Diese Zeit gehört mir allein: Keine E-Mails, kein “Gewitter”, keine Anrufe. Nur ich und meine Zeit.

Es ist kaum zu glauben, wie viele gesellschaftliche Einflüsse uns tagtäglich begegnen und unser Denken und Handeln steuern. Es tut gut, sich aus diesem zerrenden Kreislauf herauszunehmen, von außen drauf zu schauen und alles in Ruhe abzuwägen. Diese Einsamkeit schützt mich davor, zu viele “Jas” von mir zu geben und übereilte Entscheidungen zu treffen.

Meine Verabredung am Morgen mit mir selbst ist mir die Wichtigste.

Doch obwohl ich enge Freunde hatte, mir Zeit für mich nahm, meine Arbeit und die Selbstständigkeit liebte, überkam mich schon des Öfteren extreme Einsamkeit. Seit Anfang letzten Jahres ist das anders.

Wie entstehen Einsamkeitsgefühle

Einsamkeitsgefühle können durch den Umzug ins Ausland oder in eine neue Stadt entstehen, durch den Verlust eines Partners, den Verlust seines Jobs, Isolation, Ablehnung, tiefe Unzufriedenheit. Es gibt Tausende nachvollziehbare Gründe.

Aber wie entsteht Einsamkeit bei Selbstständigen, wenn doch die Entscheidung, sich selbstständig zu machen, oft darauf basiert, etwas Gutes für sich zu tun, aus dem Trott des Hamsterrads auszusteigen und endlich sein Leben so zu gestalten, wie man es sich immer erträumt hat?

Als Selbstständige verbringe ich die meiste Zeit vor dem Laptop – allein. Zwar arbeite ich eng mit anderen Freelancern zusammen, doch physisch gesehen, bin ich allein. Ich treffe tagtäglich Entscheidungen – allein. Ich plane meine Freizeit und meinen Urlaub – allein. Alles, was ich tue hängt letztendlich von einer einzigen Person ab – von mir allein.

Hinzu kommt, dass Menschen aus meinem Umfeld, die Selbstständigkeit als “Keinen” Job auffassen. Kaum stehe ich vor Herausforderungen finanzieller Natur, schon heißt es “Such dir einen Job”. Kaum, dass ich ausspreche, dass es ein Problem mit einem Kunden gibt, heißt es “Verschwende deine Zeit nicht in die Selbstständigkeit, du hast was besseres verdient”.

Selbstständige fühlen sich missverstanden.

Diese doppelte Belastung macht aus dem Alleinsein einen einsamen Selbstständigen.

Was Einsamkeit aus Menschen macht

Überwindet man sie nicht schnell genug, kann Einsamkeit krank machen und sogar üble Depressionen auslösen. Bevor es jedoch soweit ist, bewirkt Einsamkeit schon zuvor viele Probleme und Schmerzen.

Menschen, die sich zunehmend einsam fühlen, werden mit der Zeit noch einsamer. Sie fangen an, den Kontakt mit anderen zu meiden. Ihnen fehlt zuerst nur die Lust, doch der Kreislauf nimmt schnell seinen Gang und mit der Zeit entfremden sie sich bis es schließlich zur Angst vor Menschen kommt.

Stattdessen sitzt man vor der Glotze, schaut Netflix oder lässt sich von Social Media Posts berieseln. Der Kontakt über Social Media Kanäle gibt einem zumindest anfangs noch das Gefühl mit anderen verbunden zu sein. Aber auch dieses Gefühl lässt bald nach.

Andere wiederum tendieren eher dazu, ihre Einsamkeit zu verstecken, indem sie sich eine ganze Reihe von Aufgaben aufdrücken. Am Wochenende die Neffen besuchen, am Abend auf eine Party, bis zum Morgengrauen abfeiern, am nächsten Tag halbtot den ganzen Tag verschlafen, abends mit Freunden essen, am Montag lange ausschlafen, zum Zahnarzt und einkaufen gehen, jede Menge Aufgaben abarbeiten, mit Freunden ins Kino gehen, die nächste Party planen – ich könnte die Schleife unendlich fortsetzen. Hauptsache man bleibt beschäftigt, immer auf 180. Stressfaktor bis zum Anschlag anheben bis man irgendwann völlig ausgebrannt dem Burnout entgegen schleudert und feststellt, dass man tief drin ganz einsam ist.

Einsamkeit kann sich auch körperlich auswirken. Ähnlich wie Stress klagt man sich plötzlich über Rücken- oder Hüftschmerzen. Der Kiefer ist angespannt, Magenprobleme treten auf, man fühlt sich schlapp, ist ständig leicht erkältet.

Wie du als Selbstständiger deine Einsamkeit überwinden kannst

Als mich vor drei Jahren wieder einmal diese starke Einsamkeit überkam, suchte ich nach dem Grund dafür, was mich im Innern so einsam machte. Die fehlende Partnerschaft war nicht der Hauptgrund. Viele Menschen fühlen sich auch in einer Beziehung furchtbar einsam. Warum? Da kann ich nur Annahmen treffen, vielleicht weil man gerne reisen will und der Partner nicht, vielleicht weil man selbstständig ist und der Partner nichts davon versteht. Vielleicht weil man generell keine gesunde Beziehung führt. Die Liste könnte ich vermutlich seitenweise füllen.

Ähnlich wie oben beschrieben, äußerte sich meine Einsamkeit in körperlichen Beschwerden, ich war öfters schlapp, ständig müde, mein Kiefer war angespannt, hatte Magenprobleme.

Ich ging der Sache auf den Grund und fand heraus, wann ich mich einsam fühlte. Das größte Problem lag darin, dass ich den ganzen Tag allein zu Hause und damit völlig abgeschottet arbeitete. Ich machte alles allein, meine Projekt-Planung, die Umsetzung, das Marketing – alles immer alleine. Auch fehlten mir Gespräche mit Menschen, die meine Situation verstanden. Ich suchte nicht unbedingt gute Ratschläge, sondern einfach nur Menschen, die ähnliche Situationen kannten und meine Erfahrungen nicht sofort negativ bewerteten. Ich musste weg von dem Gefühl, falsch platziert zu sein und mich ständig rechtfertigen zu müssen und rein in ein entspanntes Umfeld, das mir die Sicherheit gab, dass das, was ich tue, gut ist und Gutes bewirken kann.

Gleichgesinnte sind wie Heilsalbe

Vor etwa drei Jahren unternahm ich den ersten Schritt, um als Selbstständige der Einsamkeit zu entfliehen. Ich begab mich in eine Gemeinschaft von Selbstständigen, die online arbeiteten. Das war der Citizen Circle, der damals zum ersten Mal die Tore für Mitglieder öffnete. Es war überwältigend zum ersten Mal seit meiner Online-Selbstständigkeit zu erfahren, wie es ist, verstanden zu werden. Der Austausch und die Energie der Gemeinschaft wirkten sich positiv aus und ich fühlte mich plötzlich weniger allein, fand auch im Business neuen Antrieb und gewann neue Bekanntschaften aus ganz Deutschland und darüber hinaus.

Ich bin ganz happy mit der Entscheidung mich einer Gemeinschaft angeschlossen zu haben. Dies soll keine Werbung für den CC sein. Der CC ist nicht der einzige existente Kreis. Man muss einen finden, der zu den eigenen Werten, Vorstellungen, Zielen und der Lebenssituation passt. Mütter finden wahrscheinlich eine Community mit anderen Müttern wertvoller, wie die Mompreneurs. Oder Menschen, die einem bestimmten Beruf nachgehen, sehen in der beruflichen Community eventuell eher Chancen darauf, sich weiterzuentwickeln, wie zum Beispiel Sprachlehrer. Man kann auch Mitglied verschiedener Communitys und Circles sein.

Der Weg aus der Einsamkeit: Zugehörigkeit, Anerkennung und Sicherheit

Zugehörigkeitsgefühl ist ein starker Motivator und ein wichtiger Faktor bei der Entscheidungsfindung. Ich fühle mich stark und innerlich im Einklang, wenn ich mich als Teil eines großen Ganzen verstehe. Allerdings bin ich mir der Tatsache völlig bewusst, dass ich mich nicht einfach ins gemachte Nest setze und dann erwarte, dass der Zauber und die Energie der Community meine Einsamkeit verjagt.

Ganz ohne etwas dafür zu tun geht es nicht. Man muss aktiv werden, sich vorstellen, zeigen, was man tut, offen sein und erzählen, was einen bewegt, welche Ansichten man teilt, helfen wo es geht. Die Community ist wie eine Ersatzfamilie, die für einen da ist, wenn man sie braucht, aber auch ernährt werden möchte – physisch wie auch mental, aber sie gibt immer etwas zurück.

Heute kann ich jedem Selbstständigen empfehlen, sei er noch so introvertiert, sich einer Gemeinschaft anzuschließen und aktiv seinen Beitrag zu leisten. Es hilft gegen Einsamkeitsgefühle, wenn man anderen Gutes tut, außerdem findet man Bestätigung, Anerkennung und Sicherheit – alles Faktoren, die helfen, sich nicht mehr einsam zu fühlen.

Wie einsam fühlst du dich manchmal als Selbstständige/r?

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Marta Rechul
Über den Autor

Marta Rechul

Marta ist Online-Unternehmerin. Mit ihrem Hörbuch-Service Liberaudio (Hörbuch Produktion & Vertrieb) verhilft sie Experten zu mehr Umsatz mit ihren Büchern. Sie ist Mitglied im Citizen Circle, den sie als Community Managerin mit betreut. Ihre größte Leidenschaft gilt allerdings dem Poolbillard.

Eine Antwort zu “Selbstständig und einsam! Trotz Traumberuf und Beziehung”

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